{"id":23915,"date":"2023-07-13T15:24:27","date_gmt":"2023-07-13T13:24:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/23065-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:24:29","modified_gmt":"2023-07-13T13:24:29","slug":"23065-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/23065-01\/","title":{"rendered":"Konservierung und nachhaltige Sicherung des stark umweltgesch\u00e4digten Weltgerichtsportals in St. Sebald (N\u00fcrnberg)"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>St. Sebald hatte, wie sich im Zuge von Bauforschung und Restaurierungsma\u00dfnahmen am Au\u00dfenbau zeigte, ein sorgf\u00e4ltig durchdachtes System an partieller Farbgestaltung, die sich vorwiegend auf die Portalarchitektur die Au\u00dfenskulptur und deren R\u00fccklagen bezog. Durch Umwelteinfl\u00fcsse sind die Fassungen zum Teil nur wie ein Abdruck auf dem Mauerwerk erkennbar. Im Falle des Weltgerichtsportals ist es m\u00f6glich, ein noch \u00fcberkommenes Dokument des Farbgestaltungsprogramms nachhaltig zu sichern.<br \/>\nAm Portal hat der Eintrag von Umweltschadstoffen zu erheblichen stofflichen Alterationen der \u00f6lreichen tempera- und kalkgebundenen Fassungen gef\u00fchrt, die den Einsatz herk\u00f6mmlicher Konservierungsmethoden erschweren oder verhindern. Optimierte Methoden zur Sicherung mehrschichtiger, vergipster Kalkfassungen und gealterter, fragiler \u00d6l-Temperafassungen auf Sandsteinuntergrund werden im Projekt erarbeitet. Das langfristige Ziel ist die Sicherung und Restaurierung des mittelalterlichen Fassungsprogramms des Weltgerichtsportals im Zusammenhang mit dem Gesamtgestaltungsprogramm des Au\u00dfenbaus von St. Sebald.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenF\u00fcr die Konservierung der kalkgebundenen Malschichten wird das Labor Dr. Wendler mit modifizierten Methoden der Ammoniumcarbonat-Umwandlung experimentieren. Die Konservierung der \u00d6l-Temperafassungen obliegt der Arbeitsgruppe von Dr. Drewello. Sie wird sich in der Anfangsphase vorwiegend auf die Analyse der vorhandenen organischen Bindemittelphasen konzentrieren. Basierend auf den Ergebnissen der mikrochemischen Bestandsanalyse sollen geeignete Konsolidierungssysteme ausgew\u00e4hlt und erprobt werden. F\u00fcr beide Untersuchungsinhalte gilt, dass die Erprobung erst an nachgestelltem Labormaterial, danach an vergleichbarem Originalmaterial aus dem Lapidarium und erst am Ende am Portal selbst durchgef\u00fchrt werden sollen. Prof. Snethlage wird die Untersuchungen mit den technischen Kapazit\u00e4ten des Zentrallabors unterst\u00fctzen. Das reichhaltige Datenmaterial aus fr\u00fcheren Untersuchungen und Dokumentationen wird von der Fachbauleitung (Prodenkmal GmbH -Dr. Utz) und dem Restaurator (E. Holter) in das Digitale Dombauarchiv (DDA) integriert und somit in Form einer modernen Datenbank f\u00fcr alle Projektpartner zug\u00e4nglich gemacht. Neben den neuen Ans\u00e4tzen der Fassungskonservierung ist die synchrone Integration der erarbeiteten Daten in eine umfassende Datenbankstruktur ein Novum in der Forschung an Baudenkm\u00e4lern.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Alle vorhandenen und w\u00e4hrend der Projektlaufzeit entstandenen restauratorischen Pl\u00e4ne Dokumente, und Bilddaten wurden von Prodenkmal digitalisiert und in die Datenbank Digitales-Dombauarchiv-Weltgerichtsportal eingepflegt. Vom IABD konnte der komplexe Malschichtaufbau f\u00fcr Tympanon, Archivolten, Kapitelle und Dienste weitgehend entschl\u00fcsselt werden. Auch die Fassungen der anderen Portale wurden ber\u00fccksichtigt. Auf dem Tympanon sind die Reste von insgesamt vier Farbfassungen erhalten: eine urspr\u00fcngliche ma. Fassung vor\/um 1330, eine zweite ma. Fassung um etwa 1379, dem Zeitpunkt der Weihe des neuen Ostchors; danach eine im Wesentlichen wei\u00dfgoldene barocke Fassung. F\u00fcr diese Schicht, gibt es keine archivalischen Nachweise. Den Abschluss bildet eine fast monochrom erschei-nende Fassung aus dem mittleren 19. Jahrhundert (Historismus). Eine sp\u00e4tere, auf wenigen Bildelemen-ten festzustellende graue Schicht ist bisher nicht definiert. Alle Farbschichten sind als \u00d6lmalerei ausgef\u00fchrt. Der Zustand der ersten Grundierung wurden als Schwachstelle des Fassungspaketes identifiziert, w\u00e4hrend die dichte und spr\u00f6de Ausf\u00fchrung der letzten Fassung als