{"id":23659,"date":"2023-07-13T15:20:30","date_gmt":"2023-07-13T13:20:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/17400-53\/"},"modified":"2023-07-13T15:20:32","modified_gmt":"2023-07-13T13:20:32","slug":"17400-53","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/17400-53\/","title":{"rendered":"Demonstration umweltgerechter Ver- und Entsorgungssysteme f\u00fcr ausgew\u00e4hlte Berg- und Schutzh\u00fctten am Beispiel der Bonn-Matreier H\u00fctte auf 2.750 m \u00fc. NN in der Gro\u00dfvenedigergruppe in Osttirol\/\u00d6sterreich"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Die Bonn-Matreier H\u00fctte war bis 2003 im Hinblick auf eine umweltrelevante H\u00fcttentechnik im Bereich der Energie- und Wasserversorgung unzureichend ausgestattet. Notwendig waren Sanierungsma\u00dfnahmen bei der Wasserfassung einschlie\u00dflich der Installation einer UV-Entkeimungsanlage. Bez\u00fcglich elektrischer Energie stand ein Dieselaggregat zur Verf\u00fcgung, welches keine Nutzung der Abw\u00e4rme aufwies. Ziel des Projektes war es, die Energie \u00fcber eine regenerative Quelle zu erzeugen und die Wassergef\u00e4hrdung durch den Treibstoff zu minimieren. Dazu sollte die eingesetzte Energie m\u00f6glichst gut ausgenutzt werden.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenNach Durchf\u00fchrung der Planungsphase (DBU-AZ 17400\/18) ergaben sich zwei M\u00f6glichkeiten f\u00fcr die Installierung einer umweltgerechten Energieversorgungsanlage bei der Bonn-Matreier H\u00fctte, die Errichtung eines Kleinwasserkraftwerkes und alternativ die Errichtung einer Photovoltaikanlage in Kombination mit einem raps\u00f6lbetriebenen Blockheizkraftwerk. Das Kleinwasserkraftwerk stellte sich in der Kostenanalyse nach der Barwertmethode zwar als die g\u00fcnstigere L\u00f6sung heraus, konnte aber durch nachtr\u00e4gliche Verweigerung der Zustimmung eines Grundbesitzers nicht realisiert werden. Somit gelangte die aus der Barwertmethode als zweitg\u00fcnstigste L\u00f6sung hervorgegangene Kombination aus PV-Anlage mit Blockheizkraftwerk zur Ausf\u00fchrung. Die PV-Anlage wurde mit einer Leistung von 1,68 kW ausgestattet. Das Blockheizkraftwerk sollte auf der H\u00fctte (Seeh\u00f6he 2.750 m) eine elektrische Leistung von 15 kW erzeugen. Damit ergab sich auch ein Leistungsangebot an thermischer Energie von 25 kW. Die Batterieanlage wies 30 Stk. OpzV Batteriezellen auf. Bei einer Spannung von 2,0 V pro Zelle sollte ein Arbeitsverm\u00f6gen von 600 Ah gegeben sein und \u00fcber die AC-Kopplung ein Energie- und Lastmanagement eingerichtet werden. Die drei bidirektionalen Wechselrichter sollten den Strom aus den Erzeugungsquellen in die Batterien hinein laden k\u00f6nnen, wie sie auch aus der Batterie heraus die einzelnen Verbraucher mit Dreh- und Wechselstrom versorgen sollten. Jeder Wechselrichter wurde f\u00fcr eine Leistung von 4,5 kW ausgelegt. Die im BHKW gewonnene W\u00e4rme sollte in einer thermischen Pufferanlage zwischengespeichert werden. Damit konnte sowohl Warmwasser erzeugt werden, wie die gespeicherte W\u00e4rme auch f\u00fcr die Heizung der H\u00fctte, insbesondere des Trockenraumes, verwendet werden konnte.