{"id":23790,"date":"2023-07-13T15:24:23","date_gmt":"2023-07-13T13:24:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/22968-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:24:24","modified_gmt":"2023-07-13T13:24:24","slug":"22968-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/22968-01\/","title":{"rendered":"Untersuchung und Teilsanierung des umweltgesch\u00e4digten kl\u00f6sterlichen Wassersystems des Zisterzienserklosters Osek (Tschechische Republik)"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Das tschechische Nationaldenkmal Kloster Osek befindet sich heute in einem bauf\u00e4lligen Zustand mit komplexem Schadensbild an Geb\u00e4uden und barocken Gartenanlagen. Verantwortlich daf\u00fcr ist ein Zusammenwirken anthropogener und geogener Faktoren, deren Relevanz zu untersuchen war. Der schadhafte Zustand des historischen Wassersystems ist seinerseits Ursache verschiedener Sch\u00e4den an der wertvollen Denkmalsubstanz des Zisterzienserklosters. Ziel des Projektes war eine Systematisierung relevanter geowissenschaftlicher und Umwelt-Parameter sowie eine umfassende Beschreibung und Be-wertung der Elemente des Wassersystems, einschlie\u00dflich erster pilotartiger Sanierungsma\u00dfnahmen.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDas Projekt gliederte sich in drei \u00fcbergeordnete Schritte. Im ersten zweimonatigen Schritt wurde eine Archivrecherche zur baulichen Entwicklung des Wassersystems und vorhandener geowissenschaftliche und umweltrelevanter Parameter vorgenommen. Eine Vermessung des Klostergel\u00e4ndes und Kartierungen erg\u00e4nzten die erhobenen Daten.<br \/>\nIm zweiten Schritt (10 Monate) wurden Kenntnisse \u00fcber Funktionalit\u00e4t und Zustand des Wassersystems erworben und in ingenieurgeologischen Untersuchungen die Beziehungen Wassersystem &#8211; Untergrund sowie die Baugrundverh\u00e4ltnisse ermittelt. Analysen des Mauerwerks und der Bodeneigenschaften gaben Auskunft \u00fcber die Festigkeiten der Bausubstanz, die Stabilit\u00e4t des Baugrunds sowie die physiko-chemischen Eigenschaften des Systems Boden &#8211; Wasser &#8211; Luft. Parallel dazu erfolgten die Aufnahme der oberirdischen Teile des Wassersystems und die Erfassung denkmalrelevanter Parameter. Im Abgleich mit den in der Recherche gewonnenen Daten wurde eine Bewertung des Erhaltungszustandes und die Beurteilung der Denkmalrelevanz vorgenommen.<br \/>\nIm dritten Projektschritt lag das Hauptaugenmerk auf der Erarbeitung von Empfehlungen zur Entwicklung des Wassersystems und konkreter Handlungsanweisungen zum denkmalgerechten Umgang und zur Instandsetzung sowie zur Minimierung des Einflusses anthropogener Schadensursachen auf die Denkmalsubstanz des Klosters Osek. Auf der Grundlage dieser Erkenntnisse wurden in pilotartigen Sanierungsma\u00dfnahmen erste Schritte zur Schadensbeseitigung unternommen und Themenfelder f\u00fcr eine Fortf\u00fchrung der Untersuchungen und Sanierungen definiert.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Die geowissenschaftlichen Untersuchungen sowie die Analysen und Recherchen zur Umweltsituation und zum Bergbau im Gebiet von Nordb\u00f6hmen bzw. Osek erm\u00f6glichten eine Einordnung der verschiedenen Sch\u00e4den an den kl\u00f6sterlichen Geb\u00e4uden, der gartenarchitektonischen Substanz und den Elementen der Wassersysteme. Verantwortlich f\u00fcr die Sch\u00e4den an den Bauwerken ist das komplexe Zusammenwirken verschiedener Mechanismen bzw. Faktoren.<br \/>\nInsbesondere der untert\u00e4gige historische Kohlebergbau, der nach derzeitigem Kenntnisstand zumindest unterhalb des mittleren und westlichen Teils des Klosterareals durchgef\u00fchrt wurde, spielt eine wesentliche Rolle und verursachte die zahlreichen Risse in den Hauptgeb\u00e4uden, Pavillons und St\u00fctzmauern. Auch das kl\u00f6sterliche Wassersystem ist davon in Mitleidenschaft gezogen. Die nachgewiesenen Einbr\u00fcche in den unterirdischen Stollen des Abwassersystems sind offenbar prim\u00e4r ein Ergebnis der gro\u00dfr\u00e4umigen Absenkungen durch den Bergbau.