{"id":23712,"date":"2026-03-28T10:32:09","date_gmt":"2026-03-28T09:32:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/22449-01\/"},"modified":"2026-03-28T10:32:09","modified_gmt":"2026-03-28T09:32:09","slug":"22449-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/22449-01\/","title":{"rendered":"Landschaftsplanung f\u00fcr das Gebiet Kaliningrad"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Die Umweltsituation im Kaliningrader Gebiet ist, wie in weiten Teilen Russlands, als problematisch einzusch\u00e4tzen. Die r\u00e4umliche Entwicklung des Gebietes wurde bisher auf Grundlage kaum koordinierter Fachpl\u00e4ne weitgehend ohne Ber\u00fccksichtigung der \u00f6kologischen Anforderungen verwirklicht. Ziel des Projektes war es, mit Hilfe des Instrumentes der Landschaftsplanung &#8211; Landschaftsprogramm &#8211; die Grundlage f\u00fcr eine \u00f6kologisch orientierte Landnutzungsplanung f\u00fcr das gesamte Kaliningrader Gebiet zu erarbeiten und deren Umsetzung in Teilregionen vorzubereiten. Dabei wurden sowohl die russische Gesetzgebung als auch umweltrelevante EU-Richtlinien und internationale Abkommen ber\u00fccksichtigt. Der Planungsprozess wurde zur Steigerung der Akzeptanz der Ergebnisse von vielen Akteuren gestaltet und begleitet.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDie Erstellung des Landschaftsprogramms verlief in den Teilschritten: Bestandsaufnahme, Bewertung der Schutzg\u00fcter, Entwicklung der schutzgutbezogenen Zielkarten, Erstellung der integrierten Zielkarte, Ermittlung und Darstellung von Naturnutzungskonflikten, Auswahl von Modellgebieten.<br \/>\nZun\u00e4chst wurden die im Kaliningrader Gebiet vorhandenen Planungen und Grundlageninformationen aufbereitet und in schutzgutbezogenen Arbeitskarten f\u00fcr Flora, Boden usw. dargestellt. Im n\u00e4chsten Arbeitsschritt bewerteten die Arbeitsteams jedes Schutzgut hinsichtlich seiner Bedeutung und Empfindlichkeit. Im Anschluss an die Bewertung erfolgte die Erstellung schutzgutspezifischer Zielkarten, d. h. f\u00fcr jede Teilfl\u00e4che wurden die Erhaltungs-, Entwicklungs- und Verbesserungsziele schutzgutbezogen festgelegt. Diese Karten wurden mittels GIS-System untereinander und mit der Karte beeintr\u00e4chtigter Fl\u00e4chen verschnitten. Das Ergebnis &#8211; die integrierte Zielkarte &#8211; optimierte ein interdisziplin\u00e4res Team aus Fachleuten. Die Ermittlung der Naturnutzungskonflikte im Kaliningrader Gebiet erfolgte durch \u00dcberlagerung der integrierten Zielkarte mit der Karte der r\u00e4umlichen Zonierung. Zur Auswahl zweier Modellgebiete f\u00fcr eine Landschaftsplanung gr\u00f6\u00dferen Ma\u00dfstabs wurden 12 Gebietssteckbriefe zu einzelnen Konfliktgebieten erstellt. Nach einer vertiefenden Pr\u00fcfung wurden die Stadt Selenogradsk und Umgebung sowie das Zelauhochmoor als m\u00f6gliche Schwerpunktr\u00e4ume f\u00fcr eine planerische Vertiefung ausgew\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Das Instrument der Landschaftsplanung hat bisher in Russland mit Ausnahme einiger Modellgebiete in der Baikalseeregion keine Anwendung gefunden. Andere mit dem Landschaftsprogramm vergleichbare umweltrelevante Grundlagenplanungen gab es nicht. So blieb die nach einigen Rechtsvorschriften erforderliche Ber\u00fccksichtigung von Umweltbelangen in der r\u00e4umlichen Planung u. a. aufgrund fehlenden Know-hows bisher weitgehend unbeachtet. Mit der Landschaftsplanung wurde erstmals f\u00fcr einen gesam-ten Oblast (entspricht der Bundeslandebene in Deutschland) ein Planwerk erstellt, das zum einen die na-t\u00fcrlichen Grundlagen umfassend und anschaulich darlegt und zum anderen Empfehlungen f\u00fcr ihre Entwicklung gibt. Im Ergebnis stellt das Landschaftsprogramm die f\u00fcr einzelne Teilfl\u00e4chen anzustrebenden Entwicklungsziele dar. So sieht der Zieltyp Erhaltung (ca. 15% der Gebietsfl\u00e4che) die strenge oder vorrangige Erhaltung des jeweiligen Bereichs unter Beachtung des spezifischen Zusammenwirkens der einzelnen Schutzg\u00fcter vor. Der Zieltyp Entwicklung (ca. 76% der Gebietsfl\u00e4che) erlaubt eine extensive o-der intensive Landnutzung. Der Zieltyp Verbesserung (ca. 1,5% der Gebietsfl\u00e4che) fasst Fl\u00e4chen zusammen, auf denen die urspr\u00fcngliche Leistungs- und Funktionsf\u00e4higkeit des Naturhaushaltes und des Landschaftsbildes durch anthropogene Beanspruchung stark beeintr\u00e4chtigt ist. Jedem Zieltyp wurden Ma\u00dfnahmen zur Erreichung des angestrebten Zustands und zul\u00e4ssige Nutzungen zugeordnet.