{"id":23658,"date":"2023-07-27T10:32:05","date_gmt":"2023-07-27T08:32:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/22295-01\/"},"modified":"2023-07-27T10:32:06","modified_gmt":"2023-07-27T08:32:06","slug":"22295-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/22295-01\/","title":{"rendered":"Weiterentwicklung und Erprobung einer innovativen Mess- und Steuerungsmethode zur Optimierung der Wasserqualit\u00e4t und der Bewirtschaftung des Wasserkreislaufs von Naturerlebnisb\u00e4dern"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Naturerlebnisb\u00e4der, die zu den so genannten Schwimm- und Badeteichanlagen zu z\u00e4hlen sind, stellen eine Neuentwicklung f\u00fcr den Bereich der \u00f6ffentlichen Freib\u00e4der dar. Die Reinigung und Hygienisierung des Wassers erfolgt ausschlie\u00dflich \u00fcber mechanisch &#8211; biologische Mechanismen.<br \/>\nIn Naturb\u00e4dern wird g\u00e4nzlich auf den Einsatz chemischer Desinfektionsmittel verzichtet. Aus diesem Grund muss das Beckenwasser gleichm\u00e4\u00dfig und schnell auszutauschen sein, um die Aufenthaltswahrscheinlichkeit von Krankheitserregern im Beckenwasser so gering wie m\u00f6glich zu halten.<br \/>\nIm Rahmen dieses Forschungsprojektes wurde untersucht, ob Aufbereitung und Durchstr\u00f6mung in den Naturb\u00e4dern eine hygienisch-mikrobiologisch einwandfreie Wasserbeschaffenheit sicherstellen. Des Weiteren gilt es die Sichttiefe aus Gr\u00fcnden der Aufsichtsm\u00f6glichkeit in Naturb\u00e4dern durch ein gezieltes n\u00e4hrstoffarmes Wassermilieu zu gew\u00e4hrleisten. Dazu wurde vor allem die Festlegung von Phosphor im Aufbereitungsbereich als limitierenden Faktor f\u00fcr das Algenwachstum untersucht.<br \/>\nParallel zu den Untersuchungen im Naturbad wurden Untersuchungen im halbtechnischen Ma\u00dfstab an S\u00e4ulen durchgef\u00fchrt. Hier wurde vor allem die Eignung verschiedener Materialien in Bezug zur Reinigungsleistung bei unterschiedlicher hydraulischer Belastung untersucht.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenIm Rahmen des Forschungsvorhabens wurde die mikrobiologische Beschaffenheit des Wassers anhand der Untersuchungsparameter E.coli, Interstinale Enterokokken und Pseudomonas aeroginosa engmaschig kontrolliert. Zur Bestimmung der Reinigungsleistung des Filters wurden die einzelnen Filterabl\u00e4ufe hygienisch und chemisch mit der Eingangskonzentration verglichen. Im Beckenk\u00f6per wurden regelm\u00e4\u00dfig an 6 definierten Stellen Proben entnommen. Neben den genannten mikrobiologischen Untersuchungen wurden die Parameter Pges, NO3, NH4, CSB, BSB5 untersucht. Der pH Wert, die Temperatur sowie die Tr\u00fcbung wurden mittels Messsonden online aufgezeichnet. Das wesentlichste Ziel der hydrophysikalischen Messungen war die Bereitstellung von Basisdaten zur Optimierung des prognostisch hydrodynamischen Simulationsmodells. Dazu wurden verschiedene Str\u00f6mungs-, Turbulenz und Temperatursonden zur Messdatenerfassung eingesetzt sowie mehrere Tracerversuche (Uranin) durchgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>F\u00fcr Naturb\u00e4der ist ein gezielter Austausch des Wassers von hoher Bedeutung. Totzonen, also Beckenbereiche ohne Durchstr\u00f6mung gilt es zu vermeiden, da hier erh\u00f6hte Keimbelastungen auftreten k\u00f6nnen. Ein im Vorfeld entwickeltes computerbasiertes Simulationsmodell f\u00fcr Str\u00f6mungsverh\u00e4ltnisse in Schwimmbadbecken erlaubt das Erkennen von Bereichen mit ungen\u00fcgender Durchstr\u00f6mung schon in der Planungsphase. Dieses Modell wurde durch Praxismessungen adaptiert und optimiert. Durch das Forschungsprojekt steht jetzt ein ausgereiftes Modell zur Verf\u00fcgung, mit welchem die Durchstr\u00f6mungen auch in unregelm\u00e4\u00dfig geformten Beckenk\u00f6rpern sicher prognostiziert werden kann. Die an allen sechs Messstellen im Becken erhobenen Messwerte zeigten ein sehr ausgewogenes Bild. Ob im Flach- oder im Tiefwasser, die Messwerte lagen \u00fcberall in der gleichen Gr\u00f6\u00dfenordnung. Dies und vor allem der durchgef\u00fchrte Tracertest verdeutlichten die gute Durchstr\u00f6mung im Beckenk\u00f6rper.