{"id":23933,"date":"2023-07-13T15:24:30","date_gmt":"2023-07-13T13:24:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/23157-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:24:32","modified_gmt":"2023-07-13T13:24:32","slug":"23157-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/23157-01\/","title":{"rendered":"Naturschutzgerechte Sanierung des Dachstuhls der barocken Dorfkirche in Lohsa mit dem Ziel des Erhalts einer bedeutenden Fledermauskolonie"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Lohsa ist gepr\u00e4gt durch den jahrzehntelangen Abbau von Braunkohle. Durch gro\u00dffl\u00e4chige Renaturie-rungsma\u00dfnahmen wandelt sich derzeit die Landschaft zu einer ganz neuen, \u00fcber Kan\u00e4le verbundene Seenlandschaft. Der Ort Lohsa liegt in dem von der UNESCO anerkannten Biosph\u00e4renreservat Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft, welches den Schutz und den Erhalt der besonderen Arten und Bio-tope zum wichtigsten Ziel hat. Der Dachraum der Kirche dient in den Monaten April bis September den vom Aussterben bedrohten Flederm\u00e4usen der Art Gro\u00dfes Mausohr &#8211; Myotis myotis als Sommerquartier. Das Gro\u00dfe Mausohr ist eine typische Kirchenfledermaus und mit gut 40 cm Fl\u00fcgelspannweite unsere gr\u00f6\u00dfte heimische Fledermausart. Die Besetzung der Kirchendachst\u00fchle erfolgt meist von Weibchen, die dort ihre Jungen zur Welt bringen und aufziehen. Die Gr\u00f6\u00dfe der Kolonie im Dach der Lohsaer Kirche umfasst ca. 200 Exemplare. Durch das Vorhandensein von Echtem Hausschwamm, den Befall der Holzkonstruktionen durch Hausbock und das Auftreten von N\u00e4ssef\u00e4ule infolge verschlissener Dacheindeckung ist vor allem die Decken- und Dachkonstruktion der Kirche in einem schlechten baulichen Zustand. Dies gebietet ein sofortiges Handeln im Sinne von Denkmalpflege und -erhalt.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenUnter Beachtung des Erhalts dieser Fledermaus-Kolonie erh\u00e4lt die Restaurierung einen einmaligen Charakter, aber auch eine besondere Erschwernis. Damit die Tiere nicht vertrieben werden, k\u00f6nnen die geplanten Sanierungsarbeiten nur in den witterungsung\u00fcnstigen Monaten November bis M\u00e4rz ausgef\u00fchrt werden. Dies bedeutet zus\u00e4tzliche Aufwendungen f\u00fcr den Witterungsschutz w\u00e4hrend der Arbeiten an Dach, Dachstuhl und Kirchendecke und den Einsatz hochqualifizierter, zuverl\u00e4ssiger Fachbetriebe. Weiterhin ist bei der Restaurierung zu beachten, dass die Orientierung und die Wiedererkennbarkeit der Niststellen nicht verloren geht. Entsprechende Ein- und Ausflugstellen m\u00fcssen erhalten und zus\u00e4tzliche vorgesehen werden. Durch die Bedrohung des Aussterbens dieser Fledermausart erlangt der Umwelt- und Naturschutz Priorit\u00e4t bei der Restaurierung des Kirchendaches.<br \/>\nDie besondere Statik des Dachstuhles und der Decke zum Kirchenschiff machen eine abschnittsweise Ausf\u00fchrung der Arbeiten erforderlich.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Die Restaurierung des Kirchenschiffdaches wurde qualitativ hochwertig von Fachfirmen der Region mit einschl\u00e4gigen Erfahrungen im Denkmalschutz ausgef\u00fchrt. So konnte bausubstanzerhaltend restauriert werden. Durch die enge Zusammenarbeit von Bauherr, dem bau\u00fcberwachenden Planungsb\u00fcro und den vor Ort t\u00e4tigen Handwerkern konnte kurzfristig auf die abschnittsweise freigelegte und immer wieder \u00e4ndernde Schadenssituation reagiert werden. Baubegleitend betreut wurden die Arbeiten vom Vorsitzenden des S\u00e4chsischen Verbandes f\u00fcr Fledermausforschung und -schutz e. V. Herrn Hochrein. So konnten ge-forderte Ma\u00dfnahmen bez\u00fcglich des Fledermausschutzes entsprechend umgesetzt werden. Dies betrifft u. a. die Anordnung von Einflugm\u00f6glichkeiten, die Gestaltung der Zug\u00e4ngigkeit zum Quartier und den Wiedereinbau alter Dachlattung  im Bereich des Nistplatzes.