{"id":23993,"date":"2025-09-09T10:32:02","date_gmt":"2025-09-09T08:32:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/23399-01\/"},"modified":"2025-09-09T10:32:06","modified_gmt":"2025-09-09T08:32:06","slug":"23399-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/23399-01\/","title":{"rendered":"Gezielte Artenschutzma\u00dfnahmen f\u00fcr Wiesenv\u00f6gel in der Agrarlandschaft (Neuenkirchen, Niedersachsen)"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Die Brutbest\u00e4nde der Wiesenvogelarten (u. a. Kiebitz, Uferschnepfe, Gr. Brachvogel) sind seit Jahrzehnten stark r\u00fcckl\u00e4ufig. Trotz Durchf\u00fchrung von Schutzprogrammen und Ausweisung von Schutzgebieten ist dieser landesweite Trend noch nicht gestoppt. Viele Arten, wie insbesondere der Kiebitz, br\u00fcten aber nach wie vor au\u00dferhalb von Schutzgebieten in konventionell genutzten Agrarr\u00e4umen. F\u00fcr den landesweiten Erhalt der charakteristischen Arten sind diese Vorkommen von hoher Wichtigkeit. Das Vorhaben sollte in erster Linie M\u00f6glichkeiten entwickeln und erproben, die gef\u00e4hrdeten Wiesenvogelarten auf landwirtschaftlich genutzten Acker- und Gr\u00fcnlandfl\u00e4chen einen ausreichenden Reproduktionserfolg sichern k\u00f6nnen. Eine wesentliche Komponente war die Erfolgsorientierung und -honorierung f\u00fcr Landwirte bei einer freiwilligen Teilnahme.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenEs wurden Ma\u00dfnahmen zum Gelegeschutz und zum Schutz der Familienverb\u00e4nde (v. a. der geschl\u00fcpften, nicht fl\u00fcggen Jungv\u00f6gel) entwickelt und angewandt.<br \/>\nGelegeschutz<br \/>\na) Umsetzung des Nestes w\u00e4hrend der Fl\u00e4chenbearbeitung<br \/>\nb) Umfahren des engeren Nestbereiches<br \/>\nF\u00fcr jedes erfolgreiche Gelege wurde den Landwirten eine Pr\u00e4mie von \u0080 30,00 ausgezahlt.<br \/>\nc) Verzicht auf eine Fl\u00e4chenpflege (Walzen, Schleppen etc.) nach dem1. M\u00e4rz<br \/>\nDiese Ma\u00dfnahme wurde mit \u0080 50,00\/ha honoriert.<br \/>\nSchutz der Jungv\u00f6gel<br \/>\na)\t Reduzierung der M\u00e4hgeschwindigkeit auf maximal 8 km\/h.<br \/>\nb)\t Die M\u00e4hwerksbreite ist auf maximal 3,00 m Breite begrenzt.<br \/>\nc)\t Die Mahd erfolgt von innen nach au\u00dfen.<br \/>\nDieses Ma\u00dfnahmenb\u00fcndel wurde mit \u0080 50,00\/ ha ausgeglichen.<br \/>\nDie Arbeiten werden vom Antragsteller koordiniert und in enger Zusammenarbeit mit den wirtschaftenden Landwirten durchgef\u00fchrt; der Erfolg der Ma\u00dfnahmen wurde von Gebietsbetreuern (versierten Ornithologen) erfasst und bewertet. Die Naturschutzstiftung des Landkreises Osnabr\u00fcck wird das Projekt gleichfalls f\u00f6rdern und wurde als Kooperationspartner einbezogen. Das Projekt wurde in den Brutzeiten 2006 &#8211; 2008 durchgef\u00fchrt und im Februar 2009 abgeschlossen. Ab der Brutsaison 2008 wurde vom Land Niedersachsen ein \u00e4hnlich ausgerichtetes Programm zur F\u00f6rderung von Ma\u00dfnahmen zur Entwicklung von Natur und Landschaft sowie zur Qualifizierung f\u00fcr Naturschutzma\u00dfnahmen angeboten, das auch von der Europ\u00e4ischen Union gef\u00f6rdert wird. Die Tr\u00e4ger dieses Projektes in Neuenkirchen entschieden sich, beim Land Niedersachsen eine Aufnahme in das neue Landesprogramm ab dem ersten Projektjahr 2008 zu beantragen; damit die Ma\u00dfnahmen landesweit einheitlich abgewickelt werden konnten. Dieser Antrag wurde im Fr\u00fchjahr 2008 bewilligt, so dass das Projekt mit diesem Jahr von der DBU-F\u00f6rderung in das Landesprojekt \u00fcbergehen konnte. Damit konnten erhebliche F\u00f6rdermittel aus dem DBU-Projekt eingespart werden.