{"id":23705,"date":"2024-12-02T10:32:35","date_gmt":"2024-12-02T09:32:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/22437-01\/"},"modified":"2024-12-02T10:32:35","modified_gmt":"2024-12-02T09:32:35","slug":"22437-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/22437-01\/","title":{"rendered":"Forstliche Ma\u00dfnahmen zur Verbesserung von Jagdlebensr\u00e4umen von Flederm\u00e4usen"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Ziel des Projektes ist es, mit Hilfe von dreidimensionalen Daten zur Waldstruktur und zum Jagdverhalten von Flederm\u00e4usen Ma\u00dfnahmen zum Erhalt und zur Schaffung von Fledermaushabitaten in W\u00e4ldern abzuleiten und beispielhaft umzusetzen. Der Wald als Lebensraum von Flederm\u00e4usen bedarf neben einem ausreichenden Angebot an Quartieren auch eines geeigneten Jagdlebensraums. Da die Waldstrukturen als Jagdlebensraum von Flederm\u00e4usen bisher nicht umfassend untersucht sind, ist es notwendig, diese Strukturen festzustellen, um sie dauerhaft vorzuhalten oder auch erst zu schaffen.<br \/>\nUm die Fragestellung der r\u00e4umlichen Verteilung der Waldstrukturen in Zusammenhang mit dem Flugverhalten von Flederm\u00e4usen zu untersuchen, ist eine r\u00e4umliche Erfassung der Fledermausaktivit\u00e4t und der Strukturverteilung des Waldes notwendig. Der Lehrstuhl f\u00fcr Zoologie II der Universit\u00e4t Erlangen-N\u00fcrnberg besch\u00e4ftigt sich mit der Untersuchung der Lebensweise von Flederm\u00e4usen und verf\u00fcgt \u00fcber Apparaturen zur Einsch\u00e4tzung der Aktivit\u00e4t sowie zur Rekonstruktion der Flugbahnen. Das Institut f\u00fcr Waldwachstum der Universit\u00e4t Freiburg f\u00fchrt Untersuchungen zur Steuerung des Waldwachstums durch und hat Erfahrungen in der Anwendung von terrestrisch erfassten Laserdaten zur Beschreibung des Standraumes von B\u00e4umen. Durch die Kombination der Daten des Laserscanning mit den Ableitungen aus dem akustischen Monitoring er\u00f6ffnen sich neue M\u00f6glichkeiten zur quantitativen Untersuchung des Fluglebensraumes. Es wird m\u00f6glich, objektive Kriterien f\u00fcr die Beurteilung von Waldstrukturen abzuleiten und diese in einfach umzusetzende, konkrete Handlungsanweisungen zu \u00fcberf\u00fchren sowie dies \u00fcberpr\u00fcfbar zu machen.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDie r\u00e4umlichen Aufenthaltsorte der Flederm\u00e4use werden mit akustischen Aufnahmesystemen bestimmt. F\u00fcr die Ableitung der vorkommenden Arten und der Aktivit\u00e4t der Flederm\u00e4use kommen spezielle Aufnahmeger\u00e4te &#8211; im Folgenden batcorder genannt &#8211; zum Einsatz. Die Anwendung dieser Systeme l\u00e4sst eine teilautomatische Diskrimination Ableitung der Arten zu, womit eine Bewertung der \u00f6kologischen Relevanz der vorherrschenden Waldstruktur mit einem relativ geringen Aufwand m\u00f6glich ist. Auf Basis der mit den batcordern ermittelten Waldbereiche mit erh\u00f6hter Fledermausaktivit\u00e4t und einer differenzierten Auswahl von Waldstrukturen sind Beobachtungsfl\u00e4chen im Untersuchungsgebiet Steigerwald festgelegt worden. Hierzu stehen schon im Vorfeld dieses Projektes Daten aus laufenden Doktorarbeiten des Lehrstuhls f\u00fcr Zoologie II der Universit\u00e4t Erlangen-N\u00fcrnberg zur Verf\u00fcgung.