{"id":23789,"date":"2023-07-13T15:24:10","date_gmt":"2023-07-13T13:24:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/22697-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:24:12","modified_gmt":"2023-07-13T13:24:12","slug":"22697-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/22697-01\/","title":{"rendered":"Beispielhafte Sicherung umweltgesch\u00e4digter Wandmalereien in der Grablege der Familie von Galen an der Burg Dinklage als Projekt der schulischen Weiterbildung"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Durch Umweltsch\u00e4den und anschlie\u00dfend fehlerhafte Sanierung in den 1960\/70-er Jahren ist der Innenputz der Burgkapelle Dinklage stark gesch\u00e4digt worden. Die bedeutende neugotische Ausmalung und Fassung mit Blattgold war damals mit einer Kunststofffarbe \u00fcberstrichen worden. Diese dichte Farbbeschichtung hat den Putz vollkommen abgesperrt, so dass er in gro\u00dfen Teilen drohte, mitsamt der Ausmalung verloren zu gehen. Um die Ausmalung zu retten, musste ein Verfahren entwickelt werden, die Kunststofffarbe abzunehmen, ohne die Putzstruktur zu zerst\u00f6ren und die Malerei anzugreifen.<br \/>\nDie bereits verlorengegangenen Putzpartien sollten erg\u00e4nzt werden.<br \/>\nDas gesamte Restaurierungsvorgehen sollte eingehend anhand eines Lehrprojektes Sch\u00fclern der Mittelstufe didaktisch vermittelt werden, um die Notwendigkeit solcher denkmalpflegerischer Ma\u00dfnahmen schon fr\u00fch zu vermitteln und verst\u00e4ndlich zu machen. Hierdurch soll eine Sensibilisierung f\u00fcr diese kulturell wichtigen Ma\u00dfnahmen geweckt werden.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenIn Zusammenarbeit mit dem Landesamt f\u00fcr Denkmalpflege, dem Restaurator und dem Architekten ist ein Verfahren entwickelt worden, die Kunststofffarbe ohne Verlust der Malerei zu entfernen und die Malerei im Bestand zu restaurieren. Diese Arbeitsschritte sind durch chemische Analysen des Putzes und der Malerei von einem Fachlabor unterst\u00fctzt worden.<br \/>\nDie Arbeitsschritte zur Restaurierung der Burgkapelle Dinklage sind theoretisch und praktisch in einem Kompaktkurs, der vom Landesamt f\u00fcr Denkmalpflege, Frau Dipl. Restauratorin Klein, von der DBU, Herrn T\u00f6pfer, und von dem Architekten, Dipl.-Ing. Tonndorf, mit 2 Schulklassen einer Realschule, gege-ben worden ist, erl\u00e4utert worden. Au\u00dferdem wurde intensiv \u00fcber die Notwendigkeit, Aufgabe und Zielsetzung der denkmalpflegerischen Arbeit gesprochen.<br \/>\nDas Vorhaben ist in folgenden Arbeitsschritten realisiert worden:<br \/>\n1)\tEntschichten der diffusionsdichten Dispersionsfarbe mit Aufbringen von Gr\u00fcneck 2000 Entschichter, Einwirkung unter Folie, danach vorsichtiges Entfernen der angel\u00f6sten Dispersionsfarbe mit Spachtel und Skalpell, danach Reinigung und Neutralisation mit H\u00b2O. Die Einwirkdauer richtete sich nach der St\u00e4rke des Anstrichaufbaues und wurde jeweils so eingestellt, dass die darunter liegende Malschicht nicht angegriffen wurde.<br \/>\n2)\tEntnahme von Malschicht- und Putzproben, Untersuchung der Proben auf Bindemittel, Putzaufbau etc. durch Labor Prof. H.-P. Schramm, Dresden.<br \/>\n3)\tFeststellung der durch Bausalze und Feuchtigkeit (Feuchteeintrag war bereits im Jahre 2003-04 durch entsprechende Restaurierungsma\u00dfnahmen an der Au\u00dfenhaut beseitigt, bzw. reduziert worden) im Zusammenwirken mit dem diffusionsdichten Dispersionsanstrich im Inneren entstandenen Sch\u00e4digungen des Putzes.<br \/>\n4)\tAbschlagen der nicht mehr tragf\u00e4higen Putze, Abschlagen sp\u00e4ter aufgebrachter Reparaturputze, die z. T. gipshaltig waren (im Bereich sp\u00e4ter verlegter Elektroleitungen). Die Putzfl\u00e4chen befinden sich im Sockelbereich des Kirchenschiffes, in den Fensterleibungen und in einigen Gew\u00f6lbezwickeln des Kirchenschiffes.<br \/>\n5)\tAusbau der inmitten der Wandmalerei eingebauten Elektroanlage, incl. des Hauptverteilungskastens, der tief im Mauerwerk im Wandmalereibereich hinter dem Altar eingelassen war. Neuverlegung der Elektroleitungen so, dass Leitungen nicht mehr im Malereibereich liegen, Verlegung der Hauptverteilung in Kommode hinter dem Altar.<br \/>\n6)\tVerlegung des Wasserhahnes, der hinter dem Altar auf der Wandmalerei montiert worden war, auf Au\u00dfenwand der Kapelle (automatische Entleerung der Zapfstelle).<br \/>\n7)\tReinigung des Mauerwerkes und Neuverputz der abgeschlagenen Bereiche mit Sanierputz der Fa. Colfirmit-Rajasil, SP 2.