{"id":23896,"date":"2025-06-28T10:32:09","date_gmt":"2025-06-28T08:32:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/23000-01\/"},"modified":"2025-06-28T10:32:09","modified_gmt":"2025-06-28T08:32:09","slug":"23000-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/23000-01\/","title":{"rendered":"Elektrostatische Abreinigung anthropogener Umweltsch\u00e4den im Kartenbestand des Perthes Geographischen Verlags"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Die Kartensammlung Perthes befindet sich in einem Stadium fortgeschrittener Sch\u00e4digung. Zu gro\u00dfen Teilen sind die Karten mit einer Schmutzschicht \u00fcberzogen. Die Feinstaubbelastung beschleunigt den Zerfall der holzschliffhaltigen Papiere. Die bisher in der Papierrestaurierung angewendeten Verfahren der Oberfl\u00e4chenreinigung sind zu personal- und kostenintensiv f\u00fcr den Umfang der Kartensammlung (185.000 Blatt). Ziel war es, ein Modellverfahren zur Trockenreinigung eines in Papiersorten und Beschreibstoffen heterogenen Massenpapierbestandes zu entwickeln. Das Verfahren basiert auf der Konstruktion einer Maschine, die mit Hilfe elektrostatischer Effekte eine effektive und schonende Reinigung der mechanisch wenig belastbaren Kartenbl\u00e4tter gew\u00e4hrleistet. Damit verkn\u00fcpft ist die Entwicklung einer Datenbank zur Dokumentation der Reinigung und zur Verkn\u00fcpfung weiterer f\u00fcr die Nutzbarmachung der Karten notwendige Ma\u00dfnahmen.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenIn der 1. Phase wurden Laborversuche durchgef\u00fchrt, um Verfahren des Abhebens elektrostatisch aufgeladener Staubteilchen von Papiermaterialien sowie ihre Aufnahme durch ein Tr\u00e4germaterial zu testen. Unterschiedliche Stoffe wurden auf ihre Eignung als Tr\u00e4germaterial untersucht. Die Versuche schlossen Untersuchungen zum Aufbau des elektrischen Feldes und zur Reinigung des Tr\u00e4germaterials ein. Gleichzeitig wurde ein verfahrenstechnischer und restauratorisch-konservatorischer Anforderungskatalog einschlie\u00dflich einer prozessbegleitenden Qualit\u00e4tskontrolle erarbeitet. In der 2. Phase wurden die Konstruktionsunterlagen erarbeitet und der Bau der Reinigungsanlage einschlie\u00dflich einer Messkammer zur Qualit\u00e4tskontrolle realisiert. Die Phase endete mit der Installation der Maschine in Gotha und einem Test unter Realbedingungen. Im st\u00e4ndigen Dialog mit den Ergebnissen der 1.\/2. Phase wurde ein Datenbanksystem entwickelt, das die jeweilige Einzelkarte in ihren Merkmalen erfasst, ihre Reinigung dokumentiert, den Prozess in seinen Verfahrenschritten steuert und die Verwaltung weiterer Bestandserhaltungsma\u00dfnahmen und der Kartennutzung erm\u00f6glicht.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Entwickelt wurden ein patentw\u00fcrdiges Modellverfahren zur Oberfl\u00e4chenreinigung und Entstaubung von Bibliotheks-, Archiv- und Museumsgut und eine kommerziell vermarktbare technische Einrichtung zur Bearbeitung umfangreicher und gro\u00dfformatiger planer Objekte. Das Verfahren basiert auf einem elektrostatischen Prinzip, das in einer maschinellen Gro\u00dfanlage (1,5m Breite x 8m L\u00e4nge x 1,75m H\u00f6he) umgesetzt wird. Die beidseitige Reinigung der Kartenoberfl\u00e4chen erfolgt durch zwei analog aufgebaute und arbeitende Baueinheiten, die jeweils ein Laufband f\u00fcr den Transport der Karten, eine schwenkbare Folieneinheit mit zwei Rollen zum Auf- und Abwickeln der Folie, eine Sogeinheit zum Fixieren der Karten auf dem Laufband, eine weiche Anpresswalze zum Aufbringen der elektrostatisch aufgeladenen Folie auf die Karten, eine B\u00fcrsteneinheit zum Verst\u00e4rken der elektrostatischen Ladung und einen Keil zum Abnehmen der Folie umfassen. Folien- und Laufb\u00e4nder besitzen die gleiche Geschwindigkeit, um ein Verrutschen der Karte und mechanische Sch\u00e4den zu vermeiden. Die Folieneinheiten sind wegschwenkbar, um das Best\u00fccken der Anlage mit neuer Folie zu erm\u00f6glichen und bei St\u00f6rungen Karten weitestgehend risikolos zu entnehmen.