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Die Beteiligung der Landwirtschaft an dem Projekt war sehr gut. In 2006 konnten Vertr\u00e4ge f\u00fcr 87 ha Gr\u00fcnland, in 2007 f\u00fcr 77 ha und 2008 f\u00fcr 88 ha abgeschlossen werden. Damit war in allen Jahren ein gro\u00dfer Teil der Gr\u00fcnlandfl\u00e4chen unter Vertrag. Die Brutbest\u00e4nde der drei Zielarten waren in den Projektjahren relativ stabil und lagen beim Kiebitz zwischen 181 und 200 Brutpaaren (BP), beim Gro\u00dfen Brachvogel zwischen 6 und 8 BP und betrugen bei der Uferschnepfe 23-24 BP. Im (\u00fcber)regionalen Vergleich sind die hohen Siedlungsdichten (Abundanzen) im Projektgebiet herauszustellen:<br \/>\nKiebitz: mit 200 Brutpaaren (BP) betr\u00e4gt die Abundanz f\u00fcr das Gesamtgebiet \u00fcber 15 BP\/km2; im zentralen Bereich werden sogar Dichten von \u00fcber 40 BP\/km2 erreicht. Diese Dichten sind in der Region bzw. f\u00fcr ganz Niedersachsen herausragend.<br \/>\nGro\u00dfer Brachvogel: das Gebiet geh\u00f6rt zu den wichtigsten Brutr\u00e4umen im Landkreis Osnabr\u00fcck.<br \/>\nUferschnepfe: das Gebiet ist das bedeutendste Vorkommen im Landkreis Osnabr\u00fcck.<br \/>\nIm Projektgebiet wurden zudem weitere gef\u00e4hrdete Arten der Roten Liste in nennenswerten Best\u00e4nden festgestellt, u. a. Rebhuhn (max. 21 BP), Wachtel (13 BP), Bekassine (3 BP) und Steinkauz (11 Reviere). Die Anzahl der markierten und gesch\u00fctzten Gelege hat sich im Laufe der drei Projektjahre kontinuierlich erh\u00f6ht, von 132 (2006) auf 168 (2008). In den drei Jahren wurden insgesamt folgende Nester markiert. Austernfischer (2), Kiebitz (419), Gr. Brachvogel (11), Uferschnepfe (25) und Feldlerche (1). Der Anteil der von Landwirten selbst markierten Gelegen hat \u00fcber die Jahre zugenommen; er lag in den Jahren 2007 und 2008 jeweils bei ca. 30 %. Die Schlupferfolge der Kiebitze lagen in den drei Jahren zwischen gut 80 % und knapp 70 %. Diese Werte sind im Vergleich mit den Ergebnissen aus vielen anderen Gebieten und Regionen relativ hoch. Beim Gro\u00dfen Brachvogel wurden Schlupferfolge von 50 bis 100 % ermittelt, bei der Uferschnepfe lagen die Schlupferfolge zwischen 50 und 60 %.<br \/>\nEs ist f\u00fcr alle Zielarten festzuhalten, dass durch die Gelegeschutzma\u00dfnahmen deutlich h\u00f6here Schlupfraten erzielt werden konnten, als in vielen anderen norddeutschen Wiesenvogelgebieten (incl. von Schutzgebieten) in den letzten Jahren \u00fcblich waren. Die Methode ist somit als sehr erfolgreich zu bewerten. Pr\u00e4dation stellte die wichtigste Verlustursache der Gelege dar, wobei sich der Anteil in den drei Jahren deutlich unterschied und beim Kiebitz zwischen 13 und 38 % variierte. Andere Verlustursachen (Nestaufgabe und Landwirtschaft) spielten nur eine geringe Rolle. Ohne den Gelegeschutz w\u00e4re das Gros der Gelege in der konventionell genutzten Agrarlandschaft &#8211; zumindest auf den Ackerfl\u00e4chen &#8211; verloren gegangen. Der Bruterfolg der Kiebitze schwankte in den drei Jahren zwischen 0,18 und 0,96 fl\u00fcggen Jungv\u00f6gel\/BP, beim Gro\u00dfen Brachvogel lag er zwischen 0,25 und 1,25 Juv.