{"id":23668,"date":"2023-07-13T15:23:54","date_gmt":"2023-07-13T13:23:54","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/22309-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:23:54","modified_gmt":"2023-07-13T13:23:54","slug":"22309-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/22309-01\/","title":{"rendered":"Modellhafte schonende Konservierung national wertvoller mittelalterlicher Glasmalereien an der Marienkirche\/Frankfurt (Oder) unter Ber\u00fccksichtigung von Qualit\u00e4tssicherung und Vorsorge"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>F\u00fcr die Restaurierung des Antichristfensters waren die Voruntersuchungen und die Erstellung eines modellhaften Konservierungs- und Restaurierungskonzeptes unter Ber\u00fccksichtigung der umweltbedingten Sch\u00e4den an der Glassubstanz, am Blei und an der Bemalung von gro\u00dfer Bedeutung und stellen nun die Grundlage f\u00fcr die Restaurierungsarbeiten dar. Ziel des Vorhabens ist die Restaurierung der Glasmalerei-en und deren Qualit\u00e4tssicherung f\u00fcr die Zukunft. Die konservatorischen und restauratorischen Arbeiten an den Glasmalereifenstern wurden gem\u00e4\u00df des vertraglichen festgelegten Konservierungs- und Restaurierungskonzeptes durchgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDie Restaurierung der Glasmalereien werden nach den Erkenntnissen und Ergebnissen aus den naturwissenschaftlichen Untersuchungen und entsprechend des erarbeiteten Restaurierungs- und Konservierungskonzeptes durchgef\u00fchrt. Darin ist z. B. vorgesehen, die Oberfl\u00e4chen der Gl\u00e4ser vorsichtig mechanisch zu reinigen, die r\u00fcckseitige Korrosion partiell zu d\u00fcnnen, die zahlreichen Spr\u00fcnge zu sichern und das Bleinetz zu stabilisieren. Die Restaurierungsarbeiten werden von naturwissenschaftlichen Untersu-chungen weiterhin begleitet. So ist an verschiedenen Musterachsen die Intensit\u00e4t der Reinigungsma\u00dfnahme mit Hilfe des Rasterelektronenmikroskops zu untersuchen. Auch in der Frage der Auswahl der Klebematerialien, deren Alterung und Modifizierung der Handhabbarkeit bedarf es weiterer Forschung. Die Fensterordnung f\u00fcr den Wiedereinbau ist im Rahmen eines Fachkolloquiums n\u00e4her untersucht und abgeschlossen worden. Um die Glasmalereien vor weiterer Umweltbelastung zu sch\u00fctzen ist ein Au\u00dfenschutzsystem installiert worden. Wieweit die Schutzverglasung die sch\u00e4digende Wirkung durch die Um-welt verringern wird, kann durch die ausf\u00fchrliche Zustandsdokumentation der Korrosionsstadien anhand des Korrosionsfortschrittes exakt \u00fcberpr\u00fcft werden. Dies erfordert eine kontinuierliche Nachsorge.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Die bearbeiteten mittelalterlichen Glasmalereien stellen noch heute einen einzigartigen Bestand an Glaskunst dar, da sie, ausgebaut im Zuge der Kriegswirren, nach Kriegsende in russische Museen verbracht wurden, wo sie bis in das Jahr 2002 hinein verblieben. Seit einer Altrestaurierung unter der k\u00fcnstlerischen Leitung Schinkels, in deren Zusammenhang es zu einer neuen Anordnung der Scheiben kam, wa-ren sie nicht mehr konservatorisch behandelt worden.<br \/>\nDie 111 zun\u00e4chst restituierten Scheiben und die weiteren sechs Scheiben, die im Zuge des Projekts an die Stadt Frankfurt\/Oder zur\u00fcckgegeben wurden, wurden im Rahmen des Vorhabens erfolgreich restauratorisch und konservatorisch behandelt und an ihren alten Platz in der Marienkirche eingebaut. Das letzte der drei Fenster, das einen Bildzyklus zum Wirken des Antichristen zeigt, wird im Juni 2007 feierlich enth\u00fcllt werden.<br \/>\nZun\u00e4chst mussten die einzelnen Scheiben umfangreichen Reinigungsma\u00dfnahmen unterzogen werden. Nach einer trockenen und feuchten Abreinigung sowohl der Vorder- und R\u00fcckseite der Scheiben schlos-sen sich mechanische Abreinigungen ab (Borstenpinsel, Skalpell), die im n\u00e4chsten Arbeitsgang durch Ma\u00dfnahmen zur Glasfestigung (Paraloid B72) erg\u00e4nzt wurden. Zwischenzeitliche Erg\u00e4nzungen, wie etwa Bleiplomben, die zur F\u00fcllung zwischenzeitlich entstandener L\u00f6cher eingef\u00fcgt waren, wurden dann entfernt, wenn sie das eindrucksvolle Bildprogramm der Scheiben empfindlich st\u00f6rten.<br \/>\nGlassch\u00e4den wurden in F\u00e4llen, wo es sich um kleinere Br\u00fcche bzw. Lockerungen handelte, durch das Epoxydharz Araldit 2020A\/B behandelt. Bei gr\u00f6\u00dferen Fehlstellen kam es zu Rekonstruktionen, ausge-hend von historischen Originalen, sofern Schwarzlotsmalereien im gr\u00f6\u00dferen Ausma\u00df abg\u00e4ngig waren. Farbige Gl\u00e4ser wurden, gekennzeichnet durch ein Punktmuster, somit mit farblicher Absetzung zu den originalen, eingef\u00fcgt.