{"id":23650,"date":"2023-07-13T15:23:51","date_gmt":"2023-07-13T13:23:51","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/22267-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:23:52","modified_gmt":"2023-07-13T13:23:52","slug":"22267-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/22267-01\/","title":{"rendered":"Schlupfwespen zur biologischen Bek\u00e4mpfung eines neuen Gem\u00fcsesch\u00e4dlings"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Helicoverpa armigera (H.a.) ist ein neuer Sch\u00e4dling in Deutschland, der vor allem im Gem\u00fcse aufritt. Gef\u00e4hrdet sind im europ\u00e4ischen Raum etwa 60 Kulturpflanzen, darunter Tomate, Paprika, Mais, Bohnen, Erbsen, Tabak, Kohlarten und sogar Sonnenblumen. In Afrika und Indien ist H.a. der Hauptsch\u00e4dling an Baumwolle, daher stammt sein Name Baumwollkapselwurm. Pflanzenschutzberater wurden in den letzten Jahren zunehmend mit Anfragen aus S\u00fcddeutschland, \u00d6sterreich, Ungarn und der Schweiz zur Bek\u00e4mpfung dieses eingewanderten neuen Sch\u00e4dlings konfrontiert. Wanderfl\u00fcge aus dem Mittelmeerbereich bis in die Niederlande sind nachgewiesen. In Gew\u00e4chshausbetrieben mit N\u00fctzlingseinsatz (u. a. gegen Wei\u00dfe Fliege, Blattl\u00e4use) gef\u00e4hrdet der neue Sch\u00e4dling die Aufrechterhaltung der biologischen Pflanzenschutzmethoden. Der Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln gegen H.a. kann jedoch durch die Anwendung von Trichogramma-Schlupfwespen vermieden werden. Die kleinen N\u00fctzlinge machen die Eier dieses neuen Sch\u00e4dlings unsch\u00e4dlich und haben sich bereits im  Baumwollanbau bew\u00e4hrt. Allerdings ist es notwendig, geeignete heimische Trichogramma-Arten auszuw\u00e4hlen und die genaue Vorgehensweise f\u00fcr eine erfolgreiche Bek\u00e4mpfung von H.a. in Deutschland zu entwickeln.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenInnerhalb von drei Jahren sollten f\u00fcr den Anwender kurzfristig umsetzbare biologische Bek\u00e4mpfungs-ma\u00dfnahmen gegen H.a. erarbeitet werden, um damit die bestehende Praxis des N\u00fctzlingseinsatzes im Gew\u00e4chshaus zu sch\u00fctzen. Die Untersuchungen mit heimischen Trichogramma-Zuchtlinien bauen aufeinander auf. Es wurden zun\u00e4chst unter konstanten Laborbedingungen, dann in K\u00e4figversuchen und schlie\u00dflich in betroffenen Gew\u00e4chshausbetrieben Bek\u00e4mpfungsversuche durchgef\u00fchrt. Gepr\u00fcft und verglichen wurde die Suchleistung der Schlupfwespen auf unterschiedlichen Kulturpflanzen. Daraus folgend werden die erforderliche Dosierung und die Ausbringungstechnik f\u00fcr die Praxis erarbeitet. Der nat\u00fcrliche Sch\u00e4dlingsflug wurde mit Pheromonfallen beobachtet und die Eiablage in den Kulturen untersucht, um den optimalen Freilassungszeitpunkt f\u00fcr Trichogramma gegen H.a. zu ermitteln. Der Trichogramma-Einsatz wurde in die bestehenden Pflanzenschutzma\u00dfnahmen der Gew\u00e4chshausbetriebe integriert.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Die Untersuchungen zur Bek\u00e4mpfung von Helicoverpa armigera haben deutlich gemacht, das es sich um einen ernst zu nehmenden neuen Gem\u00fcsesch\u00e4dling handelt. Es konnte ein j\u00e4hrlicher Zuflug in den Oberrheingraben im Raum Freiburg festgestellt werden. Dieser Standort wird f\u00fcr ein st\u00e4ndiges Monito-ring von H.a. empfohlen. Entgegen dem starken Befall 2003 an Tomate, Mais, Lauch und Tabak, wurde H.a. in den Versuchsjahren 2005-2007 geringer an Tabak und sehr selten an Mais, Zierpflanzen und Lauch beobachtet. Tabak wird als attraktive Wirtspflanze gegen\u00fcber anderen bevorzugt, wie Laborver-suche belegen. Der Zuflug von H.a. findet im Vergleich zu 1975 um fast zweieinhalb Monate fr\u00fcher statt. In 2007 konnte mit Pheromonfallen ein Zuflug bereits Ende Juli nachgewiesen werden. Eine erste Eiab-lage erfolgte Anfang August. Der fr\u00fche Flug korreliert mit den steigenden Temperaturgraden infolge der Klimaerw\u00e4rmung. Daher ist zuk\u00fcnftig mit zunehmenden Sch\u00e4den durch H.a. in der Landwirtschaft und im Gem\u00fcse- und Gartenbau (Zierpflanzen) zu rechnen. Problematisch f\u00fcr die Praxis ist die Identifikation der sehr variablen Larven und der unscheinbaren Falter. Hier wird den Praktikern eine Bestimmungshilfe angeboten.