{"id":23635,"date":"2024-12-02T10:32:34","date_gmt":"2024-12-02T09:32:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/22207-01\/"},"modified":"2024-12-02T10:32:35","modified_gmt":"2024-12-02T09:32:35","slug":"22207-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/22207-01\/","title":{"rendered":"Emissionsaufkauf durch Schornsteinfeger f\u00fcr energetische Verbesserungen in Anlagentechnik und Geb\u00e4udeh\u00fclle (EmSAG)"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Um der Erderw\u00e4rmung gegenzusteuern, ist in Kyoto vereinbart worden, die CO2-Belastung der Atmosph\u00e4re bis 2012 um 21% zu reduzieren. Die anthropogene CO2-Belastung der Atmosph\u00e4re r\u00fchrt jeweils zu etwa 1\/3 aus dem Bereich der Industrie, dem Verkehr, Haushalten und Kleingewerben her.<br \/>\nSeit etwa 1970 wird in Deutschland versucht, die Umweltbelastungen \u00fcber das Ordnungsrecht zu mindern.<br \/>\nViele Bereiche sind jedoch durch das Ordnungsrecht nicht zu erreichen, auch hat sich das Verhalten gegen\u00fcber diesem Instrumentarium ver\u00e4ndert, sodass deutliche Tendenzen hin zur Deregulierung zu erkennen sind bzw. auch gesellschaftlich akzeptiert werden.<br \/>\nEs soll herausgefunden werden, ob der Emissionshandel (in einer neuen Form) auch auf Kleinemittenten \u00fcbertragbar ist.<br \/>\nAnders als durch das Ordnungsrecht k\u00f6nnen durch den Emissionshandel zus\u00e4tzliche bzw. freiwillig eingesparte CO2-Mengen generiert werden. Die Idee des Emissionshandels ist, dass durch den Handel die jeweils g\u00fcnstigste Tonne CO2 eingespart wird. Eine weiter Zielsetzung ist die Belohnung (Verg\u00fctung\/Verkauf der eingesparten CO2 Mengen) f\u00fcr die Durchf\u00fchrung von CO2-mindernden Ma\u00dfnahmen.<br \/>\nAls nicht zu vernachl\u00e4ssigender Nebeneffekt wird eine Marktbelebung (insbesondere f\u00fcr das Handwerk) stattfinden.<br \/>\nEs gibt derzeit kein anerkanntes Zertifizierungssystem f\u00fcr CO2-Emissionen bei Kleinemittenten. In dem Modellprojekt EmSAG sollausprobiert werden, inwieweit die Energiep\u00e4sse &#8211; die ab 2006 in der EU vorgeschrieben sind &#8211; geeignet sind, CO2-Einsparungen zu zertifizieren.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenIm Rahmen des Modellprojektes sollen die Objekte, von denen im Schornsteinfegerhandwerk schon Daten (durch die Vergangenheit und im Projektzeitraum durch gepr. Geb\u00e4udeenergieberater im Handwerk ausgestellte Energiep\u00e4sse) vorhanden sind oder noch erfasst werden, erneut untersucht werden. F\u00fcr dies Objekte, insbesondere bei denen CO2-relevante Ma\u00dfnahmen durchgef\u00fchrt wurden, sollen erneut Energiep\u00e4sse ausgestellt werden.<br \/>\nAufgrund der f\u00fcr die Ausstellung von Energiep\u00e4ssen verwendeten Software (die f\u00fcr diesen Zweck im Rahmen des Projektes angepasst werden wird) l\u00e4sst sich belegen, welche CO2-Minderungen aufgrund freiwilliger oder welche aufgrund von gesetzlichen Vorgaben, die CO2-Blianz des Objektes verbessert hat.<br \/>\nBei der erneuten Ausstellung eines Energiepasses werden die zus\u00e4tzlich eingesparten CO2-Mengen zertifiziert.<br \/>\nDie in den Einzelobjekten eingesparten CO2-Mengen sollen dann, im Rahmen des Modellprojektes, zusammengefasst (gepoolt) werden, um damit eine Schnittstelle zum Emissionshandel in der Industrie bzw. zur Carbon-B\u00f6rse-Leipzig bzw. London zu bilden und ggf. als Nationales Ausgleichsprojekt zu dienen.