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>F\u00fcr den Bereich der neuen Elektroversorgung was festzustellen, dass die urspr\u00fcngliche Zielsetzung der Substitution des Dieselaggregates durch ein umweltfreundliches, raps\u00f6lbetriebenes Aggregat voll und ganz realisiert werden konnte. Ebenso konnte die Ausnutzung des Prim\u00e4rkraftstoffes von urspr\u00fcnglich rund 30 % auf knapp 90 % gesteigert werden. Aufgrund der Betriebserfahrungen wurde festgestellt, dass die Leistung der Photovoltaikanlage in Hinblick auf einen langlebigen Batteriebetrieb der der Planung zu gering ausgelegt wurde. Die solare Deckungsrate betrug nur 13 %. Durch die Erweiterung der PV-Anlage wird nun eine Deckungsrate von 24 % erwartet.<br \/>\nF\u00fcr den Bereich der Wasserversorgung kann ausgesagt werden, dass durch die installierte Brauchwasseranlage (Nutzung von Dachfl\u00e4chenwasser) zum Gro\u00dfteil die WC-Sp\u00fclw\u00e4sser aufgebracht werden k\u00f6nnen. Zuvor wurden auch die Toiletten-Sp\u00fclw\u00e4sser aus dem Quellvorkommen abgedeckt, welches jedoch \u00fcber gro\u00dfe H\u00f6hen zur H\u00fctte gepumpt werden muss.<br \/>\nDer H\u00fcttenwirt Wolfgang Heinz ist sehr zufrieden mit den neuen Anlagen. Sie bringen nicht nur eine Reduktion der Betriebskosten, sondern sind auch einfacher zu handhaben. Es bleibt ihm somit mehr Zeit, sich um das Wohl der G\u00e4ste zu k\u00fcmmern. Diese empfinden vor allem die Raumheizung als angenehm. Aber auch die st\u00e4ndige Verf\u00fcgbarkeit von Warmwasser d\u00fcrfte dazu beigetragen haben, dass bereits ein Anstieg der G\u00e4stezahlen zu verzeichnen ist. Die Bonn-Matreier H\u00fctte best\u00e4tigt den Trend aus der H\u00fcttenbewirtschaftung, dass nur H\u00fctten mit einem gewissen Mindestkomfort nachgefragt werden.<br \/>\nDas alte Dieselaggregat lief den ganzen Tag, womit erhebliche L\u00e4rmbelastung verbunden war, die durch das neue BHKW komplett entf\u00e4llt. Durch die Montage von doppelt so vielen Photovoltaik-Paneelen wie geplant, wird sich die t\u00e4gliche Laufzeit des BHKW weiter verringern.<br \/>\nIm Zuge des Projektes wurden auf der Bonn-Matreier H\u00fctte fossile Energietr\u00e4ger durch Erneuerbare ersetzt und die Effizienz der Energieumwandlung gesteigert. Die daraus resultierende CO2-Einsparung betr\u00e4gt 7.963 kg pro Jahr.<br \/>\nIn \u00f6konomischer Hinsicht zeigen erste Erfahrungen, dass durch die neuen Anlagen eine Reduktion der Betriebskosten erreicht werden konnte. Zus\u00e4tzlich ist bereits ein erh\u00f6hter Besucherzustrom festzustellen, der wohl noch anwachsen wird. Eine bessere Auslastung der H\u00fctte, die auch auf die neuen Energieversorgungsanlagen zur\u00fcckgef\u00fchrt werden kann, stellt nat\u00fcrlich auch einen \u00f6konomischen Vorteil f\u00fcr die h\u00fcttenerhaltende Sektion dar.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Die Beachtung und Aufmerksamkeit in der \u00d6ffentlichkeit ist gerade f\u00fcr Umweltschutzprojekte von gro\u00dfem Interesse. Insbesondere ist von den Schutzh\u00fctten, aufgrund des gro\u00dfen Bekanntheitsgrades und der zahlreichen naturbegeisterten Besucher, ein gro\u00dfer Multiplikatoreffekt zu erwarten.<br \/>\nGegenst\u00e4ndliches Projekt wurde und wird durch eine Informationstafel bei der H\u00fctte und durch den pers\u00f6nlichen Kontakt der Wirtsleute mit den G\u00e4sten vorgestellt und bekannt gemacht.<br \/>\nWeiter wurde in vereinsinternen Nachrichten und auf den Homepages der beiden Sektionen \u00fcber die Ma\u00dfnahmen informiert.<br \/>\nSchlussendlich ist der Bonn-Matreier H\u00fctte unter dem Titel Pflanzen\u00f6l statt Wasserkraft ein eigenes Kapitel im Buch Umwelttechnik f\u00fcr alpine Berg- und Schutzh\u00fctten der DBU gewidmet. Es werden der Aufbau und die Wirkungsweise der Energieversorgungsanlage genauso beschrieben wie erste Erfahrungen mit ihrem Betrieb.