{"id":23733,"date":"2023-07-13T15:24:03","date_gmt":"2023-07-13T13:24:03","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/22521-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:24:05","modified_gmt":"2023-07-13T13:24:05","slug":"22521-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/22521-01\/","title":{"rendered":"Wiederherstellung des Bevergew\u00e4ssers durch Wiederanschluss von Altarmen"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Das Projekt soll die Durchg\u00e4ngigkeit der Bever f\u00fcr Fische und Wirbellose wieder herstellen. Daf\u00fcr soll ein neuer (bzw. vorhandener alter) Bachverlauf von 500 &#8211; 600 m L\u00e4nge einen Stau umgehen. Das Gew\u00e4sser Bever soll ge\u00f6ffnet werden, durchflie\u00dft sodann einen vorhandenen Altarm von 100 m L\u00e4nge. Der neue Bachlauf soll die Durchg\u00e4ngigkeit des Gew\u00e4ssers f\u00fcr die Bachbewohner erh\u00f6hen und zudem die Qualit\u00e4t des Lebensraumes Gew\u00e4sser deutlich verbessern.<br \/>\nDurch die Extensivierung erfolgt eine \u00f6kologische Aufwertung einer vormals intensiv genutzten Fl\u00e4che sowie eine Einbindung der angrenzenden landwirtschaftlichen Nutzfl\u00e4chen in das Projekt. Eine Ackerfl\u00e4che wird in Gr\u00fcndland umgewandelt (Ansaat, extensive Bewirtschaftung als M\u00e4hwiese; Erfahrungen lie-gen aus anderen Fl\u00e4chen vor).<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenIm Jahr 2007 wurden abschlie\u00dfende Pflegearbeiten wie die Gr\u00fcnlandmahd und Pflege der Uferb\u00f6schungen des Altarms, durchgef\u00fchrt. Das Monitoring, begleitende wissenschaftliche Untersuchungen zur Wasserchemie, zur Vegetationsentwicklung, zur Avifauna, zu den Fischen und zu den Kleingew\u00e4sserorganismen (Makrozoobenthos) wurde methodisch wie in den Vorjahren weitergef\u00fchrt und in 2007 abgeschlossen.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>ie chemisch-physikalischen Messungen ergaben insgesamt eine leichte Verbesserung der Werte gegen\u00fcber denen der Vorjahre. Allerdings liegen nicht alle Werte unten den empfohlenen Grenzwerten f\u00fcr sandgepr\u00e4gte Tieflandb\u00e4che. Diese Abweichung bezieht sich auf die elektrische Leitf\u00e4higkeit sowie auf  den Beschmutzungsanzeiger BSB5.Wert. Urs\u00e4chlich kommen hier Auswaschungen von Minerald\u00fcnger oder G\u00fclle in Frage; ebenfalls k\u00f6nnen nicht beseitigte R\u00fcckst\u00e4nde eines ehemaligen 3-Kammer-Systems des nahen Gutes als Ursache in Frage kommen.<br \/>\nEin Vergleich der chemisch-physikalischen Werte \u00fcber die Projektjahre zeigt keine eindeutige Tendenz. Es kam zu negativen Abweichungen in 2007 (s. o.), andere Werte zeigten Verbesserungen wie das Gesamtphosphat oder zeigten keine eindeutige Tendenz wie Nitrat. Ungeachtet der Qualit\u00e4t des renaturier-ten Altarms zeigen diese Ergebnisse den Einfluss der aktuellen Landbewirtschaftung in der Umgebung.