<br \/>\nF\u00fcr eine Beobachtung der Fledermausaktivit\u00e4t in verschiedenen H\u00f6henschichten wird auf ausgew\u00e4hlten Beobachtungsfl\u00e4chen eine Mikrofonkette verwendet. An einem in der Baumkrone aufgeh\u00e4ngten Tragseil sind daf\u00fcr im Abstand von 5 m Mikrofone befestigt. Durch Laufzeitunterschiede der Fledermausrufe zu den Mikrofonen ist eine nach H\u00f6hen differenzierte Erfassung der Fledermausaktivit\u00e4t m\u00f6glich. In 15 N\u00e4chten des Sommers 2005 und 2006 wurde auf diese Weise die Aktivit\u00e4t der Flederm\u00e4use f\u00fcr vier Be-obachtungsfl\u00e4chen bestimmt.<br \/>\nDie Beschreibung der dreidimensionalen Waldstruktur der Beobachtungsfl\u00e4chen erfolgt aus Daten die mittels terrestrischer Laserscandaten erhoben sind. Der Vorteil der Analyse von Laserscandaten liegt darin, dass nicht einige wenige Parameter in die Darstellung der Realit\u00e4t eingehen, sondern dass ausgehend von den Laserscandaten Modelle abgeleitet werden, die die Realit\u00e4t injektiv abbilden. Damit steht nicht ein abstrahiertes Bild der Realit\u00e4t zur Verf\u00fcgung sondern ein konkretes Szenario. Aufgenommen wurden Laserscans in 2 Messkampagnen. Bei der ersten Messkampagne wurden im belaubten Zustand auf 8 Beobachtungsfl\u00e4chen insgesamt 48 Laserscans erhoben. Bei der zweiten Messkampagne wurden im unbelaubten Zustand wiederholt auf 5 der 8 Beobachtungsfl\u00e4chen 32 Laserscans aufgenommen.<br \/>\nDie Strukturbeschreibung der Beobachtungsfl\u00e4che auf denen mit der Mikrofonkette die h\u00f6henabh\u00e4ngige Fledermausaktivit\u00e4t untersucht wird, erfolgt mit Voxel-Raum-Modellen, die aus den gescannten Laserdaten abgeleitet sind. Die Voxel-Raum-Modelle beschreiben den untersuchten Raum durch klassifizierte diskrete Elemente. F\u00fcr das Modell sind aneinander liegende, rasterf\u00f6rmig angeordnete W\u00fcrfel mit 20 cm Kantenl\u00e4nge ausgew\u00e4hlt.<br \/>\nIn den Distanzwerten der als Leer klassifizierten W\u00fcrfel zu den n\u00e4chsten W\u00fcrfeln, die als Gef\u00fcllt klassifiziert sind, wird die Struktur des offenen zur Verf\u00fcgung stehenden Flugraums quantitativ erfassbar. Durch die r\u00e4umliche Zuordnung dieses potentiellen Flugraumes zu der h\u00f6henabh\u00e4ngigen Fledermausaktivit\u00e4t ist eine direkte Ableitung der Nutzung der verschiedenen Strukturen durch die Flederm\u00e4use m\u00f6glich. R\u00e4umlich exakte Aufenthaltsorte der Flederm\u00e4use werden mit einer Apparatur zur akustischen Flugbahnverfolgung bestimmt. Ergebnis der Datenauswertung dieser Aufnahmen sind Flugbahnen einzelner Fledermausindividuen. Die Aufnahmen erfolgen auf ausgew\u00e4hlten Beobachtungsfl\u00e4chen im Sommer 2005 und 2006. Bei einer Beobachtungsfl\u00e4che an einer linearen Struktur entlang einer Forststra\u00dfe wurde im Sommer 2006 ein Experiment durchgef\u00fchrt, bei dem die Flugschneise der Flederm\u00e4use schrittweise durch ein aufgestelltes Tarnnetz verkleinert wird. Das Distanzverhalten der Flederm\u00e4use zum Bewuchs f\u00fcr einzelne Flugbahnen wird durch den r\u00e4umlichen Verschnitt der Flugbahnen mit den Laserdaten m\u00f6glich. In Schnitten durch die gescannten Punktwolken wird das Abstandsverhalten ersichtlich. F\u00fcr weitergehende Betrachtungen \u00fcber die selektive Auswahl einzelner Schritte werden die oben bereits beschriebenen Voxel-Raum-Modelle mit den daraus abgeleiteten Distanz-Werten verwendet.