{"id":23950,"date":"2023-07-13T15:24:33","date_gmt":"2023-07-13T13:24:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/23213-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:24:34","modified_gmt":"2023-07-13T13:24:34","slug":"23213-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/23213-01\/","title":{"rendered":"Sanierung der r\u00fcckw\u00e4rtigen Fassade der Schlosskirche Putbus auf R\u00fcgen unter Verwendung eines durch Klimamonitoring auf das ostseetypische Wechselklima optimierten Kalkputzes"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Bei der Sanierung historischer Mauerwerke kommen in der Regel Verputze mit Festigkeiten \u00fcber P Ia zur Anwendung, da Luftkalkm\u00f6rteln eine unzureichende Witterungsresistenz unterstellt wird. Die Standzeit h\u00e4rterer Verputze auf weichen Mauerwerken ist aber durch Ri\u00dfbildungen mit nachfolgenden, auch das Mauerwerk betreffenden Frostsch\u00e4den eingeschr\u00e4nkt. Die Erneuerung zementhaltiger Putze ist nicht selten mit Besch\u00e4digungen des Mauerwerks verbunden. Neben diesen Problemen f\u00fcr die historische Bausubstanz ist auch die Herstellung zement\u00e4rer bzw. hydraulischer Bindemittel energieintensiv. Ziel des Projektes sind deshalb die modellhafte Erfassung der spezifischen klimatischen Belastungen einer mit Luftkalkputz sanierten Fassade unter den Bedingungen k\u00fchl gem\u00e4\u00dfigten Wechselklimas der s\u00fcdlichen Ostseek\u00fcste, die Beurteilung der langfristigen Vertr\u00e4glichkeit von Putz- und Klimaparametern, sowie flan-kierender Ma\u00dfnahmen zur Erh\u00f6hung der Standzeiten von Luftkalkm\u00f6rteln in der Region.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDie Fassaden des r\u00fcckw\u00e4rtigen Anbaus der Schlo\u00dfkirche zu Putbus wurden im Bestand saniert. Dabei wurden Putz- und Stuckerg\u00e4nzungen zur Erprobung der Witterungsfestigkeit in Luftkalkm\u00f6rtel ausgef\u00fchrt. Die Materialauswahl wurde zur Gew\u00e4hrleistung der \u00dcbertragbarkeit der Projektergebnisse auf marktg\u00e4ngige Fertigm\u00f6rtel mit Pr\u00fcfzeugnis eingeschr\u00e4nkt. Zur Vergleichbarkeit der unterschiedlich ausgerichteten und exponierten Bauteile wurde ein einheitlicher Putz- und Anstrichaufbau angestrebt. Zur Verbreiterung der aus der nat\u00fcrlichen Bewitterung erwarteten Erkenntnisse wurden dar\u00fcber hinaus Arbeitsproben in zwei weiteren Kalkm\u00f6rtelsystemen angelegt. Nach Abschlu\u00df der Putz- und Anstricharbeiten wurden die klimatischen Belastungen von drei unterschiedlich ausgerichteten Fassaden mit identischen Me\u00dfaufbauten untersucht. Dabei wurden Frost-Tau-Wechsel, Schlagregen und Tauwasser, Temperatur- und Feuchteschwankungen an den Oberfl\u00e4chen, sowie der Feuchtehaushalt des Putzes im Jahreszyklus simultan \u00fcberwacht. Die f\u00fcr die Wechselwirkung an den Putzoberfl\u00e4chen relevanten Daten wurden hinsichtlich der zeitlichen und statistischen Verteilung, sowie periodischer Schwankungen ausgewertet. Da Ergebnisse der nat\u00fcrlichen Bewitterung der Arbeitsproben vor Ort im Projektzeitraum nicht zu erwarten waren, sollten die Klimadaten mit den Ergebnissen der Laboruntersuchungen aus dem Projekt Verarbeitungs- und Eigenschaftsanalyse der verwendeten M\u00f6rtel-Materialien bei der j\u00fcngsten Res-taurierung des Bremer Rathauses abgeglichen werden, bei dem parallel die gleichen M\u00f6rtel zum Einsatz kamen. Zum Projektabschlu\u00df lagen diese Ergebnisse jedoch nicht vor.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Das Klima im Projektzeitraum war einer durchschnittlichen Jahrestemperatur von 12,5\u00b0C, 23 Frost- und 3 Eistagen verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig mild, aber mit durchschnittlich 89,7 % relativer Feuchte extrem feucht. Selbst die Monatsmittel unterschreiten nur von April bis Juli die 80%-Grenze. An den Putzoberfl\u00e4chen kam es bei moderaten Temperaturschwankungen von maximal 48K\/ Jahr bzw. 27K\/ Tag zu extremen Schwankungen der relativen Feuchte von bis zu 90%rF\/ Jahr bzw. 83%rF\/ Tag. Sie sind eine Folge regelm\u00e4\u00dfig durchziehender atlantischer Tiefausl\u00e4ufer, sowie periodischer Wechsel zwischen maritim und kontinental beeinflu\u00dften Klimaperioden und stellen insbesondere bei latenter Belastung mit l\u00f6slichen Salzen eine enorme Beanspruchung f\u00fcr por\u00f6se Baustoffe dar. Die Frost-Tau-WechseI Belastung war hingegen mit 26 registrierten Zyklen und einem mittleren Feuchtegehalt der Putze beim Erreichen des Gefrierpunktes von 2,7 bis 4,3 Volumenprozent relativ gering.<br \/>\nW\u00e4hrend der Jahresgang und die mittlere relative Feuchte Klimadaten von R\u00fcgen und Usedom aus den Jahren 2002 bis 2006 entsprechen, liegen die mittlere Jahrestemperatur mehr als 3K \u00fcber, Frost- und Eistage zwei Drittel unter dem langj\u00e4hrigen Durchschnitt am Standort Putbus.