<br \/>\nIn der Entwicklung der Vegetation zeigen sich in 2007 Dauergesellschaften, die die Rohbodenstandorte unmittelbar nach Durchf\u00fchrung der Ma\u00dfnahme gro\u00dfenteils geschlossen haben. Im Gew\u00e4sseruferbereich formieren sich R\u00f6hrichte aus Schilf-, Rohrglanzgras und Sumpfsegge. Das Gew\u00e4sser, gekennzeichnet durch einen hohen Trophiegrad und starker Besonnung, ist u. a. bestanden mit Rauhem Hornblatt und Kamm-Laichkraut. Mit dem Wachstum der uferst\u00e4ndigen Erlen und Weiden wird sich durch zunehmende Beschattung auch diese Ausbreitung zur\u00fcckentwickeln und einer gr\u00f6\u00dferen Artenvielfalt Raum geben. Hier wird zudem empfohlen, die Pflegema\u00dfahmen an B\u00f6schung und im Gew\u00e4sser auf ein Minimum zu reduzieren, um der nat\u00fcrlichen Eigendynamik Raum zu lassen. Diese Empfehlung k\u00f6nnte sich zudem auf die Bever ausdehnen. Die umschlossene Gr\u00fcnlandfl\u00e4che, urspr\u00fcnglich mit dem Entwicklungsziel Feuchtgr\u00fcnland versehen, ist relativ artenarm und eignet sich nach den Untersuchungen eher als mesophiler Gr\u00fcnlandstandort mit der M\u00f6glichkeit, hochst\u00e4mmige Obstb\u00e4ume zu pflanzen.<br \/>\nDas Artenspektrum der V\u00f6gel umfasst &#8211; mit geringen Abweichungen in den Vorjahren &#8211; 42 Vogelarten, davon br\u00fcten im Gebiet 34 Arten. Mit sechs Arten der Roten Liste bzw. der Vorwarnliste ist das Gebiet relativ artenreich und offenbart seinen Wert durch eine hohe Vielfalt auf kleinem Raum. Der renaturierte Altarm ist von Wasserv\u00f6geln genutzt worden, der Eisvogel nutzt das Gew\u00e4sser zur Nahrungssuche, br\u00fctete jedoch noch nicht in den Untersuchungsjahren. Mit der Entwicklung einer h\u00f6heren strukturellen Vielfalt auch auf dem Gr\u00fcnland  werden sich auch weitere V\u00f6gel ansiedeln.<br \/>\nDie Ergebnisse der Elektrobefischung zeigen eine relativ schnelle Besiedlung des Altarms mit Tieflandbach typischen Arten, die zudem vor allem in 2007 in mehreren Jahrg\u00e4ngen vertreten waren. Durchgehend kommen auch Arten der Roten Liste vor, Bachschmerle, Steinbei\u00dfer und Hecht. Die Herbstvorkommen von bis zu elf Fischarten zeigen deutlich h\u00f6here Best\u00e4nde und eine gr\u00f6\u00dfere Artenvielfalt als die Fr\u00fchjahrsvorkommen mit vier bis f\u00fcnf Arten. Ein zus\u00e4tzlich angelegter und an den Altarm angeschlossener Seitenarm birgt mit seinen Verkrautungen eine Bereicherung f\u00fcr die dort ablaichenden Arten. Insge-samt ist der Fischbestand im Altarm positiv zu bewerten, er best\u00e4tigt die Bedeutung der Renaturierungsma\u00dfnahme f\u00fcr die Fischfauna auch als Laichhabitat vor allem auch unter Ber\u00fccksichtigung einer sich entwickelnden Eigendynamik des Gew\u00e4ssers.<br \/>\nDie Untersuchung der Gew\u00e4sserkleintiere (Makrozoobenthos) in den Untersuchungsjahren ergab in Abh\u00e4ngigkeit von der strukturellen Vielfalt des Gew\u00e4ssers ein heterogenes Bild sowohl in der Artenzahl als auch in ihrer H\u00e4ufigkeit, obgleich die f\u00fcr ein sandgepr\u00e4gtes Flie\u00dfgew\u00e4sser im Tiefland typischen Arten \u00fcberwiegen. Im Artenspektrum spiegelt sich bereits eine Variierung in der Flie\u00dfgew\u00e4sserdynamik mit einem Wechsel von Bereichen mit starker und schwacher Str\u00f6mung. Das Vorkommen von Rote Liste Ar-ten, vor allem der Flie\u00dfgew\u00e4sser-Libellenart Geb\u00e4nderte Prachtlibelle Calopteryx splendens  in relativ hohen Abundanzen