{"id":23685,"date":"2023-07-13T15:23:57","date_gmt":"2023-07-13T13:23:57","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/22360-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:23:57","modified_gmt":"2023-07-13T13:23:57","slug":"22360-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/22360-01\/","title":{"rendered":"Ressourcenschutz und Substanzschonung am Beispiel der sp\u00e4tmittelalterlichen Feldsteinkirche in Zemmin (Mecklenburg-Vorpommern)"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Die Dorfkirche Zemmin ist eine Feldsteinkirche aus dem 15. Jahrhundert.<br \/>\nDurch intensive landwirtschaftliche Nutzung (Grundwasserabsenkungen, D\u00fcngemittel aus der Luft) und den nahe gelegenen Mitit\u00e4rflugplatz sind starke Setzungssch\u00e4den an den Umfassungsw\u00e4nden und Korrosion an den Befestigungsmitteln der Schindeldeckung des Turmes aufgetreten. Mit den in der Vergangenheit ausgef\u00fchrten Reparaturarbeiten wurden Sch\u00e4den nur kaschiert und deren Ursachen nicht beseitigt. Mit den Arbeiten soll der Nachweis erbracht werden, dass bei einer konsequenten Beachtung der bautechnischen und bauphysikalischen Kenntnisse auf einen kompletten Ersatz der Holzbauteile verzich-tet werden kann, Holzschutzmittel nur sehr begrenzt eingesetzt werden m\u00fcssen und Kalkputze f\u00fcr die Fassadensanierung zur Anwendung gelangen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDie Sanierungsarbeiten an der Kirche Zemmin k\u00f6nnen im Wesentlichen in drei Abschnitte eingeteilt werden. Als Grundlage f\u00fcr eine nachhaltige Fassadensanierung wurden in einem ersten Bauabschnitt die Feldsteinfundamente freigelegt, zum Teil unterfangen, humose Bestandteile entfernt und Fehlstellen ausgem\u00f6rtelt. Mit diesen Vorarbeiten und der Verlegung eines Traufpflasters wurde der unmittelbare Feuchtigkeitseintrag in die Umfassungsw\u00e4nde wesentlich verringert.<br \/>\nIn einem zweiten Bauabschnitt wurden die D\u00e4cher des Kirchenschiffes und des Turmes erneuert. Eine besondere Herausforderung war die zimmermannsm\u00e4\u00dfige Instandsetzung des Dachstuhles und des Turmfachwerkes. Die Zimmerleute wurden angewiesen, gesch\u00e4digte Holzbauteile jeweils nur um L\u00e4ngen von maximal 30 cm so lange einzuk\u00fcrzen, bis ein ausreichender Restquerschnitt erreicht ist. In den \u00fcbrigen Bereiche wurden Schadstellen bebeilt bzw. ausgeklotzt.<br \/>\nIm dritten Bauabschnitt wurden der vorhandene zementhaltige Au\u00dfenputz und die Vertikalisolierung an der Innenseite der W\u00e4nde abgebrochen. Der Au\u00dfenputz wurde mit einem hydraulischen Kalkm\u00f6rtel mit freskalem Anstrich in alter Tradition hergestellt. Der Innenwandputz wurde im unteren Wandbereich mit Bremer Muschelkalk, im oberen Wandbereich mit einem Kalkm\u00f6rtel ausgef\u00fchrt. Den Abschluss der Sanierung bildet ein in Sandbettung verlegtes Ziegelpflaster in der Kirche.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Die Instandsetzungsarbeiten an der Kirche wurden mit einer Fundamentsanierung begonnen. Ziel dieser Arbeiten war die Beseitigung der Ursachen f\u00fcr die starke Rissbildung. Gleichzeitig soll der Wassereintrag und damit der Transport von gel\u00f6sten Salzen in die Umfassungsw\u00e4nde eingeschr\u00e4nkt werden. Eine kurzfristige Alternative dazu w\u00e4re die Montage einer Dachrinne. Auf diese M\u00f6glichkeit wurde bewusst verzichtet, da eine regelm\u00e4\u00dfige Wartung der Anlage an Kirchengeb\u00e4uden aus Personal- und Kostengr\u00fcnden nicht gew\u00e4hrleistet werden k\u00f6nnen.