{"id":23923,"date":"2023-09-24T10:32:09","date_gmt":"2023-09-24T08:32:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/23113-01\/"},"modified":"2023-09-24T10:32:10","modified_gmt":"2023-09-24T08:32:10","slug":"23113-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/23113-01\/","title":{"rendered":"Demonstration eines Verfahrens zur Nachbehandlung von unzureichend aufbereitetem Leitungswasser oder Grundwasser am Beispiel der autarken Versorgung eines Kinderheims in Bagratijonowsk\/Oblast Kaliningrad"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>In einigen Regionen Osteuropas (Polen, Russland) werden stark reduzierte Grundw\u00e4sser (der Sauerstoff ist dort aufgezehrt) mit nur unzul\u00e4nglichen Methoden aufbereitet, so dass Probleme, wie starke Ver-schmutzung des Wassers mit Tr\u00fcbstoffen und Partikeln oder mikrobiellen Krankheitserregern, auftreten. Die in reduziertem Grundwasser vorkommenden Inhaltsstoffe Schwefelwasserstoff, Eisen, Mangan und  Ammonium lassen sich mit konventionellen erprobten Verfahren in der Regel jedoch gut entfernen. Wird ein solches Wasser ohne oder mit ungen\u00fcgender Aufbereitung in ein Trinkwasserverteilungssystem ein-gespeist, bilden sich dort massive Ablagerungen aus Eisen- und Manganoxiden, die bis in die Haushalte gelangen. Dann wird mikrobiologisch nicht einwandfreies Trinkwasser verteilt, das ohne eine weiterge-hende Aufbereitung nicht desinfizierbar ist. Im Rahmen des Projektes sollte erstmals in der russischen Oblast Kaliningrad am Beispiel des Kinderheims in Bagratijonowsk eine technisch einfache, robuste de-zentrale Trinkwasseraufbereitungsanlage zur mehrfachen Filterung und Desinfektion demonstriert werden, mit der die Versorgung der Menschen mit einwandfreiem Leitungswasser (nach deutscher TrinkwV 2001) erreicht werden kann. Der Schwerpunkt lag hierbei auf der effektiven Nachbehandlung ungen\u00fcgend aufbereiteten Grundwassers und dem Verzicht auf die Desinfektion mit Chlor. Im Projekt sollte die Anlage im Kinderheim von den Projektpartnern installiert und gemeinsam mit den \u00f6rtlichen Gesundheits-stellen, dem \u00f6rtlichen Wasserversorger und der TU Kaliningrad betrieben und beprobt werden.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDurch das IWW wurde eine Ausarbeitung \u00fcber Wasserbedarf und gew\u00fcnschte Trinkwasserbeschaffenheit erarbeitet. Es wurden Ausschreibungs-Unterlagen f\u00fcr Fachfirmen vorbereitet, Details diskutiert und die Vergabe vorgeschlagen. Malteser Mitarbeiter wurden f\u00fcr die Entnahme von Wasserproben geschult (Zertifikat). Durch Malteser-Mitarbeiter wurde der Aufstellungsraum f\u00fcr die Aufbereitungsanlage vorberei-tet. Die Anlage wurde vom MHD nach Kaliningrad transportiert und zusammen mit dem Monteur der Lie-ferfirma aufgebaut und in Betrieb genommen. Die Beprobung der verschiedenen Probenahmestellen der Anlage erfolgte durch den MHD und\/oder IWW (Analytik im IWW) und durch das zust\u00e4ndige Gesund-heitsamt (GA) nach Absprache. Die Auswertung und Darstellung der Daten erfolgt durch IWW.<br \/>\nDer Betrieb der Anlage wurde dem zust\u00e4ndigen Gesundheitsamt (GA) im pers\u00f6nlichen Gespr\u00e4ch erl\u00e4utert und die Inbetriebnahme dort angezeigt. Die Anlage wurde zweimal vor Ort inspiziert und der Hausmeister intensiv nach seinen Eindr\u00fccken befragt. Alle Informationen wurden in einem ausf\u00fchrlichen Endbericht zusammengefasst und kritisch bewertet.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Aufgrund der vorgenommenen Wasseranalysen und der Situationsbeschreibung wurde folgende Verfah-rensf\u00fchrung ausgew\u00e4hlt: Verd\u00fcsung-Sandfiltration (offen) &#8211; Nachbel\u00fcftung-Sandfiltration (geschlossen) -Vorratstanks (offen) &#8211; Druckerh\u00f6hung &#8211; UV-Desinfektion &#8211; Druckspeicher Einspeisung Hausnetz.<\/p>\n<p>Die mehrstufige Verfahrensf\u00fchrung war erforderlich, da durch das extrem ungepflegte st\u00e4dtische Vertei-lungsnetz jederzeit mit gr\u00f6\u00dferen Tr\u00fcbungsst\u00f6\u00dfen und damit auch mit mikrobiologischer Belastung aus dem Rohrnetz zu rechnen war. Die Anlage f\u00fchrte schon Stunden nach der Inbetriebsetzung zu einer sig-nifikanten Verbesserung der organoleptisch vom K\u00fcchenpersonal wahrnehmbaren Parameter (Geruch, Geschmack, Tr\u00fcbung, F\u00e4rbung). Die Beschaffenheit (Mikrobiologie und Anorganik) des produzierten Trinkwassers war nach den Unterlagen des zust\u00e4ndigen Gesundheitsamtes bei mehreren Probenahmen im Verlauf von einigen Monaten stets einwandfrei. Hierbei kann bez\u00fcglich Mikrobiologie nur auf Analysen der russischen Gesundheitsbeh\u00f6rde vertraut werden, da die Proben nicht nach Deutschland transportiert werden k\u00f6nnen. Die Desinfektionsfunktion der Anlage konnte nicht bewertet werden, da die Beschaffen-heit des Stadtwassers mikrobiologisch sehr viel besser war als erwartet.