{"id":23880,"date":"2023-07-13T15:24:23","date_gmt":"2023-07-13T13:24:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/22963-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:24:24","modified_gmt":"2023-07-13T13:24:24","slug":"22963-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/22963-01\/","title":{"rendered":"Lebensader Schilde &#8211; Gew\u00e4sser- und Moorrenaturierung in der Schildeniederung im Biosph\u00e4renreservat Schaalsee"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Auf einer Strecke von 14,2 km durchflie\u00dft die Schilde das UNESCO-Biosph\u00e4renreservat Schaalsee. Das Flie\u00dfgew\u00e4sser ist Bestandteil einer \u00fcberregionalen Biotopverbundachse, die nach S\u00fcden Richtung Elbe verl\u00e4uft. Das ca. 1.340 ha gro\u00dfe Projektgebiet entlang des Talraumes der Schilde geh\u00f6rt zur Pflegezone des Biosph\u00e4renreservats Schaalsee und ist Bestandteil des Flora-Fauna-Habitat (FFH)-Gebietes Schaaletal mit Zufl\u00fcssen und nahegelegenen W\u00e4ldern und Mooren (EU-Nummer DE 2531-303) und ist damit Teil des \u00f6kologischen Netzes NATURA 2000.<br \/>\nDurch in der Vergangenheit erfolgte Gew\u00e4sserausbauma\u00dfnahmen sind viele Abschnitte der Schilde stark ver\u00e4ndert und in ihren landschafts\u00f6kologischen Funktionen beeintr\u00e4chtigt. Daher besteht ein dringender Sanierungsbedarf das Flie\u00dfgew\u00e4sser und seine Niederungen nachhaltig in seiner \u00f6kologischen Funktionsf\u00e4higkeit entsprechend den nationalen und internationalen Anforderungen (Wasserrahmenrichtlinie, Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie, Wasserhaushaltsgesetz, Landesnaturschutzgesetz M-V) zu sichern und zu entwickeln.<br \/>\nIn einem kooperativen, umsetzungsorientierten Planungsprozess sollen die planungs- und eigentums-rechtlichen Voraussetzungen f\u00fcr die Flie\u00dfgew\u00e4sserrenaturierung der Schilde sowie die Sanierung des angrenzenden Tessiner Moores sowie des Neuendorfer Moores, dem Quellgebiet der Schilde, geschaffen werden.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenVom Amt f\u00fcr das Biosph\u00e4renreservat Schaalsee wurde von M\u00e4rz 2005 bis Dez. 2007 eine von der DBU gef\u00f6rderte Projektstelle eingerichtet. Das sehr umfangreiche Projektmanagement umfasste die Koordination mit privaten und \u00f6ffentlichen Kooperationspartnern, beteiligten Planungsb\u00fcros, Eigent\u00fcmern und Nutzern sowie die \u00d6ffentlichkeitsarbeit und das Einwerben von F\u00f6rder- und Drittmitteln.<br \/>\nAls Planungsgrundlagen f\u00fcr die Renaturierung der Schilde sowie der Moore wurden zwischen 2003 und 2006 verschiedene gew\u00e4sser\u00f6kologische, naturschutzfachliche und hydraulische Gutachten und Genehmigungsplanungen erarbeitet. Dazu z\u00e4hlen u. a.<br \/>\n\tdie Machbarkeitsstudie \u00fcber die \u00f6kologische Renaturierung des Schildegebietes und des Tessiner Moores (gef\u00f6rdert durch LEADER+),<br \/>\n\tder FFH-Managementplan Schilde<br \/>\n\tEntwicklung eines partizipativen Umsetzungskonzeptes zur Renaturierung des Neuendorfer Moores (LEADER+)<br \/>\n\tdie Vermessung und Hydraulik der Schilde &#8211; Vorplanung zur Umsetzung des FFH-Managementplanes f\u00fcr die Schilde (gef\u00f6rdert durch LEADER+).<\/p>\n<p>Von besonderer Bedeutung war die Vernetzung des Projektes mit anderen Planungen und Projekten auf regionaler und landespolitischer Ebene. Bereits 2003 wurde das Bodenordnungsverfahren Schilde angeordnet, in dem die naturschutzfachlichen Zielstellungen f\u00fcr das Schildegebiet und deren Umsetzung integrale Bestandteile bilden.