<br \/>\nMit der Sanierung der Fundamente wird die Koh\u00e4sion des Wassers \u00fcber humose Bestandteile zwischen den Feldsteinen des Fundamentes weitestgehend unterbrochen und zus\u00e4tzlich wird mit der Verlegung eines Traufpflasters das anfallende Regenwasser zu einem gro\u00dfen Teil um mindestens 60 cm oberfl\u00e4chennah vom Sockel der Kirche abgeleitet. Es hat sich als g\u00fcnstig erwiesen, wenn das Traufpflaster mit einem Quergef\u00e4lle von 20 % angelegt wird.<br \/>\nMit dem zweiten Bauabschnitt wurden die D\u00e4cher des Kirchenschiffes und des Turmes, sowie das dreiseitig eingemauerte Fachwerk des Turmes saniert. Besonders im Gewerk der Zimmereiarbeiten am Turmfachwerk und am Dachstuhl des Kirchenschiffes konnten viele Bauteile durch ein abschnittsweises Arbeiten erhalten werden. Die gesch\u00e4digten H\u00f6lzer wurden in kleinen Schnitten nur so weit eingek\u00fcrzt, bis ein ausreichender Restquerschnitt erreicht war. Durch diese Verfahrensweise ist es gelungen, gro\u00dfe Bereiche der Fu\u00dfschwelle, der Deckenbalken und des Fachwerkes im Turm zu erhalten. Mit der anschlie\u00dfenden Sanierung der Holzbauteile wurde konsequent auf deren mindestens dreiseitige Bel\u00fcftung geachtet.<br \/>\nDie Sanierungen der Innen- und Au\u00dfenputze wurden f\u00fcr den dritten Bauabschnitt geplant und realisiert. Es wurde eine Zeitraum von 6 Monaten zwischen der Fundamentsanierung im ersten Bauabschnitt und dem abnehmen der Putze vorgegeben. In diesem Zeitraum sollten ein Teil der im Mauerwerk vorhande-nen gel\u00f6sten Salze in den alten Putz einwandern und dort direkt mit den Abbrucharbeiten abgenommen werden. Nach dem abschlagen des Putzes wurde dem Mauerwerk im Fr\u00fchjahr eine weitere M\u00f6glichkeit zum Abtrocknen gegeben. Zur besseren Bel\u00fcftung der Innenwandfl\u00e4chen wurden die Fenster ausgebaut. F\u00fcr den neuen Au\u00dfenputz wurde ein hydraulischer Kalkm\u00f6rtel zur Anwendung gebracht, der in einem Arbeitsgang, vor Ausbildung der Sinterschicht, mit Kalkfarbe gestrichen wurde. Der Aufbau dieses Putzes gew\u00e4hrleistet eine geringe Wasseraufnahme und eine gute Wasserdampfdiffusion.<br \/>\nDie Innenwandfl\u00e4chen wurden im Sockel mit Bremer Muschelkalk, in den \u00fcbrigen Wandfl\u00e4chen mit Kalkm\u00f6rtel geputzt. Als abschlie\u00dfende Beschichtung erfolgte ein Anstrich mit Silikatfarbe.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Die Sanierungsarbeiten an der Kirche wurden einem gro\u00dfen Kreis von Denkmalpflegern, Mitarbeiten von Bauverwaltungen, Vertretern aus Handwerksbetrieben und interessierten B\u00fcrgern in einem Seminar am 25. August erl\u00e4utert. Neben den Erl\u00e4uterungen und Diskussionen zu den Sanierungsarbeiten wurde der Au\u00dfenwandputz mit freskalem Anstrich in einer Demonstrationsarbeit am Westgiebel der Kirche fertig gestellt.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Mit den Arbeiten an der Kirche Zemmin konnten zwei wichtige Nachweise erbracht werden. Zum einen konnte durch die Sanierungsarbeiten am Fundament bereits nach kurzer Zeit eine messbare Verbesserung der Feuchtigkeit im Mauerwerk und im Raumklima erreicht und zum zweiten konnte ein gro\u00dfer Teil der vorhandenen Holzbauteile erhalten werden.<br \/>\nSanierungsarbeiten m\u00fcssen so geplant und durchgef\u00fchrt werden, dass immer die Ursache der Sch\u00e4den beseitigt werden. Hilfskonstruktionen wie Dachrinnen, Dr\u00e4nagen und vertikale Sperrungen sollten an Kirchengeb\u00e4uden nur in Ausnahmen Anwendung finden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Die Dorfkirche Zemmin ist eine Feldsteinkirche aus dem 15. Jahrhundert. Durch intensive landwirtschaftliche Nutzung (Grundwasserabsenkungen, D\u00fcngemittel aus der Luft) und den nahe gelegenen Mitit\u00e4rflugplatz sind starke Setzungssch\u00e4den an den Umfassungsw\u00e4nden und Korrosion an den Befestigungsmitteln der Schindeldeckung des Turmes aufgetreten. 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