{"id":23606,"date":"2023-07-27T10:32:05","date_gmt":"2023-07-27T08:32:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/22145-01\/"},"modified":"2023-07-27T10:32:06","modified_gmt":"2023-07-27T08:32:06","slug":"22145-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/22145-01\/","title":{"rendered":"Erweitertes Branchenenergiekonzept Papier"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Ziel des Projektes ist die Erstellung eines Branchenenergiekonzeptes f\u00fcr die Papierindustrie. Dabei werden konkrete Ma\u00dfnahmenkataloge erstellt, die auf Detailanalysen der im Projektverlauf zu untersuchenden Papierfabriken basieren.<br \/>\nDa die Papier erzeugende Industrie der f\u00fcnftgr\u00f6\u00dfte industrielle Energieverbraucher in Deutschland ist, kommt dem Thema Energieeinsparung in dieser Branche eine herausragende Bedeutung zu. Der seit 2005 f\u00fcr Papieranlagen einsetzende Handel mit Emissionsrechten f\u00fchrt nur dann zu dem beabsichtigten rationellen Energieeinsatz, wenn genaue Kenntnisse \u00fcber den Energieeinsatz in den einzelnen Produktionsprozessen vorliegen. Mit dem Projekt soll unter Ber\u00fccksichtigung der branchentypischen Produktionsverfahren und -anlagen ein handlungsanleitendes Energiekonzept erarbeitet und erprobt werden.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDie zu erbringenden Arbeitsschritte umfassen<br \/>\n&#8211;\tdie Datenermittlung durch Frageb\u00f6gen und Unternehmensbefragungen zur Erhebung<br \/>\n       energiewirtschaftlicher Eckdaten und typischer Kennzahlen der Branche<br \/>\n&#8211;\tdie Detailanalyse von f\u00fcnf ausgew\u00e4hlten Unternehmen mit Betriebsuntersuchungen und<br \/>\n       spezifischen Ma\u00dfnahmekatalogen<br \/>\n&#8211;\tdie Ermittlung branchentypischer Kennzahlen als Benchmarks und der Vergleich mit dem<br \/>\n       Ist-Zustand<br \/>\n&#8211;\tdie Erstellung eines Branchenleitfadens mit einer Darstellung von Kennzahlen der<br \/>\n       Papierindustrie, energieintensiven Technologien und M\u00f6glichkeiten zur Steigerung der<br \/>\n       Energieeffizienz bzw. zur Minderung der CO2-Emissionen.<br \/>\n&#8211;\tdie Dokumentation und den Ergebnisstransfer sowie<br \/>\n&#8211;\tdie Durchf\u00fchrung einer Abschlussveranstaltung.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Aufgabe der Vorarbeiten war die Erarbeitung der Grundlagen f\u00fcr das Branchenenergiekonzept und die Ermittlung der \u00fcbergeordneten Branchendaten. Zur besseren Einordnung der Bedeutung des Faktors Energie f\u00fcr die Papierfabriken wurde ein \u00dcberblick \u00fcber die Gr\u00f6\u00dfe und Anzahl der Papierfabriken in Deutschland erstellt. Die deutsche Zellstoff- und Papierindustrie erwirtschaftete im Jahr 2007 einen Umsatz von 16,5 Mrd. \u0080 Euro, bundesweit waren in 154 Betrieben 41.072 Personen besch\u00e4ftigt. Damit z\u00e4hlt Deutschland zum gr\u00f6\u00dften Erzeugerland der Europ\u00e4ischen Union und zum viertgr\u00f6\u00dften weltweit nach den USA, China und Japan. Die durchschnittliche Kostenstruktur des Papiergewerbes in 2006 zeigt, dass die Kosten f\u00fcr den Materialverbrauch mit 55,2 % des Bruttoproduktionswertes den mit Abstand bedeutensten Kostenfaktor ausmachen. Es folgen Personalkosten mit 13,8 %, sowie Abschreibungen mit 6,2 %. Die den Materialkosten zugerechneten Aufwendungen f\u00fcr Energie stellen einen erheblichen Kostenfaktor dar. Sie lagen 2006 bei durchschnittlich 10,9 % des Bruttoproduktionswertes und liegen damit in der gleichen Gr\u00f6\u00dfenordnung wie die Personalkosten. Hieran zeigt sich deutlich, dass dem Produktionsfaktor Energie in der Papier- und Zellstoffindustrie aufgrund der hohen Energieintensit\u00e4t des Herstellungsprozesses gro\u00dfe Bedeutung zukommt. Angesichts des hohen Energiekostenanteils ist die Papierindustrie in besonderem Ma\u00dfe von den Preissteigerungen betroffen, die in den vergangenen Jahren auf den Energiem\u00e4rkten zu beobachten waren. Dies schl\u00e4gt sich auch in der Kostenstruktur der Unternehmen nieder. Die Papier- und Zellstoffindustrie hatte zwischen 2004 und 2006 einen Anstieg des Energiekostenanteils von 8,6 % auf 10,9 % zu verzeichnen. Die im Rahmen einer Umfrage der Arbeitsgemeinschaft BEK befragten Unternehmen der deutschen Papierindustrie gaben hier zum Teil h\u00f6here Werte an.