{"id":23580,"date":"2023-09-24T10:32:05","date_gmt":"2023-09-24T08:32:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/22088-01\/"},"modified":"2023-09-24T10:32:07","modified_gmt":"2023-09-24T08:32:07","slug":"22088-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/22088-01\/","title":{"rendered":"Einsatz von Mauerbienen zur Best\u00e4ubung von Obstkulturen (Erarbeitung eines Management-Programms zur Nutzung der Roten Mauerbiene [Osmia bicornis] in Obstplantagen und Kleing\u00e4rten)"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Die deutsche Imkerei steckt seit Jahren in einer schweren Krise. Die Verluste durch Varroa-Milben nehmen weiter zu, nicht zuletzt durch zunehmende Resistenzen gegen markt\u00fcbliche Bek\u00e4mpfungsmittel. Aber auch andere Faktoren, wie Bienenkrankheiten, Verfall des Honigpreises durch Billigimporte nach Deutschland und die \u00dcberalterung des Berufstandes des Imkers sowie drohende Gefahren aus dem Ausland, wie die Verbreitung des Kleinen Beutenk\u00e4fers oder das Ph\u00e4nomen des Colony Collapse Disorders, gef\u00e4hrden die Imkerei zus\u00e4tzlich. Mit dem R\u00fcckgang der Bienenhaltung w\u00e4chst ein Mangel an Best\u00e4ubern f\u00fcr landwirtschaftliche Kulturen. Jahr f\u00fcr Jahr fehlen mehr Best\u00e4uber u. a. in den gro\u00dfen Obstkulturen. Weltweit werden hierf\u00fcr au\u00dfer Honigbienen verschiedene Wildbienen eingesetzt. In Deutschland bietet sich besonders die Rote Mauerbiene hierf\u00fcr an.<br \/>\nZiel des Projektes ist es, die Rote Mauerbiene auf einer kommerziellen Apfelplantage als Best\u00e4uber zu testen, Nisthilfen f\u00fcr den Masseneinsatz zu entwickeln und ein Managementprogramm aufzustellen, welches Obstbauern, Kleing\u00e4rtnern und Imkern erlaubt, ohne gro\u00dfe Vorkenntnisse Mauerbienen als Best\u00e4uber zu nutzen.<br \/>\nDie Obstplantage als Lebensraum f\u00fcr Pflanzen und Tiere und als landschaftspr\u00e4gendes Element stellt an die Herstellung von landwirtschaftlichen Produkten hohe \u00f6kologische Anforderungen f\u00fcr umweltfreundliche Produktionsmethoden. Mit dem Einsatz der Roten Mauerbiene gelingt es, die eigene St\u00e4rke der Natur zu nutzen: Die heimischen, nat\u00fcrlichen Best\u00e4uber werden in einer \u00f6kologisch nachhaltigen Art so genutzt, dass landwirtschaftliche Kulturfl\u00e4chen eine fast nat\u00fcrliche Best\u00e4ubung erhalten.<br \/>\nDa der Aktionsradius eingesetzter Mauerbienen nur wenige hundert Meter betr\u00e4gt, ist kaum mit einer Konkurrenzwirkung auf vorhandene Wildbienen im nat\u00fcrlichen Umfeld des Einsatzortes zu rechnen. Gleichzeitig w\u00fcrde der negative, verdr\u00e4ngende Einfluss von Honigbienen auf Wildbienenpopulationen eingeschr\u00e4nkt werden, was der Diversit\u00e4t unserer heimischen, stark gef\u00e4hrdeten Wildbienenfauna zugute k\u00e4me.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenProjektbereich des Zoologischen Instituts<br \/>\nIm Teilbereich des Zoologischen Instituts waren drei gro\u00dfe Themenschwerpunkte angesiedelt:<br \/>\nEntwicklung von Nisthilfen f\u00fcr Mauerbienen<br \/>\nZiel war es, Nisthilfen zu entwickeln, die von den Mauerbienen sehr gut angenommen werden, dabei eine sehr gute Handhabbarkeit aufweisen, geringen Wartungsaufwand zeigen und m\u00f6glichst kosteng\u00fcnstig sind.