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Die Ableitungen der allgemeinen Fledermausaktivit\u00e4t aus den Detektorbegehungen und der automatischen Erfassung mittels batcorder zeigte einen hohen Artenreichtum und eine hohe Aktivit\u00e4t im Buchen-Hallenwald, an den Randstrukturen (Waldrand, Waldweg) und auf Lichtungen. Im Gegensatz dazu war die Diversit\u00e4t in j\u00fcngeren bzw. dichteren Waldbereichen sehr gering und beschr\u00e4nkt auf einzelne Arten der Gattung Myotis. Schirmschlagfl\u00e4chen und plenterartige Bereiche wurden mit Ausnahme der Mopsfle-dermaus dennoch von allen Arten genutzt.<br \/>\nWird die Aktivit\u00e4t in Abh\u00e4ngigkeit der Flugh\u00f6he der Flederm\u00e4use und der Struktur des Waldes untersucht, l\u00e4sst sich f\u00fcr alle Taxa feststellen, dass die Aktivit\u00e4t in und \u00fcber der Kronenschicht (ab 20 m) im Mittel aller Standorte geringer war als unter den Kronen. Je l\u00fcckiger das Kronendach war, desto st\u00e4rker wurden auch h\u00f6here Schichten genutzt. Sehr deutlich wird dies, wenn man den Hallenwald (Kronendach geschlossen, Unterschicht sehr licht) mit dem plenterartigen Wald (durch gestuftes Kronendach Ober-schicht sehr licht) vergleicht. Aus den Untersuchungen der einzelnen Fledermausflugbahnen zeigte sich, dass auf einer zugewachsenen R\u00fcckegasse mit einer Verengung von weniger als 1m, die Engstelle von fast allen Flederm\u00e4usen auf einer offenen Ausweichroute umflogen wurde. Lediglich besonders man\u00f6vrierf\u00e4hige Fledermausarten folgten ihrem gradlinigen Weg. Nach Entfernen der Engstelle nutzte ein Gro\u00dfteil der Flederm\u00e4use wieder gradlinig die freie Schneise.<br \/>\nIm Experiment der Saison 2006 zeigte sich eine eindeutige Abnahme der Nutzung durch die Flederm\u00e4use bei einer Verkleinerung der Schneisenbreite. Es wurde beobachtet, dass die verschiedenen Fledermausarten bei verschiedenen Schneisenbreiten den Flugkorridor verlie\u00dfen und Ausweichrouten benutz-ten. F\u00fcr die besonders bedrohte Mopsfeldermaus ergab sich, dass im Wald lineare Schneisen mit einer Breite von minimal 2,5 m bereitgestellt werden m\u00fcssen, um die Habitatzug\u00e4nglichkeit zu erm\u00f6glichen. Insgesamt zeigt sich, dass die Dimensionierung des Flugraumes linearer Strukturen die Zug\u00e4nglichkeit des Waldes f\u00fcr verschiedene Arten unterschiedlich stark beeinflusst.<br \/>\nAus der Zusammenfassung der Ergebnisse zeigt sich, dass die f\u00fcr Mitteleuropa typischen Buchenurw\u00e4lder, die ein Mosaik aus Optimalstadien (Buchenhallenwald), Zerfallstadien (L\u00fcckiger Kronenschicht) und Heranwachsstadien (mehrschichtiger Aufbau), den optimalen Fledermauswald darstellen.<br \/>\nF\u00fcr Wirtschaftsw\u00e4lder leitet sich ab, dass relevante Fledermauslebensr\u00e4ume auch \u00f6konomisch sinnvoll am ehesten mit einem Z-Baum Nutzungskonzept nachhaltig vorgehalten werden k\u00f6nnen, worin einige Anforderungen der Flederm\u00e4use zu ber\u00fccksichtigen sind. Die besonderen Anforderungen sind eine ge-ringe Anzahl Z-B\u00e4ume, von den Z-B\u00e4umen sollten bei der Zielst\u00e4rkennutzung 10 Ewigkeitsb\u00e4ume je ha ausgeschrieben und aus der Nutzung genommen werden, Zwischenfelder als dynamische Inseln sich selbst \u00fcberlassen und m\u00f6glichst nicht genutzt werden, zu regelm\u00e4\u00dfige Verteilung der Z-B\u00e4ume vermieden werden, die Endnutzung der Z-B\u00e4ume gruppenweise und zeitlich gestaffelt erfolgen und Niederdurchforstungen unter Gruppen von \u00e4lteren Z-B\u00e4umen durchgef\u00fchrt werden.