{"id":23719,"date":"2023-07-13T15:24:00","date_gmt":"2023-07-13T13:24:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/22430-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:24:00","modified_gmt":"2023-07-13T13:24:00","slug":"22430-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/22430-01\/","title":{"rendered":"Grundlagen zur bauaufsichtlichen Anerkennung der Strohballenbauweise &#8211; Weiterentwicklung der lasttragenden Konstruktionsart und Optimierung der bauphysikalischen Performance"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Trotz Vorliegens einer allg. bauaufsichtlichen Zulassung f\u00fcr Strohballen als D\u00e4mmstoff fehlen wissenschaftlich anerkannte Nachweise f\u00fcr viele w\u00fcnschenswerte und praktisch bereits erprobte Strohballenkonstruktionen. Mit Hilfe des vorliegenden Projekts soll ein m\u00f6glichst gro\u00dfer Teil des anstehenden Untersuchungsbedarfs abgedeckt werden.<br \/>\nSchwerpunkte des Projektes bilden die Untersuchung der lasttragenden Bauweise, die Ermittlung der hygrothermischen Eigenschaften und der Schimmelbest\u00e4ndigkeit von Strohballenbauteilen. Dar\u00fcber hin-aus soll mit Hilfe von normgerechten Pr\u00fcfungen in den Bereichen Brandschutz, W\u00e4rmeschutz und Schallschutz  die baurechtliche Anwendbarkeit der gepr\u00fcften Bauteile unter entsprechenden baurechtlichen An-forderungen dargestellt werden.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenUntersuchung der lasttragenden Strohballenbauweise: Mit Hilfe von verschiedenen Belastungstests wurden die elastomechanischen Kennwerte von kleinen und gro\u00dfen Strohballen\/ -bauteilen ermittelt.<br \/>\nUntersuchung der hygrothermischen und mikrobiologischen Eigenschaften: Mit Hilfe von rechnerischen Simulationen wurde das hygrothermische Verhalten von Strohballenbauteilen und die mikrobielle Empfindlichkeit bestimmt. Mit Hilfe von realbewitterten Strohballenw\u00e4nden wurde das reale hygrothermische und mikrobielle Verhalten von Strohballenw\u00e4nden und deren Wetterfestigkeit am ung\u00fcnstigen Standort Holzkirchen untersucht. Mit Hilfe der Lagerung von mikrobiell beimpften Strohproben in Klimaschr\u00e4nken wurde laborm\u00e4\u00dfig die Schimmelresistenz von Stroh ermittelt. Mit Hilfe von Feuchte- Temperatur- Messtechnik wurde das reale hygrothermische Verhalten von gebauten Strohballenh\u00e4usern an verschiedenen Klimastandorten untersucht.<br \/>\nUntersuchung verschiedener bauphysikalischer und bautechnischer Eigenschaften: Mit Hilfe von bauauf-sichtlich anerkannten Nachweispr\u00fcfungen wurden die Eigenschaften von Strohballen\/ -bauteilen in den Bereichen Brandschutz, W\u00e4rmeschutz und Schallschutz ermittelt: Die Feuerwiderstandsdauer, das Brandverhalten, die W\u00e4rmeleitf\u00e4higkeit, der W\u00e4rmedurchlasswiderstand und das Luftschalld\u00e4mmma\u00df.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Projektbereich Lasttragendes Bauen: Es konnte entsprechend der urspr\u00fcnglichen Zielsetzungen nachgewiesen werden, dass Strohballen und Strohballenbauteile vertikalen Lasten in entsprechend konzipierten ein- bis eineinhalbgeschossigen Geb\u00e4uden standhalten k\u00f6nnen. Dabei wurde festgestellt, dass Kleinballen f\u00fcr kleinere und leichtere Geb\u00e4ude geeignet sind und Gro\u00dfballen demgegen\u00fcber etwas h\u00f6heren Belastungen standhalten. Hierbei ist jedoch zu ber\u00fccksichtigen, dass die Bauteil mindestens mit der 2-fachen Last der sp\u00e4teren Gebrauchslast vorzuspannen sind. Des Weiteren konnte innerhalb der Laufzeit des vorliegenden Projektes nicht das genaue Langezeitverhalten von Relaxation und Kriechen ermittelt werden. Nach den hier gewonnenen Erkenntnissen sind lasttragende Strohbauteile mit weiteren Hilfsbauteilen aus Holz oder Metall gegen Knicken und Beulen zu sichern. Eine Aussteifungsleistung der Strohballenw\u00e4nde konnte auch nach Verputzen der W\u00e4nde nicht ermittelt werden. Im Bereich lasttragendes Bauen besteht ein erheblicher weiterer Untersuchungsbedarf. Die Qualit\u00e4t der hier gewonnenen Erkenntnisse l\u00e4sst es nicht, wie erhofft zu diese direkt als Grundlage f\u00fcr die Verbesserung der bauaufsicht-lichen Anerkennung in diesem Bereich zu verwenden.