<br \/>\nZur Bewertung der Energieeffizienz von Industriebetrieben werden h\u00e4ufig Standortkennzahlen herangezogen und miteinander verglichen. Derartige Kennzahlen werden z.B. aus den gesamtbetrieblichen Energie-, Produktions- oder Umsatzdaten gebildet. Sie dienen den Betrieben insbesondere zur kontinuierlichen Beobachtung und Kontrolle ihres Energieeinsatzes. Der Vergleich dieser globalen Kennzahlen mit denjenigen anderer Betriebe bietet die M\u00f6glichkeit einer ersten Positionierung eines Betriebes innerhalb seiner Branche. Die Kennzahlen erlauben allerdings keine direkten Aussagen \u00fcber die Produktions- oder Betriebsstrukturen und sie ber\u00fccksichtigen nur bei geeigneter Klassifizierung die Produktpalette der zu vergleichenden Betriebe. Unternehmen mit sehr \u00e4hnlichen Prozessen und Prozessketten k\u00f6nnen aus der Abweichung der Kennzahlen interessante R\u00fcckschl\u00fcsse auf die Energieeffizienz ihrer Betriebe ziehen. F\u00fcr Unternehmen mit sehr unterschiedlicher Stufigkeit bzw. mit unterschiedlichen Prozessketten liefert der Vergleich von Standortkennzahlen ohne Kenntnis der Produktpalette kaum belastbare Aussagen. Das h\u00e4ufig vorgeschlagene so genannte Energiebenchmarking, also der Vergleich der Energieeffizienz eines Betriebes mit dem Besten der Branche, ist daher nur eingeschr\u00e4nkt m\u00f6glich.<br \/>\nIm Branchenleitfaden werden &#8211; unter Ber\u00fccksichtigung ihrer eingeschr\u00e4nkten Aussagekraft &#8211; Energiekennzahlen f\u00fcr ausgew\u00e4hlte Betriebe der Papierindustrie aufgef\u00fchrt. Sie stammen aus der Analyse der Energiedaten von Betrieben der deutschen Papierindustrie. Die bundesweite Umfrage wurde 2006 von der Arbeitsgemeinschaft BEK Papierindustrie durchgef\u00fchrt. Die Energiedaten stammen aus dem Jahr 2005. Insgesamt haben sich 46 Betriebe aus den vier Produktionsschwerpunkten Graphische Papiere, Verpackungspapiere, Hygiene Papiere und Technische Papiere und Pappen an der Befragung beteiligt.<br \/>\nAls Praxisbeispiele dienen Detailerhebungen in ausgew\u00e4hlten Papierfabriken mit den Produktbereichen Hygienepapiere, Wellpappenrohpapiere, altpapierhaltige Spezialpapiere, ungestrichene grafische Papiere sowie gestrichene holzfreie Papiere. Bei den Betriebsanalysen wurden zahlreiche Einsparpotenziale identifiziert, die selbst bei ausschlie\u00dflicher Ber\u00fccksichtigung von Ma\u00dfnahmen mit einem geringen investiven Aufwand und Kapitalr\u00fccklaufzeiten von maximal 3 Jahren zu deutlichen Einsparung beim Endenergieeinsatz f\u00fchren. So konnte durchschnittlich eine Stromeinsparung von 3,6 % mit einer betriebsspezifischen Spannweite von 1,2 bis 8 % erzielt werden. Der W\u00e4rmebedarf lie\u00df sich durchschnittlich um 9,3 %, in den einzelnen Betrieben um 2,2 bis 16,1 % senken. Entsprechend reduzierte sich der Prim\u00e4renergieeinsatz im Durchschnitt der betrachteten Papierfabriken um 6,4 %, f\u00fcr einzelne Betriebe waren Einsparungen von bis zu 8,8 % erreichbar.<br \/>\nDie wesentlichen Ergebnisse des Projektes wurden ausf\u00fchrlich und detailliert in einem Branchenleitfaden dargestellt. Der Branchenleitfaden enth\u00e4lt neben einer kurzen Ausf\u00fchrung der Besonderheiten der Papierfabriken konkrete Vorschl\u00e4ge und M\u00f6glichkeiten zur Energieeinsparung f\u00fcr typische Bereiche wie Stoffaufbereitung, Papiermaschine und Veredelung, aber auch die f\u00fcr Geb\u00e4ude allgemeinen Bereiche, wie W\u00e4rmebereitstellung, Beleuchtung und L\u00fcftung. Anschauliche Praxisbeispiele einzelner Papierfabriken, praktische Vorschl\u00e4ge zur selbst\u00e4ndigen Durchf\u00fchrung von Energieanalysen und zur Einf\u00fchrung eines Energiemanagementsystems in den Papierfabriken und Hilfestellungen zur Finanzierung von Vorhaben und F\u00f6rderungen runden den Leitfaden ab. Die Papierfabriken k\u00f6nnen mit Hilfe des Leitfadens selbst\u00e4ndig z.B. eine erste Energieanalyse durchf\u00fchren, und die Betriebsleitungen der Papierfabriken haben mit dem Branchenleitfaden eine Planungs- und Entscheidungshilfe in energierelevanten Belangen.