<br \/>\nZur Optimierung und Vernetzung regionaler Naturschutzplanungen sowie zur Erschlie\u00dfung von Finanzmitteln f\u00fcr den erforderlichen Fl\u00e4chenerwerb wurde das Schildegebiet und das Tessiner Moor in das Projektkerngebiet des gesamtstaatlich repr\u00e4sentativen Naturschutzgro\u00dfprojektes Schaalsee-Landschaft II integriert. Auf landespolitischer Ebene wurde die Schilde f\u00fcr die modellhafte Erstellung eines FFH-Managementplanes sowie als Pilotprojekt f\u00fcr die Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie ausgew\u00e4hlt. Dadurch konnten Planungsmittel f\u00fcr das Gesamtprojekt geb\u00fcndelt werden. Die Bewirtschaftungsvorplanung wird beispielhaft unter Ber\u00fccksichtigung der Renaturierungsma\u00dfnahmen erstellt; von dem Ergebnis wird sich u. a. eine Entsch\u00e4rfung von Interessenskonflikten bei der Gew\u00e4sserunterhaltung mit den zu-st\u00e4ndigen Wasser- und Bodenverb\u00e4nden erhofft.<br \/>\nEs wurde ein umfangreiches Netzwerk von Kooperationspartnern aus verschiedenen Institutionen, Stiftungen, kommunalen und anderen Einrichtungen aufgebaut, die an der Umsetzung des Projektes aktiv mitwirken. Als wichtiger Kooperationspartner profilierte sich die Gemeinde Wittend\u00f6rp, in deren Zust\u00e4n-digkeitsbereich der Gro\u00dfteil des Projektgebietes liegt, indem sie die Tr\u00e4gerschaft und Antragstellung f\u00fcr die F\u00f6rderung wasserbaulicher Ma\u00dfnahmen f\u00fcr bisher 5 Renaturierungsprojekte \u00fcbernommen hat.<br \/>\nF\u00fcr die Finanzierung der Ma\u00dfnahmen wurden Landes- bzw. EU-F\u00f6rderprogramme der Wasserwirtschaft und des Moorschutzes beantragt. \u00dcber LEADER+ konnten verschiedene Gutachten finanziert werden. Die zur Kofinanzierung erforderlichen Eigenmittel wurden im Rahmen des Projektmanagements \u00fcber Ausgleichs- und Stiftungsgelder eingeworben. Neben der DBU konnten noch andere Sponsoren f\u00fcr das Projekt als Partner gewonnen werden. Dazu z\u00e4hlen die Stiftung Biosph\u00e4re Schaalsee, die Deutsche Wildtier Stiftung, die Stiftung Umwelt und Naturschutz Mecklenburg-Vorpommern, die Vattenfall Europe Umweltstiftung, die Hoppe-Stiftung Naturschutz sowie Honda Motor Europe (North) GmbH, die sich bei der Umsetzung von Ma\u00dfnahmen sowie im Fl\u00e4chenerwerb engagieren.<br \/>\nSeit Juni 2005 begleiten Bachpaten der 4. Klasse der Grundschule am Friedensring in Wittenburg die Renaturierungsma\u00dfnahmen entlang der Schilde. Mit den Kindern werden im Laufe des Schuljahres verschiedene erlebnisreiche Umweltbildungsangebote durchgef\u00fchrt (Pflanzaktionen, Baustellenbesichtigungen, Gew\u00e4sseranalysen, Spieleinheiten zu verschiedenen Themen).<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Die zeitnahe Umsetzung geplanter Projekte innerhalb von 2 Jahren und damit schnell sichtbare Erfolge haben wesentlich zur Projektakzeptanz in der Region beigetragen. Mit dem R\u00fcckbau der Wehre und Sohlschwellen in Karft und Woez und dem Bau naturnaher Fischaufstiegsanlagen begann im September 2005 die Umsetzungsphase des Projektes. Im Herbst dieses Jahres fand die erste Pflanzaktion mit Freiwilligen (Hegering, Bachpaten) an der Schilde statt, bei der ein 500 m langer und 12 m breiter Uferrandstreifen entlang der Schilde mit standortgerechten B\u00e4umen und Str\u00e4uchern bepflanzt wurde.