{"id":23971,"date":"2024-11-27T10:36:58","date_gmt":"2024-11-27T09:36:58","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/23308-01\/"},"modified":"2024-11-27T10:36:59","modified_gmt":"2024-11-27T09:36:59","slug":"23308-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/23308-01\/","title":{"rendered":"Borstenanlagen im Spreewald &#8211; Erhalt von Habitaten der Kleinen Flussmuschel (Unio crassus) im Biosph\u00e4renreservat Spreewald durch Einrichtung von Borstenanlagen (Pilotprojekt)"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Aufgrund r\u00fcckl\u00e4ufiger Durchfl\u00fcsse in den Spreewaldflie\u00dfen sind im \u00f6stlichen Oberspreewald Ma\u00dfnahmen zur Sicherung der Wasserst\u00e4nde erforderlich. Mit dem Bau weiterer konventioneller Stauanlagen w\u00e4re hier eine nicht vertretbare Beeintr\u00e4chtigung der Kleinen Flussmuschel (Unio crassus) und weiterer FFH-Arten gegeben. Zur Sicherung der Wasserst\u00e4nde und zur Verbesserung des Biotopverbundes sollten deshalb Borstenanlagen, die an der Uni Kassel als Fischaufstiegsanlagen und gleichzeitige Bootsrutsche entwickelt wurden, in angepasster Form erprobt werden.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDas Borstenkonzept beruht darauf, die Str\u00f6mungsenergie in einem Gerinne mittels flexibler Borstenb\u00fcndel umzuwandeln, so wie dies unter nat\u00fcrlichen Verh\u00e4ltnissen durch R\u00f6hrichte erfolgt. Der besondere Vorteil des Konzeptes besteht darin, dass die Borstenanlagen nicht nur die \u00f6kologische Durchg\u00e4ngigkeit gew\u00e4hrleisten, sondern auch f\u00fcr Boote befahrbar sind.<br \/>\nErstmalig wurden Borstenelemente in einem nat\u00fcrlichen Flie\u00dfgew\u00e4sser zur Wasserstandssicherung eingesetzt. Durch Laborversuche an der Uni Kassel wurden zuvor die hydraulischen Grundlagen f\u00fcr die Planung gelegt. Die Platzierung der Elemente im Gew\u00e4sser erfolgte unter dem Aspekt einer optimalen Standortwahl dort, wo die gr\u00f6\u00dften Flie\u00dfgeschwindigkeiten auftreten. Dieses Teilprojekt wurde durch ein Monitoring zur Ermittlung der Effekte auf die Wasserst\u00e4nde, Durchfl\u00fcsse und Str\u00f6mungsverh\u00e4ltnisse sowie auf die Gew\u00e4sserstrukturen, Gro\u00dfmuscheln, Fische und das Makrozoobenthos begleitet.<br \/>\nIn einem zweiten Teilprojekt wurde ein Fisch-Kanu-Pass unter Flachlandbedingungen erprobt, wobei das geringe Gef\u00e4lle, kleine Durchfl\u00fcsse, teils strenge Winter und ein hoher Tourismusdruck die Rahmenbedingungen im Spreewald vorgaben. Neben einem biologischen Monitoring zur Durchg\u00e4ngigkeit der Anlage wurde hier u. a. auch eine Nutzerakzeptanzanalyse hinsichtlich der Befahrung durchgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Durch den Einbau der Borstenelemente wurde in der Kleinen Spree eine Wasserstandsanhebung von 5 cm erreicht. Dies bedeutet hier eine Abflussreduktion von ca. 16 % bei gleichbleibendem Wasserstand. Mit dem entwickelten numerischen Modell steht nun ein Werkzeug zur Verf\u00fcgung, mit dem Borstens\u00e4tze f\u00fcr andere Gew\u00e4sserstrecken ausgelegt und hydraulisch bemessen werden k\u00f6nnen. Die Borstenanlage ist aber nicht dazu geeignet, ein regulierbares Wehr zu ersetzen.<br \/>\nIn der Pilotstrecke ist es dar\u00fcber hinaus zu einer deutlichen Strukturverbesserung gekommen. Die durchschnittliche  Strukturg\u00fcte nach LAWA verbesserte sich durch den Borsteneinbau von 3,7 auf 3,2. Ma\u00dfgeblich sind dabei die die Sohle bewertenden Hauptparameter Laufentwicklung, L\u00e4ngsprofil und Sohl-struktur. Bei f\u00fcnf Einzelparametern (besondere Laufstrukturen, Str\u00f6mungsdiversit\u00e4t, Tiefenvarianz, Sub-stratdiversit\u00e4t, besondere Sohlstrukturen) ist das operationelle Bewirtschaftungsziel der EU-WRRL, die Strukturklasse 2 durch den Borsteneinbau erreicht worden.