{"id":23874,"date":"2024-11-27T10:36:54","date_gmt":"2024-11-27T09:36:54","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/22941-01\/"},"modified":"2024-11-27T10:36:55","modified_gmt":"2024-11-27T09:36:55","slug":"22941-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/22941-01\/","title":{"rendered":"Nachhaltiges Bergwiesenmanagement im Zittauer und Lausitzer Gebirge (Machbarkeitsstudie)"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Zittauer und Lausitzer Gebirge weisen eine einzigartige Wiesenlandschaft mit hoher Biodiversit\u00e4t auf. Diese wertvolle Landschaftsstruktur mit ihrer Artenvielfalt soll durch wirtschaftlich tragf\u00e4hige, \u00f6kologisch vertr\u00e4gliche und sozial ausgewogene Bewirtschaftungsformen erhalten werden.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenEs erfolgte eine Bestandsaufnahme zum Istzustand des Gebietes bez\u00fcglich Fl\u00e4chennutzung und Bewirtschaftung mit anschlie\u00dfender Kartendarstellung. Daf\u00fcr wurde das Geoinformationssystem ARC GIS eingesetzt. Es wurden Fl\u00e4chen mit besonderem Status ausgewiesen (z. B. naturschutzfachlich wertvolle). F\u00fcr die Ausweisung der Fl\u00e4chen mit schnellen Abflusskomponenten wurde das Wissensbasierte System FLAB eingesetzt. F\u00fcr diese Fl\u00e4chen ist k\u00fcnftig eine besondere ertragsunabh\u00e4ngige Bewirtschaftung notwendig.<br \/>\nZur Ausweisung von Wiesen mit gleichem Produktionsniveau war eine Erfassung fl\u00e4chenabh\u00e4ngiger Ertragswerte notwendig. Dies wurde sowohl durch experimentelle Ertragsbestimmung auf ausgew\u00e4hlten Wiesen als auch durch die Nutzung von Ertragsdaten landwirtschaftlicher Betriebe in der Region realisiert. Auf der Grundlage dieser Datenbasis und der geomorphologischen und pedologischen Informatio-nen zum Gebiet wurde ein empirisches regelbasiertes Modell (Expertensystem) abgeleitet, das eine Ertragsabsch\u00e4tzung f\u00fcr alle Fl\u00e4chen als wesentliche Eingangsgr\u00f6\u00dfe f\u00fcr die betriebswirtschaftliche Bewertung erlaubt.<br \/>\nAus \u00f6konomischer Sicht erfolgte eine Analyse des Angebots- und Nachfragepotenzials f\u00fcr Bergwiesenprodukte. Diese Daten wurden in Clustern zusammengefasst und ebenfalls visualisiert. Es wurden Nachhaltigkeitsindikatoren und -parameter  f\u00fcr die betriebswirtschaftlichen Modellrechnungen ermittelt.<br \/>\nAus dem naturwissenschaftlichen Wissen zur fl\u00e4chendetaillierten Ertragsbildung einerseits und den \u00f6konomischen Analysen andererseits wurden Konzepte zur nachhaltigen Nutzung der Bergwiesen abgeleitet.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Sowohl die positive Reaktion der meisten Landwirte aus dem deutschen und dem tschechischen Teil des Untersuchungsgebietes als auch das Interesse seitens potenzieller Abnehmer der Substrate verdeutlichten die Aktualit\u00e4t dieser Untersuchungen. Die Berechnungen besitzen Modellcharakter und sind auf andere Rahmenbedingungen anwendbar. Durch die rasterbasierte Arbeitsweise konnten potentielle Ertr\u00e4ge ermittelt und je nach Bedarf unterschiedlich aggregiert werden: betriebsspezifisch, feldblockspezifisch, oder es wurden Fl\u00e4chen bez\u00fcglich betriebswirtschaftlicher Kenngr\u00f6\u00dfen zusammengefasst (Clusterbil-dung). Diese flossen in die betriebswirtschaftliche Analyse ein.