<br \/>\nIm Herbst 2006 erfolgten bei D\u00f6bbersen der Umbau eines Wehres und die Neuanlage einer naturnahen Fisch- und Evertebratenaufstiegsanlage, so dass die \u00f6kologische Durchg\u00e4ngigkeit der Schilde im Bereich des Biosph\u00e4renreservates nun wieder hergestellt ist. Des Weiteren erfolgte die Neuprofilierung eines 500 m langen Schildeabschnittes, der mit Unterst\u00fctzung der freiwilligen Feuerwehr sowie des F\u00f6rdervereins Biosph\u00e4re Schaalsee e.V. bepflanzt wurde.<br \/>\nDie Sanierungsma\u00dfnahmen im Bereich des Tessiner Moores (Wasserstandsanhebungen, Entkusselung und Waldumbau) wurden im Feb. 2007 abgeschlossen. Mit den Ma\u00dfnahmen zur Renaturierung des Neuendorfer Moores (Wasserstandanhebung, Waldumbau, Bypass f\u00fcr landwirtschaftliche Dr\u00e4nw\u00e4sser) wurde im Herbst 2007 begonnen. Die Fertigstellung erfolgte im Fr\u00fchjahr 2008.<br \/>\nF\u00fcr zwei weitere Renaturierungsprojekte entlang der Schilde im Bereich Raguth (Erh\u00f6hung der Eigendynamik durch Str\u00f6mungshindernisse aus Totholz) und Karft (u. a. Neuprofilierung auf einer Strecke von 400 m) sind die genehmigungs- und eigentumsrechtlichen Vorraussetzungen bereits erf\u00fcllt. Durch Verz\u00f6gerung bei der Freigabe von EU-F\u00f6rdermitteln f\u00fcr die Umsetzung der wasserbaulichen Ma\u00dfnahmen k\u00f6nnen diese Projekte erst im Sp\u00e4tsommer 2008 umgesetzt werden.<br \/>\nInsgesamt konnten w\u00e4hrend der Projektlaufzeit bisher 5 Renaturierungsma\u00dfnahmen realisiert werden. Ca. 184 ha wurden durch Fl\u00e4chenerwerb f\u00fcr den Naturschutz gesichert. F\u00fcr weitere 45 ha ist die kostenlose \u00dcbertragung von BVVG-Fl\u00e4chen als Nationales Naturerbe entsprechend des Koalitionsvertrages beantragt worden.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Das Renaturierungsprojekt wurde von einer intensiven \u00d6ffentlichkeitsarbeit begleitet. Insgesamt wurden drei gro\u00dfe Info-Veranstaltungen mit den Kooperationspartnern unter der Schirmherrschaft des zust\u00e4ndigen Ministeriums durchgef\u00fchrt, um den bisherigen Projektverlauf zu bilanzieren. Neben Informationsveranstaltungen zu den geplanten Flie\u00dfgew\u00e4sser- und Moorrenaturierungen mit z. T. externen Moderatoren wurden zahlreiche Eigent\u00fcmergespr\u00e4che durchgef\u00fchrt. F\u00fcr die Einwohner erfolgten Vortr\u00e4ge auf Ge-meindeversammlungen und es wurden \u00f6ffentliche F\u00fchrungen in den betroffenen Ortsteilen angeboten. \u00dcber den aktuellen Stand der Renaturierungsma\u00dfnahmen wurde auf der Webseite des Biosph\u00e4renreser-vats unter www.schaalsee.de informiert. Die Bev\u00f6lkerung erhielt \u00fcber zahlreiche Artikel in der regionalen Presse (Tageszeitung, Biosph\u00e4renreservat aktuell, Amtsbl\u00e4tter) Informationen zu den laufenden Aktionen.<br \/>\nDer NDR hat in zwei Radioberichten das Projekt Lebensader Schilde vorgestellt. In der Fernsehsendung rel\u00e4xx im Kinderkanal wurde \u00fcber das Bachpatenprojekt berichtet. Die erfolgreiche Teilnahme an Wettbewerben (Landesumweltpreis M-V, Umweltpreis des Landkreises Ludwigslust) sowie die Einbin-dung verschiedener regionaler Gruppen bei Pflanzaktionen (Bachpaten der Friedensschule Wittenburg, \u00f6rtliche Hegering Schildetal, freiwillige Feuerwehr D\u00f6bbersen, F\u00f6rderverein Biosph\u00e4re Schaalsee e.V.) haben zu einer positiven Projektakzeptanz beigetragen.<br \/>\nInsbesondere das Bachpatenprojekt erweist sich als sehr \u00f6ffentlichkeitswirksam, da die Bachpaten als Sympathietr\u00e4ger und Multiplikatoren f\u00fcr die Renaturierungsma\u00dfnahmen wirken und \u00fcber ihre Aktivit\u00e4ten h\u00e4ufig in der Presse berichtet wurde.