{"id":23927,"date":"2024-11-27T10:36:54","date_gmt":"2024-11-27T09:36:54","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/23132-01\/"},"modified":"2024-11-27T10:36:57","modified_gmt":"2024-11-27T09:36:57","slug":"23132-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/23132-01\/","title":{"rendered":"Entwicklung alterungs- und immissionsstabilen Leders zur Restaurierung der Goldledertapeten auf Schloss Moritzburg"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Ausgangspunkt ist das Fehlen geeigneter alterungsbest\u00e4ndiger Restaurierungsleder auf dem Weltmarkt.<br \/>\nAuf dem Gebiet der Restaurierung von Goldledertapeten soll in einem Modellvorhaben am Beispiel von Schloss Moritzburg das Know-how f\u00fcr den Werkstoff Restaurierungsleder geschaffen werden, welches zum einen den materialtechnischen Anforderungen der Restaurierung gerecht wird und zum anderen der besonderen Umweltsituation der Leder standh\u00e4lt, d.h. langlebige Gebrauchseigenschaften garantiert und somit zur Dauerhaftigkeit und Nachhaltigkeit der Restaurierungsma\u00dfnahme beitr\u00e4gt.<br \/>\nHauptziel f\u00fcr die Umweltentlastung ist die Entwicklung von alternativen, schonenden Herstellungsverfahren f\u00fcr Restaurierungsleder, die den verloren gegangenen traditionellen umweltschonenden Gerbverfahren nahe kommen.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenIn der ersten Etappe werden durch bestimmte Vorgaben der Restauratoren gezielt geeignete Rohmaterialien ausgew\u00e4hlt, Rezepturen und Basistechnologien entwickelt. Die auf dieser Grundlage entstandenen Probeleder unterliegen einer Pr\u00fcfung der Verarbeitungseigenschaften durch die Restauratoren. Entscheidende Pr\u00fcfkriterien sind dabei die Weichheit, die Dicke, die Oberfl\u00e4chenstruktur, die Biegesteifigkeit, die Saugf\u00e4higkeit, der Fettgehalt, der Einfluss von Schwefel aus den Inhaltsstoffen sowie die Verarbeitbarkeit bei der Verklebung, beim Aussch\u00e4rfen, bei der Punzierung und Pr\u00e4gung, M\u00f6glichkeiten der Versilberung und Feuchtigkeitstests sowie Test der Gerbstoffanteile.<br \/>\nNach technologischer und \u00f6kologischer Optimierung und erneuten restauratorischen Tests werden Aussagen zum mikromechanischen Verhalten der Leder getroffen. Test- und Optimierungsverfahren werden immer mehr spezifiziert bis zur Entwicklung geeigneter Rezepturen und Technologien.<br \/>\nDie so optimierten Kalbsleder werden in der Endphase im Zusammenhang mit der Restaurierung von zwei Probefl\u00e4chen gepr\u00e4gter Goldledertapeten als Erg\u00e4nzungsmaterial f\u00fcr fehlende Randbereiche, zur Hinterklebung von Rissen und L\u00f6chern zum Einsatz gebracht. Die entwickelten Ziegenleder sind als Restaurierungsmaterial f\u00fcr gepunzte Ledertapeten, analog der originalen Verwendung, vorgesehen.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>In diesem Projekt konnten wesentliche Schritte zur L\u00f6sung des Beschaffungsproblems alterungsbest\u00e4ndigen Leders f\u00fcr die Konservierung und Restaurierung speziell von Goldlederobjekten realisiert und neue Erkenntnisse \u00fcber die einzuhaltenden Qualit\u00e4tsparameter und Materialeigenschaften gewonnen werden.<br \/>\nDie im Rahmen des Projektes entwickelten Herstellungstechnologien f\u00fcr rein pflanzlich gegerbte Kalbs- und Ziegenleder sind jederzeit reproduzierbar und erlauben zuk\u00fcnftig die Herstellung geeigneter Ausgangsmaterialien f\u00fcr die Erhaltung der Goldledertapeten nicht nur im Schloss Moritzburg.<br \/>\nNaturgem\u00e4\u00df stellen sie einen Kompromiss zwischen dem Ziel einer weitestgehenden Ann\u00e4herung an die historischen Gerbverfahren der vorindustriellen Epoche und den heutigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen dar. Die Nutzung Haar erhaltender \u00c4scher und der Einsatz nat\u00fcrlicher pflanzlicher Gerbstoffe ergab Ledereigenschaften, welche die international geltenden Standards f\u00fcr Restaurierungsleder erf\u00fcllen und damit alle bisher f\u00fcr diese Zwecke angebotenen und in verschiedenen anderen Projekten getesteten Materialien \u00fcbertreffen. Dar\u00fcber hinaus kristallisierten sich zus\u00e4tzliche Qualit\u00e4tsparameter, wie Wechselwirkungen mit tierischen Leimen heraus, die bislang noch nicht in Betracht gezogen worden waren. Gleichzeitig konnten durch die entwickelten Technologien die im Produktionsprozess entstehenden Umweltbelastungen deutlich reduziert und damit ein weiteres Projektziel verwirklicht werden.