{"id":23878,"date":"2025-09-09T10:32:02","date_gmt":"2025-09-09T08:32:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/22718-01\/"},"modified":"2025-09-09T10:32:05","modified_gmt":"2025-09-09T08:32:05","slug":"22718-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/22718-01\/","title":{"rendered":"Aktionsplan f\u00fcr Wiesenv\u00f6gel und Feuchtwiesen"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Das Feuchtgr\u00fcnland in Mittel- und Westeuropa ist Lebensraum f\u00fcr eine Reihe gef\u00e4hrdeter Vogelarten und Pflanzengesellschaften. Trotz erheblicher Schutzbem\u00fchungen zeigen fast alle dort vorkommenden Vogelarten und viele weitere Organismen deutliche Bestandsr\u00fcckg\u00e4nge. Der prognostizierte weitere R\u00fcckgang des Feuchtgr\u00fcnlandes und der zu seinem Schutz zur Verf\u00fcgung stehenden Finanzen erfordern einen besonders effizienten und zielgerichteten Einsatz der Mittel. Hierzu soll das Projekt wissen-schaftliche Grundlagen erarbeiten und einen Aktionsplan f\u00fcr Wiesenv\u00f6gel und Feuchtwiesen entwickeln.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDas Projektziel soll durch die Nutzung der beim Schutz von Feuchtwiesen gewonnenen nationalen und internationalen Erfahrungen erreicht werden. Diese werden durch Literaturrecherchen und durch Befragungen der Beteiligten zusammengetragen. Die vielen, bisher weitgehend isoliert durchgef\u00fchrten Studien werden in einer Datenbank geb\u00fcndelt und hinsichtlich verschiedener Fragestellungen ausgewertet. Es sollen daf\u00fcr auch Faktoren ber\u00fccksichtigt werden, die bisher in der Diskussion weniger stark beachtet wurden wie die Bodenqualit\u00e4t und die r\u00e4umliche Isolation von Feuchtwiesengebieten. Als Indikatoren dienen Wiesenv\u00f6gel und bestimmte Pflanzengesellschaften. Die Effizienz der Schutzma\u00dfnahmen wird so-wohl hinsichtlich ihres naturschutzfachlichen Erfolgs (u. a. Bestandsentwicklungen und Reproduktionser-folg)  als auch hinsichtlich ihrer Kosten beurteilt. Die Studien aus dem nordwesteurop\u00e4ischen Raum werden durch eine Detailuntersuchung in verschiedenen Gebieten in Schleswig-Holstein erg\u00e4nzt und vali-diert. Wegen der immer gr\u00f6\u00dfer werdenden Schwierigkeiten, Feuchtwiesen als landwirtschaftliche Nutzfl\u00e4chen zu erhalten, sollen alternative Bewirtschaftungen wie zum Beispiel die Reetgewinnung dargestellt und aus der Sicht des Naturschutzes bewertet werden. Die Ergebnisse sollen schlie\u00dflich in einen mit internationalen Experten abgestimmten Aktionsplan zum Schutz von Wiesenv\u00f6geln und Feuchtwiesen m\u00fcnden.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Die Recherche von Literaturangaben und unver\u00f6ffentlichten Daten ergab, dass die R\u00fcckg\u00e4nge fast aller Wiesenvogelarten in Deutschland anhalten. Die bisherigen Schutzbem\u00fchungen konnten bisher noch keine Trendwende bewirken. Lediglich f\u00fcr die Best\u00e4nde von Brachv\u00f6geln und die Reproduktionsleistungen von Uferschnepfen und Brachv\u00f6geln konnten signifikant positive Effekte von Schutzgebieten nachgewiesen werden. Die Bestandsr\u00fcckg\u00e4nge der Watv\u00f6gel wurden offensichtlich durch mangelnde Reprodukti-onserfolge und nicht durch zu geringe \u00dcberlebensraten verursacht. Auch die f\u00fcr niedrigw\u00fcchsige Feuchtgr\u00fcnlandbest\u00e4nde typischen Pflanzenarten und -gesellschaften des nordwestdeutschen Tieflandes Calthion (verschiedene Auspr\u00e4gungen) und Scheuchcerio-Caricetea sind in Abnahme begriffen.