<br \/>\nDie Schlagregen- und Tauwasserbelastung der einzelnen Fassaden ist sowohl hinsichtlich der Jahressummen, als auch der monatlichen Verteilung sehr unterschiedlich. Dabei entspricht j\u00e4hrliche Schlagregendauer nur etwa 2,3% der Perioden mit Tauwasserbildung, von denen die Ostfassade mit insgesamt 2928 Stunden am st\u00e4rksten betroffen ist. W\u00e4hrend die Schlagregenmengen auf der Westseite gemessen wurden, sind Aussagen \u00fcber die vom Putz kapillar aufgenommenen Tauwassermengen aufgrund der flie\u00dfenden \u00dcberg\u00e4nge von der sorptiven Feuchteaufnahme schwierig. Allerdings korreliert die Materialfeuchte w\u00e4hrend andauernder Betauung mit dem Grad der \u00dcbers\u00e4ttigung der Luft an der Oberfl\u00e4che. Schlagregenereignisse spiegeln sich in sprunghaften Erh\u00f6hungen der Materialfeuchte wieder, die in der Regel jedoch innerhalb eines Tages auf den Ausgangswert zur\u00fcckf\u00e4llt. Das Regenwasser wird also vom Putz aufgenommen und relativ schnell wieder verdunstet bzw. an das Mauerwerk abgegeben.<br \/>\nGenerell ist die gr\u00f6\u00dfte Feuchtebelastung an der Ostfassade, die gr\u00f6\u00dfte thermische Beanspruchung an der Westfassade festzustellen.<br \/>\nZusammenfassend kann festgehalten werden, dass die f\u00fcr die Instandsetzung der Fassaden gew\u00e4hlte Kombination von Putz- und Anstrichsystem auf die enorme Feuchtebelastung mit einem ausgeglichenen Feuchtehaushalt reagiert. F\u00fcr hydrophobe bzw. kapillar inaktive Beschichtungen por\u00f6ser Bauoberfl\u00e4chen besteht in der Region auch an massiven Fassaden ein hohes Risiko der mikrobiellen Besiedelung.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Der vorliegende Abschlu\u00dfbericht wird \u00fcber die Online-Datenbank hericare des Hornemann-Instituts des Fachbereichs Konservierung und Restaurierung der HAWK Hochschule f\u00fcr angewandte Wissenschaft und Kunst, Fachhochschule Hildesheim\/Holzminden\/G\u00f6ttingen \u00f6ffentlich zug\u00e4nglich gemacht. Weitere Publikationen von Projektergebnissen, sowie deren Verbreitung auf Fachvortr\u00e4gen sind vorgesehen. Der Verfasser wird im Rahmen seiner T\u00e4tigkeit im Baltic Sea Region Network on Indoor Climate in Churches Denkmalpflegeexperten, Denkmaleigent\u00fcmer, sowie kleine und mittelst\u00e4ndische Unternehmen aus dem Ostseeraum \u00fcber die Projekterebnisse informieren. Er wird \u00fcberdies die Erkenntnisse aus dem Projekt im Rahmen seiner T\u00e4tigkeiten im Technischen Komitee Erhaltung des kulturellen Erbes bei der Europ\u00e4ischen Normungsorganisation, sowie in der WTA Arbeitsgruppe 6.12 Klima und Klimastabilit\u00e4t in historischen R\u00e4umen bei der Erarbeitung von nationalen und Europ\u00e4ischen Standards ber\u00fccksichtigen.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Im Rahmen des Projektes wurden umfangreiche Erkenntnisse \u00fcber die klimatischen Belastungen gewonnen, denen Luftkalkm\u00f6rtel unter den Bedingungen des k\u00fchl gem\u00e4\u00dfigten Wechselklimas an der s\u00fcdlichen Ostseek\u00fcste unterworfen sind. Mit der erarbeiteten Datengrundlage liegen somit Parameter f\u00fcr materialkundliche Untersuchungen vor, die insbesondere zur Simulation von Klimabedingungen bei Pr\u00fcfungen zur Best\u00e4ndigkeit von Materialien in der Region genutzt werden k\u00f6nnen. Die Ergebnisse der statistischen Auswertung bilden eine Grundlage f\u00fcr die Absch\u00e4tzung von Klimawirkungen bei der Planung pr\u00e4ventiver Konservierungsma\u00dfnahmen. Eine erste Beurteilung der Vertr\u00e4glichkeit technologischer Parameter der verwendeten M\u00f6rtel mit den vor Ort ermittelten Klimadaten erfolgt nach Vorliegen der Ergebnisse des Forschungsprojekts Verarbeitungs- und Eigenschaftsanalyse der verwendeten M\u00f6rtel-Materialien bei der j\u00fcngsten Restaurierung des Bremer Rathauses. Die Folgen der freien Bewitterung der Arbeitsproben vor Ort werden langfristig beobachtet. Ggf. erforderliche Optimierungen des Putzes bzw. flankierende Schutzma\u00dfnahmen k\u00f6nnen abgeleitet werden, sofern diese Untersuchungen Schwachpunkte bzw. Unvertr\u00e4glichkeiten offenbaren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Bei der Sanierung historischer Mauerwerke kommen in der Regel Verputze mit Festigkeiten \u00fcber P Ia zur Anwendung, da Luftkalkm\u00f6rteln eine unzureichende Witterungsresistenz unterstellt wird. Die Standzeit h\u00e4rterer Verputze auf weichen Mauerwerken ist aber durch Ri\u00dfbildungen mit nachfolgenden, auch das Mauerwerk betreffenden Frostsch\u00e4den eingeschr\u00e4nkt. 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