{"id":23700,"date":"2023-09-24T10:32:05","date_gmt":"2023-09-24T08:32:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/22422-01\/"},"modified":"2023-09-24T10:32:08","modified_gmt":"2023-09-24T08:32:08","slug":"22422-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/22422-01\/","title":{"rendered":"Modellhafte energetische Sanierungsplanung zur denkmalgesch\u00fctzten 50er-Jahre-Fassade des Rathauses Aschaffenburg"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Das sechsgeschossige Rathaus umfasst ein Raumvolumen von ca. 36.000 m\u00b3. Das Einzeldenkmal aus dem Jahr 1958 besteht aus einem Stahlbetonskelettbau, der mit Fensterelementen und Porenbeton ausgefacht ist. Die vorgeh\u00e4ngte Natursteinfassade muss erhalten werden. Das Hauptproblem des Geb\u00e4udes sind unzumutbare Temperaturverh\u00e4ltnisse im Sommer und Winter durch schlechte W\u00e4rmed\u00e4mmwerte und gro\u00dfen Fensteranteil ohne ausreichenden Sonnenschutz.<br \/>\nZiel ist eine vorbildliche energieeffiziente Sanierung unter Aussch\u00f6pfung der Einsparpotenziale von Au\u00dfenh\u00fclle und Energietechnik. Die hohen Energie- und Instandhaltungskosten durch Reparaturstau sollen nachhaltig reduziert werden. Eine Pr\u00e4misse des Objektes ist, den sommerlichen W\u00e4rmeschutz ohne Einsatz einer prim\u00e4renergieaufwendigen Klimaanlage zu erreichen. Au\u00dferdem muss ein System zur effektiven Innend\u00e4mmung entwickelt und mit sinnvoller Energietechnik erg\u00e4nzt werden.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDas Besondere an der Sanierung ist der integrierte, ganzheitliche Planungsansatz, bei dem verschiedenste, z. T. gegenl\u00e4ufige Belange gepr\u00fcft und abgewogen werden m\u00fcssen. Die w\u00e4hrend dem Planungsablauf auftretenden Erkenntnisse, sowie Vorgaben aus den unterschiedlichsten Bereichen m\u00fcssen mit den Zielvorgaben und technischen M\u00f6glichkeiten abgeglichen und auf Auswirkungen auf alle anderen Bereiche gepr\u00fcft werden. So ist ein st\u00e4ndiger R\u00fcckkoppelungsprozess notwendig, damit sich die Einzelma\u00dfnahmen nahtlos ins Gesamtkonzept f\u00fcgen und sich dabei optimal erg\u00e4nzen.<br \/>\nDie wesentlichen Arbeitsschritte sind:<\/p>\n<p>&#8211; Bestand erfassen: Sichtung der Planunterlagen, Pr\u00fcfung auf \u00dcbereinstimmung mit dem Bauwerk, Erstellung eines Raumbuchs, Aufzeichnung von Klimadaten, Hinterfragen von bestehenden Untersuchungen.<\/p>\n<p>&#8211; Rahmenbedingungen festlegen: Ber\u00fccksichtigung von rechtlichen Belangen (Denkmalschutz, Brandschutz, Arbeitsschutz, W\u00e4rmeschutz), Formulierung von Zielvorgaben (regenerative Energien, Verbrauchsreduktion Heizung \/ Strom, sommerlicher W\u00e4rmeschutz, K\u00fchlung, Wirtschaftlichkeit). <\/p>\n<p>&#8211; M\u00f6gliche Einzelma\u00dfnahmen entwickeln: Erarbeitung von Ma\u00dfnahmen zur Verbesserung der Geb\u00e4udeh\u00fclle und Geb\u00e4udetechnik unter Gew\u00e4hrleistung eines guten Raumklimas bei reduziertem Energieaufwand. <\/p>\n<p>&#8211; Gesamtheitliche Sanierungsstrategie erstellen: Integration der einzelnen Ma\u00dfnahmen, \u00dcberpr\u00fcfung der L\u00f6sungswege mittels Simulationen und Einbindung neuester technischer Erkenntnisse unter gezielter Nutzung von Synergieeffekten aus der Verbindung der Einzelma\u00dfnahmen.<\/p>\n<p>&#8211; Planerische L\u00f6sungen finden: Umsetzung der Ergebnisse in praktikable L\u00f6sungen in teilweise un\u00fcblichen Kombinationen einzelner erprobter Techniken.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Die erarbeiteten L\u00f6sungen zur Generalsanierung verdeutlichen, wie wichtig eine integrale Planung ist. Bei der Abkl\u00e4rung der Energieeinsparm\u00f6glichkeiten m\u00fcssen sehr fr\u00fchzeitig die damit verbundenen Anschlussprobleme erkannt und parallel bearbeitet werden, um eine praktikable L\u00f6sung zu finden. Dar\u00fcber hinaus m\u00fcssen insbesondere bei denkmalgesch\u00fctzten Geb\u00e4uden alle Energieeinsparm\u00f6glichkeiten betrachtet werden, da z. B. die M\u00f6glichkeiten der Nachd\u00e4mmung stark eingeschr\u00e4nkt sind, ebenso k\u00f6nnen nicht beliebig z. B. Solarkollektoren dem Denkmal aufgesetzt werden. F\u00fcr die Entwicklung eines m\u00f6glichst effizienten Energiemanagementsystems ist es essentiell s\u00e4mtliche Energiequellen und Senken akribisch genau aufzulisten, um die Energiestr\u00f6me entsprechend zu lenken. Ziel hierbei ist es, dass energie- und kostenintensive Systeme wie z. B. Klimaanlagen vermieden werden sollen.