<br \/>\nDie Wirksamkeit unterschiedlicher Schutzma\u00dfnahmen konnte an insgesamt 90 F\u00e4llen aus verschiedenen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern \u00fcberpr\u00fcft werden. Die Ergebnisse waren sehr unterschiedlich. Grunds\u00e4tzlich zeigten sich positive Auswirkungen auf Wiesenvogelbest\u00e4nde vor allem in den Jahren unmittelbar nach der Umsetzung der Ma\u00dfnahmen. In kleineren Gebieten schien eine h\u00f6here Wirksamkeit erzielt werden zu k\u00f6nnen als in gr\u00f6\u00dferen. Es gab keine Hinweise darauf, dass die r\u00e4umliche Isolierung von Brutgebieten einen Einfluss auf die Bestandsentwicklung oder die Wirksamkeit von Schutzaktionen hatte. Gelegeschutzprogramme und Lebensraumverbesserungen auf staatseigenen Fl\u00e4chen im Bereich des Wattenmeeres (sogenannte Naturschutzk\u00f6ge) stellten sich als sehr erfolgreich heraus. Der Erfolg von Fl\u00e4chenankauf auf der einen und Vertragsnaturschutz auf Privatfl\u00e4chen auf der anderen Seite war je noch Vogelart und Bodenbeschaffenheit unterschiedlich zu bewerten. Tendenziell waren auf Mineralb\u00f6den Projekte mit Fl\u00e4chenerwerb und auf organischen B\u00f6den Projekte des Vertragsnaturschutzes erfolgreicher. Auch f\u00fcr die Einzelma\u00dfnahmen ergaben sich nach Vogelart und Bodentyp differenzierte Ergebnisse. So wirkten sich in den K\u00fcstenk\u00f6gen und in den \u00fcbrigen Gebieten auf Mineralb\u00f6den Vern\u00e4ssungsma\u00dfnahmen positiv auf die Bestandsentwicklung aus, w\u00e4hrend dies auf organischen B\u00f6den seltener der Fall war. Die Schutzanspr\u00fcche der bedrohten Feuchtwiesen-Pflanzengesellschaften unterschieden sich dabei nicht st\u00e4rker von den Erfordernissen einzelner Vogelarten als die Vogelarten untereinander. Extensive Gr\u00fcnlandnutzung (Verzicht auf zus\u00e4tzliche D\u00fcngung und Aushagerung durch Mahd) zeigte sich als entscheidend f\u00fcr die Etablierung und den Erhalt der aus Sicht des botanischen Artenschutzes wertvollen Pflan-zenarten und Gesellschaften.<br \/>\nF\u00fcr insgesamt 23 Schutzprojekte konnten die Ausgaben ermittelt und auf j\u00e4hrliche Kosten pro Hektar umgerechnet werden. Um eine Vorstellung \u00fcber die Ausgabeneffizienz der Ma\u00dfnahmen zu erhalten, wurden die unterschiedlichen Siedlungsdichten und Bestandsentwicklungen der V\u00f6gel in den Gebieten ber\u00fccksichtigt und die Ausgaben pro Revierpaar bzw. pro zus\u00e4tzlich angesiedeltem Revierpaar abgesch\u00e4tzt. Es zeigte sich, dass f\u00fcr alle Arten au\u00dfer dem Brachvogel, der offensichtlich am besten durch Vertragsnaturschutzmodelle auf organischen B\u00f6den zu f\u00f6rdern war, Ma\u00dfnahmen in den K\u00fcstenk\u00f6ge am kosteneffizientesten waren. Der Fl\u00e4chenkauf in Gebieten mit Mineralb\u00f6den war f\u00fcr die meisten Arten e-benfalls sehr effizient &#8211; gegebenenfalls in Verbindung mit Vertragsnaturschutzangeboten. Der direkte Schutz von Gelegen und Bruten war bei den Arten, f\u00fcr die entsprechende Daten vorlagen, ebenfalls kos-teng\u00fcnstig.<br \/>\nF\u00fcr den Fall, dass keine M\u00f6glichkeiten bestehen, einzelne Feuchtwiesengebiete als solche zu erhalten, wurde kurz der Naturschutzwert alternativer Nutzungen betrachtet. Dabei wurden nur Nutzungen ber\u00fcck-sichtigt, die den Grundwasserstand nicht absenken und somit eine rasche Remineralisierung der Torfbestandteile des Bodens und damit einen erh\u00f6hten CO2-Aussto\u00df verhindern. Es zeigte sich, dass dort, wo noch Brutbest\u00e4nde bedrohter Watvogelarten und Vorkommen bedrohter Feuchtwiesen-Pflanzengesellschaften existieren, aus Naturschutzsicht keine Verbesserung der Situation durch eine alternative Nut-zung zu erwarten war.