{"id":23774,"date":"2023-07-13T15:24:10","date_gmt":"2023-07-13T13:24:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/22630-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:24:10","modified_gmt":"2023-07-13T13:24:10","slug":"22630-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/22630-01\/","title":{"rendered":"Modellvorhaben zum Fledermausschutz bei Restaurierungsarbeiten an den national wertvollen salzgesch\u00e4digten Wandmalereien der Kirche zu Semlow (Mecklenburg-Vorpommern)"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Die um 1220 erbaute Semlower Kirche ist \u00dcberwinterungsquartier f\u00fcr Flederm\u00e4use. Nicht so h\u00e4ufig anzutreffen ist die Artenvielfalt und die sehr gro\u00dfe Anzahl der \u00fcberwinternden Tiere, die vor allem w\u00e4hrend der Schw\u00e4rmzeit im Sp\u00e4tsommer eine au\u00dferordentliche Kot- und Urinbelastung mitbringen. Diese wirkt sich negativ auf den allgemeinen Zustand des Kirchenschiffes aus und schr\u00e4nkt seine Nutzung als Kirche ein. Besonders jedoch sch\u00e4digt sie die wertvolle Innenausmalung des Kirchenschiffes von Carl Julius Milde, die sich \u00fcber alle Wand- und Deckenflachen erstreckt. Ziel des Vorhabens soll es sein, die Kirche als Quartier f\u00fcr die Flederm\u00e4use zu erhalten, eine Nutzung als Kirche zu gew\u00e4hrleisten, die Sch\u00e4den der Innenausmalung an einer Probeachse zu beseitigen, bereits restaurierte Bereiche an einer Probeachse zu reinigen und die M\u00f6glichkeiten eines Zusammengehens von Naturschutz und Denkmalpflege zu dokumentieren. Dem aus der Sorge um Kulturg\u00fcter geborene Weg der heimlichen Vertreibung der Tiere aus Geb\u00e4uden kann ein positiver L\u00f6sungsweg entgegengesetzt werden.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenIm kunsthistorisch weniger sensiblen und f\u00fcr Veranstaltungen nicht genutzten Turmbereich werden art-gerechte Ausweichquartiere geschaffen. Bei Annahme dieser Quartiere werden die Flederm\u00e4use ohne ihren Bestand zu sch\u00e4digen im Kirchenschiff zur\u00fcckgedr\u00e4ngt, so dass die Belastung der kostbaren Innenausmalung und -einrichtung zur\u00fcck geht und der Kirchenraum nutzbar bleibt. Alle Arbeitsschritte und neue Erkenntnisse, auch \u00fcber das Schwarmverhalten der Flederm\u00e4use, werden fachgerecht dokumentiert. Die Innenausmalung wird beispielhaft im Hinblick auf die durch die Tiere verursachten Schaden restauriert und an bereits restaurierte Fl\u00e4chen eine Reinigungsm\u00f6glichkeit erprobt. Auch hierbei entsteht eine ausf\u00fchrliche Dokumentation der Methoden und der Ergebnisse. Erstmalig werden so L\u00f6sungsm\u00f6glichkeiten erforscht, angewandt und dokumentiert, die auch in anderen Kirchen und sonstigen Geb\u00e4uden zu einem guten Zusammengehen von Natur- und Denkmalschutz bei der Verbesserung der Lebensm\u00f6g-lichkeiten f\u00fcr Flederm\u00e4use und des gleichzeitigen Erhalts von Kulturerbe f\u00fchren k\u00f6nnen.<br \/>\nZeitplan: Herbst 2004, Fr\u00fchsommer 2005: Einbau von Quartieren im Turmbereich; Okt 04 bis M\u00e4rz 05, \u00c4ug 05 bis Sep 05, Okt 05 bis M\u00e4rz 06, Juli 06 bis Fr\u00fchjahr 07: Mark-Recapture Untersuchungen, Untersuchungen zur Quartierwahl, Klimamessungen in alten und neuen Quartieren, Lichtschranken zur Datenerfassung; Mai bis Okt 05: Restaurierung einer Achse der Innenausmalung; Nov 05 bis Fr\u00fchjahr 07: Untersuchungen zur Annahme der Quartiere; Mai bis Juni 06: Reinigung bereits restaurierter Fl\u00e4chen an einer Probeachse. Im gesamten Verlauf: Dokumentation aller Untersuchungen und Ma\u00dfnahmen, Konsultationen der Fachleute f\u00fcr Denkmalpflege und der Fachleute f\u00fcr den Naturschutz, Ver\u00f6ffentlichung vorhabenbegleitend im Internet; Dez 06 bis Mai 07 Abschlussdokumentation.