{"id":23771,"date":"2023-07-13T15:24:10","date_gmt":"2023-07-13T13:24:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/22621-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:24:10","modified_gmt":"2023-07-13T13:24:10","slug":"22621-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/22621-01\/","title":{"rendered":"Bestandserfassung aus Sicht der Denkmalpflege und des Naturschutzes: Historische Alleen in Schleswig-Holstein"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Die das Landschaftsbild Schleswig-Holsteins in bedeutendem Ma\u00dfe pr\u00e4genden historischen Alleen sind einer Vielzahl von Umweltbelastungen ausgesetzt, die den Erhalt dieses biologischen Kulturerbes gef\u00e4hrden. Die praktizierten Erhaltungsstrategien werden diesem komplexen Gef\u00fcge bisher wenig gerecht. Die Maxime der Verkehrssicherungspflicht dominieren die Ma\u00dfnahmen an den Alleen, die Positionen von Naturschutz und Denkmalpflege werden meist nicht ber\u00fccksichtigt. Das Projekt verfolgt daher die Ziele: 1. Vertiefender Erkenntnisgewinn zur Kulturgeschichte und zur \u00d6kologie von Alleen; 2. Initiierung eines baumpflegerischen Diskurses durch interdisziplin\u00e4res Arbeiten; 3. Schaffung eines \u00f6ffentlichen Bewusstseins f\u00fcr die Konflikte zwischen den Anforderungen des wachsenden Verkehrs und den \u00dcberlebensbedingungen alter Alleen; 4. Aufzeigen von denkmal- und naturschutzgerechten L\u00f6sungsm\u00f6glichkeiten im praktischen Umgang mit alten Alleen.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenAuf Grundlage der bisherigen Kenntnisse wurde eine Vorauswahl von historischen Alleen der Fachkommission vorgestellt, und von dieser sechs Alleen unterschiedlicher Baumart und Entstehungszeit festgelegt, die unter folgenden Aspekten wissenschaftlich untersucht werden sollten:<br \/>\nI. Naturschutzaspekte: Abgabe von gutachterlichen Stellungnahmen hinsichtlich des \u00f6kologischen Wertes der Allee. Neben der vegetations\u00f6kologischen, floristischen Kartierungen galt es die faunistischen Besonderheiten der Alleen herauszustellen, dazu z\u00e4hlen die reichen Fledermausbest\u00e4nde, die Populationen der Wirbellosen, wie K\u00e4fern, Stechimmen und Nachtfaltern sowie eine ornithologische Kartierung des Bestands.<br \/>\nII. Kulturhistorische Bewertung der Alleen auf der Grundlage einer Dokumentation der Entwicklungsgeschichte der einzelnen Allee. Der denkmalpflegerische Wert l\u00e4sst sich mit der jeweils besonderen historischen, st\u00e4dtebaulichen bzw. die Kulturlandschaft pr\u00e4genden, sowie der k\u00fcnstlerischen und der wissenschaftlichen Bedeutung der untersuchten Allee begr\u00fcnden.<br \/>\nIII. Baumbiologische Bewertung im Hinblick auf die Verkehrssicherungspflicht: In den baumpflegerischen Gutachten wurde der biologische Zustand der Allee erfasst, der Handlungsbedarf abgeleitet und Ma\u00dfnahmenvorschl\u00e4ge unterbreitet.<br \/>\nDas Treffen der Gutachter im August f\u00fchrte zu einem \u00e4u\u00dferst fruchtbaren Wissensaustausch und die vorgeschlagenen Ma\u00dfnahmen der baumbiologischen Gutachten stie\u00dfen &#8211; mit einigen speziellen Zus\u00e4tzen versehen &#8211; auf gro\u00dfe Einigkeit. In einem zweit\u00e4gigen Fachkolloquium zusammen mit den Eigent\u00fcmern und dem Fachbeirat erfolgte dann die endg\u00fcltige Festlegung auf die Ma\u00dfnahmenkonzepte zum Erhalt der Alleen. Diese Ma\u00dfnahmen sollen in einer zweiten Projektphase umgesetzt werden.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Mit diesem Projekt ist es erstmals gelungen, historische Alleen in einer interdisziplin\u00e4ren Zusammenschau  zu untersuchen und zu bewerten. Durch diese Herangehensweise stellte sich heraus, dass trotz unterschiedlicher Bewertungen und Bedeutungen im Einzelnen, der Erhalt der Allee als Ganzes und ihrer Einzelb\u00e4ume f\u00fcr alle Disziplinen oberste Priorit\u00e4t besitzt: Der stehende, m\u00f6glichst lebende Holzk\u00f6rper der alten Alleeb\u00e4ume ist aus denkmalpflegerischer und \u00f6kologischer Sicht gleicherma\u00dfen wertvoll. Die exak-ten Vermessungen der Alleen vor Beginn der gutachterlichen Untersuchungen