<br \/>\nDas Ertragspotenzial und die Auswertung der Frageb\u00f6gen zeigten, dass 81 % (22 von 27) der ausgewerteten Landwirtschaftsbetriebe (79 % der Dauergr\u00fcnlandfl\u00e4che dieser Betriebe) \u00fcber eine Offene Reserve, d. h. einen potenziellen \u00dcberschuss an Biomasse verf\u00fcgen. Dieses bisher ungenutzte Potenzial bel\u00e4uft sich auf 4.375 t TS\/a, d. h. auf ca. 50 % der theoretisch verf\u00fcgbaren Biomasse. Es wird gegenw\u00e4rtig ent-weder als Silage bzw. Heu gelagert, bleibt auf den Fl\u00e4chen in Form von Mulch oder die Wiesen und Weiden werden nicht vollst\u00e4ndig genutzt. Mittels Clusterbildung wurden die Fl\u00e4chen, die \u00fcber \u00e4hnliche Eigen-schaften (Fl\u00e4chengr\u00f6\u00dfe, Schnitth\u00e4ufigkeit) verf\u00fcgen, zu sog. Clustern zusammengefasst und f\u00fcr diese eine betriebswirtschaftliche Rechnung durchgef\u00fchrt. Die Ergebnisse der naturwissenschaftlichen sowie betriebswirtschaftlichen Analyse wurden in verdichteter Form, d. h. mittels Clustern, in einer Karte dargestellt. Alle Informationen sind digitalisiert und den Fl\u00e4chen sind in der Attributtabelle alle vorhandenen Kenngr\u00f6\u00dfen zugeordnet, so dass diese je nach Bedarf grafisch dargestellt werden k\u00f6nnen.<br \/>\nDer gr\u00f6\u00dfte \u00dcberschuss an Biomasse war der Clustergruppe 80ha_2X CZ (Fl\u00e4chengr\u00f6\u00dfe 80 ha, zwei Schnitte pro Jahr, tschechisches Gebiet) zuzuordnen. Diese Clustergruppe umfasste 47 % der Gesamtfl\u00e4che und 75 % der gesamten Offenen Reserve im Untersuchungsgebiet. Die Berechnung der kritischen Mengen sowie der Deckungsbeitr\u00e4ge wurden f\u00fcr diese Clustergruppe durchgef\u00fchrt. Im Fall der Silageerzeugung waren die Grenzpreise, die aus dem Verkauf der Silage zu erwirtschaften sind, sehr niedrig, d. h. um einen Gewinn zu erwirtschaften, musste mindestens ein Preis in H\u00f6he von 95 EUR\/t TS (31 EUR\/t TS nach Ber\u00fccksichtigung der neuen F\u00f6rdermittel (FM II)) erzielt werden. Bei der Heuerzeu-gung gestaltete sich die Situation sehr \u00e4hnlich, mit dem Unterschied, dass die Bewirtschaftungskosten pro Hektar und demzufolge die St\u00fcckkosten sowie die kritischen Preise und Mengen h\u00f6her ausfielen als bei der Silageerzeugung. Deshalb war der Silageerzeugung der Vorzug zu geben.<br \/>\nF\u00fcr diese Clustergruppe mit der h\u00f6chsten Offenen Reserve w\u00e4re es wirtschaftlich sinnvoll, die \u00fcbersch\u00fcssige Biomasse zu verkaufen. In fast allen F\u00e4llen bei s\u00e4mtlichen Clustergruppen \u00fcberschritten die St\u00fcckkosten nicht den h\u00f6chst m\u00f6glichen Preis. Eine Ausnahme waren die Sonderf\u00e4lle mit 4-maligem Schnitt, d. h. kleine Gemeindefl\u00e4chen, Fl\u00e4chen des Landschaftspflegeverbandes oder des Naturschutzzentrums Zittauer Gebirge, die mit sehr hohen Bearbeitungskosten bewirtschaftet werden m\u00fcssten.