<br \/>\nEin weiteres Ergebnis ist die Karte zu den Naturnutzungskonflikten, welche sich aus den Widerspr\u00fcchen zwischen den Zielen der integrierten Zielkarte und den bestehenden oder geplanten wirtschaftlichen Nutzungen ableitet. Damit zeigt das Landschaftsprogramm ganz offen Schwachstellen der bestehenden r\u00e4umlichen Planung auf, die im Zuge einer \u00dcberarbeitung &#8211; nunmehr unter Hinzuziehung des Land-schaftsprogramms &#8211; beseitigt werden sollten.<br \/>\nDas Landschaftsprogramm soll zuk\u00fcnftig bei der Erstellung von r\u00e4umlichen Entwicklungspl\u00e4nen und Fachpl\u00e4nen ber\u00fccksichtigt werden und somit insgesamt eine umweltvertr\u00e4glichere Entwicklung des Kaliningrader Gebietes erm\u00f6glichen. Aus diesem Grund wird es als Verordnung des Gouverneurs Verbind-lichkeit erlangen. Wie das Nebeneinander verschiedener anderer ebenfalls verbindlicher Pl\u00e4ne, z. B. Territoriales Komplexschema der st\u00e4dtebaulichen Entwicklung des Kaliningrader Gebietes und seiner Teile (TKS) und Naturschutzplanung, mit z. T. widerspr\u00fcchlichen Inhalten funktionieren wird, l\u00e4sst sich nach derzeitigem Kenntnisstand nicht vorhersagen.<br \/>\nNeben den guten fachlichen Ergebnissen wurden \u00fcber den Projektverlauf auch positive Ver\u00e4nderungen hinsichtlich der Einstellung einiger Beteiligter zur Bedeutung des Projektes und zum Umweltschutz allgemein sichtbar. Ein weiterer positiver Effekt ist sicherlich der Know-how-Gewinn der Kaliningrader Projekt-bearbeiter im Bereich der Aufbereitung von Umweltinformation und der Umweltbewertung, die damit gute Aussichten haben, als Berater f\u00fcr andere Regionen Russlands t\u00e4tig zu werden bzw. ihr Wissen in ande-ren Umweltforschungsvorhaben einbringen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Das Projekt pr\u00e4sentierte sich auf folgenden Veranstaltungen: 3. Deutsch-Russische Umwelttage in Kaliningrad (September, 2004), Sitzung zum Regionalen Umwelthandlungsplan, organisiert von der Gebietsverwaltung Kaliningrad (September 2004), Internationaler Workshop zur Analyse von Schwermetallen in Wald\u00f6kosystemen Skandinaviens, Nord-West-Russlands und des Baltikums an der Universit\u00e4t St. Petersburg (Oktober 2004), Wissenschaftsseminar Grenz\u00fcberschreitende Zusammenarbeit und Landschaftsplanung in Kaliningrad (Februar 2005). Informationen \u00fcber den Auftaktworkshop wurden von mehreren regionalen Fernseh- und Radiosendern verbreitet (April 2004). Verschiedene regionale und \u00fcberregionale Printmedien berichteten \u00fcber das Projekt, z. B. Kaliningradskaja Pravda, Nesavisimaja gaseta. Aufgrund des gro\u00dfen \u00f6ffentlichen Interesses wurde im November 2004 eine projekteigene Website unter http:\/\/lp.albertina.ru geschaltet.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Mit dem Landschaftsprogramm verf\u00fcgt das Kaliningrader Gebiet nunmehr \u00fcber eine \u00f6kologische Grundlagenplanung, die eine nachhaltige r\u00e4umliche Entwicklung des gesamten Gebietes vorbereitet. Mit der angewendeten Methodik haben die russischen Kollegen nunmehr das Know-how, aus naturwissenschaftlichen und wirtschaftlichen Informationen konkrete anwendungsbezogene Planungsaussagen abzuleiten. Das Landschaftsprogramm stellt mit seinem Ma\u00dfstab von 1:200.000 die oberste Stufe in der Planungshierarchie dar. Um die kommunale Entwicklung im Sinne der Nachhaltigkeit voranzutreiben, muss es mittels gro\u00dfma\u00dfst\u00e4biger kommunaler Landschaftsplanungen konkretisiert werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Die Umweltsituation im Kaliningrader Gebiet ist, wie in weiten Teilen Russlands, als problematisch einzusch\u00e4tzen. Die r\u00e4umliche Entwicklung des Gebietes wurde bisher auf Grundlage kaum koordinierter Fachpl\u00e4ne weitgehend ohne Ber\u00fccksichtigung der \u00f6kologischen Anforderungen verwirklicht. 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