<br \/>\nAls N\u00e4hrstoffparameter wurde vor allem der Pges Gehalt bestimmt. Die Ergebnisse zeigen, dass der in verschiedenen Empfehlungen genannte Richtwert von 10 \u00b5g\/l Pges ein ehrgeiziges Ziel sind. Teilweise lag im ersten Betriebsjahr bei Konzentrationen von Pges < 10 \u00b5g\/l Sichttiefen unter 2 m vor, wohingegen im zweiten und dritten Betriebsjahr selbst bei 30 bis 50 \u00b5g\/l Sichttiefen bis zum Boden (3,80 m) gegeben waren. Die isolierte Betrachtung des Parameters Pges l\u00e4sst keinen allgemeinen R\u00fcckschluss z. B. auf die Sichttiefe zu. Hierf\u00fcr spielt die biologische Stabilit\u00e4t des Gesamtsystems eine ebenso gro\u00dfe Rolle.\nDie Hygienemessungen des Beckenwassers lieferten ein insgesamt sehr gutes Ergebnis. Die Parameter E.coli und Enterokokken zeigten w\u00e4hrend des gesamten Untersuchungszeitraums keine Auff\u00e4lligkeiten. Beim Parameter Pseudomonas aeruginosa waren lediglich im ersten Betriebsjahr vier \u00dcberschreitungen aufgetreten, welche durch Nachmessungen in keinem Fall best\u00e4tigt wurden. Im zweiten und dritten Betriebsjahr traten Grenzwert\u00fcberschreitungen nicht mehr auf. Die Ursache f\u00fcr die \u00dcberschreitungen konn-te auch nicht durch eine extra durchgef\u00fchrte Sonderuntersuchung gefunden werden. Hier ist weitere Forschungsbedarf notwendig, um die Ursache bzw. auch die Eignung von P.a. als \u00dcberwachungsparameter festzustellen.\n\n\n\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation\n\nIm Rahmen des Forschungsprojektes fanden zwei Fachtagungen zum Thema Hygiene in Naturb\u00e4dern in Osnabr\u00fcck im Hause der DBU statt. Dazu waren Vertreter aus Forschung- und Entwicklung, von \u00dcberwachungsbeh\u00f6rden und Gesundheits\u00e4mtern sowie St\u00e4dte und Gemeinden als Betreiber geladen. \nDes weiteren stellte sich das Projekt der \u00d6ffentlichkeit auf der Fachmesse Wasser Berlin 2006 dem interessierten Publikum vor. Mit Hilfe von Postern wurden Ergebnisse gezeigt, welche im pers\u00f6nlichen Gespr\u00e4ch diskutiert wurden.\n\n\nFazit\n\nNaturb\u00e4der sind heute eine sichere Alternative zu den konventionellen B\u00e4dern. Naturb\u00e4der k\u00f6nnen in der Regel kosteng\u00fcnstiger betrieben werden. Vor allem durch den nicht vorhandenen Abwasseranfall (das Wasser in Naturb\u00e4dern ist nicht mit Chemikalien belastet und kann in der Regel direkt in den Vorfluter eingeleitet werden) entlasten sie zu einem nicht unerheblichen Teil die Umwelt und die Haushalte der Kommunen.\nAus hygienischer Sicht stellt der Parameter Pseudomonas aeruginosa die gr\u00f6\u00dfte Unsicherheit dar. Vor allem hier aber auch generell ist im Bereich der Hygiene noch weitere Forschung notwendig. Hier m\u00fcssen die derzeit definierten Grenzwerte der Hygieneparameter mit belastbaren Ergebnissen wissenschaftlich abgesichert werden, um die vorhandenen Unsicherheiten bei Planern und Betreibern solcher Anlagen auszur\u00e4umen.\n<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Naturerlebnisb\u00e4der, die zu den so genannten Schwimm- und Badeteichanlagen zu z\u00e4hlen sind, stellen eine Neuentwicklung f\u00fcr den Bereich der \u00f6ffentlichen Freib\u00e4der dar. Die Reinigung und Hygienisierung des Wassers erfolgt ausschlie\u00dflich \u00fcber mechanisch &#8211; biologische Mechanismen. In Naturb\u00e4dern wird g\u00e4nzlich auf den Einsatz chemischer Desinfektionsmittel verzichtet. 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