<br \/>\nInsbesondere Gro\u00dfmuscheln und Fische profitieren von den Ver\u00e4nderungen der Str\u00f6mungsverh\u00e4ltnisse und Sohlstrukturen. Innerhalb der Pilotstrecke haben sich die f\u00fcr die Kleine Flussmuschel als Lebensraum nutzbaren Sohlbereiche auf das Doppelte bis Vierfache vergr\u00f6\u00dfert. Auch die qualitative Eignung der Sohlsubstrate zur Besiedlung von Unio crassus hat sich positiv ver\u00e4ndert, insbesondere durch die Verringerung organischer Sedimentanteile und lebensfeindlicher Treibsandbereiche. Das Makrozoobenthos profitiert vor allem von den Getreibselansammlungen an den Borsten, die artenreicher besiedelt sind, als andere Gew\u00e4sserstrukturen (au\u00dfer Erlenwurzeln).<br \/>\nDie Befahrbarkeit f\u00fcr K\u00e4hne und Boote ist stromab ohne ma\u00dfgebliche Probleme m\u00f6glich. F\u00fcr die Stromaufbefahrung mit K\u00e4hnen m\u00fcssen Modifikationen an der Gr\u00f6\u00dfe und Anordnung der Borstenelemente vorgenommen werden. Die Gew\u00e4sserunterhaltung erfordert keinen erh\u00f6hten Aufwand, sofern die Elemente mindestens 10 cm vom Wasser \u00fcbersp\u00fclt werden.<br \/>\nDer Fisch-Kanu-Pass am Wehr 31 erf\u00fcllt die Anforderungen an die Stauhaltung bei einem Durchfluss von ca. 100 l\/s. Die Flie\u00dfgeschwindigkeit im Wanderkorridor der Fische liegt mit 1,2 m\/s unter den Grenzwerten der DVWK-Richtlinie. Da dieser Fisch-Kanu-Pass in eine bestehende Planung f\u00fcr einen Vertical-Slot-Pass eingepasst wurde, weist er mit einer Wassertiefe von 35 cm und einer Beckenl\u00e4nge von 60 cm konstruktive M\u00e4ngel auf und erf\u00fcllt hinsichtlich dieser Parameter nicht die Anforderungen der DVWK-Richtlinie.<br \/>\nTrotzdem sind hier w\u00e4hrend der Kontrolle zum Fischaufstieg \u00fcber 30 Tage rund 12.000 Fische in 14 Arten aufgestiegen. Den als Referenzanlage im Nachbargew\u00e4sser beprobten Vertical-Slot-Pass passierten in gleicher Zeit ca. 1.000 Tiere in 12 Arten.<br \/>\nDer Fisch-Kanu-Pass hat sich im Gegensatz zum Vertical-Slot-Pass auch besonders f\u00fcr kleine und schwimmschwache Fische ab einer L\u00e4nge von 4 cm bew\u00e4hrt. Z. B. Gr\u00fcndlinge, aber auch Moderlieschen und Stichlinge profitieren von den moderaten Aufstiegsm\u00f6glichkeiten. Die gr\u00f6\u00dften Tiere waren in beiden Fischaufstiegsanlagen ca. 36 cm lang.<br \/>\nIm Ergebnis der Nutzerakzeptanzanalyse wird der Fisch-Kanu-Pass von den Kanuten grunds\u00e4tzlich positiv bewertet. Pers\u00f6nliche und \u00f6kologische Vorteile wurden w\u00e4hrend der Interviews herausgestellt.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Das Vorhaben wurde durch einen Projektbeirat begleitet, in dem alle relevanten Interessengruppen vertreten waren. Neben Pressebeitr\u00e4gen und Vortr\u00e4gen wurde ein Faltblatt zum Fisch-Kanu-Pass und ein Kurzfilm zum Projekt produziert und verbreitet. Das Landesumweltamt Brandenburg sieht vor, den Projektbericht in einer Druckfassung zu ver\u00f6ffentlichen.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Das Pilotprojekt Borstenanlagen im Spreewald wurde mit Erfolg durchgef\u00fchrt. Die Borstenelemente haben sich sowohl prinzipiell zur Wasserstandssicherung als auch zur Strukturverbesserung in flie\u00dfenden Gew\u00e4ssern bew\u00e4hrt. Da es sich um k\u00fcnstliche Materialien handelt, sollte ihr Einsatz vor allem in Bereichen erfolgen, wo nat\u00fcrliche Strukturelemente wegen der Gew\u00e4hrleistung der Befahrbarkeit nicht eingesetzt werden k\u00f6nnen.<br \/>\nDer Fisch-Kanu-Pass bietet sich vor allem f\u00fcr die kombinierte Nutzung als Fischaufstieg und Bootspassage in touristisch genutzten Gew\u00e4ssern an. Die Vorteile liegen insbesondere in der Einsparung von Platz und Kosten bei der Errichtung der Anlage sowie bei der Unterhaltung.<br \/>\nOffene Fragen zu den Borstenanlagen im Spreewald bestehen vor allem noch zu den langfristigen Auswirkungen auf die Kleine Spree und die Lebensdauer der Anlagen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Aufgrund r\u00fcckl\u00e4ufiger Durchfl\u00fcsse in den Spreewaldflie\u00dfen sind im \u00f6stlichen Oberspreewald Ma\u00dfnahmen zur Sicherung der Wasserst\u00e4nde erforderlich. 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