<br \/>\nDas Projekt soll \u00fcber die gesamte Laufzweit von 36 Monaten wissenschaftlich begleitet und die Zielerreichung evaluiert werden. Die Aufgabe der wissenschaftlichen Begleitung und Evaluierung ist es<br \/>\n\tdurch Know-how-Transfer den aktuellen energiewirtschaftlichen Kontext zum Emissionshandelssys-tem sicherzustellen.<br \/>\n\tan Ma\u00dfnahmen zur Poolbildung mitzuwirken z. B. zur Frage der Einbeziehung von durch andere Zertifizierer (Energiepassaussteller, Contraktoren etc.) initiierte CO2-Einsparungen zu M\u00f6glichkei-ten der Verrechnung, Verg\u00fctung und Abwicklung.<br \/>\n\tan der Validierung eingesparter CO2-Mengen mitzuwirken<br \/>\n\tErkenntnisse zur Akzeptanz des Kleinverbraucher-Emissionshandelssystems zu gewinnen.<br \/>\nDas Projekt bzw. die zugrunde liegende Idee soll im laufenden Projekt verschiedenen Entscheidungs-Gremien vorgestellt werden. Ziel soll hierbei sein u. a. der Kommission der Europ\u00e4ischen Union auf zuzeigen, wie Haushalte (und kleine und mittlere Unternehmen) in die EU-Emissionshandelsrichtlinie eingebunden werden k\u00f6nnen. Desweiteren soll das Projekt Anregungen zur Umsetzung der Richtlinie \u00fcber die Gesamtenergieeffizienz von Geb\u00e4uden geben.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Das Modellprojekt hatte nicht zur Zielvorgabe ein zum hessischen Geb\u00e4udebestand m\u00f6glichst vergleichbares Szenario zu untersuchen. Vielmehr sollte ein repr\u00e4sentatives Bild der von den Bezirksschornsteinfegermeistern und Geb\u00e4udeenergieberatern in der Praxis bearbeiteten Wohngeb\u00e4ude entstehen. Obwohl es Abweichungen zwischen der typologischen Aufteilung des hessischen Geb\u00e4udebestandes und der des Modellprojektes gibt, sind diese nicht eklatant.<br \/>\nEs ist anzunehmen, dass die geringe Anzahl von Geb\u00e4uden mit zwei Wohnungen im Modellprojekt daher r\u00fchrt, dass die Geb\u00e4ude mit Einliegerwohnungen oftmals als Geb\u00e4ude mit lediglich einer Wohnein-heit von den Bearbeitern erfasst wurden. Auf die Wichtigkeit der exakten Erfassung hatten wir diesbe-z\u00fcglich im Vorfeld nicht explizit hingewiesen. Die H\u00e4ufung von Geb\u00e4uden mit drei und mehr Wohneinheiten sehen wir in den hohen Umsetzungsraten in der Wohnungswirtschaft und der daraus resultierenden gr\u00f6\u00dferen Teilnahmebereitschaft begr\u00fcndet.<br \/>\nDie CO2-Bilanz des Modellprojektes zeigt deutlich das Potential von energetischen Sanierungen im Wohngeb\u00e4udebereich. Von den mehr als 4.500 Tonnen j\u00e4hrlicher CO2-Emissionen wurde weit \u00fcber die H\u00e4lfte eingespart. Von dieser Gesamteinsparung von \u00fcber 2.500 Tonnen erfolgte nahezu die H\u00e4lfte oh-ne eine staatliche F\u00f6rderung oder aufgrund von gesetzlichen Anforderungen.<br \/>\nAusgehend davon, dass ein durchschnittlicher Bundesb\u00fcrger j\u00e4hrlich 11 Tonnen CO2 emittiert, w\u00fcrde die energetische Sanierung eines durchschnittlichen Bestandsgeb\u00e4udes des Modellprojektes dies mehr als kompensieren. Um Aufschluss \u00fcber das Potential der einzelnen Wohnungstypen zu geben wurde die CO2-Bilanzen entsprechen differenziert.<br \/>\nDie \u00dcbersicht der durchschnittlichen CO2-Bilanzen der Geb\u00e4udetypen zeigt anschaulich den steigenden CO2-Aussto\u00df in Abh\u00e4ngigkeit von der Geb\u00e4udegr\u00f6\u00dfe. Die \u00dcbersicht zeigt auch, dass in allen Geb\u00e4udetypen der CO2-Aussto\u00df um nahezu die H\u00e4lfte und mehr gesenkt werden konnte. Je kleiner die Geb\u00e4ude, desto gr\u00f6\u00dfer das Einsparpotential aufgrund des A\/Ve-Verh\u00e4ltnisses.