<\/p>\n<p>Bei einem Denkmal m\u00fcssen die alten, angewandten Bautechniken erkundet werden, um die bestehende Konstruktion in ihrem Aufbau zu verstehen und m\u00f6glichst mit angemessenen handwerklichen Mitteln die entsprechenden Reparaturen durchzuf\u00fchren. Es ist oft nicht zielf\u00fchrend, aktuelle Arbeitstechniken oder auch DIN-Normen den alten Bautechniken \u00fcberst\u00fclpen zu wollen.<br \/>\nDamit ein m\u00f6glichst langer Zeitraum frei von zuk\u00fcnftigen Sanierungen bleibt, m\u00fcssen teilweise auch entsprechende Restauratoren oder Fachleute ins integrale Planungsteam integriert werden.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Planungsarbeiten sind die machbaren L\u00f6sungen so zu gestalten, dass der Baubetrieb und die Umsetzung in Bauabschnitten bei ansonsten benutzten Rathaus m\u00f6glich ist. So kann z. B. keine Klimaanlage mit gro\u00dfen Rohrquerschnitten verwendet werden, da diese im Bestand keinen Platz findet und au\u00dferdem kein Sanieren in kleinen Bauabschnitten oder Stockwerksweise m\u00f6glich w\u00e4re. <\/p>\n<p>An Hand von Simulationen und Prognoseberechnungen haben sich die o. g. Kriterien als richtig erwiesen. Durch die ganzheitliche Sanierung k\u00f6nnen j\u00e4hrlich hohe Betr\u00e4ge f\u00fcr Energie- und Instandsetzungskosten vermieden werden, die zu einem gro\u00dfen Teil die zu erwartenden Zins- und Tilgungsbelastungen auffangen. Es ist sogar zu erwarten, dass nach ca. 15 Jahren das Einsparpotential h\u00f6her ist, als die dann notwendigen Zins- und Tilgungskosten inkl. der Energiekosten. Dadurch ergibt sich eine gewisse Wirtschaftlichkeit f\u00fcr die Investition, die normalerweise bei einem zus\u00e4tzlichen Neubau nicht erreicht wird. Es konnte gezeigt werden, dass eine umfassende Generalsanierung der beschriebenen Art mittelfristig zur Entlastung des kommunalen Haushaltes f\u00fchren kann.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Die einzelnen Erkenntnisse  wurden in \u00f6ffentlichen Stadtradsitzungen vorgestellt und durch die Presse sowie einer ver\u00f6ffentlicht. Innerhalb der Vortragst\u00e4tigkeit zu energieoptimierten Sanierungen im Bestand ist durch Herrn Haase das Rathaus Aschaffenburg immer wieder beispielhaft vorgestellt worden. Dadurch, dass in einem  ersten Bauabschnitt bereits das B\u00fcrger-Service-B\u00fcro seit Ende 2006 in Betrieb ist, wird auch hier der \u00d6ffentlichkeit die Sinnhaftigkeit der ganzheitlichen Sanierung dargestellt.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Die hochwertigen Planungsergebnisse in Verbindung mit eingesparten Nachfolgekosten und der erzielbaren Nachhaltigkeit dienen in der Stadt Aschaffenburg auch bei anderen Bauvorhaben als Beispiel und haben die Planungsstandards verbessert. Die zu erwartenden Energieverbrauchskennwerte k\u00f6nnen als Anhalt f\u00fcr andere Sanierungen dienen. Interessant hierbei ist, dass die Sanierungskosten etwa halb so hoch sind, als ein vergleichbarer Neubau und die erzielten Nutzerqualit\u00e4ten einem Neubau gleichkommen. Es ist somit eindeutig, dass eine umfassende, ganzheitliche, energetische Sanierung eines Bestandsgeb\u00e4udes den Restwert des Geb\u00e4udes voll erh\u00e4lt, die im Geb\u00e4ude gebundenen Materialien und Energien weiter nutzt und den Verbrauch an Ressourcen deutlich einschr\u00e4nkt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Das sechsgeschossige Rathaus umfasst ein Raumvolumen von ca. 36.000 m\u00b3. Das Einzeldenkmal aus dem Jahr 1958 besteht aus einem Stahlbetonskelettbau, der mit Fensterelementen und Porenbeton ausgefacht ist. Die vorgeh\u00e4ngte Natursteinfassade muss erhalten werden. 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