<\/p>\n<p>Insgesamt sechs Beprobungen durch IWW\/MHD mit IWW-Analytik (Anorganik, vor allem Eisen, Mangan und Ammonium) zeigten die durchgehend einwandfreie Beschaffenheit des Trinkwassers. Diese Ergeb-nisse der umfangreichsten Beprobung wurden 2007 in offizieller Form inklusive Akkreditierungsurkunde des IWW \u00fcber das Kinderheim an das Gesundheitsamt weitergeleitet, da einige relevante Parameter von dem dort zust\u00e4ndige Labor nicht gemessen werden konnten (z. B. Fluorid ). So konnten der Gesund-heitsbeh\u00f6rde der einwandfreie Betrieb und die sehr guten Ergebnisse nochmals demonstriert werden.<\/p>\n<p>Die Anlage wurde in einem offiziellen Festakt dem Kinderheim \u00fcbergeben.<\/p>\n<p>Die automatische Sp\u00fclung der Filteranlage wurde 1- 2 Mal pro Woche vom Hausmeister ausgel\u00f6st und die Anlage lief insgesamt \u00fcber rund vier Jahre mit einwandfreier Trinkwasserbeschaffenheit.<br \/>\nDie Projektdauer wurde kostenneutral \u00fcberschritten, um bei verringerter Untersuchungsintensit\u00e4t Lang-zeiterfahrungen zu sammeln. Folgende wichtige Erkenntnisse wurden dabei gesammelt:<br \/>\n&#8211; Aufbereitungsanlagen dieser Art m\u00fcssen entweder gegen Luftkontakt isoliert oder in einem Raum mit wenig Au\u00dfenlufteinfluss oder einer Entfeuchtungsanlage aufgestellt werden. Ansonsten wird die Anlage in den Sommermonaten mit Sicherheit feucht (Kondenswasser) und es kann ein unhygienisches Pilz- und Bakterienwachstum auf den Anlagenoberfl\u00e4chen auftreten.<br \/>\n&#8211; Die Wassersp\u00fclung alleine reichte \u00fcber die Betriebsdauer hinweg nicht aus, das Filtermaterial sauber zu sp\u00fclen. Mit der Zeit sammelte sich Eisenschlamm im Filterbett an, der nur mit Sonderarbeiten ent-fernt werden kann. Hier wurden Abhilfema\u00dfnahmen f\u00fcr den Betrieb und auch f\u00fcr die Konstruktion vorgeschlagen.<br \/>\n&#8211; In der Summe sind die Aufbereitungskosten vergleichsweise hoch, da f\u00fcr die sichere Trinkwasser-versorgung ohne mehrere Barrieren (Filter) vor der der Desinfektion vorgesehen werden mussten<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Das Konzept wurde einem breiten interessierten Publikum auf den deutsch-russischen Umwelttagen in Kaliningrad am 02. und 03.6.2006 in seiner Konzeptphase vorgestellt. Die Ver\u00f6ffentlichung in einer ent-sprechenden deutschen Fachzeitschrift (SHT) ist vorgesehen.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Mit dem eingesetzten Aufbereitungsverfahren konnte eine einwandfreie Trinkwasserbeschaffenheit f\u00fcr die Einspeisung in das Hausnetz bereitgestellt werden. \u00dcber einen Zeitraum von vier Jahren wurde die Anlage ausschlie\u00dflich vom Hausmeister gewartet und es traten keine St\u00f6rungen auf. Da die Stadtwasserbeschaf-fenheit insbesondere bzgl. Hygiene und Ammoniumkonzentration besser war als erwartet, war die Anlage f\u00fcr diese Beschaffenheit dann um eine bis zwei Aufbereitungsstufen \u00fcberdimensioniert. Dies f\u00fchrte zu Aufbereitungskosten, die in der Region sehr wahrscheinlich nicht realisierbar sind. Unter Ber\u00fccksichtigung der Erkenntnisse und der daraus abgeleiteten Empfehlungen (genauere Pr\u00fcfung der \u00f6rtlichen Situation und m\u00f6glichst Bau einer einfacheren Anlage, einfache aber wirkungsvolle Ver\u00e4nderung der De-tailkonstruktion zur Sp\u00fclbarkeit der Filter, Vermeidung von Schwitzwasserbildung, ggf. Nutzung russischer Installationskomponenten) kann eine vereinfachte Anlage dieses Typs jedoch die erforderliche Aufberei-tung an vielen Stellen zu sehr wahrscheinlich auch tragbaren Kosten leisten. Letztendlich bleibt jedoch anzumerken, dass eine zentrale Aufbereitung und Verteilung eines einwandfreien Trinkwassers die bei weitem w\u00fcnschenswertere Variante w\u00e4re<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens In einigen Regionen Osteuropas (Polen, Russland) werden stark reduzierte Grundw\u00e4sser (der Sauerstoff ist dort aufgezehrt) mit nur unzul\u00e4nglichen Methoden aufbereitet, so dass Probleme, wie starke Ver-schmutzung des Wassers mit Tr\u00fcbstoffen und Partikeln oder mikrobiellen Krankheitserregern, auftreten. 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