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Die Projektergebnisse wurden auf unterschiedliche Arten aufbereitet und dokumentiert:<br \/>\nIn einem ausf\u00fchrlichen Branchenleitfaden wurden alle Ergebnisse des Projektes detailliert aufgef\u00fchrt. Mit Hilfe dieser umfangreichen Dokumentation sollen die Papierfabriken und andere Interessierte (Verb\u00e4nde, Industrie- und Handelskammern, Energieberater) ein Beratungsinstrument f\u00fcr die spezifischen Belange der Papierindustrie erhalten. Dieser Branchenleitfaden steht in der Vorabversion unter der Webadresse der EnergieAgentur.NRW (http:\/\/www.energieagentur.nrw.de) zum Download bereit und kann dar\u00fcber hinaus auch bei den Projektpartnern angefordert werden.<br \/>\nDar\u00fcber hinaus wurde eine \u00f6ffentliche Abschlussveranstaltung am 4. Dezember 2008 unter der Teilnahme von 80 Branchenvertretern im NRW-Forum D\u00fcsseldorf durchgef\u00fchrt. Zu Beginn der Projektlaufzeit wurde die Internetpr\u00e4senz www.branchenenergiekonzepte.de geschaffen, auf der jeweils die aktuellen Projektergebnisse eingestellt wurden. Gleichzeitig wurden Teilergebnisse des Projektes in einschl\u00e4gigen Fachzeitschriften ver\u00f6ffentlicht sowie anl\u00e4sslich von Fachtagungen und Ausschusssitzungen von Fachverb\u00e4nden (VdP, VoP, APV) pr\u00e4sentiert.<br \/>\nDie Ergebnisse stehen auch nach Projektabschluss der Fach\u00f6ffentlichkeit zur Verf\u00fcgung. Dazu wird die geschaffene Internetpr\u00e4senz www.branchenenergiekonzepte.de sowie die Homepage der EnergieAgentur.NRW www.energieagentur.nrw.de genutzt.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Die effiziente Energienutzung und der rationelle Umgang mit Ressourcen gewinnt in der Papierindustrie zunehmend an Bedeutung, auch, um national und international wettbewerbsf\u00e4hig zu bleiben.<br \/>\nDie Reaktionsf\u00e4higkeit der einzelnen Papierfabriken auf \u00e4u\u00dfere Einfl\u00fcsse wird in dem Ma\u00dfe ausgepr\u00e4gt sein, in dem sie sich auf die sich ver\u00e4ndernde energiewirtschaftliche und -politische Situation eingestellt haben. Es ist somit eine wichtige Aufgabe, die Verantwortlichen fr\u00fchzeitig mit relevanten Informationen zu versorgen und geeignete Instrumente zur energetischen Optimierung der Produktionsketten bekannt zu machen.<br \/>\nF\u00fcr die Unternehmen der Papier- und Zellstoffindustrie sind daher Konzepte notwendig, welche in systematischer Form bei allen Fragestellungen zum Thema Energie unterst\u00fctzen. Dies beginnt bei der Erfassung und Strukturierung der innerbetrieblichen Energiebedarfs- und Versorgungssituation. Es umfasst weiterhin die Aufdeckung m\u00f6glicher Optimierungspotenziale durch detaillierte Analyse der vorhandenen Situation. Als Konsequenz ergeben sich investive und nicht investive Ma\u00dfnahmen zur Verbesserung der Energieeffizienz bis hin zur Systematisierung des Energiemanagements.<br \/>\nDer Branchenleitfaden unterbreitet den Verantwortlichen sowie den zust\u00e4ndigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern praxisnahe Vorschl\u00e4ge zur Reduzierung des Energieverbrauchs sowie Hilfestellung zur Identifizierung dieser M\u00f6glichkeiten.<br \/>\nDie Kernaussage dieses Branchenleitfadens ist es, dass sich oft bereits ohne hohen investiven Aufwand eine betr\u00e4chtliche Reduzierung des Energiebedarfs realisieren l\u00e4\u00dft. Insbesondere sind bisher noch l\u00e4ngst nicht alle verf\u00fcgbaren Optionen zur Abw\u00e4rmenutzung ausgesch\u00f6pft.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Ziel des Projektes ist die Erstellung eines Branchenenergiekonzeptes f\u00fcr die Papierindustrie. 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