<br \/>\nIm Projektverlauf wurde auf der Basis eines in Kontakt mit dem internationalen Fachbeirat entwickelten und optimierten Restaurierungskonzeptes die mittelalterliche Glaskunst behandelt. Hierzu der Fachbeirat in seiner abschlie\u00dfenden Stellungnahme: Wir werden im Ergebnis ohne Einschr\u00e4nkung als \u00fcberzeugende und hinsichtlich des Konzepts als absolut konsequente Erarbeitung best\u00e4tigt, die heutigen h\u00f6chsten Standards der Restaurierung nicht nur entsprechen, sondern daf\u00fcr als beispielhaft zu bezeichnen sind.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Bei der Festveranstaltung zum Einbau des ersten Fensters am 29.06.2005 im Beisein des Ministerpr\u00e4sidenten des Landes Brandenburg, Mattias Platzeck, des Generalsekret\u00e4rs der Deutschen Bundesstiftung Umwelt, Dr. Ing. Fritz Brickwedde und vielen anderen F\u00f6rderern ist dieses Projektes in hervorragender Weise gew\u00fcrdigt worden. Die im Rhythmus von zwei Monaten wechselnde Ausstellung von vier Scheiben der Fenster von St. Marien in der Marienkirche ist seit dem Jahr 2003 von ca. 250.000 Personen besucht worden. Des weiteren wurde in vielen Presseerzeugnissen, aber auch im Rundfunk und Fernsehen die Bedeutung der Restaurierung der Fenster von St. Marien und deren F\u00f6rderung gew\u00fcrdigt.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Laut Protokoll der abschlie\u00dfenden Beiratssitzung vom 31.08.2006: Diese Felder zeigen das gesamte Spektrum der Aufgabenstellung. Sie werden im Ergebnis ohne Einschr\u00e4nkung als \u00fcberzeugend und hin-sichtlich des Konzepts als absolut konsequente Erarbeitung best\u00e4tigt, die heutigen h\u00f6chsten Standards der Restaurierung nicht nur entsprechen, sondern daf\u00fcr als beispielhaft zu bezeichnen sind. Und weiter: Die Beiratsmitglieder sprechen dem Restauratorenteam f\u00fcr die sorgf\u00e4ltige, durchdachte und konsequente Bearbeitung gro\u00dfe Anerkennung aus. Auch der Zeitaufwand wird angesichts der Leistung als absolut angemessen beurteilt..<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens F\u00fcr die Restaurierung des Antichristfensters waren die Voruntersuchungen und die Erstellung eines modellhaften Konservierungs- und Restaurierungskonzeptes unter Ber\u00fccksichtigung der umweltbedingten Sch\u00e4den an der Glassubstanz, am Blei und an der Bemalung von gro\u00dfer Bedeutung und stellen nun die Grundlage f\u00fcr die Restaurierungsarbeiten dar. Ziel des Vorhabens ist die Restaurierung der Glasmalerei-en [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"template":"","meta":{"footnotes":""},"categories":[],"tags":[59,47,2425,52,53],"class_list":["post-23668","projektdatenbank","type-projektdatenbank","status-publish","hentry","tag-brandenburg","tag-klimaschutz","tag-kulturgueter","tag-umweltforschung","tag-umwelttechnik"],"meta_box":{"dbu_projektdatenbank_az_ges":"22309\/01","dbu_projektdatenbank_medien":"","dbu_projektdatenbank_pdfdatei":"A-22309.pdf","dbu_projektdatenbank_bsumme":"125.000,00","dbu_projektdatenbank_firma":"Stadt Frankfurt (Oder)","dbu_projektdatenbank_strasse":"Marktplatz 1","dbu_projektdatenbank_plz_str":"15230","dbu_projektdatenbank_ort_str":"Frankfurt","dbu_projektdatenbank_p_von":"2004-04-13 00:00:00","dbu_projektdatenbank_p_bis":"2006-07-31 00:00:00","dbu_projektdatenbank_laufzeit":"2 Jahre und 4 Monate","dbu_projektdatenbank_telefon":"0335\/552-1300","dbu_projektdatenbank_inet":"","dbu_projektdatenbank_bundesland":"Brandenburg","dbu_projektdatenbank_foerderber":"137","dbu_projektdatenbank_ab_bericht":"","dbu_projektdatenbank_ist_nachbewilligung_von":"","dbu_projektdatenbank_hat_nachbewilligung":"","dbu_headerimage_cover":"","dbu_submenu":"","dbu_submenu_position":"","dbu_submenu_entry":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank\/23668","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/projektdatenbank"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank\/23668\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":36671,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank\/23668\/revisions\/36671"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=23668"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=23668"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=23668"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}