offenbart die Reichhaltigkeit und Strukturvielfalt des renaturierten Gew\u00e4ssers. Andererseits sind auch und vor allem an den Kleintieren zum Teil massive Schlammablagerungen festzustellen, die die mindere Substratqualit\u00e4t zeigen. So gibt es Bereiche mit hohen Schlammauflagen von bis zu 40 cm, die auf Einfl\u00fcsse aus der Landwirtschaftung (G\u00fclle oder Minerald\u00fcngerabfluss) oder h\u00e4uslichen Abw\u00e4ssern (ehemaliges 3-Kammer-System) zur\u00fcckzuf\u00fchren sind. Mit der Entwicklung weiterer struktureller Vielfalt im und am Gew\u00e4sser werden sich diese Ablagerungen, sofern sie vom 3-Kammer-System stammen, verbessern. Andernfalls ist von der umgebenden Landbewirtschaftung eine Verbesserung in Richtung \u00f6kologischer Denkweise zu fordern.<br \/>\nZusammenfassend betrachtet, bedeutet die Renaturierung des Altarms eine Bereicherung der Flie\u00dfgew\u00e4sserlandschaft und auch der landwirtschaftlich gepr\u00e4gten Umgebung mit der Chance einer \u00f6kologisch orientierten Pflege bei gleichzeitiger Ber\u00fccksichtigung eines H\u00f6chstma\u00dfes an Eigendynamik.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Mit Einleiten des Projektes in 2004 sind einige Berichte an die Presse gegangen, die den Beginn und das Fortschreiten des Projektes dokumentierten. In 2007 sind F\u00fchrungen zum Tag des Naturschutzes veranstaltet worden, dazu ist ein Flyer f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit entwickelt und gedruckt worden. In Planung ist ein Artikel f\u00fcr die Fachpresse.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>In Deutschland besteht vor allem vor dem Hintergrund der Wasserrahmenrichtlinie Handlungsbedarf in Richtung der Renaturierung von Altarmen und Seitenarmen kanalartig ausgebauter und \u00f6kologisch verarmter Flie\u00dfgew\u00e4sser. Auch die Bever ist hier einzureihen, sie flie\u00dft \u00fcber weite Strecken ohne M\u00e4ander und in einem ausgebauten Flussbett mit Stauwehren. Die Renaturierung eines Altarmes bietet hier den in Gew\u00e4ssern lebenden Organismen eine enorme \u00f6kologische Bereicherung, wenn nicht gar die einzige \u00dcberlebensm\u00f6glichkeit. Hier kann sich unter naturnahen Bedingungen eine h\u00f6here Artenvielfalt einstel-len, die sich in Bereichen hoher und niedriger Str\u00f6mung, mit Bereichen unterschiedlicher Vegetation und Auskolkungen etc. ansiedeln kann.<br \/>\nGerade vor dem Hintergrund der heutigen intensiven Landbewirtschaftung mit negativen Folgen f\u00fcr die Gew\u00e4sserqualit\u00e4t sind naturnahe Flie\u00dfgew\u00e4sser(abschnitte) von besonderer Bedeutung f\u00fcr deren Regenerationsf\u00e4higkeit, da sich monotone und kanalartig ausgebaute Gew\u00e4sser von Schadstoffeinleitungen besonders schlecht erholen.<br \/>\nMit der Renaturierung des Bever-Altarmes ist eine Bereicherung f\u00fcr die Flie\u00dfgew\u00e4sserlandschaft ge-schaffen worden, die erheblich zur \u00f6kologischen Vielfalt im Gebiet beitr\u00e4gt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Das Projekt soll die Durchg\u00e4ngigkeit der Bever f\u00fcr Fische und Wirbellose wieder herstellen. 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