{"id":23529,"date":"2023-07-13T15:23:35","date_gmt":"2023-07-13T13:23:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/21859-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:23:37","modified_gmt":"2023-07-13T13:23:37","slug":"21859-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/21859-01\/","title":{"rendered":"Modellvorhaben zur Beseitigung von umweltbedingten Sch\u00e4den am Schilfsandstein der St. Matth\u00e4us-Kirche in Melle"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Schilfsandstein des Mittleren Keupers (Trias) ist in Deutschland ein wichtiges Denkmalgestein. Im Gegensatz zum s\u00fcddeutschen Schilfsandstein wurde das entsprechende Steinmaterial Norddeutschlands bisher nur wenig untersucht. Die Zusammensetzung, die Materialeigenschaften und die Kompatibilit\u00e4t mit Konservierungsmitteln sind daher kaum bekannt.<br \/>\nIm Vordergrund steht daher die Nachkontrolle und Evaluierung von fr\u00fcheren Ma\u00dfnahmen. Weiterhin sind umfangreiche Recherchen vorgesehen. Anhand dieser Daten und Erkenntnisse sollen einerseits die an der St. Matth\u00e4uskirche in Melle erforderlichen Erhaltungsma\u00dfnahmen modellhaft geplant und umgesetzt werden. Andererseits sollen diese Daten f\u00fcr die praktische Denkmalpflege Norddeutschlands so aufbe-reitet werden, dass sie zuk\u00fcnftig an den zahlreichen anderen Bau- und Kunstdenkmalen aus Schilfsand-stein im Sinne der Schadensvorsorge und zur Vermeidung von unvertr\u00e4glichen Konservierungs- und Restaurierungsma\u00dfnahmen anwendbar sind.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten Methoden1.\tRecherchen und Untersuchungen zur Charakterisierung des Steinmaterials und zur Evaluierung fr\u00fcherer Ma\u00dfnahmen in Niedersachsen und auch in anderen Bundesl\u00e4ndern:<br \/>\n&#8211;\tErmittlung der gesteins- und materialkundlichen Kenndaten<br \/>\n&#8211;\t\u00dcbersicht der fr\u00fcher und aktuell verwendeten Konservierungsmittel und der Anwendungsstrategien<br \/>\n&#8211;\tZusammenfassung der Erkenntnisse \u00fcber die Wirksamkeit und Nachhaltigkeit fr\u00fcherer Ma\u00dfnahmen<br \/>\n2.\tErprobung und Umsetzung eines modellhaften Erhaltungskonzeptes zur Beseitigung von Umweltsch\u00e4den, zur Substanzerhaltung und Schadensvorsorge am Beispiel der Matth\u00e4uskirche\/Melle<br \/>\n3.\tAufbereitung und Bereitstellung der gewonnenen Erkenntnisse f\u00fcr die Denkmalpflege-Praxis:<br \/>\n&#8211;\tAufnahme der gewonnenen Daten in Datenbanken, insbes. die Materialkundliche Datenbank des ZMK<br \/>\n&#8211;\tF\u00f6rderung des Wissenstransfers zwischen der Projektgruppe und der praktischen Denkmalpflege<br \/>\n&#8211;\tPr\u00e4sentation der Ergebnisse im Rahmen einer Veranstaltung f\u00fcr Fachleute aus Forschung und Praxis.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Materialeigenschaften des norddeutschen Schilfsandstein<br \/>\nDie geowissenschaftliche Literatur zum Schilfsandstein in Norddeutschland wurde systematisch ausgewertet. Zur petrographischen, chemischen und physikalischen Charakterisierung wurden Materialproben entnommen: In Niedersachsen im Raum Hildesheim-Bockenem und Melle-Osnabr\u00fcck sowie in Nordrhein-Westfalen im Raum Vlotho und im Lipper Bergland. Der Schilfsandstein im Raum Osnabr\u00fcck-Melle (sowie auch im Lipper Bergland) zeigt Materialkennwerte eines guten Bausandsteins: hohe Festigkeit (Druckfestigkeit von 70 &#8211; 140 N\/mm\u00b2), geringe kapillare Wasseraufnahme (w-Werte 0,6 &#8211; 1,4 kg\/m\u00b2\/h0,5), niedriger Wasseraufnahmegrad von etwa 3- 5 M.-% und relativ geringe Feuchtedehnung von 1 &#8211; 1,5 mm\/m. Diese Eigenschaften unterscheiden sich deutlich von dem Material im Raum Hildesheim-Bockenem sowie von den \u00fcbrigen Schilfsandstein-Provinzen Deutschlands.<br \/>\nKonservierung und Restaurierung: Untersuchungen zur Wirksamkeit und Dauerhaftigkeit<br \/>\nBei der 2004 erfolgten Instandsetzung am Modellobjekt St. Matth\u00e4uskirche in Melle mussten umfangreiche Steinauswechslungen vorgenommen werden. Der Erhaltungszustand der Bauzier des 13. Jahr-hunderts war relativ gut. Im Gegensatz dazu wies das Mauerwerk der S\u00fcdseite durch Feuchtigkeit und Umwelteinfl\u00fcsse st\u00e4rkste Sch\u00e4den auf. Der Steinaustausch in Meller Schilfsandstein war mangels Verf\u00fcgbarkeit nicht m\u00f6glich. Stattdessen wurde der Abtswinder Schilfsandstein verwendet, der in S\u00fcddeutschland noch abgebaut wird. Als Schutz- und Verschlei\u00dfschicht f\u00fcr die erhaltenswerten Oberfl\u00e4chen wurde eine Kalkschl\u00e4mme auf der Basis von dispergiertem Wei\u00dfkalkhydrat gew\u00e4hlt. Erwartungsgem\u00e4\u00df erweist sich diese Schutzschicht als relativ unbest\u00e4ndig. Sie muss in Intervallen von 5-10 Jahren erneuert werden.