{"id":23677,"date":"2023-07-13T15:23:54","date_gmt":"2023-07-13T13:23:54","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/22330-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:23:56","modified_gmt":"2023-07-13T13:23:56","slug":"22330-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/22330-01\/","title":{"rendered":"Integrierender Landschaftsschutz in der Umgebung des deutsch-italienischen Kulturzentrums Villa Vigoni am Comer See (Pilotstudie zur Bewahrung der historischen Kulturlandschaft durch modellhafte Umweltkommunikation)"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Die Methode des Integrierenden Landschaftsschutzes sollte in einer Pilotstudie auf den landschaftlichen Raum der Liegenschaft des Deutsch-Italienischen Zentrums Villa Vigoni bzw. die angrenzende Umwelt angewandt werden und strebte folgende Ziele an:<br \/>\n\tDie Merkmale der Landschaft am Comer See im allgemeinen und der Liegenschaft der Villa<br \/>\n       Vigoni im besonderen sollten inventarisiert werden;<br \/>\n\tDie festgestellten landschaftlichen Besonderheiten sollten der \u00d6ffentlichkeit zug\u00e4nglich<br \/>\n       gemacht werden;<br \/>\n\tEin Runder Tisch sollte der partizipativen Methode des Integrierenden Landschaftsschutzes<br \/>\n       Rechnung tragen und einen Austausch zwischen Bev\u00f6lkerung und Landschaftsexperten<br \/>\n       erm\u00f6glichen, um das Erreichte zu evaluieren und \u00fcber m\u00f6gliche k\u00fcnftige Schutzziele zu<br \/>\n       beraten.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenEs erfolgte zun\u00e4chst eine informatikgest\u00fctzte Katalogisierung des Botanikbestands der Liegenschaft und eine Untersuchung der Flora hinsichtlich ihrer Quantit\u00e4t, Seltenheit, Verteilung auf dem Gebiet und hinsichtlich ihres Auftretens in Gesellschaft mit anderen Pflanzenarten (phytosoziologischer Ansatz).<br \/>\nZur Visualisierung der Ergebnisse wurde im historischen Park der Villa Vigoni eine Beschilderung des Pflanzenbestands vorgenommen, und es wurde ein Konzept f\u00fcr einen Lehrpfad entwickelt, der die einzelnen Elemente der Liegenschaft sinnvoll miteinander verbinden soll. Ferner wurde eine wissenschaftliche Publikation der Ergebnisse vorgelegt.<br \/>\nDie bereits im Vorfeld des Projekts beschlossene Restaurierung des zur Liegenschaft geh\u00f6renden historischen Schweizer Chalets oberhalb der Parkanlage der Villa Vigoni (mit finanzieller Unterst\u00fctzung des italienischen Kulturministeriums, der Region Lombardei und der Stiftung Cariplo in Zusammenarbeit mit der Fondazione Comasca) wurde beratend begleitet, wobei sich die zur Wiederherstellung des Geb\u00e4udes erforderlichen Arbeiten als erheblich umfangreicher als vor Restaurierungsbeginn angenommen herausstellten. Daher haben die Arbeitsgruppen der Universit\u00e4ten Ancona und Hannover im Zuge ihrer \u00dcberpr\u00fcfung der Renovierungsarbeiten beschlossen, durch im Projektverlauf frei gewordene F\u00f6rdermittel die optimale Vollendung der Restaurierung des Schweizer Chalets und seiner Umgebung zu unterst\u00fctzen.<br \/>\nSchlie\u00dflich wurden die einzelnen landschaftlichen Bestandteile der Liegenschaft wissenschaftlich analysiert: Dazu geh\u00f6ren der historische Park und sein Botanikbestand, ein durch fr\u00fchere landwirtschaftliche Nutzung gepr\u00e4gtes Gebiet mit historischen landwirtschaftlichen Nutzgeb\u00e4uden sowie ein Waldgebiet oberhalb des Parks, auf dem sich das zwischen 1830 und 1840 entstandene Schweizer Chalet befindet. Zum Abschluss des Projekts fand am 17. Februar 2008 ein Runder Tisch in der Villa Vigoni statt, an dem neben den Mitgliedern der Forschungsgruppen der Universit\u00e4ten Hannover und Ancona auch Vertreter der Gemeinde Menaggio, Vertreter kultureller Vereinigungen sowie von Landschaftsschutzverb\u00e4nden teilnahmen.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Die Katalogisierung und Auswertung des Botanikbestands der Liegenschaft belegte &#8211; bezogen auf die seminat\u00fcrliche Vegetation der Liegenschaft &#8211; das Auftreten von 228 verschiedenen Pflanzenarten, die zu 67 verschiedenen Pflanzenfamilien geh\u00f6ren. Am h\u00e4ufigsten vertreten sind Gr\u00e4ser (Graminaceae), Korbbl\u00fctengew\u00e4chse (Compositae), Rosengew\u00e4chse (Rosaceae), H\u00fclsenfr\u00fcchtler (Legumiosae) und Lippenbl\u00fctler (Labiatae). Die Auswertung der Daten hinsichtlich der Verbreitung der Pflanzen ergab, dass die f\u00fcr gem\u00e4\u00dfigte Klimazonen typische eurasiatische Flora mit einem Anteil von 48,2% am meisten verbreitet ist. Auff\u00e4llig ist auch der recht hohe Anteil mediterraner Pflanzen (12,7%), der auf das dank Seen\u00e4he milde Klima mit frostarmen Wintern zur\u00fcckzuf\u00fchren ist. Von der Zugeh\u00f6rigkeit des Gebiets zum alpinen Kontext zeugen circumboreale Arten (9,9%) und orophil-europ\u00e4ische Arten (6,6%).