bildeten eine unabdingbare Voraussetzung f\u00fcr die reibungslose Zusammenarbeit. Sie k\u00f6nnen als modellhaft f\u00fcr weitere Kartierungen von Alleen angesehen werden. F\u00fcr die baumgutachterlichen Untersuchungen spielt es keine Rolle, ob die Beurteilung der Stand- und Bruchsicherheit nach mehr physikalischen oder biologischen Methoden erfolgt. Alle wissenschaftlichen Methoden f\u00fchren zum Ziel. Aufgrund des hohen Alters der Al-leen konnten erwartungsgem\u00e4\u00df zahlreiche Sch\u00e4den festgestellt werden, die aber erfreulicherweise nur zu einer F\u00e4llung f\u00fchrten. Alle anderen B\u00e4ume k\u00f6nnen durch fachgerechte Schnittma\u00dfnahmen erhalten bleiben. Die erstmals systematisch erhobenen \u00f6kologischen Untersuchungen an historischen Alleen belegen, dass Alleen f\u00fcr bestimmte Pflanzen und Tiere exzeptionelle Lebensr\u00e4ume darstellen. Die her-ausragenden \u00f6kologischen Ergebnisse lassen sich vor allem mit drei alleenspezifischen Merkmalen begr\u00fcnden: Historische Alleeb\u00e4ume haben, im Gegensatz zu dem umgebenden Baumbestand in Wald und Flur, ein sehr hohes Alter, sie besitzen eine Jahrhunderte lange Standortkontinuit\u00e4t und stellen als lineare Biotopverbundelemente wichtige Glieder des Biotopverbundssystems dar. Sie k\u00f6nnen als die wohl \u00e4ltesten Lebensr\u00e4ume in unserer Landschaft angesprochen werden, was sie auch zu Objekten des Denkmal-schutzes macht. Die quellenkritische Erforschung der einzelnen Alleen nimmt sehr viel Zeit in An-spruch, sind Alleen doch immer Bestandteil eines Gartens, einer Kulturlandschaft oder Begleiter eines Verkehrswegs. Die Entwicklung einer Allee kann daher nur gekl\u00e4rt werden, wenn die Garten-, Landschafts-, oder Verkehrsgeschichte bereits bekannt ist. Alle historischen Alleen besitzen einen hohen Zeugniswert. Als Dokumente ihrer meist \u00fcber 100 j\u00e4hrigen Geschichte spiegeln sie den Umgang der Menschen mit ihrer Umwelt wider. Ihre denkmalpflegerische Bedeutung liegt in ihrer die Kulturlandschaft pr\u00e4genden Wirkung. Von wissenschaftlicher Bedeutung ist insbesondere ihr genetisches Potential.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>In der Akademie f\u00fcr Natur und Umwelt konnte eine Weiterbildungsveranstaltung zum Thema historische Alleen durchgef\u00fchrt werden. Weiterhin wurde in mehreren Fachzeitschriften das Projekt vorgestellt. Ver\u00f6ffentlichungen und Tagungen zum Thema sind geplant, in denen die Ergebnisse des Projekts einflie\u00dfen werden.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Erst die baumbiologische, kulturhistorische und \u00f6kologische Zusammenschau bringt die vielf\u00e4ltigen Bedeutungs- und Wirkungsbez\u00fcge und den herausragenden Wert alter Alleen f\u00fcr die Umwelt zu Tage. Je reichhaltiger dieses Wissen ist, umso gr\u00f6\u00dfer die Chancen eines wirksamen Schutzes. Die interdisziplin\u00e4re Zusammenarbeit m\u00fcsste nun auch in der Praxis beim Erhalt historischer Alleen wirksam werden. Die Verkehrssicherungspflicht an einer Allee f\u00fchrt immer wieder zu baumpflegerischen Ma\u00dfnahmen, die, wenn fachgerecht nach ZTV-Baumpflege ausgef\u00fchrt, eben meist keinen Eingriff darstellen, sondern auch auf Baumerhalt zielen. Die Mitarbeit der Denkmalpflege und des Naturschutzes kann diese Erhaltungsbem\u00fchungen unterst\u00fctzen. Dar\u00fcber hinaus k\u00f6nnen weitere Ma\u00dfnahmen zum Schutz bestimmter Lebensr\u00e4ume f\u00fcr Tiere und Pflanzen sowie f\u00fcr die \u00e4sthetische Aufwertung einer Allee durchgesetzt wer-den. Zumindest die wertvollsten und \u00e4ltesten Alleen im Lande sollten kartiert und inventarisiert werden, um so eine breitere wissenschaftliche Basis zu bekommen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Die das Landschaftsbild Schleswig-Holsteins in bedeutendem Ma\u00dfe pr\u00e4genden historischen Alleen sind einer Vielzahl von Umweltbelastungen ausgesetzt, die den Erhalt dieses biologischen Kulturerbes gef\u00e4hrden. Die praktizierten Erhaltungsstrategien werden diesem komplexen Gef\u00fcge bisher wenig gerecht. 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