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Denkmalschutz: Untersuchungen der Malereisch\u00e4den best\u00e4tigten als eine Schadensursache die erhebliche Salzbelastung der W\u00e4nde in Verbindung mit Feuchtigkeit, bedingt durch die Unmengen an vorhandenem Fledermauskot an den Wandfl\u00e4chen. Es kommt durch den Kot zu bausch\u00e4digenden Nitraten und zu Flecken und Verf\u00e4rbungen an der Malereioberfl\u00e4che, die auch nach der einfachen Abnahme des Kotes zu Malereiverlusten f\u00fchren. Dazu kommen erhebliche Abriebsch\u00e4den bis hin zum Totalverlust an den Flugl\u00f6chern der Flederm\u00e4use. Die gesch\u00e4digte Malschicht konnte gefestigt, entsalzt und wiederhergestellt werden. Neuerer Fledermauskot an bereits restaurierten Fl\u00e4chen konnte abgenommen werden, wobei an Wandfondfl\u00e4chen die gesch\u00e4digte Malerei abgetragen und wieder erneuert wurde. An mit Figuren etc. bemalten Fl\u00e4chen wurden die Sch\u00e4digungen durch Aceton und Testbenzin reduziert. \u00c4ltere Kotablagerungen mussten vor der Abnahme behandelt werden. Weitere Beobachtungen sind notwendig. Um weitere Sch\u00e4den durch die Flederm\u00e4use zu verhindern, m\u00fcssen die Flederm\u00e4use aus Kirchenschiff und -chor dauerhaft umgesiedelt werden.<br \/>\nEinen Eingriff in die historische Bausubstanz bedeutete die Errichtung einer Wand im Kirchturm f\u00fcr die Fledermauswinterquartiere. Erhebliche Umbauarbeiten waren hierbei notwendig, dem Naturschutz wurde dabei jedoch der eindeutige Vorrang gegeben, um eine Umsiedlung der Tiere zu erm\u00f6glichen.<br \/>\nNaturschutz: Untersuchungen ergaben das Vorkommen von Zwergfledermaus, M\u00fcckenfledermaus, Rauhhautfledermaus, Breitfl\u00fcgelfledermaus, Wasserfledermaus, Fransenfledermaus, Braunes Langohr und Mopsfledermaus in der Semlower Kirche; f\u00fcr f\u00fcnf Arten (Zwergfledermaus, M\u00fcckenfledermaus, Breitfl\u00fcgelfledermaus, Braunes Langohr, Mopsfledermaus) konnte die \u00dcberwinterung nachgewiesen werden. Bis zu 4.000 Tiere wurden als Schw\u00e4rmbestand errechnet, wodurch auch die enorme Kotmenge im Kirchenraum erkl\u00e4rbar wird. Etwa 500 Tiere \u00fcberwintern in der Kirche. 23 Winterquartiere wurden beobachtet, Flugzeiten erforscht. In den eingebauten Ersatzquartieren konnten trotz der identischen klimatischen Bedingungen vorerst nur wenige Tiere nachgewiesen werden, was der fehlenden Kenntnis zugeschrieben wird.<br \/>\nNicht zu Ende diskutiert ist, ob an Hand dieser Ergebnisse der urspr\u00fcngliche Zustand erhalten bleiben muss (und damit eine einmalige Innenausmalung verloren geht und die Nutzung der Kirche unm\u00f6glich wird), ob der Kirchenraum zur Schw\u00e4rmzeit verschlossen und zur \u00dcberwinterungszeit ge\u00f6ffnet wird (was weitere Untersuchungen notwendig macht, aber eine Verringerung der Kotbelastung und eine langsame Gew\u00f6hnung an die Ersatzquartiere mit sich bringt) oder ob der Kirchenraum hermetisch abgeschlossen wird (was f\u00fcr die kirchliche Nutzung und dem Erhalt der Innenausstattung und der Malerei dient, die Flederm\u00e4use jedoch zwingt, andere zum Teil extra errichtete Winterquartiere im Turmbereich der Kirche zu nutzen, was jedoch eventuell nicht bei allen Tieren gelingen wird).<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>&#8211;\tInformationsveranstaltungen der Kirchengemeinde in Zusammenarbeit mit Restauratoren und Natursch\u00fctzern (mehrere in kleinem Rahmen, zweimal mit fast 100 Teilnehmern aus der Region)<br \/>\n&#8211;\tBerichterstattung in der regionalen Presse<br \/>\n&#8211;\tHinweise und Erl\u00e4uterungen bei Kirchenf\u00fchrungen<br \/>\n&#8211;\tBesichtigungen und Erkl\u00e4rungen in Gemeindekreisen mit allen Generationen<br \/>\n&#8211;\tausgelegte Informationen f\u00fcr Kirchenbesucher (Touristen)<br \/>\n&#8211;\tEinrichten einer Internetseite (www.kirche-semlow.de) mit ausf\u00fchrlicher Information \u00fcber das Projekt.