<br \/>\nDie Rechnungen zeigen deutlich, dass eine hohe Qualit\u00e4t des Substrates sowie die F\u00f6rdermittel f\u00fcr die Landwirtschaft wichtige Faktoren sind, die zur Wirtschaftlichkeit der Silageerzeugung beitragen. Je besser die Qualit\u00e4t des Substrates ist, desto h\u00f6here Preise f\u00fcr Silage k\u00f6nnen erzielt werden. Demzufolge sind die Landwirte aus \u00f6konomischer Sicht bei ungen\u00fcgender Qualit\u00e4t und damit verringerten Preisen weniger bereit, Biomasse in den niedrigen Preisintervallen zur Verf\u00fcgung zu stellen. Die positiven St\u00fcck-deckungsbeitr\u00e4ge bei der Clustergruppe 80ha_2X CZ bei jeder Preisvariante bedeuteten, dass die Produktion zur Gewinnerzielung vorteilhaft w\u00e4re. Damit lohnte es sich kurzfristig, d. h. solange die Fixkosten nicht abgebaut werden, Silage zu erzeugen und zu vermarkten. Ohne den Silageverkauf w\u00e4re das Betriebsergebnis um die Deckungsbeitr\u00e4ge niedriger.<br \/>\nUnter der Annahme, dass die F\u00f6rdermittel II zur Verf\u00fcgung stehen, kann von einem positiven Jahresergebnis bei jeder Preisvariante im Falle der Silageerzeugung sowie in fast allen F\u00e4llen bei der Heuerzeugung ausgegangen werden. Demzufolge w\u00e4re es in jedem Fall \u00f6konomisch sinnvoll, die Fl\u00e4chen zu bewirtschaften und die Biomasse als Silage oder Heu zur Verf\u00fcgung zu stellen.<br \/>\nEine intensive Bewirtschaftung ist wegen der h\u00e4ufigeren Schnitte mit h\u00f6heren Bewirtschaftungskosten pro Hektar und im weiteren mit h\u00f6heren St\u00fcckkosten verbunden. Demzufolge ist beim Silageverkauf im Fall einer extensiven Bewirtschaftung mit einem h\u00f6heren Jahresergebnis zu rechnen. Der sp\u00e4te Schnitt stellt ein Problem wegen der ungen\u00fcgenden Gr\u00fcngutqualit\u00e4t dar. Die Eignung der Biomasse aus der extensiven Nutzung zur stofflichen und\/oder energetischen Verwertung ist noch zu pr\u00fcfen.<br \/>\nDie Ergebnisse der Machbarkeitsstudie zeigen, dass das vorhandene Potenzial an Biomasse \u00f6konomisch und \u00f6kologisch sinnvoll verwertet werden kann. Durch eine regelm\u00e4\u00dfige Mahd (2x j\u00e4hrlich) tragen die Landwirte zum Erhalt des Offenlandes und der Kulturlandschaft und damit zum Erhalt der Biodiversit\u00e4t in der Region bei. Gleichzeitig besteht durch den Verkauf der Biomasse die M\u00f6glichkeit, diese Bewirt-schaftung attraktiver f\u00fcr die Landwirte zu gestalten und einen \u00f6konomischen Nutzen zu erzielen.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Die aktive grenz\u00fcberschreitende Zusammenarbeit aller Projektpartner war die Voraussetzung f\u00fcr eine qualitativ hochwertige Realisierung des Projektes. Ein wesentliches Anliegen des Projekts war eine umfangreiche Information der Landwirte auf deutscher und tschechischer Seite. Einbezogen in die Arbeit wurden auch das Staatliche Amt f\u00fcr Landwirtschaft, der Landschaftspflegeverband sowie biomasseverarbeitende Betriebe. Auf tschechischer Seite waren es insbesondere die