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Die wichtigsten Ergebnisse des Projekts wurden auf einem internationalen Workshop im Michael-Otto-Institut am 16.1.2007 diskutiert. Aufbauend darauf wurde eine 18-seitige Brosch\u00fcre Aktionsplan Feucht-wiesen publiziert. Im Abschlussbericht sind die im Projekt erarbeiteten Materialien im Detail dokumen-tiert. Brosch\u00fcre und Abschlussbericht sind unter http:\/\/bergenhusen.nabu.de\/m04\/m04_02\/ als PDF im Internet verf\u00fcgbar.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Aus den Ergebnissen der Untersuchungen wurden Empfehlungen f\u00fcr den Feuchtwiesenschutz abgeleitet, die sich wie folgt zusammenfassen lassen:<br \/>\n\tSt\u00e4rkeres Engagement f\u00fcr den Feuchtwiesenschutz, damit die negativen Bestandstrends umgekehrt werden k\u00f6nnen.<br \/>\n\tSt\u00e4rkere Ausrichtung des Managements an konkreten Zielen.<br \/>\n\tSt\u00e4rkere Differenzierung des Managements je nach \u00f6rtlichen Gegebenheiten.<br \/>\n\tVerbesserung der Kooperation Landwirtschaft &#8211; Naturschutz.<br \/>\n\tIntensivere Begleituntersuchungen und Betreuung mit Effizienzkontrolle.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Das Feuchtgr\u00fcnland in Mittel- und Westeuropa ist Lebensraum f\u00fcr eine Reihe gef\u00e4hrdeter Vogelarten und Pflanzengesellschaften. Trotz erheblicher Schutzbem\u00fchungen zeigen fast alle dort vorkommenden Vogelarten und viele weitere Organismen deutliche Bestandsr\u00fcckg\u00e4nge. Der prognostizierte weitere R\u00fcckgang des Feuchtgr\u00fcnlandes und der zu seinem Schutz zur Verf\u00fcgung stehenden Finanzen erfordern einen besonders effizienten und [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":0,"featured_media":0,"template":"","meta":{"footnotes":""},"categories":[],"tags":[2422,50,70],"class_list":["post-23878","projektdatenbank","type-projektdatenbank","status-publish","hentry","tag-landnutzung","tag-naturschutz","tag-schleswig-holstein"],"meta_box":{"dbu_projektdatenbank_az_ges":"22718\/01","dbu_projektdatenbank_medien":"","dbu_projektdatenbank_pdfdatei":"A-22718.pdf","dbu_projektdatenbank_bsumme":"120.989,00","dbu_projektdatenbank_firma":"Naturschutzbund Deutschland (NABU)\nMichael-Otto-Institut im NABU (MOIN)\nForschungs- und Bildungszentrum f\u00fcr\nFeuchtgebiete und Vogelschutz","dbu_projektdatenbank_strasse":"Goosstroot 1","dbu_projektdatenbank_plz_str":"24861","dbu_projektdatenbank_ort_str":"Bergenhusen","dbu_projektdatenbank_p_von":"2005-02-17 00:00:00","dbu_projektdatenbank_p_bis":"2007-07-31 00:00:00","dbu_projektdatenbank_laufzeit":"2 Jahre und 5 Monate","dbu_projektdatenbank_telefon":"04885\/570","dbu_projektdatenbank_inet":"","dbu_projektdatenbank_bundesland":"Schleswig-Holstein","dbu_projektdatenbank_foerderber":"126","dbu_projektdatenbank_ab_bericht":"DBU-Abschlussbericht-AZ-22718.pdf","dbu_projektdatenbank_ist_nachbewilligung_von":"","dbu_projektdatenbank_hat_nachbewilligung":"","dbu_headerimage_cover":"","dbu_submenu":"","dbu_submenu_position":"","dbu_submenu_entry":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank\/23878","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/projektdatenbank"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank\/23878\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":36881,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank\/23878\/revisions\/36881"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=23878"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=23878"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=23878"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}