<\/p>\n<p>Zucht<br \/>\nW\u00e4hrend der Projektphase sollte anhand der verwendeten Mauerbienen untersucht werden, wie gut eine Zucht der Mauerbienen unter den Bedingungen einer kommerziellen Plantage l\u00e4uft und welche Vermehrungsraten zu erwarten sind.<br \/>\nParasitenbek\u00e4mpfung<br \/>\nIn diesem Teil sollten f\u00fcr alle relevanten Parasiten der Mauerbienen Bek\u00e4mpfungsmethoden entwickelt werden, die einfach aber effektiv eine dauerhafte Bek\u00e4mpfung aller Parasiten in gro\u00dfen Zuchten sicherstellen k\u00f6nnten<br \/>\nBesonders im Bereich Parasitenbek\u00e4mpfung sollte mittels Einsatz von R\u00f6ntgentechnik die Untersuchung der Nester vereinfacht werden.<br \/>\nProjektbereich des Botanischen Instituts<br \/>\nIm Teilbereich des Botanischen Instituts sollten an drei Lehrst\u00fchlen Diplomarbeiten zur Kosten-Nutzen-Analyse,  Akzeptanzanalyse und zur Bl\u00fctenstetigkeit der Mauerbienen erstellt werden.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Projektbereich des Zoologischen Instituts<br \/>\nDas Projekt verlief im Arbeitsbereich des Zoologischen Instituts sehr gut. Die durchgef\u00fchrten Aufgaben liefern planm\u00e4\u00dfig, die Ergebnisse waren bis auf einen Teilpunkt (Besatzdichte je Hektar) aussagekr\u00e4ftig.<\/p>\n<p>Entwicklung der Nisthilfen<br \/>\nIn den ersten zwei Untersuchungsjahren (2006 und 2007) wurden die entwickelten Nisthilfen im Gro\u00dfversuch angewendet. Die Ergebnisse f\u00fchrten zu weiteren Verbesserungen an Nistmaterial und Aufstellungsort. 2008 und im Untersuchungsjahr 2009 (Verl\u00e4ngerungsphase) wurden dann unter Einsatz der endg\u00fcltigen Nisthilfen ausgesprochen gute Ergebnisse in der Zucht der Mauerbienen erreicht.<\/p>\n<p>Parasitenkontrolle<br \/>\n2006 und 2007 wurden aus allen Nisthilfen die Parasiten untersucht und ein System entwickelt, mit dem alle auftretenden Parasiten mit relativ geringem Aufwand auf ein Minimum reduziert werden k\u00f6nnen. Zur Parasitenkontrolle wurde in Zusammenarbeit mit der Universit\u00e4tsklinik Greifswald R\u00f6ntgen-Technik eingesetzt. Das verwendete Verfahren wird im Bericht dargestellt und ist f\u00fcr sp\u00e4tere Forschungen reproduzierbar und leicht anzuwenden.<\/p>\n<p>Auch die Teilbereiche Erfassung des nat\u00fcrlichen Best\u00e4uberpotentials, \u00dcberwinterung, Schlupfdaten, Erh\u00f6hung des Anteils von Weibchen sowie die Versuche zur Exposition der Nisthilfen im Niststand liefen sehr gut.<\/p>\n<p>Der einzige Teilbereich des Zoologischen Aufgabenbereiches, der die gesteckten Ziele nicht erreichen konnte, war die Ermittlung der Besatzdichte an Bienen pro Fl\u00e4che.<br \/>\nZiel war es, in einem Feldversuch mit unterschiedlich hoher Besatzdichte an Mauerbienen genaue Aussagen \u00fcber die Best\u00e4ubungserfolge an \u00c4pfeln zu erhalten. Mit gro\u00dfem Aufwand wurden 2006 &#8211; 2008 mehrere zehntausend Apfelbl\u00fctenst\u00e4nde dazu ausgez\u00e4hlt. Dennoch ergab das Ergebnis kein ausreichendes Bild. Der Grund lag zum einen in dem Aufbau der Apfelplantage (alle paar Reihen wechseln die Apfelsorten und bei leicht schwankendem Bl\u00fchbeginn der Sorten ergibt sich keine homogene Bl\u00fchverteilung auf der Gesamtfl\u00e4che) sowie in der h\u00f6her als angenommenen Flugentfernung, die die Mauerbienen im Projekt zeigten.