{"id":23906,"date":"2023-07-22T10:32:02","date_gmt":"2023-07-22T08:32:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/23037-01\/"},"modified":"2023-07-22T10:32:06","modified_gmt":"2023-07-22T08:32:06","slug":"23037-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/23037-01\/","title":{"rendered":"Modellhafte Entwicklung von Fluss begleitendem Sandrasen durch Ziegenbeweidung"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Ehemals wurden die Unterl\u00e4ufe der gro\u00dfen norddeutschen Fl\u00fcsse von D\u00fcnen und sandigen Flussinseln begleitet, die sich infolge der Dynamik des Systems regelm\u00e4\u00dfig neu bildeten. In historischen Zeit wurden Lebensr\u00e4ume mit sch\u00fctter bewachsenen Sandfl\u00e4chen durch menschliche Nutzung erhalten. Im letzten halben Jahrhundert sind solche Habitate aufgrund der eingeschr\u00e4nkten Flussdynamik zunehmend verloren gegangen. Vor\u00fcbergehenden Ersatz bilden Sp\u00fclfelder. Mittlerweile drohen auch diese Sekund\u00e4rstrukturen durch Sukzession verloren zu gehen. Ein Beispiel dieser Art ist die Lankenauer Weserinsel im Bremer Hafengebiet. <\/p>\n<p>Zielsetzung dieses Projektes war es, mit Hilfe von Ziegenbeweidung auf einer Flussinsel die Sandbiotope zu erhalten und die Geh\u00f6lzentwicklung auf der Insel zur\u00fcckzudr\u00e4ngen. Die Folgen der Beweidung auf Vegetation und Fauna sollten wissenschaftlich untersucht werden. Die N\u00e4he zur Gro\u00dfstadt sollte zur Umweltbildungs- und \u00d6ffentlichkeitsarbeit genutzt werden.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten Methoden1.\tVorbereitung der Ziegenbeweidung: Einholen von Genehmigungen; Entm\u00fcllung; Bau eines<br \/>\n       Stalls; Beschaffung geeigneter, Freiland erprobter Tiere (10 Hammel des Zuchtbetriebs Stumpf,<br \/>\n       K\u00f6ln). Untersuchungsdurchgang vor Beweidungsbeginn.<br \/>\n2.\tAntransport der Tiere per Boot; Etablierungsphase: als Herde zusammenfinden, mit<br \/>\n       Lebensraum vertraut machen; Gew\u00f6hnung an Betreuer; tier\u00e4rztliche Kontrollen; Ern\u00e4hrung im<br \/>\n       Winter in Freiland.<br \/>\n3.\tDauerbetrieb der Freilandbeweidung; fortlaufende Begleituntersuchungen; Bildungsarbeit mit<br \/>\n       Schulklassen; Informations- und \u00d6ffentlichkeitsarbeit<br \/>\n4.\tVorbereitung und Durchf\u00fchrung des Abschlussworkshops, Auswertung der<br \/>\n       wissenschaftlichen Untersuchungen, Endberichte der Gutachter, Projektabschlussbericht.<br \/>\n       Durchstehen des ersten harten Winters in der Projektlaufzeit; Kl\u00e4rung der Rahmenbedingungen<br \/>\n       f\u00fcr die Fortf\u00fchrung des Projektes \u00fcber M\u00e4rz 2009 hinaus.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Beweidung:<br \/>\nDie Beweidung mit 10 Ziegen (Hammel) konnte erfolgreich etabliert und \u00fcber mehr als drei Jahre durchgef\u00fchrt werden. Anfangsschwierigkeiten im Handling der Tiere sind der Unerfahrenheit der Betreuung geschuldet. Tierverluste sind \u00fcber den dreij\u00e4hrigen Projektzeitraum weniger als erwartet aufgetreten und waren ausschlie\u00dflich auf normale Erkrankungen zur\u00fcckzuf\u00fchren. Die Tiere haben bei der ganzj\u00e4hrigen Freilandhaltung auch die Winterhalbjahre problemlos \u00fcberstanden. Dabei erfolgte eine Umstellung der Nahrungsaufnahme hin zu massiv verst\u00e4rktem Sch\u00e4len von Geh\u00f6lzen. Viele Geh\u00f6lze \u00fcberleben einmaliges Sch\u00e4len, verlieren aber an Wuchskraft und gehen bei Wiederholung des Sch\u00e4lens ein. Als Tr\u00e4nke diente in erster Linie die Weser. Der Stall wurde im ersten Jahr gar nicht und in den Folgejahren nur bei starkem Regen genutzt. Eine regelm\u00e4\u00dfige Lockf\u00fctterung mehrmals pro Woche ist notwendig, damit die Tiere f\u00fcr eine veterin\u00e4rmedizinische Versorgung zug\u00e4nglich bleiben. Die Sandfl\u00e4chen werden vorwiegend als Ruhe- und Komfortr\u00e4ume genutzt, gefressen wird in allen grasigen, Geb\u00fcsch- und Geh\u00f6lz-Bereichen.