<br \/>\n8)\tSpachtelung der W\u00e4nde mit dispergiertem Wei\u00dfkalkhydrat der Fa. Calxnova.<br \/>\n9)\tFreilegung und Sichtbarmachung unter UV-Lichtlampen der Fassung mit pflanzlichen Motiven in den Gew\u00f6lbezwickeln des Chorbereiches und Sternen in den Gew\u00f6lben nach Farbabnahme. Diese Fassungen waren bei dem letzten Farbauftrag mit Dispersionsfarbe s\u00e4uberlich abgekratzt worden, damit sie nicht durchschlagen. Unter UV-Lichtlampen waren diese Fassungen gut zu erkennen, die Konturen sind auf Pergament aufgezeichnet und \u00fcbertragen worden.<br \/>\n10)\tRestaurierung der Quaderimmitation im Sockelbereich des Kirchenschiffes. Die oberen beiden Quaderreihen waren noch recht gut erhalten und konnten durch Retouchen vervollst\u00e4ndigt werden. Die unteren Quaderreihen waren schon fr\u00fcher durch Neuputze und \u00dcbermalungen mit brauner \u00d6lfarbe in ihrer Substanz so zerst\u00f6rt worden, dass sie nach Vorbild der erhaltenen Quader rekonstruiert werden mussten. Die Quaderimmitation ist nach Befund in magerer \u00d6lfarbe hergestellt und mit einem Dammarfirnis mit Wachszusatz nachbehandelt worden.<br \/>\n11)\tDie Vorhangmalerei im Sockelbereich des Chores ist in Schablonentechnik hergestellt worden. Nach Freilegung der Malerei konnten gro\u00dfe Teile durch retouchen vervollst\u00e4ndigt, kleinere Bereiche mussten komplett rekonstruiert werden. Hier sind nach Befund celluloseleimgebundene Farben mit Lein\u00f6lzusatz verwendet worden, die anschlie\u00dfend mit Dammarfirnis mit Wachszusatz behandelt worden sind. Die Vergoldungen im Bereich der Vorhangmalerei sind in Goldbronze ausgef\u00fchrt.<br \/>\n12)\tDie Gew\u00f6lbe- und Wandfl\u00e4chen sind in Leimfarbe gestrichen worden.<br \/>\n13)\tIn den Gew\u00f6lbezwickeln, den Gew\u00f6lbefl\u00e4chen, den Leibungsumrandungen der Fenster des Chorbereiches sowie an den Gew\u00f6lberippen, den Gew\u00f6lbekonsolen und den Weihekreuzen waren Blattvergoldungen durch die o. a. Laboruntersuchung und restauratorische Freilegungen gefunden worden. Diese Blattvergoldungen auf einem roten Bolus sind wieder hergestellt worden (Blatt- bzw. Rollengold, Rosenoble Gold 23,75 Karat).<br \/>\n14)\tHerausnahme des in kunststoffverg\u00fcteten Zementspachtel verlegten Teppichbodens aus Chorbereich und von Altar- und Chorstufen. Es waren umfangreiche Schleif- und Steinmetzarbeiten erforderlich, um diese Spachtelmasse wieder zu entfernen.<br \/>\n15)\tErg\u00e4nzung fehlender Ornamentteile und Wiederherstellung der Fassung der wandgebundenen festen Ausstattung (Reliquienhaus, Altar, Chorschranke mit Kanzel). Hier sind fehlende Sandsteinteile nach Parallelbeispielen vor Ort abgeformt, abgegossen und bearbeitet  worden. Anschlie\u00dfend ist wieder eine Vergoldung (s.o.) dieser Ausstattung angebracht worden.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Im Rahmen des edukativen Programms sind die Arbeiten in einem Kompaktseminar 2 Realschulklassen erl\u00e4utert und dargestellt worden. Au\u00dferdem haben mehrer Informationsveranstaltungen zur Restaurierung der Kapelle stattgefunden. Die Kapelle wird u. a. wegen der Seligsprechung des Kardinals v. Galen sehr stark von Besuchern frequentiert, es ist ein Kirchenf\u00fchrer erstellt worden, in dem die Arbeiten auch erl\u00e4utert werden. Die Kapelle wird nach der erfolgten Restaurierung von den Nutzern und Besuchern sehr gut angenommen.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Durch die angewandten Methoden bei der Restaurierung konnte ein Gro\u00dfteil der originalen Malerei nach vorsichtiger Abnahme der sehr sch\u00e4dlichen Dispersionsanstriche erhalten und wieder sichtbar gemacht werden. Das Restaurierungsziel und das Ziel, die \u00d6ffentlichkeit und hier speziell die heranwachsenden Sch\u00fcler f\u00fcr die Notwendigkeit, die Aufgaben und die Zielsetzung der Denkmal- und Kulturpflege und die Wege bei der Restaurierungsausf\u00fchrung zu interessieren, sind erreicht worden. Der Zeitplan ist etwas \u00fcberschritten worden, da die Vergoldungsarbeiten zeitlich sehr aufw\u00e4ndig waren. Der Gesamtkostenansatz ist gehalten worden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Durch Umweltsch\u00e4den und anschlie\u00dfend fehlerhafte Sanierung in den 1960\/70-er Jahren ist der Innenputz der Burgkapelle Dinklage stark gesch\u00e4digt worden. Die bedeutende neugotische Ausmalung und Fassung mit Blattgold war damals mit einer Kunststofffarbe \u00fcberstrichen worden. 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