{"id":23911,"date":"2023-07-13T15:24:27","date_gmt":"2023-07-13T13:24:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/23055-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:24:28","modified_gmt":"2023-07-13T13:24:28","slug":"23055-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/23055-01\/","title":{"rendered":"Strukturelle Festigung historischer Putze mit Carbonatwasser unter Nutzung ihrer Restalkalit\u00e4t am Beispiel der Tiepolo-Fresken in der ehemaligen f\u00fcrstbisch\u00f6flichen Residenz in W\u00fcrzburg"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Ein wesentliches Element der Konsolidierung von Putzen besteht im Einbringen von neuem Bindemittel. Dem Grundsatz gleiches zu gleichem folgend wird f\u00fcr die Festigung von Kalkputzen in der Denkmalpflege auch Kalkwasser verwendet, obwohl aufgrund der geringen L\u00f6slichkeit von Kalk in Wasser nur ge-ringe Mengen Festiger eingebracht und somit nur (wenn \u00fcberhaupt) geringe Festigkeitssteigerungen erzielt werden k\u00f6nnen.<br \/>\nNeue Untersuchungen der Projektbeteiligten haben gezeigt, dass kaltes Carbonatwasser einen h\u00f6heren Festigkeitszuwachs als normales Kalkwasser bewirken kann. Unter diesem Festigungsmittel versteht man eine \u00fcbers\u00e4ttigte L\u00f6sung von Wei\u00dfkalkhydrat in Wasser mit einer Temperatur von 3-7\u00b0C, dem Koh-lendioxid bis zur S\u00e4ttigung zugesetzt wurde. Bei Gegenwart von Restalkalit\u00e4t, die in historischen Putzen \u00fcblicherweise in Kalkspatzen angereichert ist, wird mit diesem Festiger ein h\u00f6herer Festigkeitszuwachs als mit Kalkwasser erzielt.<br \/>\nDiese Ergebnisse wurden an im Labor hergestellten Pr\u00fcfk\u00f6rpern (Kalkputzscheiben) gewonnen. Die \u00dcbertragung auf reale Verh\u00e4ltnisse soll im Zuge der genannten Instandsetzung der Tiepolo Fresken erfolgen. Vorabmessungen haben gezeigt, dass eine ausreichende Restalkalit\u00e4t in den Putzen vorliegt.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenAls Untersuchungsprogramm ist vorgesehen, unbemalte Putzst\u00fccke mit Carbonatwasser im Labor zu tr\u00e4nken und die ausgeh\u00e4rteten Proben mit verschiedenen zerst\u00f6rungsfreien bzw. zerst\u00f6rungsarmen Untersuchungsmethoden z.B. Ultraschalllaufzeit- und Bohrwiderstandsmessungen zu \u00fcberpr\u00fcfen und zu bewerten.<br \/>\nDarauf folgen Versuche vor Ort mit Kontrollmessungen an Musterfl\u00e4chen, um die Laborresultate auf die Objektsituation zu \u00fcbertragen. Die Ergebnisse sollen dann in das laufende Restaurierungsprogramm mit einbezogen werden. Da die Entfestigung des Putzgef\u00fcges und seine strukturelle Konsolidierung ein h\u00e4ufiges, zentrales Problem der Putzerhaltung darstellt, sind die neuen Erkenntnisse auf viele F\u00e4lle solcher Konservierungsarbeiten \u00fcbertragbar.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Mit dem Projekt sind zwei wesentliche Ziele erreicht worden:<\/p>\n<p>1. Die strukturelle Festigung historischer Putze durch Anwendung von Carbonatwasser ist, verglichen mit herk\u00f6mmlichen Verfahren, ein \u00e4u\u00dferst vorteilhafter Weg, der bei sachgem\u00e4\u00dfer Anwendung in der Regel zum Erfolg f\u00fchrt. Vorteile sind vor allem die Ungiftigkeit und Geruchlosigkeit, ferner wird durch das pH-neutrale Medium das Risiko m\u00f6glicher Verseifung von Bindemittelanteilen ausgeschlossen, welches etwa bei der Anwendung von Kalkwasser oder Bariumhydroxid-L\u00f6sung gegeben w\u00e4re.