{"id":23814,"date":"2023-08-17T10:32:01","date_gmt":"2023-08-17T08:32:01","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/22753-01\/"},"modified":"2023-08-17T10:32:02","modified_gmt":"2023-08-17T08:32:02","slug":"22753-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/22753-01\/","title":{"rendered":"Mobiles Umweltinformationssystem MUSYS &#8211; Gestaltung eines interaktiven multimedialen Erlebnispfads im Tiergarten Schloss Raesfeld"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Naturlehrpfade in der klassischen Form beschilderter Hinweistafeln sind oftmals in einem beklagenswerten Zustand. Es fehlt offenbar an Mitteln und vielleicht auch an Interesse von Betreibern und \u00d6ffentlichkeit, diese Form der Informationsvermittlung ernsthaft weiterzuf\u00fchren. Die Informationsfl\u00e4che, die ein Schild bietet, ist zudem beschr\u00e4nkt und statisch &#8211; die Geschichten, die Wald und Natur erz\u00e4hlen k\u00f6nnten, sind allenfalls anzurei\u00dfen &#8211; eine tiefere Durchdringung z. B. von \u00f6kologischen Zusammenh\u00e4ngen ist kaum m\u00f6glich. Ist der Naturlehrpfad als Instrument der Umweltdidaktik nur noch eine nostalgische Reminiszenz oder kann man mit erweiterten medialen Mitteln daran ankn\u00fcpfen?<br \/>\nDas Projekt MUSYS bejaht die Weiterf\u00fchrung des Grundprinzips Naturlehrpfad und versucht, eine Br\u00fccke zu bilden zwischen klassischem Naturlehrpfad und multimedialen Mitteln der Naturdarstellung. Hierzu nutzt MUSYS ein Ger\u00e4t, das fast jeder Wald-Spazierg\u00e4nger in der Tasche hat: das Handy. Dieses dient als Browser zur Darstellung weiterer vertiefender Informationen und Naturzusammenh\u00e4nge.<br \/>\nDas MUSYS-Angebot soll kostenlos f\u00fcr den Besucher sein &#8211; insbesondere Sch\u00fcler und Jugendliche sind eine wichtige Zielgruppe. Das Handy als zentrales Kommunikationsinstrument dieser Gruppe kann dazu dienen, nachlassendes Naturinteresse zu kompensieren und neue attraktive Informationsangebote zu schaffen, die zu einem vertieften Naturverst\u00e4ndnis f\u00fchren.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDie Entwicklung der MUSYS-Anwendung teilte sich auf in die Konzeption und redaktionelle Erarbeitung der Inhalte sowie mehrere technische Schritte der Implementierung bis zur abschlie\u00dfenden Installation vor Ort. Die Inhalte wurden durch Redakteure des Kooperationspartners ID Wald in Abstimmung mit dem Pilotpartner der Anwendung, dem Tiergarten Schloss Raesfeld entwickelt. cosmoblonde konzipierte das Informationsdesign und entwickelte Datenbankmodell und Klassenbibliothek der Anwendung. Hierzu geh\u00f6ren neben der eigentlichen Handyanwendung auch die CMS-gest\u00fctzte Verwaltung der Inhalte sowie eine Informationswebsite (www.musys.info). Dar\u00fcber hinaus erstellte cosmoblonde das Informationsma-terial vor Ort (Schilder, Infodisplays und &#8211; Brosch\u00fcre) und beschaffte \/ konfigurierte Leihger\u00e4te f\u00fcr Besucher.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Die MUSYS Anwendung wurde in der urspr\u00fcnglich geplanten Form fertig gestellt. Die Pilotphase (urspr\u00fcnglich Herbst 2007) wurde aufgrund eines Wechsels in der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung des Pilotpartners und weiteren Optimierungen der Anwendung in das Fr\u00fchjahr 2008 verschoben. Im Tiergarten Schloss Raesfeld wurde ein ca. 5 km langer Rundweg mit insgesamt 23 Informationstafeln beschildert &#8211; diese ersetzen die bisher vorhandene einfache Beschilderung. Alle Tafeln enthalten neben einer kurzen textlichen, z. T. auch illustrativen Information einen 3-stelligen MUSYS Code. Dieser kann in die zuvor installierte Anwendung auf dem Handy eingegeben werden und f\u00fchrt zu vertiefenden Informationen, die \u00fcber ein \u00fcbersicht-liches Benutzerinterface abgerufen werden k\u00f6nnen. Objekte k\u00f6nnen neben Basisinformation verschiedene individuelle Aspekte (Biologie, \u00d6kologie, Kultur, Nutzung, etc.) und multimediale Objekte (Bilder \/ Audio) enthalten. \u00dcber