<br \/>\nProjektbereich Hygrothermische Eigenschaften: Die grunds\u00e4tzliche feuchtetechnische Eignung der Bauweise wurde best\u00e4tigt. Von den als tauglich erhofften Bauteilaufbauten konnten einige jedoch noch nicht nachgewiesen werden. Einige in der Praxis bislang als tauglich eingesch\u00e4tzte Bauteilaufbauten m\u00fcssten nach den gewonnenen Erkenntnissen als bedenklich eingestuft werden. Aufgrund der soliden Praxiserfahrungen sollten weiteren Untersuchungen insbesondere einerseits das Ziel verfolgen die im vorliegenden Projekt umgesetzte Untersuchungsmethodik weiterzuentwickeln andererseits das Verhalten der Strohballenw\u00e4nde in Praxis wissenschaftlich und statistisch zuverl\u00e4ssig zu beurteilen.<br \/>\nProjektbereich: Bautechnische Eigenschaften: Die Ergebnisse der Untersuchungen im Bereich Brandschutz erreichen im vollen Umfang das erhoffte Niveau. Eine mit 8mm Lehmputz verkleidete Strohballenwand kann als schwerentflammbar und feuerhemmend klassifiziert werden.<br \/>\nDie Ergebnisse im Bereich W\u00e4rmeschutz erreichen \u00fcberwiegend das erhoffte Niveau. Die guten D\u00e4mm-eigenschaften von Strohballen wurden best\u00e4tigt. Mit Hilfe der geringen Anzahl der m\u00f6glichen W\u00e4rmeleitf\u00e4higkeitstests konnte jedoch kein einheitliches Erkl\u00e4rungsbild der Wertevarianz bei verschiedenen Rohdichten und h\u00f6heren relativen Feuchten erreicht werden. Die direkte Pr\u00fcfung des W\u00e4rmedurchlasswiderstands an einem Realbauteil zeigt keine vollst\u00e4ndige \u00dcbereinstimmung mit der rechnerischen Ermittlung dieses Wertes aus der gemessenen W\u00e4rmeleitf\u00e4higkeit. Hier sind weitere Pr\u00fcfungen in gr\u00f6\u00dferer Anzahl erforderlich, des Weiteren muss untersucht werden, welche Einflussfaktoren bei der Herstellung der Ballen auf die D\u00e4mmleistung einwirken.<br \/>\nDie Ergebnisse im Bereich Schallschutz liegen im erwarteten Bereich. Mit Strohballen lassen sich Au\u00dfenw\u00e4nde mit durchschnittlichen Anforderungen an das Luftschalld\u00e4mmma\u00df erstellen. Mit Hilfe von weiteren Untersuchungen k\u00f6nnten an dieser Stelle Optimierungen erreicht werden.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Die Zielsetzungen, Inhalte und Ergebnisse des Vorhabens wurden auf diversen Veranstaltungen, Tagun-gen, Seminaren und einigen Fachver\u00f6ffentlichungen einer breiten \u00d6ffentlichkeit pr\u00e4sentiert. Neben kleineren Seminaren wurden auch Tagungen teilweise mit internationalen Teilnehmern veranstaltet. Hervorzuheben ist hierbei insbesondere das europ\u00e4ische Strohballenbautreffen im August 2007 im \u00d6kodorf Sieben Linden mit \u00fcber 150 Teilnehmern aus 16 Nationen. Nach Abschluss des Projektes sind weitere Ver\u00f6ffentlichungen geplant.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Das vorliegende Projekt konnte im Wesentlichen wie erwartet durchgef\u00fchrt werden. Die Qualit\u00e4t der Ergebnisse hat nicht in allen Bereichen das erhoffte Niveau erreicht. Weiterer Untersuchungsbedarf ist im Laufe des Projektes deutlich geworden und soll in weiteren Vorhaben abgedeckt werden. Hierbei sind insbesondere die Bereiche lasttragendes Bauen und Hygrothermische Eigenschaften zu nennen. Neben weiteren Tests und Pr\u00fcfungen sollten die bauaufsichtliche Anerkennung an dieser Stelle weiterentwickelt werden. Im Zuge der zugenommenen Klimaschutzdiskussion sollten in zuk\u00fcnftigen Vorhaben die Bereich \u00d6kobilanz, Passivhaustauglichkeit, D\u00e4mmoptimierung ebenfalls Ber\u00fccksichtigung finden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Trotz Vorliegens einer allg. bauaufsichtlichen Zulassung f\u00fcr Strohballen als D\u00e4mmstoff fehlen wissenschaftlich anerkannte Nachweise f\u00fcr viele w\u00fcnschenswerte und praktisch bereits erprobte Strohballenkonstruktionen. 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