Tschechische Gesellschaft f\u00fcr Naturschutz sowie der Verein Freunde des Lausitzer Gebirges (OSPLH). Im Rahmen eines Workshops in He?manice (CZ) wurden die tschechischen Landwirte ausf\u00fchrlich \u00fcber die Zielstellung des Projektes informiert. In der anschlie\u00dfenden Diskussion wurden ihre Fragen beantwortet und au\u00dferdem die Frageb\u00f6gen verteilt. F\u00fcr weitere Fragen in Bezug auf die ausgef\u00fcllten Frageb\u00f6gen sowie zum Thema der neuen F\u00f6rdermittel in der Landwirtschaft standen die tschechischen Partner immer gern zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n<p>Bisher wurden das Projekt und die Ergebnisse im Rahmen der folgenden Veranstaltungen bzw. Publikationen der \u00d6ffentlichkeit vorgestellt:<\/p>\n<p>&#8211;\t2. s\u00e4chsisch-nordb\u00f6hmisches Arbeitstreffen Zusammenarbeit in der Umweltbildung in Bad Schandau am 14.12.2006, S\u00e4chsische Landesstiftung Natur und Umwelt www.lanu.de;<br \/>\n&#8211;\tWorkshop am 15.02.07 in He?manice (CZ), Diskussion und Feedback von tschechischen Landwirten   Vortrag und Publikation auf dem Internet-Portal Haus der Wirtschaft Zittau, http:\/\/www.wirtschafts3eck.de\/wirtschaft-zi.php?lg=de&#038;whl=11000000;<br \/>\n&#8211;\tV. Interregionaler REGIOSUSTAIN &#8211; Workshop am 23.\/24. M\u00e4rz 2007 im Kleinen Dreieck, mit dem Fokus Zukunft der Erneuerbaren Energien in Deutschland, Polen und Tschechien &#8211; Vorstellung des Bergwiesenprojektes und erster Ergebnisse;<br \/>\n&#8211;\tPublikation im Landkreis Journal L\u00f6bau-Zittau Ausgabe Nr. 265\/2007;<br \/>\n&#8211;\tPublikation im Wirtschaftsdienst Ausgabe Nr. 4\/07 www.dresden.ihk.de , S. 24;<br \/>\n&#8211;\tPublikation in der S\u00e4chsischen Zeitung am 26.06.07 sowie am 20.09.07;<br \/>\n&#8211;\tAbschlussworkshop am 27.09.07 in Oybin;<br \/>\n&#8211;\tNaturschutzhelfertagung am 10.11.07 in Ebersbach.<\/p>\n<p>Geplant sind weitere Ver\u00f6ffentlichungen u. a. im ACC-Journal, einer Plattform der Universit\u00e4ten und Hochschulen im Dreil\u00e4ndereck Deutschland-Polen-Tschechien. Die Publikation soll dreisprachig erfolgen, so dass die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie auch in den Nachbarl\u00e4ndern zug\u00e4nglich sind. Erste Kontakte zu den Herausgebern sind eingeleitet.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Die praktische Umsetzung der Ergebnisse ist auf Grund der Erkenntnisse aus den \u00f6kologischen und \u00f6konomischen Analysen anzustreben. Dabei ist eine extensive Nutzung der Fl\u00e4chen vorzuziehen, um die Biodiversit\u00e4t zu erhalten und den Schutz des Bodens und der Wasserressourcen zu gew\u00e4hrleisten<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Zittauer und Lausitzer Gebirge weisen eine einzigartige Wiesenlandschaft mit hoher Biodiversit\u00e4t auf. Diese wertvolle Landschaftsstruktur mit ihrer Artenvielfalt soll durch wirtschaftlich tragf\u00e4hige, \u00f6kologisch vertr\u00e4gliche und sozial ausgewogene Bewirtschaftungsformen erhalten werden. 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