\/BP und bei der Uferschnepfe zwischen 0,41 und 0,63 Juv.\/BP. Die Bruterfolgswerte lagen damit in Bereichen, die zum Bestandserhalt ausreichen k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>In jedem Projektjahr fand vor der Brutsaison eine Zusammenkunft mit interessierten Landwirten statt, in dem \u00fcber die Ziele und Zwischenergebnisse informiert wurde. Dar\u00fcber hinaus wurde das Projekt sowohl mehrere Naturschutzfachleuten bei Exkursionen, verschiedenen Gremien als auch der breiten \u00d6ffentlichkeit in insgesamt f\u00fcnf Vortr\u00e4gen vorgestellt. Im Rahmen einer Tagung der internationalen Wader Study Group in Lund (Schweden) wurde das Projekt in einem Poster pr\u00e4sentiert. \u00dcber das Projekt wurde zudem in diversen Zeitungsartikeln und in Beitr\u00e4gen f\u00fcr zwei Fachzeitschriften (Falke, Feuchtwiesen-Info) sowie einmal im NDR-Fernsehen berichtet. <\/p>\n<p>Publikationen:<br \/>\nH\u00f6nisch, B. &#038; J. Melter (2006): Gelegeschutzprojekt in Neuenkirchen (Landkreis Osnabr\u00fcck). Feuchtwiesen-Info 7. 13-14.<br \/>\nMelter, J., B. Abing &#038; B. H\u00f6nisch (2009): Eiersuchen f\u00fcr den Vogelschutz. Gelegeschutzprojekt in Niedersachsen. Falke 56: 144-148.<br \/>\nDar\u00fcber hinaus wurde im Rahmen des Projektes eine Diplomarbeit an der Fachhochschule Osnabr\u00fcck erarbeitet.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Das auf freiwilliger Teilnahme basierende Projekt Gezielte Artenschutzma\u00dfnahmen f\u00fcr Wiesenv\u00f6gel in der Agrarlandschaft wurde von den Landwirten in Neuenkirchen \u00e4u\u00dferst positiv angenommen. \u00dcber die Projektlaufzeit hat sich eine intensive und vertrauensvolle Kooperation zwischen Landwirten, J\u00e4gern, Ornithologen und Natursch\u00fctzern gefestigt, die ma\u00dfgeblich zum Erfolg des Projektes beigetragen hat. Die Ergebnisse zeigen, dass die durchgef\u00fchrten Ma\u00dfnahmen einen alternativen Ansatz auch in konventionell genutzten Agrarlandschaften zum Schutz der Wiesenv\u00f6gel darstellen k\u00f6nnen. Die Schlupferfolge der Wiesenlimikolen k\u00f6nnen durch den Gelegeschutz erheblich gesteigert und damit verbesserte Reproduktionswerte erreicht werden. Das Projekt hat dar\u00fcber hinaus einen Beitrag zur Entwicklung und Etablierung eines landesweiten Gelegeschutzprogrammes in Niedersachsen und Bremen (unter F\u00f6rderung der EU) geleistet und wirkt auch auf diesem Weg nachhaltig f\u00fcr den Wiesenvogelschutz.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Die Brutbest\u00e4nde der Wiesenvogelarten (u. a. Kiebitz, Uferschnepfe, Gr. Brachvogel) sind seit Jahrzehnten stark r\u00fcckl\u00e4ufig. Trotz Durchf\u00fchrung von Schutzprogrammen und Ausweisung von Schutzgebieten ist dieser landesweite Trend noch nicht gestoppt. Viele Arten, wie insbesondere der Kiebitz, br\u00fcten aber nach wie vor au\u00dferhalb von Schutzgebieten in konventionell genutzten Agrarr\u00e4umen. 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