ein Quiz kann Wissen interaktiv abgefragt werden &#8211; eine interaktive Karte, sowie News- und G\u00e4stebuchfunktionen erg\u00e4nzen das Angebot. Die Installation der Anwendung auf das Handy des Besuchers erfolgt per Bluetooth \u00fcber ein im Besucherzentrum aufgestelltes Bluetooth-Terminal. Besucher werden \u00fcber ein Info-Display und eine Infobrosch\u00fcre \u00fcber das Angebot informiert und erhalten entsprechende Installationshinweise. F\u00fcr Besucher- und Schulf\u00fchrungen wurden 10 strahlungsarme Leihger\u00e4te angeschafft, deren SAR-Wert unterhalb des durch den Blauen Engel spezifizierten Grenzwer-tes von 0.5 liegt.<br \/>\nDer Pilotpartner kann alle Inhalte \u00fcber ein webbasiertes CMS pflegen und neue MUSYS-Anwendungen generieren. Damit sind Ausbau und Aktualisierung von MUSYS ohne Programmierung oder technisches Know-How m\u00f6glich. Technologisch war neben dem im Kontext von Mobiltelefonen sehr aufwendig realisierten Benutzerinterface insbesondere die Datenspeicherung innovativ und aufwendig &#8211; es wurde eine Micro-SQL-Engine entwickelt, die die Daten wie in Standarddatenbanken indiziert, speichert und abfragt.<\/p>\n<p>MUSYS wurde in das didaktische Programm des Tiergarten Raesfelds aufgenommen. Im Rahmen der Pilotphase, die von Ende M\u00e4rz bis Ende Juni \u00b408 lief, wurden 2 Lehrerinnen \u00f6rtlicher Schulen in das Proramm eingewiesen und haben bereits erste F\u00fchrungen mit Sch\u00fclern durchgef\u00fchrt. Das Feedback war durchweg positiv.<br \/>\nDie Anwendung basiert auf dem Programmierstandard J2ME (Java 2 Micro Edition) &#8211; dieser soll eine weitgehende Kompatibilit\u00e4t mit allen Mobiltelefonen unterst\u00fctzen, die javaf\u00e4hig sind. Ein erheblicher Teil der Entwicklung bestand dennoch im Beheben von Laufzeitfehlern, die durch fehlerhafte Implementierungen der Hersteller z. B. beim Speichermanagement, verursacht wurden. Trotzdem gibt es momentan noch keine Alternative zu Java, wenn gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche Kompatibilit\u00e4t gew\u00e4hrleistet sein soll. Alternativ wurde allerdings eine mobile HTML-Version von MUSYS entwickelt, die eine einfache Alternative f\u00fcr nicht javaf\u00e4hige Handys bietet.<br \/>\nDie Nutzung des Handys als Darstellungsmedium f\u00fcr multimediale Natur- und Umweltinformationen hat sich als \u00fcberzeugend und machbar gezeigt. Das erste Feedback der Haupt-Zielgruppe Sch\u00fcler und Jugendliche ist vielversprechend. Verbesserungsf\u00e4hig ist die \u00dcbertragung per Bluetooth. Viele, insb. \u00e4ltere Nutzer kennen die technischen F\u00e4higkeiten ihres Handys nicht genau. Ein Touchscreenterminal k\u00f6nnte den Installationsvorgang transparenter machen.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Sowohl mit Beginn des Projektes als auch mit Start der Pilotphase wurde je eine Pressemittelung per Internetpresseverteiler versendet. Das Projekt wurde im Rahmen eines Vortrages auf der DBU Sommerakademie 2008 in St. Marienthal der Fach\u00f6ffentlichkeit vorgestellt. Mit ersten Interessenten wurden Kon-takte gekn\u00fcpft und Vorort-Pr\u00e4sentationen durchgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Mit MUSYS ist f\u00fcr Naturparks und andere Schutzgebiete ein modernes und kosteng\u00fcnstiges System verf\u00fcgbar, das weit mehr bietet als ein einfacher Naturlehrpfad, aber deutlich weniger Aufwand verursacht als ein propriet\u00e4res multimediales Leihger\u00e4tesystem. Umweltdidaktische Projekte, die mit Unterst\u00fctzung und nicht kontr\u00e4r zu modernen Medien arbeiten m\u00f6chten, haben mit MUSYS ein wertvolles Instrument in der Hand.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Naturlehrpfade in der klassischen Form beschilderter Hinweistafeln sind oftmals in einem beklagenswerten Zustand. Es fehlt offenbar an Mitteln und vielleicht auch an Interesse von Betreibern und \u00d6ffentlichkeit, diese Form der Informationsvermittlung ernsthaft weiterzuf\u00fchren. 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