{"id":23752,"date":"2023-07-13T15:24:07","date_gmt":"2023-07-13T13:24:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/22560-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:24:07","modified_gmt":"2023-07-13T13:24:07","slug":"22560-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/22560-01\/","title":{"rendered":"Restaurierung und beispielhafte, vergleichende Sanierung von national bedeutsamen Grabmalen auf dem Bartholom\u00e4usfriedhof in G\u00f6ttingen"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Der Bartholom\u00e4us Friedhof in G\u00f6ttingen repr\u00e4sentiert ein bedeutendes europ\u00e4isches Ensemble von Grabmalen und spiegelt die kulturhistorische Entwicklung der Universit\u00e4t G\u00f6ttingen wider. Der Friedhof ist durch unz\u00e4hlige Grabmale und Gedenksteine ber\u00fchmter Professoren gekennzeichnet. Die Denkmale bestehen vorwiegend aus Buntsandstein der G\u00f6ttinger Region und weisen variable Schadensph\u00e4nomene auf, die zum einen auf materialspezifische Entfestigungsprozesse und zum anderen auf umweltbedingte Salzkontamination zur\u00fcckzuf\u00fchren sind. Ziel des Projektes ist die Entwicklung einer materialangepassten Sanierung, die zu einem optimierten und nachhaltigen Umgang mit den wertvollen Kulturg\u00fctern aus die-sem Baustoff f\u00fchren. Zu den anvisierten Optimierungen z\u00e4hlen die Entwicklung materialangepasster Salzminderungskonzepte, abgestimmte Konservierungsma\u00dfnahmen sowie die optisch und materialtechnisch angepasste Entwicklung von Erg\u00e4nzungsm\u00f6rteln. Das Forschungsprojekt verfolgt den Aufbau ei-nes Konzepts zum denkmalgerechten Umgang f\u00fcr Objekte des vorliegenden Sandsteintyps.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDas Arbeitsprogramm untergliedert sich in vier Arbeitsschritte. In einem ersten Schritt werden der genaue Erhaltungszustand, die Materialverteilung, die einwirkenden Schadensmechanismen (vor allem die der Salzbelastung) sowie die Kontaminationspfade ermittelt. Dies wird mittels detaillierter Schadens- und Gef\u00fcgekartierungen sowie umfangreicher Erfassung der Salzbelastung und Salzverteilung an den Objekten erfolgen. Parallel dazu werden die Materialeigenschaften der verwendeten G\u00f6ttinger Buntsandsteine und ihre Sensibilit\u00e4t gegen\u00fcber den entsprechenden Umweltbelastungen im Labor analysiert. Dazu erfolgt eine genaue Bestimmung der mineralogischen, gef\u00fcgekundlichen und petrophysikalischen Materialeigenschaften. Aufgrund der zumeist ausgepr\u00e4gten Schichtung des vorliegenden Sandsteins ist die richtungsabh\u00e4ngige Erfassung der Gesteinsparameter unabdingbar. In einem dritten Schritt werden auf der Basis der gewonnenen Materialeigenschaften und der Erkenntnisse aus anderen Forschungsprojekten entsprechende Salzminderungs-, Konservierungsverfahren und Erg\u00e4nzungsmassen angepasst. Eine \u00dcberpr\u00fcfung zur Optimierung erfolgt durch entsprechende Salzverteilungsanalysen sowie in den beiden letzteren F\u00e4llen durch Verwitterungssimulationen. Diese umfassen sowohl Frost-Tau-Wechselversuche, Salz-sprengtests als auch thermische und hygrische Beanspruchungssimulationen. In einem finalen Schritt sollen die gewonnenen Erkenntnisse in Form modellhafter Salzminderungen, Konservierungen und Er-g\u00e4nzungen an ausgew\u00e4hlte Objekte des Bartholom\u00e4us Friedhofs \u00fcberf\u00fchrt werden.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Zusammenfassend muss festgestellt werden, dass an den Grabm\u00e4lern des Bartholom\u00e4us Friedhofs bei einer detaillierten Betrachtung sehr komplexe Schadensbilder auftreten. Diese gr\u00fcnden sich auf nat\u00fcrlich bedingte und anthropogen verursachte Verwitterungsprozesse. Zum einen sind diese auf Salzbelastun-gen und materialspezifische Inhomogenit\u00e4ten zur\u00fcckzuf\u00fchren und resultieren im Wesentlichen in Materialverlust durch Absanden, Abschuppen und Abschalen. Zum anderen k\u00f6nnen die historischen restauratorischen Eingriffe zum Teil als Schadensgrund gesehen werden. Die Verwendung unvertr\u00e4glicher Er-satzmaterialien f\u00fchrt zu einem zus\u00e4tzlichen Eintrag von Schadstoffen, einer St\u00f6rung des nat\u00fcrlichen Feuchtehaushalts und lokalen Spannungskonzentrationen haben.