{"id":23889,"date":"2023-09-21T10:32:09","date_gmt":"2023-09-21T08:32:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/22982-01\/"},"modified":"2023-09-21T10:32:10","modified_gmt":"2023-09-21T08:32:10","slug":"22982-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/22982-01\/","title":{"rendered":"Nachhaltige und modellhafte Pflege der national bedeutenden Wandmalereien der Kirche in Pilsum durch Klimamonitoring und Entwicklung von individuellen, angepassten L\u00f6sungsstrategien"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Das Projektziel war die Entwicklung und Erprobung einer langfristigen Erhaltungsstrategie f\u00fcr die Kirche in Pilsum. Dabei handelt es sich um eine Klimaregulierung des Kircheninnenraums und ein Monitoring der besch\u00e4digten Raumschale. Der Zustand der Kirche ist durch Feuchte-, biologische und vor allem auch standortbedingte Salzsch\u00e4den so gesch\u00e4digt, dass eine grundlegende Schadensbeobachtung zur Einleitung nachhaltiger Therapien dringend erforderlich ist.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDa eine dauerhafte Entsalzung des Backsteinmauerwerks mit den herk\u00f6mmlichen Verfahren nicht m\u00f6glich ist, wurde im Rahmen der bestandssichernden Kontrollen versucht, die bausch\u00e4dliche Wirkung der Salze durch eine Stabilisierung des Raumklimas mit einer speicherprogrammierbaren Regelungsanlage einzuschr\u00e4nken bzw. zu verhindern. Flankierend wurde im interdisziplin\u00e4ren Verbund die Zustandserfassung der Raumschale an ausgew\u00e4hlten Teilbereichen halbj\u00e4hrlich wiederholt, um dadurch systematische strukturierte Korrekturen des Raumklimas zu erm\u00f6glichen (Referenzfl\u00e4chen-Monitoring). Dabei kamen restauratorische Schadensdokumentationen in Korrelation mit klimatologischen, bauphysikalischen und &#8211; technischen Untersuchungen, unter Anwendung innovativer Verfahren und Methoden, zum Einsatz.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Bauliche Ma\u00dfnahmen<br \/>\nEs konnten in einem ersten Bauabschnitt die s\u00fcdliche und westliche Turmseite, die innenliegende Turmdachrinne hinter dem Attikagesims des Turmes sowie Dachanschl\u00fcsse repariert werden.<br \/>\nRegulierung des Raumklimas<br \/>\nIm Jahre 2008 wurde eine neue Brennwert-Heizanlage installiert, deren Steuerung eine ebenfalls erneuerte Regelungsanlage \u00fcbernommen hat. Sie hat daf\u00fcr gesorgt, dass sich das Raumklima hinsichtlich des f\u00fcr die Wandmalereischadensentwicklung bedeutenden Parameters Luftfeuchtigkeit im Vergleich zum Jahr 2007 bereits verbessert hat. Dabei ist ein Wert von 65% relativer Luftfeuchte festgelegt worden.<br \/>\nDie aufgezeichneten Anlagewerte belegen, dass die Regelung mit den ihr zur Verf\u00fcgung stehenden Eingangsparametern das vorgegebene Regelschema grunds\u00e4tzlich korrekt umsetzt.<br \/>\nEinschr\u00e4nkend ist anzumerken, dass w\u00e4hrend der Heizperiode aufgrund des Nutzerwunschs bei Veranstaltungen nach behaglichen Innentemperaturen eine Unterschreitung der oben genannten Luftfeuchte nicht zu vermeiden ist.<br \/>\nMonitoring an fotografisch erstellten Referenzfl\u00e4chen durch die Amtsrestauratoren<br \/>\nIn Pilsum konnte best\u00e4tigt werden, dass mit dem Verfahren des Fotovergleichs gute Ergebnisse erzielt werden k\u00f6nnen. Die Methode ist einfach zu handhaben, preiswert und alltagstauglich, da unter anderem der Ger\u00e4teaufwand sehr gering ist. Um Aussagen \u00fcber den Zustand der Raumschale treffen zu k\u00f6nnen, ist es immer erforderlich, das Objekt direkt durch einen Restaurator in Augenschein nehmen zu lassen. Wichtig ist vor allem, das Objekt ganzheitlich zu betrachten, um gegebenenfalls Ver\u00e4nderungen zu bewerten und entsprechend eingreifen zu k\u00f6nnen.