<br \/>\nSo hat dieser Teilversuch zwar auch Ergebnisse bringen k\u00f6nnen, die erhofften konkreten Zahlen, wie viele Mauerbienen pro Hektar zur Vollbest\u00e4ubung n\u00f6tig sind, bleiben aber aus. Hier muss also weiter auf Richtwerte aus der Literatur zur\u00fcckgegriffen werden.<\/p>\n<p>Projektbereich des Botanischen Instituts<br \/>\nIm Arbeitsbereich Botanik waren drei Diplomarbeiten geplant, um Aussagen zu Bl\u00fctenstetigkeit, Akzeptanz der Obstbauern f\u00fcr eine Nutzung von Mauerbienen sowie die Kosten-Nutzen-Analyse durchzuf\u00fchren.<br \/>\nAlle drei Diplomarbeiten wurden w\u00e4hrend des gesamten Projektzeitraumes durch die verantwortlichen drei Professoren zwar angeboten, leider fand sich jedoch kein Student. Der Arbeitsbereich Bl\u00fctenstetigkeit wurde begonnen, dann aber von der Studentin wieder abgeben und ein anderes Thema bearbeitet.<br \/>\nNach R\u00fccksprache mit den Professoren liegt der Grund darin, dass Studenten, die im Botanischen Institut eine Diplomarbeit schreiben wollen, die von uns angebotenen Themen nicht annahmen, weil diese zu interdisziplin\u00e4r oder bereits zu zoologisch waren. Die Studenten des Fachbereiches Botanik wollen eher eine rein botanische Arbeit schreiben.<\/p>\n<p>Der Arbeitsbereich Bl\u00fctenstetigkeit wurde daraufhin in verkleinerter Form vom Zoologischen Institut mit \u00fcbernommen.<br \/>\nDer Bereich Akzeptanzanalyse entfiel aus dem Projekt.<br \/>\nDie Kosten-Nutzen-Analyse wurde im Zoologischen Institut anhand der eigenen Kostenberechnungen und Literaturdaten gemacht.<\/p>\n<p>Praxispartner<br \/>\nDie Zusammenarbeit mit dem Praxispartner Rostocker Obst GmbH verlief beispielhaft. Bei der Nutzung der Fl\u00e4chen und Bereitstellung aller Informationen und Hilfen gab es nie Probleme. Um den Mauerbienen nicht zu schaden, wurden Spritzungen gef\u00e4hrlicher Pflanzenschutzmittel nur abends durchgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Ziel des Projektes war es, ein Managementprogramm auszuarbeiten, welches Obstbauern, Kleing\u00e4rtnern und Imkern erlaubt, ohne gro\u00dfe Vorkenntnisse Mauerbienen als Best\u00e4uber zu nutzen. Dieses Managementprogramm liegt im Abschlussbericht vor. Nach Abschluss des Projektes soll nun in Absprache mit der DBU dieses Programm \u00f6ffentlich gemacht werden. Geplant ist die Verbreitung als gedruckte Brosch\u00fcre wie auch als PDF-Datei im Internet.<br \/>\nBereits w\u00e4hrend der Laufzeit wurde das Projekt in verschiedenen Medien vorgestellt. Unter anderem wurde in der Wissenschaftsendung Nano dar\u00fcber berichtet. Die Resonanzen auf die Berichterstattung waren allerdings nicht nur positiv. Viele Imker missverstanden das Projekt als Konkurrenzforschung zur Honigbienenimkerei. Tats\u00e4chlich sollte aber gerade der Berufsstand der Imker von den Projekterkenntnissen profitieren, da es vermutlich vor allem Imker sein werden, die in Zukunft Mauerbienen z\u00fcchten und als Best\u00e4uber anbieten werden.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Das wichtigste Ziel des Projektes, die Ausarbeitung eines kompletten Managementprogramms, ist zwar erreicht worden, leider konnten aber nicht alle angestrebten Teilbereiche umgesetzt werden. Der Grund lag darin, dass drei Teilbereiche durch Diplomarbeiten bearbeitet werden sollten, f\u00fcr die zwar die Betreuer zur Verf\u00fcgung standen, jedoch zum Zeitpunkt des Antrages und auch w\u00e4hrend der Projektlaufzeit keine Studenten sich f\u00fcr die Bearbeitung dieser Themen bereit erkl\u00e4rten. Es hat sich damit als sehr unberechenbar f\u00fcr die umzusetzenden Aufgaben erwiesen, Diplomarbeiten einzuplanen.