<br \/>\n&#8211;\tAufnahme in Datenbank (Hornemann-Institut)<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Gezeigt wurde, dass die Sch\u00e4den an der Innenausmalung der Kirche mit gro\u00dfem Aufwand aber zum Teil nicht g\u00e4nzlich behoben werden k\u00f6nnen. Um eine weitere und erneute Sch\u00e4digung von restaurierten Fl\u00e4chen zu verhindern, muss der Koteintrag der Flederm\u00e4use in Kirchenschiff und -chor deutlich verringert werden. Die Artenvielfalt und Anzahl der Flederm\u00e4use in der Semlower Kirche ist bedeutend und zeigt, wie wichtig das Geb\u00e4ude f\u00fcr das Leben der Tiere ist. Allein die Untersuchungen, die Restaurierungen und die Schaffung von Ersatzquartieren haben noch nicht dazu gef\u00fchrt, dass Nutzung, Denkmalschutz und Naturschutz ein dauerhaftes vertr\u00e4gliches Miteinander in der Semlower Kirche haben, aber wohl die Voraussetzung daf\u00fcr geschaffen. Daher wird in den folgenden zwei Jahren versucht, den Koteintrag im Kirchenschiff zu verringern und den Flederm\u00e4usen dennoch nicht die Winterquartiere im Kirchenschiff zu nehmen, sie aber langsam an die Quartiere im Turm zu gew\u00f6hnen. Dies soll durch einen Verschluss des Kirchenschiffes zur Schw\u00e4rmzeit und ein \u00d6ffnen zur Winterzeit erreicht werden. Gleichzeitig wird der Turm mit gro\u00dfen Durchflugm\u00f6glichkeiten versehen und die errichten Ersatzquartiere weiter optimiert. \u00dcber die Durchf\u00fchrung erfolgt ein Bericht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Die um 1220 erbaute Semlower Kirche ist \u00dcberwinterungsquartier f\u00fcr Flederm\u00e4use. Nicht so h\u00e4ufig anzutreffen ist die Artenvielfalt und die sehr gro\u00dfe Anzahl der \u00fcberwinternden Tiere, die vor allem w\u00e4hrend der Schw\u00e4rmzeit im Sp\u00e4tsommer eine au\u00dferordentliche Kot- und Urinbelastung mitbringen. Diese wirkt sich negativ auf den allgemeinen Zustand des Kirchenschiffes aus [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"template":"","meta":{"footnotes":""},"categories":[],"tags":[63,50],"class_list":["post-23774","projektdatenbank","type-projektdatenbank","status-publish","hentry","tag-mecklenburg-vorpommern","tag-naturschutz"],"meta_box":{"dbu_projektdatenbank_az_ges":"22630\/01","dbu_projektdatenbank_medien":"","dbu_projektdatenbank_pdfdatei":"A-22630.pdf","dbu_projektdatenbank_bsumme":"23.000,00","dbu_projektdatenbank_firma":"Evangelisches Pfarramt Eixen\nf\u00fcr die Kirchengemeinden Semlow, Eixen,\nBehrenwalde, Leplow","dbu_projektdatenbank_strasse":"Bad-S\u00fclzer-Str. 1","dbu_projektdatenbank_plz_str":"18334","dbu_projektdatenbank_ort_str":"Eixen","dbu_projektdatenbank_p_von":"2004-08-01 00:00:00","dbu_projektdatenbank_p_bis":"2007-02-01 00:00:00","dbu_projektdatenbank_laufzeit":"2 Jahre und 6 Monate","dbu_projektdatenbank_telefon":"038222\/437","dbu_projektdatenbank_inet":"","dbu_projektdatenbank_bundesland":"Mecklenburg-Vorpommern","dbu_projektdatenbank_foerderber":"139","dbu_projektdatenbank_ab_bericht":"","dbu_projektdatenbank_ist_nachbewilligung_von":"","dbu_projektdatenbank_hat_nachbewilligung":"","dbu_headerimage_cover":"","dbu_submenu":"","dbu_submenu_position":"","dbu_submenu_entry":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank\/23774","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/projektdatenbank"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank\/23774\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":36777,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank\/23774\/revisions\/36777"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=23774"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=23774"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=23774"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}