Motor der Spannungsbewegungen und Abl\u00f6sungserscheinungen anzusehen ist. Vom Restauratorenteam um Herrn Holter wurde ein digitaler Plan f\u00fcr das Relief geschaffen, auf dessen Grundlage es im Mobile Mapping System Musterkartierungen zu Bestand und Schaden der vierten Fassung erstellte. Diese Erfassung best\u00e4tigte der vierten Fassung eine besondere denkmalpflegerische Relevanz, die eine Abnahme derselben als Konservierungsoption ausschlie\u00dft. Bei der Erprobung der stofflichen Ans\u00e4tze zur Konsolidierung der Grundierungsschicht durch Dr. Wendler lieferte eine Mischung aus Kiesels\u00e4ureester mit reaktiven Silanen die besten Resultate, weil die teils polaren, teils unpolaren Molek\u00fcle dieses Festigers sich chemisch sowohl an polare anorganische als auch an unpolare organische Oberfl\u00e4chen anlagern. Im Vorfeld der neuen Versuche zur Gipsumwandlung wurden die alten Umwandlungsmustern von Dr. Simon und Dr. Wendler, die um 1996 ausgef\u00fchrt worden sind, untersucht. Die alten Ergebnisse haben sich zehn Jahre nach der Bemusterung best\u00e4tigt. Zur Erprobung einer tiefergreifenden Umwandlung als man sie bisher erreicht hat, arbeitete Dr. Wendler mit Sandsteindummies, die mit einer vereinfachten Version der vergipsten mittelalterlichen Kalkfassung bestrichen sind. Ammoniumcarbonat, Ammoniumoxalat und Ammoniumphosphate kamen bei diesen Versuchsreihen zum Einsatz. Im Ergebnis hat sich eine der Formulierungen mit Ammoniumphosphat und die klassische Formulierung mit Ammoniumkarbonat als am geeignetsten zur tiefgreifenden und strukturverbessernden Umwandlung der Vergipsungen erwiesen. Mit diesen Formulierungen wurden zwei neue Testfl\u00e4chen an den Archivolten bemustert. Auch die mineralogischen und konservierungswissenschaftlich relevanten Vorteile des bei der Phosphatumwandlung entstehende Brushit gegen\u00fcber dem umgesetzten Gips wurden untersucht. Entscheidende Beitr\u00e4ge zum Verst\u00e4ndnis der Befunde lieferten Studien zur Restaurierungsgeschichte. Archivalische Zeugnisse belegen, dass das Tympanon in der zweiten H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts abgeformt wurde. Dadurch hat es eine Tr\u00e4nkung mit einem Industrie\u00f6l erfahren, dessen Spuren heute in allen Fassungsschichten nachweisbar sind.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>&#8211;\tVorstellung des Projektes auf dem Stand der DBU, Fachmesse Denkmal 2006, Leipzig.<br \/>\n&#8211;\tThomas C. (2007) Das Weltgerichtsportal der Sebalduskirche N\u00fcrnberg: Restaurierungs- und Entwicklungsgeschichte. Masterarbeit am Aufbaustudiengang Denkmalpflege der Otto Friedrich-Universit\u00e4t Bamberg, WS 2006\/7.<br \/>\n&#8211;\tSnethlage, R., Wendler, E. (2008): Transforming gypsum into calcium phosphate &#8211; a better way to preserve lime paint layers on natural stone?. International symposium for stone consolidation in cul-tural &#8211; heritage research and practice, Lisbon.<br \/>\n&#8211;\tAm Abschlusskolloquium am 29.07.2008 in N\u00fcrnberg haben etwa 60 Restauratoren und Konservierungswissenschaftler aus ganz Deutschland teilgenommen.<br \/>\n&#8211;\tExner, M., Snethlage, R. (2008): Modell Weltgerichtsportal an Sankt Sebald in N\u00fcrnberg. Ein Kolloquium zu neuen Konservierungstechniken f\u00fcr gefasste Steinskulptur, in BLFD INFO Nr. 141, Bayerisches Landesamt f\u00fcr Denkmalpflege, M\u00fcnchen.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Das Projekt hat trotz der kurzen Laufzeit und der begrenzten F\u00f6rderung f\u00fcr die Erhaltung von polychromen Farbschichten auf Stein neue und innovative Erhaltungsm\u00f6glichkeiten aufgezeigt, die sicher auch auf andere Konservierungsgebiete ausstrahlen werden. Neuartige Produkte und Techniken, wurden erarbeitet, die sich zuk\u00fcnftig in der Arbeitspalette von Restaurierungsplanern und Ausf\u00fchrungsfirmen finden werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens St. Sebald hatte, wie sich im Zuge von Bauforschung und Restaurierungsma\u00dfnahmen am Au\u00dfenbau zeigte, ein sorgf\u00e4ltig durchdachtes System an partieller Farbgestaltung, die sich vorwiegend auf die Portalarchitektur die Au\u00dfenskulptur und deren R\u00fccklagen bezog. Durch Umwelteinfl\u00fcsse sind die Fassungen zum Teil nur wie ein Abdruck auf dem Mauerwerk erkennbar. 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