{"id":23879,"date":"2025-12-22T10:32:06","date_gmt":"2025-12-22T09:32:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/22961-01\/"},"modified":"2025-12-22T10:32:06","modified_gmt":"2025-12-22T09:32:06","slug":"22961-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/22961-01\/","title":{"rendered":"Renaturierung degradierter Uferabschnitte an Seen der Holsteinischen Schweiz"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Anlass des Vorhabens ist der z. T. seit Ende der 1950er Jahre zu beobachtende R\u00fcckgang des Schilfes an Seen der Holsteinischen Schweiz. Im Rahmen des Projektes sollen die Ursachen dieses R\u00fcckganges unter besonderer Ber\u00fccksichtigung der Beweidung des Schilfes durch Graug\u00e4nse analysiert werden. Aufbauend auf diesen Erkenntnissen sollen Renaturierungsma\u00dfnahmen (Anpflanzung, ingenieurbiologische Bauwerke) durchgef\u00fchrt werden.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenIm Verlauf des Projektes wurden Untersuchungen zu den Effekten verschiedener Renaturierungsma\u00dfnahmen auf die Vitalit\u00e4t der Schilfr\u00f6hrichte sowie zu den Effekten der Beweidung derselben durch Graug\u00e4nse an verschiedenen Gew\u00e4ssern der Holsteinischen Schweiz durchgef\u00fchrt (zweifaktorielle Experimente). Zus\u00e4tzlich wurden erg\u00e4nzend die Auswirkungen einer stabilen Wasserstandsf\u00fchrung und die Effekte der winterlichen Reetmahd auf die Vitalit\u00e4t der Schilfr\u00f6hrichte untersucht. Hieran waren sowohl das Biozentrum der Universit\u00e4t Hamburg als auch das \u00d6kologie-Zentrum der Universit\u00e4t Kiel beteiligt. In einer ersten Projektphase wurden somit durch die Erhebung eigener Daten im Gel\u00e4nde sowie durch die Auswertung von Luftbildern aus den vergangenen Jahrzehnten umfangreiche Erkenntnisse gewonnen, die im Jahr 2007 eine mit externen Experten abgestimmte Auswahl von Fl\u00e4chen f\u00fcr eine erfolgreiche Renaturierung erm\u00f6glichten. Die Auswertung der Luftbilder und auch die Renaturierungsplanung erfolgte in Kooperation mit der Limnologischen Station der TU M\u00fcnchen. In einer zweiten Projektphase stand die Renaturierung der ausgew\u00e4hlten Uferabschnitte am aktuell nahezu schilffreien Gro\u00dfer Pl\u00f6ner See im Vordergrund. Zu den Renaturierungsma\u00dfnahmen z\u00e4hlten die gro\u00dffl\u00e4chige Anpflanzung aus authochtonem Saatgut gewonnener Pflanzen wie auch die Errichtung ingenieurbiologischer Bauwerke an mehreren Standorten.<br \/>\nDie Entwicklung der Anpflanzungen wird seit 2008 durch ein Monitoring dokumentiert. Auch die weitere Entwicklung der zu Untersuchungszwecken genutzten vorhandenen Schilfbest\u00e4nde wird durch ein Monitoring erfasst. Des Weiteren konnten auf Grundlage der Ergebnisse aus den Untersuchungen zu Effekten Fra\u00dfes durch Graug\u00e4nse erste Ma\u00dfnahmen des G\u00e4nsemanagements umgesetzt bzw. vorbereitet werden.<br \/>\nDie Ergebnisse der Luftbildauswertung sowie eigener Analysen flossen in eine GIS-basierte Analyse der Ursachen des R\u00f6hrichtr\u00fcckgangs ein.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Wie die Auswertung von Luftbildern verschiedener Jahrg\u00e4nge zeigt, sind die aquatischen Schilfr\u00f6hrichte an den Untersuchungsgew\u00e4ssern seit 1953 durchschnittlich um 78% zur\u00fcckgegangen. Faktoren wie die zunehmende Beschattung im Uferbereich, die Belastung durch Wellen und auch der Fra\u00df durch Graug\u00e4nse konnten im Zusammenwirken mit weiteren Faktoren als urs\u00e4chlich f\u00fcr diesen starken R\u00fcckgang  identifiziert werden. Alle betrachteten Faktoren kommen an jedem Gew\u00e4sser in unterschiedlicher Intensit\u00e4t zur Wirkung, so dass f\u00fcr jeden See individuelle Analysen notwendig sind. Dies best\u00e4tigt die Ergebnisse anderer Untersuchungen. Dar\u00fcber hinaus konnte in einer vergleichenden Studie gezeigt werden, dass die Vitalit\u00e4t der aquatischen Schilfr\u00f6hrichte ma\u00dfgeblich von der Wasserstandsf\u00fchrung eines Gew\u00e4ssers beeinflusst wird, wobei sich ein naturnahes hydrologisches Regime positiv auf die Vitalit\u00e4t der Schilfbest\u00e4nde auswirkte.