<br \/>\nFerner f\u00fchrt das gegen\u00fcber der Bausubstanz teilweise aggressive Grundwassermilieu zu einer Sch\u00e4digung der Bausubstanz. Der nahezu st\u00e4ndige Kontakt zwischen Grundwasser\/Bodenfeuchte &#8211; Bausubstanz verst\u00e4rkt die aggressive Wirkung des Grundwassers. Die jahrzehntelange extrem negative Umweltsituation f\u00fchrte zu einer teilweisen R\u00fcckverwitterung und Krustenbildung an sichtbaren Bauelementen. W\u00e4hrend die SO2-Emission abgenommen hat, ist der Eintrag von Stickoxiden auf gleich bleibendem Niveau. Somit hat sich die Luftbelastung zwar prim\u00e4r positiv ver\u00e4ndert, aber einmal ausgel\u00f6ste Verwitterungsprozesse werden nicht zeitgleich mit der Verringerung der Emission gestoppt und andere Schadensprozesse k\u00f6nnen einsetzen.<br \/>\nDie verschiedenen Str\u00e4nge des Oberfl\u00e4chen-, Ab- und Trinkwassersystems sind in einem stellenweise desolaten baulichen Zustand und weisen Leckagen und Verstopfungen auf. \u00dcber die historischen Str\u00e4nge werden weiterhin F\u00e4kalien in das Oberfl\u00e4chenwassersystem eingetragen, das Regenwasser hingegen in die \u00f6ffentliche Kanalisation abgeleitet. \u00dcber die gr\u00f6\u00dferen Becken und offenen Kan\u00e4le wird das Oberfl\u00e4chenwasser heute weitgehend ungenutzt durch das Klostergel\u00e4nde geleitet, auf die au\u00dferhalb des Klostergel\u00e4ndes liegenden Regulierungseinrichtungen und die Durchflussmengen kann heute kein Einfluss genommen werden. Die kleineren Wasserspiele &#8211; wie Speier, Bassins und Font\u00e4nen &#8211; sind fast ausnahmslos von der Wasserversorgung getrennt oder zur\u00fcckgebaut und eingelagert worden. Umbauma\u00dfnahmen seit Ende der 1960er Jahre haben Partien des komplexen Systems au\u00dfer Funktion gesetzt und Denkmalsubstanz gest\u00f6rt.<br \/>\nAlle Teile leiden heute unter mangelnden Wartungs- und Erhaltungsma\u00dfnahmen, sind jedoch im Allgemeinen nicht irreversibel gesch\u00e4digt. Eine umfassende Sanierung ist zur weiteren Schadensvermeidung aber auch unter Denkmal-, Nutzungs- und touristischen Aspekten dringend geraten. Im Rahmen des Projektes wurden mit ehrenamtlicher Unterst\u00fctzung einfache pilotartige Sanierungsma\u00dfnahmen wie Reini-gung, Durchsp\u00fclung oder die Beseitigung von Leckagen realisiert.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Bei verschiedenen Fachtagungen (u. a. Geokinematischer Tag Freiberg, Altbergbaukolloquium Aachen) wurde das Projekt in Vortr\u00e4gen pr\u00e4sentiert. \u00dcber das DBU-Projekt und die damit verbundenen ehrenamtlichen T\u00e4tigkeiten erschienen mehrere Artikel in der lokalen deutschen und tschechischen Presse. Der lokale Radiosender Cesky Rozhlas berichtete 2006 in einen Radiobeitrag \u00fcber das DBU-Projekt.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Im Rahmen des gemeinsamen Projektes deutscher und tschechischer Partner wurden Denkmalsubstanz und Schadensursachen der Klosteranlage Osek erstmals interdisziplin\u00e4r und als komplexes System betrachtet. Die vor Projektbeginn formulierten Annahmen zu den \u00fcberwiegend anthropogenen Ursachen der Sch\u00e4den an der Bausubstanz konnten im Wesentlichen best\u00e4tigt werden.<br \/>\nNeu sind Kenntnisse zum untert\u00e4gigen Altbergbau und seiner Relevanz f\u00fcr den prek\u00e4ren Zustand der Klosteranlage. Wertvolle Grundlage f\u00fcr eine weitere Sanierung ist die nun vorliegende Systematisierung und umfassende Dokumentation des kl\u00f6sterlichen Wassersystems, dessen prognostiziert problematischer Zustand best\u00e4tigt werden muss &#8211; ebenso wie seine grunds\u00e4tzliche Eignung zur Ert\u00fcchtigung und Wiedernutzbarmachung.<br \/>\nAuf der Grundlage der ermittelten Schadensursachen konnten notwendige Ma\u00dfnahmekomplexe f\u00fcr den Umgang mit konkreten Problemfeldern der historischen Substanz des Klosters Osek definiert und Themenbereiche, deren Bearbeitung in weiterf\u00fchrenden Untersuchungen notwendig sind, benannt werden, um den Prozess der Revitalisierung der Denkmalsubstanz des Klosters Osek fortzuschreiben<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Das tschechische Nationaldenkmal Kloster Osek befindet sich heute in einem bauf\u00e4lligen Zustand mit komplexem Schadensbild an Geb\u00e4uden und barocken Gartenanlagen. 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