<br \/>\nNeben den chemischen und physikalischen Untersuchungen widmeten sich umfangreiche Tests auch den Verarbeitungseigenschaften des Leders und seiner Einsetzbarkeit f\u00fcr die praktische Restaurierung in aktuellen Restaurierungsvorhaben an den Moritzburger Goldledertapeten. So konnten die hergestellten Kalbsleder mit Erfolg an einer Tapetenbahn aus dem so genannten Kurf\u00fcrstenzimmer und an zwei weiteren Karrees einer anderen gepr\u00e4gten Ledertapete eingesetzt werden. In diesem Zusammenhang wurden auf der Basis der \u00fcberlieferten historischen Herstellungstechnologien von Goldleder auch die Grundlagen f\u00fcr eine neue Restaurierungsmethode entwickelt, bei der gr\u00f6\u00dfere Fehlstellen in den originalen Tapeten mit gepr\u00e4gtem Silberleder erg\u00e4nzt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Die im Rahmen dieses Projektes gewonnenen Forschungsergebnisse wurden bei mehreren Tagungen der internationalen Fachwelt vorgestellt und stie\u00dfen dort auf sehr gro\u00dfes Interesse.<br \/>\nDurch das Erscheinen einer Pressemitteilung \u00fcber das Lederprojekt in diversen lokalen Zeitungen im Dresdner und Freiberger Raum und ein internationales Sch\u00fclerprojekt mit Recherchearbeit ebenfalls zu diesem Thema erfolgten Informationen f\u00fcr eine breite \u00d6ffentlichkeit.<br \/>\nWeitere Publikationen sollen folgen, unter anderem ist f\u00fcr Anfang 2009 ein abschlie\u00dfendes Res\u00fcmee des Forschungsprojektes in der Zeitschrift f\u00fcr Kunsttechnologie und Konservierung (ZKK) der Wernerschen Verlagsgesellschaft in Vorbereitung.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Die gerade hergestellte letzte Charge mit Blattsumach gegerbter Ziegenh\u00e4ute wartet zurzeit noch auf die abschlie\u00dfenden Untersuchungen und Tests ihrer Einsetzbarkeit f\u00fcr die Erhaltung der punzierten Goldlederbest\u00e4nde in Schloss Moritzburg.<br \/>\nDie gewonnenen Gedankenans\u00e4tze zu den Ursachen der Schadeinwirkungen von Lederinhaltsstoffen auf die Versilberungen und auf die bei der Lederrestaurierung verwendeten Proteinleime sollen durch vertiefende Untersuchungen \u00fcberpr\u00fcft werden und gegebenenfalls Eingang in die noch notwendige weitere Optimierung der Herstellungstechnologien finden.<br \/>\nAus ledertechnologischer Sicht erscheint die w\u00e4hrend des Projektes erkannte Sulfidierungsproblematik auch f\u00fcr andere Produktgruppen der Lederindustrie als sehr interessant und praxisrelevant. Hier besteht ein begr\u00fcndeter Bedarf f\u00fcr weitere fach\u00fcbergreifende Forschungen.<br \/>\nEin Schwerpunkt zuk\u00fcnftiger Aktivit\u00e4ten sollte in der Verbesserung der derzeit noch sehr ungen\u00fcgenden Verf\u00fcgbarkeit qualitativ hochwertiger Rohh\u00e4ute aus heimischer Produktion sowie pflanzlicher Gerbstoffe liegen. Sinnvoll w\u00e4re eine enge Vernetzung mit den Herstellern dieser Ausgangsprodukte.<br \/>\nW\u00fcnschenswert w\u00e4re die unabh\u00e4ngige Beurteilung der hergestellten Leder durch erfahrene Restauratorenkollegen aus anderen L\u00e4ndern.<br \/>\nWeiterhin zeichnet sich ab, dass die bisher geltenden Pr\u00fcfkriterien f\u00fcr Restaurierungsleder im Ergebnis dieser Forschungen erg\u00e4nzt und pr\u00e4zisiert werden m\u00fcssen. Die w\u00e4hrend des Projektes gewonnenen Erkenntnisse k\u00f6nnten als Basis f\u00fcr eine zuk\u00fcnftige Qualit\u00e4tskontrolle solcher Materialien durch unabh\u00e4ngige Pr\u00fcflabore generell dienen. Bei der Herstellung von Leder f\u00fcr Restaurierungszwecke sollte zur Qualit\u00e4tssicherung aus jeder produzierten Charge eine Haut auf alle notwendigen Parameter untersucht werden. F\u00fcr diese Leder k\u00f6nnte ein Zertifikat entwickelt werden, das die Einhaltung der geforderten Werte f\u00fcr den Einsatz als vegetabiles Restaurierungsleder best\u00e4tigt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Ausgangspunkt ist das Fehlen geeigneter alterungsbest\u00e4ndiger Restaurierungsleder auf dem Weltmarkt. 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