{"id":23913,"date":"2025-06-25T10:32:23","date_gmt":"2025-06-25T08:32:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/23063-01\/"},"modified":"2025-06-25T10:32:23","modified_gmt":"2025-06-25T08:32:23","slug":"23063-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/23063-01\/","title":{"rendered":"Wiederherstellung artenreichen Hochmoorgr\u00fcnlandes durch eine nachhaltige landwirtschaftliche Nutzung unter besonderer Ber\u00fccksichtigung der Flatterbinsen-Problematik"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Das Projekt Wiederherstellung artenreichen Hochmoorgr\u00fcnlandes durch eine nachhaltige landwirtschaftliche Nutzung unter besonderer Ber\u00fccksichtigung der Flatterbinsen-Problematik hat sich folgende Ziele gesetzt:<br \/>\n&#8211;\tErarbeitung von nachhaltigen Methoden der Bewirtschaftung und Pflege von Hochmoorgr\u00fcnland, die gleicherma\u00dfen landwirtschaftlichen, \u00f6kologischen und naturschutzfachlichen Anspr\u00fcchen gen\u00fcgen;<br \/>\n&#8211;\tInitiierung einer breit gestreuten \u00f6ffentlichen Diskussion \u00fcber die naturschutzfachlichen, landwirtschaftlichen und energetischen Perspektiven des Hochmoorgr\u00fcnlandes.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenEs wurden folgende Arbeitsschritte\/Methoden im Verlauf der 5 Projektjahre gew\u00e4hlt:<br \/>\n&#8211;\tAuswahl der Probefl\u00e4chen im Fr\u00fchjahr 2006 (Varianten 1 bis 7) und Fr\u00fchjahr 2008 (neue Varianten 3 und 4);<br \/>\n&#8211;\tUntersuchung der bodenchemischen Parameter pH, C\/N-Verh\u00e4ltnis, Phosphor- und Kalium-Gehalte (2006 und 2009);<br \/>\n&#8211;\tUntersuchung der Regenwurm-Fauna (2006);<br \/>\n&#8211;\tJ\u00e4hrliches Monitoring der Dauerfl\u00e4chen durch zwei vegetationskundliche Methoden (Braun-Blanquet-Aufnahmen, Frequenzmethode);<br \/>\n&#8211;\tDurchf\u00fchrung begleitender Abschlussarbeiten zur energetischen Nutzung des Gr\u00fcnlandaufwuchses (R\u00d6HRDANZ, FASTENAU, REBLING, GREVE, 2008-2010);<br \/>\n&#8211;\t\u00d6konomische Berechnungen zur Bewirtschaftung von Moorgr\u00fcnland (Abschlussarbeit HARMS, Universit\u00e4t Rostock);<br \/>\n&#8211;\tUntersuchungen zum Fra\u00dfverhalten von Schafen und Eseln auf Hochmoorgr\u00fcnland (Abschlussarbeit MAIWALD 2009, Universit\u00e4t Oldenburg).<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Die wichtigsten Ergebnisse lassen sich wie folgt zusammenfassen.<br \/>\n&#8211;\tDie 5-j\u00e4hrigen Untersuchungen zeigen deutlich, dass sich eine nachhaltige, gleicherma\u00dfen aus naturschutzfachlicher wie landwirtschaftlicher Sicht befriedigende Bewirtschaftung nur unter folgenden Bedingungen realisieren l\u00e4sst: regelm\u00e4\u00dfige (schwache) PK-D\u00fcngung, (ggf.) seltene Kalkung, mindestens zwei Bewirtschaftungsg\u00e4nge (dabei grunds\u00e4tzlich notwendig: ein Schnitt im Mai\/Juni), Bewirtschaftung\/Pflege als Wiese oder M\u00e4hweide (nicht als Weide!).