<br \/>\nVorhandene aquatische Schilfr\u00f6hrichte k\u00f6nnen durch tempor\u00e4re und permanente Z\u00e4unungen wirkungsvoll gegen Fra\u00df durch Graug\u00e4nse gesch\u00fctzt werden. Auch die Auflichtung von Ufergeh\u00f6lzen sowie der Schutz vor mechanischer Belastung durch den Bau von Wellenbrechern in Form von Palisaden erwiesen sich als geeignete Ma\u00dfnahmen zum Schutz bestehender aquatischer Schilfr\u00f6hrichte. Zudem sind  sowohl Palisaden als auch Z\u00e4unungen ein besonders effektiver Schutz f\u00fcr neu angepflanzte Schilfbest\u00e4n-de.<br \/>\nDie GIS-basierte Ursachenanalyse wurde genutzt, um eine fl\u00e4chenscharfe Ma\u00dfnahmenplanung f\u00fcr R\u00f6hrichtschutz und -entwicklung f\u00fcr alle sechs Untersuchungsgew\u00e4sser abzuleiten, die den beteiligten Beh\u00f6rden ausgeh\u00e4ndigt wurde. Abschlie\u00dfend wurde auf Grundlage der eigenen Arbeiten sowie der Erkenntnisse aus anderen Projekten zum Schutz der Schilfr\u00f6hrichte ein (auf andere Gew\u00e4sser der norddeutschen Tiefebene) \u00fcbertragbarer Handlungsleitfaden zum Schutz und zur Entwicklung aquatischer Schilfr\u00f6hrichte erstellt.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Projektbegleitend wurde eine umfangreiche \u00d6ffentlichkeitsarbeit betrieben. Zahlreiche Ver\u00f6ffentlichungen in der regionalen und \u00fcberregionalen Tagespresse informierten \u00fcber den Verlauf der Projektarbeit. Zudem wurden regelm\u00e4\u00dfige Projekttreffen mit einem Kreis von ca. 30 st\u00e4ndigen Kooperationspartnern sowie Informationsveranstaltungen f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit durchgef\u00fchrt. Die Ver\u00f6ffentlichung des Hand-lungsleitfadens als gedruckte Brosch\u00fcre ist in Vorbereitung.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Die Ergebnisse der Projektarbeit weisen daraufhin, dass eine naturnahe Wasserstandsf\u00fchrung in den Gew\u00e4ssern der norddeutschen Tiefebene von wesentlicher Bedeutung f\u00fcr eine hohe Vitalit\u00e4t der aquatischen Schilfr\u00f6hrichte ist. Weitere Faktoren wie die Beschattung durch Ufergeh\u00f6lze, mechanische Belastung durch Wellen oder Fra\u00df durch Graug\u00e4nse u. a. m\u00fcssen f\u00fcr jedes Gew\u00e4sser als individuell wirksamer Faktorenkomplex betrachtet werden.<br \/>\nDurch die im Rahmen des Projektes durchgef\u00fchrten Untersuchungen konnten die Effekte verschiedener Renaturierungsma\u00dfnahmen quantifiziert werden. Zudem konnten erstmals quantitativ untermauerte Aussagen zu den Effekten des Fra\u00dfes durch Graug\u00e4nse und andere Wasserv\u00f6gel auf die aquatischen R\u00f6hrichte getroffen werden. Auch wenn letztlich insbesondere die historischen Ursachen des R\u00fcckgangs der aquatischen Schilfr\u00f6hrichte nicht vollst\u00e4ndig gekl\u00e4rt werden konnten, haben die Ergebnisse der Untersuchungen und auch der GIS-basierten Ursachenanalyse ma\u00dfgeblich dazu beigetragen, die in der Region gef\u00fchrte Diskussion zu den Ursachen des R\u00f6hrichtr\u00fcckgangs zu strukturieren und zu versachlichen.<br \/>\nDie Zusammenarbeit mit Landesbeh\u00f6rden sowie regionalen Beh\u00f6rden und anderen Kooperationspartner verlief \u00e4u\u00dferst konstruktiv. Der intensive Austausch mit allen Kooperationspartnern und auch B\u00fcrgern der Region hat entscheidend dazu beigetragen, die Problemstellung in der gegebenen Zeit umfassend bearbeiten zu k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Anlass des Vorhabens ist der z. T. seit Ende der 1950er Jahre zu beobachtende R\u00fcckgang des Schilfes an Seen der Holsteinischen Schweiz. 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