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass die Projektziele in vollem Umfang erreicht wurden. Aufgrund zu geringer Erfahrungswerte hinsichtlich solarer Deckungsraten wurde bei der Erstkonzeption die installierte PV-Leistung zu gering angesetzt. Im Zuge von Messungen und Berechnungen w\u00e4hrend des Betriebes hat sich ergeben, dass die Leistung ca. verdoppelt werden sollte, um dem neuesten Stand des Wissens zu entsprechen. Durch dieses neue Verh\u00e4ltnis kommt es zu einer wesentlich h\u00f6heren Schonung der Batterien und damit zu einer Verringerung der Reininvestitionskosten.<br \/>\nHinsichtlich der durchgef\u00fchrten Ma\u00dfnahmen bei der Wasserversorgung hat sich die installierte Brauchwasseranlage als sehr zielf\u00fchrend erwiesen.<br \/>\nElektroversorgungsanlagen auf Schutzh\u00fctten haben jeweils eine sehr spezifische Charakteristik in Auslegung und Betrieb. Die Erfahrungen und die Auswertung von Betriebsergebnissen von bestehenden Anlagen w\u00fcrde dazu f\u00fchren, dass die Planung optimiert werden k\u00f6nnte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Die Bonn-Matreier H\u00fctte war bis 2003 im Hinblick auf eine umweltrelevante H\u00fcttentechnik im Bereich der Energie- und Wasserversorgung unzureichend ausgestattet. Notwendig waren Sanierungsma\u00dfnahmen bei der Wasserfassung einschlie\u00dflich der Installation einer UV-Entkeimungsanlage. Bez\u00fcglich elektrischer Energie stand ein Dieselaggregat zur Verf\u00fcgung, welches keine Nutzung der Abw\u00e4rme aufwies. Ziel des Projektes war es, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"template":"","meta":{"footnotes":""},"categories":[],"tags":[1266,53],"class_list":["post-23659","projektdatenbank","type-projektdatenbank","status-publish","hentry","tag-grenzueberschreitend","tag-umwelttechnik"],"meta_box":{"dbu_projektdatenbank_az_ges":"17400\/53","dbu_projektdatenbank_medien":"","dbu_projektdatenbank_pdfdatei":"","dbu_projektdatenbank_bsumme":"118.494,00","dbu_projektdatenbank_firma":"Deutscher Alpenverein (DAV) e. V.Sektion Bonn","dbu_projektdatenbank_strasse":"","dbu_projektdatenbank_plz_str":"53072","dbu_projektdatenbank_ort_str":"Bonn","dbu_projektdatenbank_p_von":"2005-02-23 00:00:00","dbu_projektdatenbank_p_bis":"2007-02-23 00:00:00","dbu_projektdatenbank_laufzeit":"2 Jahre","dbu_projektdatenbank_telefon":"02241-341825","dbu_projektdatenbank_inet":"","dbu_projektdatenbank_bundesland":"Grenz\u00fcberschreitend","dbu_projektdatenbank_foerderber":"69","dbu_projektdatenbank_ab_bericht":"","dbu_projektdatenbank_ist_nachbewilligung_von":"","dbu_projektdatenbank_hat_nachbewilligung":"","dbu_headerimage_cover":"","dbu_submenu":"","dbu_submenu_position":"","dbu_submenu_entry":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank\/23659","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/projektdatenbank"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank\/23659\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":36662,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank\/23659\/revisions\/36662"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=23659"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=23659"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=23659"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}