<\/p>\n<p>&#8211;\tZu niedrige pH-Werte und N\u00e4hrstoffgehalte verhindern eine arten- und individuenreiche Bodenfauna, stabile Wiesenbr\u00fcter-Best\u00e4nde, eine (verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig) hohe Phytodiversit\u00e4t sowie das Vorkommen kennzeichnender Pflanzenarten der Feuchtwiesen; stattdessen werden artenarme Dominanzbest\u00e4nde gef\u00f6rdert v. a. von Arten mit geringem Futterwert (z. B. Flatterbinse). <\/p>\n<p>&#8211;\tF\u00fcr eine Beweidung sind in erster Linie Schafe geeignet, Rinder oder Pferde dagegen weniger. F\u00fcr die Schafbeweidung l\u00e4sst sich folgende Rangfolge der Bewirtschaftungsqualit\u00e4t ableiten: Sommerschnitt mit folgender Sto\u00dfbeweidung > Dauerbeweidung mit Sommerschnitt > Dauerbeweidung mit Herbst- oder Wintermulchung > Dauerbeweidung ohne Schnitt\/Mulchung.<\/p>\n<p>&#8211;\tF\u00fcr eine reine Schnittnutzung w\u00fcrden sich (nach bisherigen Erfahrungen) die verschiedenen Bewirtschaftungsvarianten in folgender Weise einordnen (bei ausreichender Kompensationsd\u00fcngung): zwei Sommerschnitte mit Wintermulchung > zwei Sommerschnitte ohne Wintermulchung > ein Sommerschnitt und eine Wintermulchung > ein Sommerschnitt ohne Wintermulchung. Dabei ist nicht nur die Anzahl der Schnitte, sondern auch deren Zeitpunkt sowie deren Art und Weise (Schnitt mit Entfernung des M\u00e4hgutes oder Mulchung) von gro\u00dfer Bedeutung.<\/p>\n<p>&#8211;\tFl\u00e4chen mit hoher Dichte der Flatterbinse k\u00f6nnen am besten mit zweimaliger Sommermahd (Juni und August\/September) oder mit einmaliger Sommermahd und anschlie\u00dfender Sto\u00dfbeweidung bewirtschaftet werden. Zus\u00e4tzlich kann die gezielte Unterscheidung eine wichtige Ma\u00dfnahme sein, wirkt i.d.R. aber nur wenige Jahre.<\/p>\n<p>&#8211;\tEigene Versuche zeigen, dass verschiedene Zusammensetzungen von Landschaftspflegematerial (Mix aus Binsen und Gras; junge Binsen) gute Ergebnisse bei der Feststoff-Verg\u00e4rung erzielen; dar\u00fcber hinaus ist es auch als Beimengung in konventionellen Fl\u00fcssigstoff-Biogasanlagen denkbar. M\u00f6glicherweise wird auch der hydrothermalen Carbonisierung (HTC) in wenigen Jahren eine gro\u00dfe Bedeutung f\u00fcr die energetische Verwertung von Aufw\u00fcchsen aus Feuchtgr\u00fcnland zukommen.<\/p>\n<p>&#8211;\tBei Betrachtung aller m\u00f6glichen Optionen sind aus naturschutzfachlicher und\/oder landwirtschaftlicher Sicht nur folgende Alternativen sinnvoll:<br \/>\n\tIntensive Gr\u00fcnlandnutzung (nur eingeschr\u00e4nkt, wegen starker Torfzehrung!)<br \/>\n\tExtensive Gr\u00fcnlandnutzung<br \/>\n\tPflegenutzung<br \/>\n\tSukzession (mit\/ohne Vern\u00e4ssung)<br \/>\n\tPaludikultur (falls hinreichend erprobt!)<br \/>\nBei der Diskussion \u00fcber die m\u00f6glichen Optionen f\u00fcr eine konkrete Fl\u00e4che werden in Zukunft Nachhaltigkeitsaspekte eine gr\u00f6\u00dfere Rolle als bisher spielen m\u00fcssen, unter Ber\u00fccksichtigung v. a. der energetischen Verwertung des M\u00e4hgutes, der Emission klimarelevanter Gase und der landwirtschaftlichen Rentabilit\u00e4t.