<br \/>\nDie in Verbindung mit verschiedenen G\u00f6ttinger Sandsteinvariet\u00e4ten modellhaft angewendeten Konsolidierungsverfahren zeigen im Vergleich, dass eine Festigung dieser Materialien bei gleichzeitiger Wahrung der materiellen Eigenschaften, im Gegensatz zu Acrylharz, am besten durch ein Kiesels\u00e4ureestersystem gew\u00e4hrleistet wird. Bei der Erstellung von Ersatzmassen auf Kiesels\u00e4ureesterbasis wurde ebenfalls darauf Wert gelegt, dass diese gegen\u00fcber der Originalsubstanz keine h\u00f6heren Festigkeiten aufweist und der Feuchtehaushalt nicht gest\u00f6rt wird.<br \/>\nDie angewendeten Salzminderungsma\u00dfnahmen wurden in Abh\u00e4ngigkeit von der Objektgr\u00f6\u00dfe individuell vorgenommen. Sie umfassen neben dem Abbau und der Salzreduzierung \u00fcber Wasserb\u00e4der auch die Berieselung oder Befeuchtung der Objekte \u00fcber Tropftr\u00e4nkung und anschlie\u00dfendem gerichteten Abtrocknen und Salzentzug \u00fcber aufgebrachte Kompressen. \u00dcberpr\u00fcfende Analysen haben gezeigt, dass diese Ma\u00dfnahmen den Schadstoffgehalt deutlich reduziert haben sowie die notwendigen Antragungen ideale Anpassung an die Originalsubstanz aufweisen. Die regelm\u00e4\u00dfige Pr\u00fcfung der Objektzust\u00e4nde und akute Durchf\u00fchrung von Erhaltungsma\u00dfnahmen sollte mit geringem Aufwand zu einem langen Erhalt der Grabmonumente beitragen und die kulturhistorischen Werte vor einem raschen Verfall bewahren.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>\u00dcber das Projekt wurde in zwei Zeitungsartikeln in der lokalen Presse berichtet: G\u00f6ttinger Tageblatt vom 26.08.2006: Respekt vor dem Alterswert eines Denkmals; G\u00f6ttinger Tageblatt vom 26.06.2007: Bartholom\u00e4us-Friedhof: Zehn Grabmale restauriert. Des Weiteren wurde der Friedhof nach der vorgenommenen Restaurierung in einer \u00f6ffentlichen Feierstunde am 27.06.2007 eingeweiht. In der folgenden Publikation werden Ergebnisse des Projekts der \u00d6ffentlichkeit vorgestellt: Kracke, T., M\u00fcller, C., Krinninger, S., Wedekind, W., R\u00fcdrich, J. &#038; Siegesmund, S. [im Druck]: Buntsandsteine G\u00f6ttingens: Verwendung, Verwitterung und Konsolidierung am Beispiel des Bartholom\u00e4us Friedhofs. Z. dt. Ges. Geowis.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Die Grabmonumente des Bartholom\u00e4us Friedhofs zeigen sehr multiple Schadensszenarien, die neben umweltbedingten Schadensquantit\u00e4ten wesentlich auf Salzbelastungen, das Materialverhalten und in einigen F\u00e4llen auf Materialunvertr\u00e4glichkeiten im Zuge von Altsanierungen sowie auf Vandalismus zur\u00fcckzuf\u00fchren sind. Mineralogische und gesteinstechnische Untersuchungen an G\u00f6ttinger Buntsandsteinen, zerst\u00f6rungsfreie und zerst\u00f6rungsarme Zustandsdiagnosen des Materials vor Ort, Verwitterungssimulationen, Schadenskartierungen, Salzbelastungsanalysen und -minderungsversuche als auch Konsolidierungsans\u00e4tze und Ersatzmassenentwicklungen (mit Sandsteineigenschaften) belegen den dringenden Handlungsbedarf mittels materialangepasster, restauratorischer Ma\u00dfnahmen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Der Bartholom\u00e4us Friedhof in G\u00f6ttingen repr\u00e4sentiert ein bedeutendes europ\u00e4isches Ensemble von Grabmalen und spiegelt die kulturhistorische Entwicklung der Universit\u00e4t G\u00f6ttingen wider. Der Friedhof ist durch unz\u00e4hlige Grabmale und Gedenksteine ber\u00fchmter Professoren gekennzeichnet. 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