<\/p>\n<p>Bereichsweise h\u00e4ufig vorhandene Restalkalit\u00e4t historischer Putze bietet den Vorteil, dass dann durch die Reaktion insgesamt mehr Bindemittel abgeschieden wird.<\/p>\n<p>Neben der strukturellen Festigung von Putz- und Stuckoberfl\u00e4chengelingt es auch, pudernde Fresco- und Seccomalschichten an den Tr\u00e4gerputz anzubinden. Da die Reaktion insgesamt sehr rasch verl\u00e4uft, k\u00f6nnen Aufhellungen der Malschicht durch Bindemittelabscheidung vermieden werden, wie sie h\u00e4ufig bei langsam erh\u00e4rtenden Systemen auftritt.<\/p>\n<p>2. Zerst\u00f6rungsfreie und zerst\u00f6rungsarme Pr\u00fcfverfahren konnten zum Teil neu entwickelt, zum Teil in ihrer Aussagekraft verbessert werden. Dabei zeigte es sich, dass gerade die Kombination mehrerer Methoden die Zuverl\u00e4ssigkeit einer Aussage \u00fcber den Festigungserfolg deutlich erh\u00f6ht. Die Methode der Sch\u00e4lwiderstandsmessung erwies sich nach Doppelpr\u00fcfung in zwei unterschiedlichen Labors als \u00e4u\u00dferst zuverl\u00e4ssiger Parameter zur Bewertung. Erfreulich ist ferner, dass die beinahe zerst\u00f6rungsfreie Pr\u00fcfmethode der Eindruckh\u00e4rte f\u00fcr die Bewertung der Oberfl\u00e4chenstabilit\u00e4t sehr brauchbare Aussagen liefert. Eine Beurteilung der Tiefenwirkung einer Festigungsma\u00dfnahme l\u00e4sst sich dagegen wirkungsvoll durch Messung der Bohrwiderstandsprofile erzielen. Dies stellt allerdings einen Eingriff von ca. 2,5 mm Durchmes-ser dar.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Die Grundlagen und Voraussetzungen des Projekts wurde anl\u00e4sslich der internationalen Fachtagung Oberfl\u00e4chenreinigung: Material und Methoden des Verbands der Restauratoren in D\u00fcsseldorf vom 29.09. bis 04.10.2003 im Rahmen eines Vortrags pr\u00e4sentiert. Die schriftliche Darstellung dieser Ergebnisse erfolgte in der Reihe Beitr\u00e4ge zur Erhaltung von Kunst und Kulturgut des Verbands im Heft 1\/2005. Es ist vorgesehen, die Ergebnisse des Projekts im Rahmen einer \u00e4hnlichen Fachveranstaltung bzw. in der Fachpresse vorzustellen.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Die strukturelle Festigung historischer Putze mit Carbonatwasser ist der Anwendung von herk\u00f6mmlichem Kalkwasser \u00fcberlegen. Unterschiedliche, zum Teil neu entwickelte, Me\u00dfmethoden belegen die erh\u00f6hte Wirksamkeit des umweltvertr\u00e4glichen Festigungsmittels. Durch die Behandlung mit Carbonatwasser k\u00f6nnen neben der Stabilisierung des Putzgef\u00fcges auch instabile Malschichten wieder an den Untergrund angebunden werden.<\/p>\n<p>Leider konnte die Anwendung von Carbonatwasser am Objekt nur ansatzweise durchgef\u00fchrt und \u00fcberpr\u00fcft werden. Entgegen der urspr\u00fcnglichen Einsch\u00e4tzung zeigte es sich bei den Praxistests, dass die Schadensbilder pudernde Malschicht und strukturelle Entfestigung des Tr\u00e4gerputzes im Deckenbild des Kaisersaales der Residenz nur unzureichend vertreten sind.<\/p>\n<p>Da sowohl das Verfahren selbst als auch die notwendigen Pr\u00fcfverfahren einfach handhabbar und zug\u00e4nglich sind, bietet es sich an, eine Erprobung an unterschiedlichen Objekten durch Wandrestauratoren durchf\u00fchren zu lassen. Die daraus resultierenden Bewertungen sollten einer zentralen Auswertung zugef\u00fchrt werden. Auf diese Weise lie\u00dfe sich mittelfristig eine bessere Einsch\u00e4tzung der Praxistauglichkeit er-zielen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Ein wesentliches Element der Konsolidierung von Putzen besteht im Einbringen von neuem Bindemittel. 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