<br \/>\nDie Entwicklung der Kartenreinigungsanlage wurde verkn\u00fcpft mit der Entwicklung eines Datenbanksystems, das die Steuerung und st\u00e4ndige Kontrolle des gesamten Arbeitsprozesses, die Verwaltung des Kartenbestandes und die Initiierung nachfolgender Konservierungs-, Restaurierungs- und Erschlie\u00dfungsprojekte erm\u00f6glicht, und eines Modells zur Qualit\u00e4tskontrolle. Jede 200. Karte wird vor und nach der Reinigung gepr\u00fcft, indem der Scan eines definierten Kartenausschnittes ausgewertet wird. Au\u00dferdem steht zur Qualit\u00e4tskontrolle eine Messkammer mit Aerosolspektrometer bereit, in der definierte Luftproben \u00fcber eine Karte und anschlie\u00dfend durch eine Lasermesskammer gef\u00fchrt werden.<br \/>\nNach Abschluss der Testl\u00e4ufe und der Aufnahme des Dauerreinigungsbetriebes kann als Ergebnis festgehalten werden, dass die Feinstaubbelastung der gereinigten Karten weit unter der g\u00fcltigen Norm liegt, dass Schmutzr\u00e4nder deutlich reduziert werden und es zu keinen optisch erkennbaren Ver\u00e4nderungen und mechanischen Sch\u00e4digungen der Karten kommt.<br \/>\nAls technisches Hauptproblem der Testl\u00e4ufe erwiesen sich die gegenw\u00e4rtig am Prototyp eingesetzten mechanischen, nicht verschlei\u00dffreien Rutschkupplungen, die im Dauerbetrieb die Geschwindigkeiten von Transportband und Reinigungsfolie nur unzureichend aufeinander abstimmen, so dass es zu mechanischen Sch\u00e4digungen der Karten kommen k\u00f6nnte. Unerl\u00e4sslich ist deshalb die Entwicklung von verschlei\u00dffreien Rutschkupplungen, die eine exakte Koordination der Bandgeschwindigkeiten erlauben.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Das Projekt wurde 2007 vor Kartographen und Geographen auf der 22. Internationalen Konferenz zur Geschichte der Kartographie in Bern (8.-13. 07.) und vor Restauratoren auf dem IX. IADA-Congre\u00df in Wien (17.-21.09.) vorgestellt. Anl\u00e4sslich der Bundesgartenschau in Gera\/Ronneburg 2007 wurden das Projekt auf Postern pr\u00e4sentiert (abzurufen \u00fcber die Datenbank des Hornemann-Instituts) und der von Studenten der Universit\u00e4t Erfurt gedrehte Film Projekt Perthes. High-Tech gegen Feinstaub uraufgef\u00fchrt (abzurufen unter http: \/\/de.sevenload.com\/videos\/7rZ6ZfF\/0707perthesfkm). Die Posterpr\u00e4sentation wurde im Rahmen des von der DBU gef\u00f6rderten internationalen Sch\u00fclerprojektes Umwelt baut Br\u00fccken (17.11.2007) und w\u00e4hrend der Internationalen Atlastage in der Forschungsbibliothek Gotha (30.04.-4.05.2008) wiederholt gezeigt. 2008 werden die Ergebnisse des Projektes auf dem Expertenworkshop Kartenproduktion als Weltbildgenerierung des Leibniz-Instituts f\u00fcr L\u00e4nderkunde Leipzig (28.-30.09.) und auf dem 14. Kartographiehistorischen Colloquium in Hamburg (6.-8.11.) pr\u00e4sentiert. Nach Abschluss des Patentrechtsverfahrens sind noch f\u00fcr 2008 eine Pressekonferenz zum Modellprojekt der DBU und ein Festakt zur Einweihung der Kartenreinigungsanlage geplant. Das Kartenreinigungsprojekt wird in dem f\u00fcr 2008 geplanten Heft Die Sammlung Perthes Gotha (Reihe Patrimonia der Kulturstiftung der L\u00e4nder) in einem eigenst\u00e4ndigen Beitrag vorgestellt.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Innerhalb von zwei Jahren und sieben Monaten wurde durch die Projektpartner eine Kartenreinigungsanlage entwickelt, deren Leistungsf\u00e4higkeit die restauratorischen Anforderungen voll erf\u00fcllt und weit \u00fcber die in der Projektplanungsphase vorgesehenen Anforderungen hinausgeht. Entwickelt wurde ein patentw\u00fcrdiges Verfahren zur Oberfl\u00e4chenreinigung und Entstaubung von Bibliotheks-, Archiv- und Museumsgut und eine kommerziell vermarktbare technische Einrichtung zur Bearbeitung umfangreicher und gro\u00dfformatiger, planer Objekte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Die Kartensammlung Perthes befindet sich in einem Stadium fortgeschrittener Sch\u00e4digung. 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