<br \/>\nEs zeigt sich, dass in den Geb\u00e4uden des Modellprojektes von den Ein- und Zweifamilienh\u00e4user ann\u00e4-hernd doppelt so viel CO2 pro Quadratmeter gemindert wurde wie in den Geb\u00e4uden mit 3 Wohnungen und mehr.<br \/>\nF\u00fcr die Erstellung von Energiebilanzen gibt es zwei verschiedene Erfassungsmethoden nach der Energieeinsparverordnung, die Bedarfserfassung sowie die Verbrauchserfassung. Analog zur Diskussion um Geb\u00e4udeenergieausweise auf Bedarfs- oder Verbrauchsbasis stellten auch wir uns die Frage, welche der Erfassungsmethoden denn die sinnvollere und zielf\u00fchrende f\u00fcr die Teilnahme am Emissionshandel mit Kleinemittenten aus dem Wohngeb\u00e4udesektor w\u00e4re. Unter der Zielvorgabe, dass durch den Emissi-onshandel Investitionen in die Geb\u00e4udeh\u00fclle und die Anlagentechnik honoriert werden sollen und nicht ein eingeschr\u00e4nktes Benutzerverhalten, kam f\u00fcr uns nur die Bedarfserfassung in Frage. Es k\u00f6nnen sowohl auf der Basis der Verbrauchserfassung als auch der Bedarfserfassung Geb\u00e4udeenergieausweise erstellt, CO2-Bilanzen ermittelt und darauf basierend CO2-Minderungen im Zuge einer Vorher-Nachher-Betrachtung berechnet werden. Auch w\u00e4re  der Verbrauchsausweis mit ca. 60,- Euro vergleichsweise g\u00fcnstig gegen\u00fcber einem Bedarfsausweis mit Kosten von ca. 180,- Euro. Dennoch gab es gute Gr\u00fcnde die Bedarfserfassung der Verbrauchserfassung vorzuziehen. Zum einem h\u00e4tte eine Verbrauchserfassung bedeutet, dass f\u00fcr die Erstellung des Referenzszenarios vor der energetischen Sanierung, die Sanierungsausf\u00fchrung um mindestens ein Jahr verz\u00f6gert worden w\u00e4re. Im Falle des Emissionshandels w\u00fcrde dies ebenfalls zu einer Verz\u00f6gerung der Wertsch\u00f6pfung um die entsprechende Referenzzeit f\u00fchren und den h\u00f6heren CO2-Aussto\u00df verl\u00e4ngern. Im Gegensatz hierzu k\u00f6nnten bei einer Bedarfserfassung die Teilnehmer unverz\u00fcglich mit der Ausf\u00fchrung der energetischen Sanierungma\u00dfnahmen beginnen.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Beraten und mit Abgasen handeln &#8211; Fegen ist nur eine von vielen T\u00e4tigkeiten der Schornsteinfeger, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.10.2006<br \/>\n\tMit Abgas an die B\u00f6rse &#8211; Wer Kohlendioxid-Aussto\u00df verringert, spart und verdient Geld, Hessische\/Nieders\u00e4chsische Allgemeine, 18.06.2007<br \/>\n\tEmissionshandel ganz privat, DBU aktuell Nr.6, Juni 2007<br \/>\n\tHessisches Schornsteinfegerhandwerk &#8211; Woche der Umwelt &#8211; Auf gro\u00dfes Interesse des Fachpubli-kums stie\u00df anl\u00e4sslich der Woche der Umwelt in Berlin im Schlossgarten Bellevue das Pilotprojekt (EmSAG) des hessischen Schornsteinfegerhandwerks, Deutsche Handwerkszeitung, 13.7.2007<br \/>\n\tPilotprojekt (EmSAG) des Hessischen Schornsteinfegerhandwerks bei der Woche der Umwelt in Berlin, Schornsteinfegerhandwerk, 08\/2007<br \/>\n\tSechs Milliarden Emissionsh\u00e4ndler &#8211; [..] Im Projekt zertifizieren Schornsteinfeger CO2-Einsparungen, die Privathaushalte durch Isolierung oder Modernisierung ihrer Heizungsanlage er-zielen. [..], UMWELT kommunale \u00f6kologische Briefe, Nr. 22\/ 