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Der Vernetzung mit regionalen und landesweiten Planungen und Projekten, der Aufbau eines engen Netzwerkes kooperierender Partner und die intensive \u00d6ffentlichkeitsarbeit haben wesentlich zur erfolgreichen Umsetzung des Projektes beigetragen. Durch die Integration dieser Planungen in das noch bis 2013 laufende Bodenordnungsverfahren haben sich zahlreiche positive Synergieeffekte ergeben. In einem kooperativen Planungsprozess konnten planungs- und eigentumsrechtliche Vorraussetzungen geschaffen werden. Durch die Konzentrationswirkung nach \u00a7 41 FlurG hat sich das Genehmigungsverfahren reduziert, da keine eigenst\u00e4ndigen wasserrechtlichen Verfahren mehr erforderlich sind. Die Akzeptanz f\u00fcr die Naturschutzma\u00dfnahmen bei den beteiligten Landwirten hat sich durch die durch die Vermitt-lungsfunktion des Vorstandes der Teilnehmergemeinschaft, dem BOV-Planer sowie des Amtes f\u00fcr Landwirtschaft deutlich erh\u00f6ht. Die Gemeinde Wittend\u00f6rp, die die Tr\u00e4gerschaft f\u00fcr die wasserbaulichen Ma\u00dfnahmen \u00fcbernommen hat, hat das Projekt Lebensader Schilde als Chance f\u00fcr die touristische und wirtschaftliche Entwicklung der l\u00e4ndlichen Region erkannt. Durch die sich er\u00f6ffnenden F\u00f6rderm\u00f6glichkeiten im Rahmen des BOV wie Wegebau und Dorferneuerung stellt sich diese Kooperation als Win-Win-Situation dar.<br \/>\nZwar erleichtern die vereinfachten Fl\u00e4chenerwerbs- und -tauschm\u00f6glichkeiten im Rahmen des BOV die Fl\u00e4chenneuordnung, in der Praxis erwiesen sich die Fl\u00e4chenverhandlungen sowie die Einholung von Einverst\u00e4ndniskl\u00e4rungen zu den geplanten Ma\u00dfnahmen jedoch als besonders aufwendig und langwierig. Der damit verbundene hohe Koordinationsaufwand z\u00e4hlt zu den gr\u00f6\u00dften Hemmnissen bei der Umsetzung. Die Bereitschaft zum Verkauf von Fl\u00e4chen ist eher gering und dem Wunsch nach Tauschfl\u00e4chen, die nur begrenzt zur Verf\u00fcgung stehen, kann nicht immer gleich entsprochen werden. L\u00f6sungsans\u00e4tze werden im  Rahmen der Planwunschgespr\u00e4che erarbeitet, allerdings erschwerten die hohen Preis- und Tauschvorgaben, die von der Teilnehmergemeinschaft beschlossen wurden, die Verhandlungen.<br \/>\nDurch den erfolgreichen Aufbau entsprechender Strukturen und Netzwerke sind gute Ausgangsbedingungen  f\u00fcr die weitere Umsetzung der noch geplanten Renaturierungsma\u00dfnahmen geschaffen. F\u00fcr die geplante Neuprofilierung der Schilde im Bereich Woez liegt bereits die Entwurfs- und Genehmigungsplanung vor. Hier laufen noch die Gespr\u00e4che mit den Eigent\u00fcmern und Bewirtschaftern. Nach jetzigem Planungsstand ist mit einer vollst\u00e4ndigen Renaturierung der Schilde im Bereich des Biosph\u00e4renreservates, der Arroundierung der erworbenen Naturschutzfl\u00e4chen im Projektkerngebiet sowie der weitgehenden Sicherung eines durchgehenden Uferrandstreifens im Rahmen des bis 2013 laufenden BOV zu rechnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Auf einer Strecke von 14,2 km durchflie\u00dft die Schilde das UNESCO-Biosph\u00e4renreservat Schaalsee. Das Flie\u00dfgew\u00e4sser ist Bestandteil einer \u00fcberregionalen Biotopverbundachse, die nach S\u00fcden Richtung Elbe verl\u00e4uft. 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