<br \/>\nIm Ergebnis hat sich der R\u00fcckgang der Substanzverluste nicht best\u00e4tigt. Zwar ist an den Referenzbereichen die Situation nahezu unver\u00e4ndert. Dagegen haben sich an den bisher schon von Substanzverlusten betroffenen Bereichen umfangreiche Neusch\u00e4den eingestellt. Der Zustand der Raumausmalung verschlechtert sich weiter.<br \/>\nMonitoring mit Differenzfotografien<br \/>\nDas Verfahren wurde im Deutschen Bergbaumuseum entwickelt und in Zusammenarbeit mit dem NLD praxistauglich erprobt. An den gemeinsam bestimmten Referenzfl\u00e4chen wurden im Rahmen der Projektlaufzeit Ver\u00e4nderungen festgestellt, die mit dem blo\u00dfen Auge nicht erkennbar sind. Diese werden als Indikatoren betrachtet, deren Relevanz hinsichtlich der zerst\u00f6rungsfreien Zustandserfassung bzw. der Schadensdiagnose allerdings noch nicht gekl\u00e4rt werden konnten. F\u00fcr die Interpretation der Differenzbilddaten ist insbesondere die restauratorische Untersuchung am Objekt unverzichtbar. Das Wandmalerei-Referenzfl\u00e4chen-Monitoring mittels Multispektralfotografie und Differenzbildtechnik bildet eine methodische Erg\u00e4nzung der bew\u00e4hrten Verfahren. Ihre besondere Bedeutung wird zuk\u00fcnftig vermutlich in der Fr\u00fcherkennung von Schadensprozessen und in der Schadensvorsorge liegen.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Publikation \u00fcber das Vorhaben, Zwischen- und Endergebnisse in der Fachliteratur und im Internet schon erfolgt bzw. noch geplant, z. B. Homepage und Schriftenreihe des NLD.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Das Projekt diente zur Entwicklung und Erprobung einer langfristigen Erhaltungsstrategie im Sinne der Qualit\u00e4tssicherung. Dies beinhaltet die erforderliche Klimasteuerung in der Kirche von Pilsum in Verbindung mit einem Referenzfl\u00e4chenmonitoring.<br \/>\nHinsichtlich der Klimasteuerung ist grunds\u00e4tzlich festzustellen, dass Verbesserungen an der Raumschale durch eine Klimaregulierung erst sehr langsam eintreten werden. Sorge bereitet, dass sich trotz der Erneuerung der Heizungsanlage und -steuerung weiterhin Sch\u00e4den an der Raumausmalung eintreten. Hier ist &#8211; in Abstimmung mit der Kirchengemeinde &#8211; eine deutliche Verstetigung des Raumklimas erforderlich.<br \/>\nHinsichtlich des Monitorings hat sich gezeigt, dass das bew\u00e4hrte Verfahren der restauratorischen Objektuntersuchung unverzichtbar ist. Das Monitoring mittels Multispektralfotografie und Differenzbildtechnik bildet eine methodische Erg\u00e4nzung und Erweiterung. Die Ergebnisse dieses Verfahrens bed\u00fcrfen einer sorgf\u00e4ltigen \u00dcberpr\u00fcfung in Bezug auf die diagnostische Bedeutung bzw. die Schadensrelevanz der festgestellten Ver\u00e4nderungen. <\/p>\n<p>Um der Kirche eine langfristige Erhaltungsperspektive zu bieten, sollte die Au\u00dfeninstandsetzung insbesondere an den noch ausstehenden Turmfassaden fortgef\u00fchrt werden. Innen sollten einer nachhaltigen Instandsetzung der Raumschale Tests geeigneter Putzschl\u00e4mmen vorgeschaltet werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Das Projektziel war die Entwicklung und Erprobung einer langfristigen Erhaltungsstrategie f\u00fcr die Kirche in Pilsum. Dabei handelt es sich um eine Klimaregulierung des Kircheninnenraums und ein Monitoring der besch\u00e4digten Raumschale. 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