<br \/>\nIm Verlauf des Projekts entstand ein Konzept f\u00fcr einen Naturlehrpfad im Bereich der Liegenschaft der Villa Vigoni, das sieben verschiedene Wege vorsieht, die entweder einzeln erkundet oder miteinander verbunden werden k\u00f6nnen und die jeweils an einem Bauwerk von besonderem Interesse enden. Zudem wurde ein Faltblatt f\u00fcr k\u00fcnftige Besucher des Lehrpfades mit einer Kurzbeschreibung der einzelnen Bauwerke erarbeitet.<br \/>\nDie Untersuchung der Geschichte des Geb\u00e4udetypus Schweizer Chalet ergab, dass Schweizer H\u00e4user vor allem im 18. und 19. Jahrhundert in herrschaftlichen Parks und sp\u00e4ter auch auf b\u00fcrgerlichen Privatgrundst\u00fccken verbreitet waren, wo sie die Ideen von Freiheit und Urspr\u00fcnglichkeit verk\u00f6rperten bzw. f\u00fcr die landschaftliche Sch\u00f6nheit und Vielfalt der Schweiz standen. Das Schweizer Chalet oberhalb des Parks der Villa Vigoni wurde umfassend renoviert und bewahrt nun vorbildlich die historische Erinnerung dieses Geb\u00e4udetypus in der die Villa Vigoni umgebenden Landschaft.<br \/>\nDie historische Analyse des Chalets und der Parkanlage hatte zudem ergeben, dass die Kuppe, auf der das Chalet steht, urspr\u00fcnglich weitgehend unbewaldet war. Um die urspr\u00fcngliche Sichtachse vom Chalet aus zum Park wiederherzustellen, muss die im Bereich des Chalets im Laufe der Jahre angewachsene Bewaldung nachhaltig zur\u00fcckgedr\u00e4ngt werden, was k\u00fcnftig im Rahmen eines neuen Projektes der Villa Vigoni zur Energiegewinnung aus erneuerbaren Ressourcen geschehen soll.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Die Ergebnisse des Projekts wurden im deutsch-italienischen Sammelband Il progetto di tutela integrata. Cultura, ecologia, architettura: unipotesi di gestione del paesaggio di Villa Vigoni, hg. von Giovanna Paci, Clua Edizioni, Ancona 2008 sowie auf einer dem Sammelband beiliegenden CD-Rom ver\u00f6ffentlicht. Dieser Sammelband wurde am 14. April 2009 anl\u00e4sslich eines Festakts zum Abschluss des Projekts in der Villa Vigoni vorgestellt. Derzeit wird an einer Neuauflage der Publikation gearbeitet.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Die Pilotstudie Integrierender Landschaftsschutz in der Umgebung des deutsch-italienischen Kulturzentrums Villa Vigoni am Comer See zeigte die vielf\u00e4ltigen Aspekte der Geschichte einer Landschaft auf und fand M\u00f6glichkeiten, diese Geschichte erfahrbar zu machen und dadurch deren Erinnerung zu bewahren.<br \/>\nEine immerw\u00e4hrende Herausforderung stellt die nachhaltige Pflege der Landschaft und der in ihr enthaltenen historischen Monumente dar. Die Villa Vigoni erarbeitet derzeit ein Projekt, das die Pflege des Waldes bzw. das Offenhalten unbewaldeter Stellen mit der Energieversorgung der Liegenschaft verkn\u00fcpfen soll.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Die Methode des Integrierenden Landschaftsschutzes sollte in einer Pilotstudie auf den landschaftlichen Raum der Liegenschaft des Deutsch-Italienischen Zentrums Villa Vigoni bzw. die angrenzende Umwelt angewandt werden und strebte folgende Ziele an: Die Merkmale der Landschaft am Comer See im allgemeinen und der Liegenschaft der Villa Vigoni im besonderen sollten inventarisiert [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"template":"","meta":{"footnotes":""},"categories":[],"tags":[1266,2425,2422,50],"class_list":["post-23677","projektdatenbank","type-projektdatenbank","status-publish","hentry","tag-grenzueberschreitend","tag-kulturgueter","tag-landnutzung","tag-naturschutz"],"meta_box":{"dbu_projektdatenbank_az_ges":"22330\/01","dbu_projektdatenbank_medien":"","dbu_projektdatenbank_pdfdatei":"","dbu_projektdatenbank_bsumme":"50.000,00","dbu_projektdatenbank_firma":"Villa Vigoni Centro Italo-Tedesco\nDeutsch-Italienisches Zentrum","dbu_projektdatenbank_strasse":"Via Giulio Vigoni, 1","dbu_projektdatenbank_plz_str":"I-22017","dbu_projektdatenbank_ort_str":"Loveno di Menaggio","dbu_projektdatenbank_p_von":"2006-12-14 00:00:00","dbu_projektdatenbank_p_bis":"2008-12-14 00:00:00","dbu_projektdatenbank_laufzeit":"2 Jahre","dbu_projektdatenbank_telefon":"00390344.36111","dbu_projektdatenbank_inet":"www.villavigoni.it","dbu_projektdatenbank_bundesland":"Grenz\u00fcberschreitend","dbu_projektdatenbank_foerderber":"138","dbu_projektdatenbank_ab_bericht":"","dbu_projektdatenbank_ist_nachbewilligung_von":"","dbu_projektdatenbank_hat_nachbewilligung":"","dbu_headerimage_cover":"","dbu_submenu":"","dbu_submenu_position":"","dbu_submenu_entry":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank\/23677","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/projektdatenbank"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank\/23677\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":36680,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank\/23677\/revisions\/36680"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=23677"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=23677"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=23677"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}