<br \/>\nEs konnten nat\u00fcrlich auftretende Schlupfwespen und bereits in Zuchten verf\u00fcgbare Trichogramma-Arten und -St\u00e4mme genutzt werden, um eine biologische Bek\u00e4mpfung des neuen Sch\u00e4dlings zu untersuchen. Aufgrund der eingeschr\u00e4nkten Einsatzm\u00f6glichkeiten von Trichogramma-Eiparasitoiden auf den stark mit Dr\u00fcsenhaaren besetzten Tabakbl\u00e4ttern und einer nicht immer sicheren Prognose mit Hilfe von Phero-monfallen, wurde mit Bracon brevicornis zus\u00e4tzlich ein Larvalparasitoid gegen H.a. getestet. Dieser wies jedoch keine ausreichende Pr\u00e4ferenz auf und parasitierte nach guten Ergebnissen im Laborversuch un-ter praxisnahen Bedingungen H.a. nicht. Die nahe verwandte Brackwespe B. hebetor akzeptierte H.a.-Larven nicht als Wirte. Campoletis sp., ein Larvalparasitoid aus der Familie der Ichneumonidae, erreichte in 2006 mehr als 12% nat\u00fcrliche Parasitierung der Larven von H.a.. Eine Zucht dieser Schlupfwespe, die auf Raupen von Eulenfaltern spezialisiert ist, gelang nicht. Sie w\u00e4re f\u00fcr die Zukunft ein interessanter Kandidat als neuer N\u00fctzling gegen Gem\u00fcsesch\u00e4dlinge.<br \/>\nW\u00e4hrend bei Tomaten die Behaarung die Suchleistung nur wenig behinderte, wurde sie auf der Blattoberfl\u00e4che bei Tabak verhindert. In Akzeptanz-, Parasitierungs- und Suchleistungstests erwiesen sich St\u00e4mme der Arten T. brassicae, T. cacoeciae und T. evanescens als geeignet. T. brassicae (BRA Kz) und T. cacoeciae (CAC D 90 O) zeigten eine gute Suchleistung in den K\u00e4figversuchen und eine deutliche Akzeptanz von H.a.. BRA Kz war zudem im Lebenstafel-Test bei 30\u00b0C lebensf\u00e4higer als andere St\u00e4mme, jedoch bereitete dieser Stamm in Massenzucht Parasitierungsprobleme. Daher wurden weitere Versuche mit der Zuchtlinie BRA Da durchgef\u00fchrt. F\u00fcr die Art T. cacoeciae spricht trotz der insgesamt geringeren Suchleistung in den Praxistests, dass die Art langlebig ist, nur Weibchen auftreten und sie in Laborversuchen eine hohe Parasitierungsrate auf behaarten Oberfl\u00e4chen aufwies. F\u00fcr T. evanescens steht trotz geringerer Leistung ein Stamm aus Kohl (EVA 1-DE 97 K) zur Verf\u00fcgung, der auch gegen andere auftretende Gem\u00fcsesch\u00e4dlinge wirksam w\u00e4re und in den Bek\u00e4mpfungsversuchen mit H.a. eine stabile Leistung zeigte. F\u00fcr die Praxis empfiehlt sich eine Mischung der Zuchtlinien BRA Da und der langlebigen CAC D 90 O, die auf behaarten Oberfl\u00e4chen eine bessere Eignung zeigte. Schlie\u00dflich w\u00e4re ein Anteil der aus dem Gem\u00fcse stammenden EVA 1-DE 97 K in einer Mischung zu empfehlen, um weitere Noctuiden wie Mamestra brassicae und Autographa gamma sicher mit zu erfassen.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Die laufenden Untersuchungen und die abschlie\u00dfenden Ergebnisse des Projektes wurden w\u00e4hrend der gesamten Laufzeit auf entsprechenden Fachtagungen pr\u00e4sentiert und zur Diskussion gestellt. Dies waren die Deutsche Pflanzenschutz-Tagung, die Internationale Entomologen-Tagung, die Arbeitstagung Biologischer Pflanzenschutz des Deutschen Pflanzenschutzdienstes und der Arbeitskreis der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Allgemeine und Angewandte Entomologie.<br \/>\nZus\u00e4tzlich wurde eine Brosch\u00fcre erstellt, die Gem\u00fcsebauern auf diesen neuen Sch\u00e4dling aufmerksam macht und die biologischen Bek\u00e4mpfungsm\u00f6glichkeiten aufzeigt und erl\u00e4utert.