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Im Projektverlauf wurden folgende Aktivit\u00e4ten zur wissenschaftlichen Dokumentation und \u00d6ffentlichkeitsarbeit eingesetzt (vgl. Abschlussbericht, S. 120-122):<br \/>\n&#8211;\tVier Zwischenberichte zum Projektverlauf (2006-2009);<br \/>\n&#8211;\tEin Abschlussbericht (2010);<br \/>\n&#8211;\tF\u00fcnf nationale\/internationale Publikationen (2007-2010);<br \/>\n&#8211;\tEine Abschlussarbeit an der Hochschule Vechta (2006), sieben Abschlussarbeiten\/Leistungsnachweise an der Universit\u00e4t Oldenburg (2007-2010) und zwei Abschlussarbeiten an der Universit\u00e4t Rostock;<br \/>\n&#8211;\tVier \u00f6ffentliche Tagungen (Vrees 2007, Oldenburg 2008, Papenburg 2009, Oldenburg 2010)<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Aufgrund der Vielschichtigkeit der Problematik um Hochmoorgr\u00fcnland k\u00f6nnen in einem 5-Jahresprojekt mit fest definierter Fragestellung keine abschlie\u00dfenden definitiven und f\u00fcr alle konkreten Fl\u00e4chen zutreffenden L\u00f6sungen der zuk\u00fcnftigen Nutzung oder Sukzession gefunden werden. Das angeschlossene Projekt hat jedoch sicherlich seine beiden Ziele (Erarbeitung einer Vorgabe f\u00fcr die nachhaltige Bewirtschaftung; Initiierung einer breit gestreuten Diskussion um die Zukunft dieses Lebensraumes) erreicht und ein gewisses St\u00fcck zur Integration verschiedenster Aspekte beigetragen, die in der synoptischen Betrachtung zuk\u00fcnftiger Nutzung von Hochmoorgr\u00fcnland notwendig sind. Die Arbeitsgruppe Vegetationskunde und Naturschutz an der Universit\u00e4t Oldenburg wird sich am laufenden Diskussionsprozess weiter beteiligen und versuchen, durch gezielte Untersuchungen zur energetischen Verwertung verschiedener Aufw\u00fcchse in verschiedenen Verfahren zur fundierten Bewertung zuk\u00fcnftiger Nutzungsoptionen beizutragen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Das Projekt Wiederherstellung artenreichen Hochmoorgr\u00fcnlandes durch eine nachhaltige landwirtschaftliche Nutzung unter besonderer Ber\u00fccksichtigung der Flatterbinsen-Problematik hat sich folgende Ziele gesetzt: &#8211; Erarbeitung von nachhaltigen Methoden der Bewirtschaftung und Pflege von Hochmoorgr\u00fcnland, die gleicherma\u00dfen landwirtschaftlichen, \u00f6kologischen und naturschutzfachlichen Anspr\u00fcchen gen\u00fcgen; &#8211; Initiierung einer breit gestreuten \u00f6ffentlichen Diskussion \u00fcber die naturschutzfachlichen, landwirtschaftlichen [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":0,"featured_media":0,"template":"","meta":{"footnotes":""},"categories":[],"tags":[2422,50,64],"class_list":["post-23913","projektdatenbank","type-projektdatenbank","status-publish","hentry","tag-landnutzung","tag-naturschutz","tag-niedersachsen"],"meta_box":{"dbu_projektdatenbank_az_ges":"23063\/01","dbu_projektdatenbank_medien":"","dbu_projektdatenbank_pdfdatei":"A-23063.pdf","dbu_projektdatenbank_bsumme":"123.455,00","dbu_projektdatenbank_firma":"Carl von Ossietzky Universit\u00e4t Oldenburg\nInstitut f\u00fcr Biologie und Umweltwissenschaften (IBU)\nArbeitsgruppe Vegetationskunde u. 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