<\/p>\n<p>Flora\/Vegetation:<br \/>\nUntersucht wurde die Flora ganzfl\u00e4chig, die Vegetationsentwicklung auf Probequadraten, die Geh\u00f6lzentwicklung an Transekten, die Biotoptypen und die optische Ver\u00e4nderung mittels Fotopunkten. Die Sandbiotope konnten erhalten werden, Geh\u00f6lzbiotope wurden ausged\u00fcnnt und wesentlich l\u00fcckiger, vor allem bis auf Stehh\u00f6he der Ziegen; Einzelb\u00fcsche sind weitgehend verschwunden nach wiederholtem Sch\u00e4len, ruderale Staudenflure sind umgewandelt in Weiderasen. Die Artenzahl hat sich geringf\u00fcgig erh\u00f6ht. Landschilf und Brombeere sind nicht weiter in die Sandrasen vorgedrungen.<\/p>\n<p>Fauna:<br \/>\n\u00dcberraschend war eine deutliche Verringerung der Dichten von Laufk\u00e4fern (Bodenfallen und Handf\u00e4nge) und Heuschrecken (akustische und Sichterfassungen) der Sandbiotope. Die Aktivit\u00e4tsdichte der Ziegen war f\u00fcr viele dieser Arten offenbar zu hoch. Demgegen\u00fcber haben Arten wie Spinnen und kotfressende K\u00e4fer (Bodenfallen) Zunahmen zu verzeichnen. Die ohnehin sp\u00e4rlichen Vorkommen selbst eurytoper Falter (Sichtkontrollen) und bodenbr\u00fctender Vogelarten (Revierkartierung) blieben konstant niedrig. Der mehrj\u00e4hrige Bruterfolg von Austernfischern zeigt jedoch, dass erfolgreiche Reproduktion und Ziegenbeweidung nebeneinander m\u00f6glich sind.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>J\u00e4hrlich wurden mehrere Schulklassen mit dem Boot zur Insel \u00fcbergesetzt und konnten im Freiland die Lebensweise und Wirkung der Ziegen erleben. Die Ausfl\u00fcge waren jeweils in den aktuellen Unterrichtsstoff eingebunden. Mehrere Fachexkursionen und Vortr\u00e4ge dienten dazu, den Erfahrungsaustausch zwischen regionalen Naturschutzakteuren \u00fcber Beweidung als Erhaltungsma\u00dfnahme f\u00fcr Magerbiotope anzusto\u00dfen. H\u00f6hepunkt der Bem\u00fchungen und zugleich Abschluss des Projektes war der Workshop Bewegung im Sand in der Hochschule Bremen (Jan. 09).<br \/>\n\u00dcber das Projekt wurde regelm\u00e4\u00dfig in der Presse berichtet, mehrere Fernsehbeitr\u00e4ge wurden ausgestrahlt. In Kooperation mit der Hochschule f\u00fcr K\u00fcnste entstand in einem studentischen Projekt ein Film \u00fcber Die Ziegen auf der Lankenauer Weserinsel. Ein Informationsblatt \u00fcber das Projekt wurde gedruckt und breit verteilt. Der Fortgang des Projektes wurde regelm\u00e4\u00dfig in \u00f6rtlichen Gremien dargelegt.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Die Beweidung mit Ziegen ist geeignet flussbegleitende Sandbiotope offen zu halten und Geh\u00f6lzbiotope zu \u00f6ffnen. Der Bewegungsdrang der Ziegen f\u00fchrt jedoch zu deutlichen Beeintr\u00e4chtigungen der Sand gebundenen Bodenfauna, so dass eine partielle Aussparung (r\u00e4umlich und\/oder zeitlich begrenzt) aus der Zug\u00e4nglichkeit f\u00fcr die Tiere sinnvoll ist (variable Ausz\u00e4unungen). Auch nach mehrj\u00e4hriger Beweidung leiden die verbliebenen Tiere nicht unter Nahrungsmangel. Das feuchte maritime Klima Nordwestdeutschlands &#8211; auch h\u00e4rtere Winter &#8211; wird von geeigneten Rassen gut \u00fcberstanden. Der Betreuungsaufwand ist hoch, aber etwa kostengleich mit einer maschinellen Pflege im mehrj\u00e4hrigen Rhythmus. Der Pflegeerfolg der Beweidung ist jedoch h\u00f6her einzusch\u00e4tzen. Lebensraumpflege mit Weideziegen eignet sich im stadtnahen Bereich hervorragend f\u00fcr Bildungs- und \u00d6ffentlichkeitsarbeit. Anf\u00e4ngliche Skepsis hat sich in breite Zustimmung bei lokaler Bev\u00f6lkerung und Politik gewandelt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Ehemals wurden die Unterl\u00e4ufe der gro\u00dfen norddeutschen Fl\u00fcsse von D\u00fcnen und sandigen Flussinseln begleitet, die sich infolge der Dynamik des Systems regelm\u00e4\u00dfig neu bildeten. In historischen Zeit wurden Lebensr\u00e4ume mit sch\u00fctter bewachsenen Sandfl\u00e4chen durch menschliche Nutzung erhalten. 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