<\/p>\n<p>Ver\u00f6ffentlichungen und Tagungsbeitr\u00e4ge zu diesem Projekt:<br \/>\n&#8211;\tZIMMERMANN, O., W\u00dcHRER, B., BATHON, H. (2008): Untersuchungen zur Bek\u00e4mpfung von Helicoverpa armigera in Deutschland &#8211; eine Bilanz. Pflanzenschutz-Tagung 2008, Kiel (angemeldet)<br \/>\n&#8211;\tZIMMERMANN, O., W\u00dcHRER, B., BATHON, H. (2007): Die biologische Bek\u00e4mpfung von Helicoverpa armigera in Deutschland.Einsatzm\u00f6glichkeiten von Trichogramma spp. und Schlupfwespen anderer Gattungen. Entomologen-Tagung 2007, Innsbruck. Mitteilungen der DGaaE 16 (im Druck)<br \/>\n&#8211;\tZIMMERMANN, O. (2006): Which indigenous beneficials can control the cotton bollworm? A selection of suitable Trichogramma &#8211; species to control Helicoverpa armigera in green houses [Welche heimi-schen Arten bek\u00e4mpfen den Baumwollkapselwurm ? &#8211; Auswahl geeigneter Trichogramma &#8211; Arten zur Bek\u00e4mpfung von Helicoverpa armigera im Gew\u00e4chshaus]. DGaaE-Nachrichten 21 (1): 2S.<br \/>\n&#8211;\tZIMMERMANN, O., (2006): Baiting studies to survey the occurrence of Trichogramma-species and -strains in agricultural and garden areas in Germany. DGaaE-Nachrichten 21 (1): 2S.<br \/>\n&#8211;\tZIMMERMANN, O., W\u00dcHRER, B., BATHON, H. (2005): Untersuchungen zur Akzeptanz und Suchleistung von heimischen Trichogramma &#8211; St\u00e4mmen zur Bek\u00e4mpfung von Helicoverpa armigera in Deutsch-land. Pflanzenschutz-Tagung 2006, G\u00f6ttingen. Mitteilungen der Biologischen Bundesanstalt.<br \/>\n&#8211;\tZIMMERMANN, O. (2005): Der Baumwollkapselwurm &#8211; ein neuer Sch\u00e4dling in Gem\u00fcsekulturen und seine biologische Bek\u00e4mpfung mit Trichogramma-Schlupfwespen. Gem\u00fcse  (3): 20-23.<br \/>\n&#8211;\tZIMMERMANN, O. (2005): Das Auftreten von Helicoverpa armigera in Deutschland &#8211; eine \u00dcbersicht und erste Untersuchungen zur biologischen Bek\u00e4mpfung. In: Tagungsband, Arbeitstagung Biologi-sche Sch\u00e4dlingsbek\u00e4mpfung, 30.11.-01.12.2005, Griesheim. Pflanzenschutzdienst der L\u00e4nder. 2 S.<br \/>\n&#8211;\tZIMMERMANN, O. &#038; W\u00dcHRER, B. (2004): Selection of Trichogramma strains for the biological control of Helicoverpa armigera in Southern Germany and Austria [Auswahl von Trichogramma &#8211; St\u00e4mmen zur Bek\u00e4mpfung von Helicoverpa armigera in S\u00fcd-Deutschland und \u00d6sterreich]. Egg Parasitoid News 16, 21-22.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Trotz des geringen nat\u00fcrlichen Befalls durch H.a. in in Gem\u00fcsekulturen im Versuchszeitraum konnten wichtige Empfehlungen f\u00fcr die Praxis erarbeitet werden. Der Einsatz von Schlupfwespen gegen Helicoverpa armigera steht nun als alternative Bek\u00e4mpfungsm\u00f6glichkeit zur Verf\u00fcgung. Somit ist ein Verzicht oder zumindest die Reduktion des Einsatzes von chemischen Pflanzenschutzmitteln in Gem\u00fcsekulturen gew\u00e4hrleistet. Die Untersuchung von biologischen Bek\u00e4mpfungsm\u00f6glichkeiten gegen einen neuen Sch\u00e4dling im Pflanzenschutz wie im vorliegenden Fall hat Modellcharakter f\u00fcr weitere zuk\u00fcnftige Zuwanderer. Es gilt sie rechtzeitig, im Sinne einer pr\u00e4ventiven Bek\u00e4mpfung, zu  untersuchen, um auf Massenzufl\u00fcge wie in 2003 angemessen mit biologischen Bek\u00e4mpfungsmitteln reagieren zu k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Helicoverpa armigera (H.a.) ist ein neuer Sch\u00e4dling in Deutschland, der vor allem im Gem\u00fcse aufritt. Gef\u00e4hrdet sind im europ\u00e4ischen Raum etwa 60 Kulturpflanzen, darunter Tomate, Paprika, Mais, Bohnen, Erbsen, Tabak, Kohlarten und sogar Sonnenblumen. In Afrika und Indien ist H.a. der Hauptsch\u00e4dling an Baumwolle, daher stammt sein Name Baumwollkapselwurm. 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