<br \/>\nAbgeleitete, allgemein f\u00f6rderliche Ma\u00dfnahmen f\u00fcr einen effektiven Fledermausschutz in W\u00e4ldern sind wertvolle Altholzbest\u00e4nde zu erhalten, geeignete Biotopb\u00e4ume auszuzeichnen und deren dauerhafte Vorhaltung sicherzustellen, Biotopbaum-Inseln (Gammelecken) zu schaffen, keinen gro\u00dffl\u00e4chigen, einschichtigen, jungen Wald zu schaffen und Sonderstrukturen, wie Waldwege geeigneter Breite offen zu halten.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Unter der Webadresse http:\/\/www.fledermaeuse.uni-freiburg.de\/ ist eine Projekt-Homepage eingerichtet.<br \/>\nBei den 5. Oldenburger 3D-Tagen (01.02. &#8211; 02.02.2006) wurde vom IWW der Universit\u00e4t Freiburg ein Vortrag mit dem Titel Terrestrische Laserscanner zur Untersuchung von Jagdlebensr\u00e4umen von Flederm\u00e4usen gehalten. Die Schriftliche Fassung des Vortrages ist im Tagungsband ver\u00f6ffentlicht.<br \/>\nBei der Allgemeinen Forst Zeitschrift (AFZ) ist ein Artikel mit dem Titel Untersuchung der Jagdlebens-r\u00e4ume von Flederm\u00e4usen in W\u00e4ldern mit Hilfe von Laserscannern und Akustischen Ortungssystemen zur Flugbahnverfolgung vom IWW und vom Lehrstuhl f\u00fcr Zoologie II eingereicht.<br \/>\nIm Rahmen eines Kurzbeitrages im Fernsehmagazin La Vita des Bayerischen Rundfunks konnte das Projekt vorgestellt werden. Dies war eingebettet in einen Beitrag \u00fcber den Betriebsleiter Ulrich Mergner &#8211; Der Mann, der den Steigerwald retten will. Au\u00dferdem fanden bereits Dreharbeiten f\u00fcr einen weiteren Beitrag im Rahmen einer Tier- und Natursendung statt, die 2007 im Bayerischen Fernsehen gezeigt werden soll.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Die f\u00fcr das Projekt geplanten Ziele wurden erreicht. Auf Anfrage zeigte sich der Forstbetrieb, insbesondere dessen Leiter Ulrich Mergner, bereit, die Ergebnisse in die aktuelle Bewirtschaftung mit einflie\u00dfen zu lassen. Zurzeit wird in einer engeren Kooperation eine Einarbeitung unserer Ma\u00dfnahmen in das Naturschutzkonzept f\u00fcr den Forstbetrieb Ebrach (der den Gro\u00dfteil des Steigerwaldes umfasst) durchgef\u00fchrt, welches ab 2007 Einzug in die forstliche Praxis haben wird. Ebenso soll dieses intern im Betrieb Bayeri-sche Staatsforste und auch extern Verbreitung finden und Modellcharakter haben. Das Modell sieht ein Z-Baum-Konzept vor, das auch der Bereitstellung des Rohstoffes Holz Rechnung tr\u00e4gt. Im Dialog wurden und werden weitere wichtige Aspekte erarbeitet. Des Weiteren wird in Zukunft auch eine enge Zusammenarbeit des Forstbetriebs mit Natursch\u00fctzern der Region durchgef\u00fchrt. Als Auftaktveranstaltung findet am 19.10.2006 ein erstes Treffen mit dem Thema Natur- und Artenschutz im Forstbetrieb Ebrach statt, bei dem auch wir teilnehmen werden<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Ziel des Projektes ist es, mit Hilfe von dreidimensionalen Daten zur Waldstruktur und zum Jagdverhalten von Flederm\u00e4usen Ma\u00dfnahmen zum Erhalt und zur Schaffung von Fledermaushabitaten in W\u00e4ldern abzuleiten und beispielhaft umzusetzen. Der Wald als Lebensraum von Flederm\u00e4usen bedarf neben einem ausreichenden Angebot an Quartieren auch eines geeigneten Jagdlebensraums. 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