31.10.2007<br \/>\n\tBebraner holen hessenweit den zweiten Platz &#8211; [..] Damit belohnte die Jury die Schornsteinfege f\u00fcr den erfolgreichen Verkauf von Emissionsgutschriften zu Gunsten des Klimaschutzes. [..], Hessi-sche\/Nieders\u00e4chsische Allgemeine, 30.11.2007<br \/>\n\tLandesinnungsverband Hessen: Hessisches Schornsteinfegerhandwerk erh\u00e4lt hohe Auszeichnung &#8211; [..] Im Rahmen diese Projektes werden Geb\u00e4ude durch eine vorher-nachher Studie auf ihre ver\u00e4nderte CO2-Bilanz untersucht. [..], Schornsteinfegerhandwerk, 01\/2008<br \/>\n\tKlimaschutz soll sich auszahlen &#8211; [..] Wer seinen Haushalt klimafreundlich ausr\u00fcstet und CO2 einspart, soll k\u00fcnftig auch finanziell davon profitieren. [..], hr-online.de, 28.06.2008<br \/>\n\tPrivater Emissionshandel gefordert &#8211; Wer im eigenen Haushalt CO2 einspart, soll nach dem Willen der hessischen Schornsteinfeger durch privaten Emissionshandel davon profitieren. [..], journal FRANKFURT online, 29.06.2008<br \/>\n\tKlimaschutz soll sich auszahlen &#8211; [..] Hessens Schornsteinfeger wollen Privathaushalte am Emissionshandel beteiligen., tagesschau.de, 29.06.2008<br \/>\n\tKlimaschutz f\u00e4ngt im eigenen Haus an &#8211; W\u00f6rsdorfer erh\u00e4lt Zertifikat f\u00fcr CO2-Minderung \/ 200 Privathaushalte bei Pilotprojekt dabei, Idsteiner Zeitung, 30.06.2008<br \/>\n\tDer H\u00e4uslebauer als Emissionsh\u00e4ndler, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.6.2008<br \/>\n\tKlimaschutz f\u00e4ngt im eigenen Haus an, Main-Rheiner, 30.6.2008<br \/>\n\tEmissionshandel auch f\u00fcr Privathaushalte, Frankfurter Rundschau, 30.6.2008<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Durch die ca. 20 Mio. Wohngeb\u00e4ude mit 38 Mio. Haushalten wurden 2004 in Deutschland inkl. Fern-w\u00e4rme 168 Millionen Tonnen CO2 emittiert, etwas mehr als durch die deutsche Industrie (162,1 Mio. Tonnen). Von der von Wohngeb\u00e4uden emittierten CO2-Menge k\u00f6nnte mehr als die H\u00e4lfte durch energetische Sanierungsma\u00dfnahmen eingespart werden. Um dieses Potential vermehrt zu erschlie\u00dfen, beziehungsweise Impulse hin zu einer Erh\u00f6hung der Umsetzungsraten energetischer Sanierungsma\u00dfnahmen zu setzen, stehen dem Gesetzgeber Instrumente aus drei Bereichen zur Verf\u00fcgung:<br \/>\na) Ordnungspolitische Instrumente (z. B. die Energieeinsparverordnung),<br \/>\nb) Finanzierungsinstrumente (z. B. F\u00f6rderprogramme),<br \/>\nc) Motivations- und Informationsinstrumente (z. B. Energieberatung und Informationskampagnen).<br \/>\nDas Projekt EmSAG baut auf der Tradition des Umweltschutzes des Schornsteinfgerhandwerks auf, f\u00fcgt sich als Glied in den st\u00e4ndigen Wandel der zeitgem\u00e4\u00dfen Aufgabengebiete im Rahmen der neutralen Beratung ein und tr\u00e4gt dem hohen Ausbildungstand innerhalb des Schornsteinfegerhandwerks Rechnung. Der erste Schritt ist mit dem Abschluss des Modellprojektes getan. Wir sind bereit f\u00fcr die praktische Umsetzung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Um der Erderw\u00e4rmung gegenzusteuern, ist in Kyoto vereinbart worden, die CO2-Belastung der Atmosph\u00e4re bis 2012 um 21% zu reduzieren. Die anthropogene CO2-Belastung der Atmosph\u00e4re r\u00fchrt jeweils zu etwa 1\/3 aus dem Bereich der Industrie, dem Verkehr, Haushalten und Kleingewerben her. 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