<br \/>\nUm f\u00fcr das Projekt keinen zu gro\u00dfen Verlust zu erleiden, wurden zwei der drei unbearbeiteten Teilfragen zwar vom Zoologischen Institut mitbearbeitet, diese Bearbeitung konnte aber nicht ann\u00e4hernd den Forschungsumfang bieten, welcher daf\u00fcr vorgesehen war.<br \/>\nLeider war es so nicht m\u00f6glich, im Projekt eine Akzeptanzanalyse durchzuf\u00fchren, um herauszufinden, wie gut Mauerbienen in Zukunft von Obstbauern, Kleing\u00e4rtnern und Imkern angenommen werden. Es bleibt zu hoffen, dass die Mauerbienenbest\u00e4ubung bald einen breiten Durchbruch erringen wird und Mauerbienen und Honigbienen in Zukunft deutschlandweit f\u00fcr gute Ernten sorgen werden. Nicht als Konkurrenten, sondern als \u00f6konomisch g\u00fcnstige und erfolgreiche Erg\u00e4nzungen zueinander.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Die deutsche Imkerei steckt seit Jahren in einer schweren Krise. Die Verluste durch Varroa-Milben nehmen weiter zu, nicht zuletzt durch zunehmende Resistenzen gegen markt\u00fcbliche Bek\u00e4mpfungsmittel. Aber auch andere Faktoren, wie Bienenkrankheiten, Verfall des Honigpreises durch Billigimporte nach Deutschland und die \u00dcberalterung des Berufstandes des Imkers sowie drohende Gefahren aus dem [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":0,"featured_media":0,"template":"","meta":{"footnotes":""},"categories":[],"tags":[2422,63,50],"class_list":["post-23580","projektdatenbank","type-projektdatenbank","status-publish","hentry","tag-landnutzung","tag-mecklenburg-vorpommern","tag-naturschutz"],"meta_box":{"dbu_projektdatenbank_az_ges":"22088\/01","dbu_projektdatenbank_medien":"","dbu_projektdatenbank_pdfdatei":"","dbu_projektdatenbank_bsumme":"119.258,00","dbu_projektdatenbank_firma":"Ernst-Moritz-Arndt-Universit\u00e4t GreifswaldZoologisches Institut & MuseumSpezielle Zoologie","dbu_projektdatenbank_strasse":"Johann-Sebastian-Bach-Str. 11\/12","dbu_projektdatenbank_plz_str":"17489","dbu_projektdatenbank_ort_str":"Greifswald","dbu_projektdatenbank_p_von":"2006-01-18 00:00:00","dbu_projektdatenbank_p_bis":"2009-07-31 00:00:00","dbu_projektdatenbank_laufzeit":"3 Jahre und 6 Monate","dbu_projektdatenbank_telefon":"","dbu_projektdatenbank_inet":"","dbu_projektdatenbank_bundesland":"Mecklenburg-Vorpommern","dbu_projektdatenbank_foerderber":"81","dbu_projektdatenbank_ab_bericht":"DBU-Abschlussbericht-AZ-22088.pdf","dbu_projektdatenbank_ist_nachbewilligung_von":"","dbu_projektdatenbank_hat_nachbewilligung":"","dbu_headerimage_cover":"","dbu_submenu":"","dbu_submenu_position":"","dbu_submenu_entry":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank\/23580","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/projektdatenbank"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank\/23580\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":36583,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank\/23580\/revisions\/36583"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=23580"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=23580"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=23580"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}