<br \/>\nDer zus\u00e4tzliche Witterungsschutz im Dach- und Traufbereich erm\u00f6glichte ein kontinuierliches Arbeiten w\u00e4hrend der Wintermonate ohne zus\u00e4tzliche Sch\u00e4digungen der Bausubstanz.<br \/>\nAufgrund des weitaus umfangreicheren Schadensbildes nach \u00d6ffnung der Traufbereiche als urspr\u00fcnglich angenommen erh\u00f6hten sich die Gesamtbaukosten auf rd. 343.000 \u0080. Die Bauzeit zur Fertigstellung des Sommerquartiers der Flederm\u00e4use verl\u00e4ngerte sich um ca. 5 Wochen vom geplanten Fertigstellungstermin 15.03.2008 auf den 25.04.2008.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Die Vorbereitungs- und laufenden Bauarbeiten wurden in der regionalen Presse (Serbske nowiny v. 05.01.2007, 03.04 2008; Lausitzer Rundschau v. 19.03.2007, 22.12.2007, 31.03.2008, S\u00e4chsische Zeitung v. 03.04.2008) pr\u00e4sentiert. Alle an der Finanzierung des Vorhabens Beteiligten fanden Erw\u00e4hnung auf der aufgestellten Bautafel. Am 15.01.2008 wurde das Bauvorhaben im Rahmen einer Gemeinderatssitzung der Gemeinde Lohsa von Gemeindekirchenratsmitgliedern und dem Planungsb\u00fcro vorgestellt. Am 02.02.2008 wurde im MDR ein Bericht \u00fcber die laufenden Restaurierungsarbeiten an der Kirche gesendet. Am 02.04.2008 fand unter gro\u00dfer Beteiligung von Gemeindemitgliedern, kommunalen Vertretern und den Baubeteiligten auf dem Kirchendachboden eine Andacht anl\u00e4sslich des Abschlusses der Zimmererarbeiten statt. Von dieser wurde in der \u00f6rtlichen Presse berichtet. Am 23.08. 2008 wurde das Bauvorhaben im Rahmen der 9. Methodentagung des S\u00e4chsischen Verbandes f\u00fcr Fledermausforschung und -schutz e. V. durch das Bauplanungsb\u00fcro vorgestellt. Die Kirche beteiligt sich am Tag des offenen Denkmals am 14.09.2008.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Die Restaurierung des Kirchenschiffdaches wurde qualitativ hochwertig von Fachfirmen mit einschl\u00e4gigen Erfahrungen im Denkmalschutz ausgef\u00fchrt. Die Restaurierungsarbeiten sind im August 2008 von der zu-st\u00e4ndigen Denkmalschutzbeh\u00f6rde unter Beteiligung des zust\u00e4ndigen Gebietsreferenten des Landesamtes f\u00fcr Denkmalpflege Sachsen lobend abgenommen worden. Resultierend aus der umfangreicheren Sch\u00e4digung des Dachtragwerkes als urspr\u00fcnglich angenommen und der Bezugsfertigstellung des Dachbodens f\u00fcr die Flederm\u00e4use Ende April 2008 wurden im Sommer 2008 noch keine nistenden Fle-dermausweibchen festgestellt. Diese Situation wird jedoch vom Vorsitzenden des S\u00e4chsischen Verban-des f\u00fcr Fledermausforschung und -schutz e. V., Herrn Hochrein, nicht als dramatisch eingesch\u00e4tzt. Durch fr\u00fchere Beringungsaktionen ist ein relativ starker Wechsel der jeweils in den einzelnen Jahren nistenden Weibchen dokumentiert. In den kommenden Jahren wird die Fledermauskolonie auch weiterhin von dem \u00f6rtlichen Fledermausverband betreut werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Lohsa ist gepr\u00e4gt durch den jahrzehntelangen Abbau von Braunkohle. 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