<br \/>\nAm Fallbeispiel des Rathauses in Osnabr\u00fcck wurde ein erfreulich guter Zustand festgestellt. Die Konservierung von 1983-85 zeigt eine nur sehr langsam nachlassende Wirksamkeit. Folgesch\u00e4den der fr\u00fcheren Konservierung sind nicht erkennbar und sind auch in Zukunft nicht zu erwarten. &#8211; Am Vergleichsobjekt St. Cosmas und Damian in Gro\u00df D\u00fcngen f\u00fchrte die Nachkontrolle zu einem v\u00f6llig anderen Ergebnis. Die Konservierung und Restaurierung von 1980-83 f\u00fchrte zu einer \u00dcberfestigung der Oberfl\u00e4chen und die hydrophobierende Impr\u00e4gnierung scheint den Prozess der Schalenbildung im Bereich der behandelten Steinoberfl\u00e4chen zu beschleunigen. Der zurzeit noch \u00fcberwiegend intakte Gesamteindruck des Mauerwerks darf daher nicht dar\u00fcber hinwegt\u00e4uschen, dass ein dringender konservatorischer Handlungsbedarf besteht, um die weitere Beschleunigung des Schadensprozesses zu verhindern.<br \/>\nIm Gegensatz zum Meller Schilfsandstein zeigt der Materialtyp Hildesheim-Bockenem eine ausgepr\u00e4gte kapillare Saugf\u00e4higkeit und eine deutlich niedrigere Festigkeit. Infolge von Umwelteinfl\u00fcssen durch Feuchte- und Salzbelastung ist eine starke Entfestigung der Oberfl\u00e4chen und\/oder Schalenbildung mit zunehmender Wasseraufnahme festzustellen. Das bisher noch nicht konservierte Vergleichsobjekt Heilig-Geist-Kapelle in Bockenem zeigt diese Probleme in beispielhafter Weise.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Kurzdarstellung des Projektes im Internet: www.denkmalpflege-niedersachsen.de<br \/>\n&#8211;\tWorkshop am 1.12.2005 in der HAWK\/FH Hildesheim mit bundesweiter Beteiligung;<br \/>\n&#8211;\tStadlbauer, E.: Erhaltung von umweltgesch\u00e4digten Kulturobjekten aus Schilfsandstein in Niedersach-sen. In: (Segers-Glocke, C. (Hrsg.): Ber. zur Denkmalpfl. in Nds., Heft 1\/2004, Seite 26-27, Hameln 2004.<br \/>\n&#8211;\tStadlbauer, E.: Die St. Matth\u00e4uskirche in Melle und das Modellprojekt Schilfsandstein in Niedersachsen. In: Mittelst\u00e4dt, F.-G. (Hrsg.): Der Gr\u00f6negau, Meller Jb 2006, Bd 24, Seite 18 &#8211; 33, Melle 2005.<br \/>\n&#8211;\tStadlbauer, E., Niemeyer, R.: Schadensdiagnose und Erhaltungsma\u00dfnahmen an Bauwerken aus Schilfsandstein im Raum Osnabr\u00fcck und Hildesheim. In: (Segers-Glocke, C. (Hrsg.): Ber. zur Denkmalpflege in Niedersachsen, Heft 4\/2007, Hameln 2007 (im Druck).<br \/>\n&#8211;\tStadlbauer, E., Lepper, J.: Was hat der Meller Schilfsandstein mit dem Bramscher Massiv zu tun? &#8211; Anmerkungen zur Geol. u. Denkmalpflege. In: Mittelst\u00e4dt, F.-G. (Hrsg.): Meller Jb 2008., Bd 26, (im Druck).<br \/>\n&#8211;\tAufnahme der Ergebnisse in die Materialkundl. Datenbank des ZMK (www.zmk-hannover.de)<br \/>\n&#8211;\tweitere Pr\u00e4sentationen und Ver\u00f6ffentlichungen geplant.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Im Gegensatz zum Schilfsandstein im Raum Hildesheim (und im \u00fcbrigen Deutschland) zeigt der Schilfsandstein im Raum Melle-Osnabr\u00fcck meist gute Bausandsteineigenschaften mit einer hohen Verwitterungsresistenz. Die Wiedergewinnung des Meller Steins w\u00e4re aus Sicht der Bauwerkserhaltung und Denkmalpflege in ganz Deutschland w\u00fcnschenswert, erscheint aber kaum realisierbar.<br \/>\nDer Konservierungsbedarf in Bezug auf die Festigung, Quellminderung und den Feuchteschutz von Schilfsandstein im Raum Melle-Osnabr\u00fcck unterscheidet sich grundlegend von demjenigen in den anderen Schilfsandstein-Gegenden. Empfehlenswert ist in jedem Fall ein material- und denkmalvertr\u00e4glicher Oberfl\u00e4chenschutz. Ob dieser Schutz als Lasur, Anstrich, Schl\u00e4mme oder Putz ausgef\u00fchrt wird, muss anhand objektspezifischer Erfordernisse entschieden werden<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Schilfsandstein des Mittleren Keupers (Trias) ist in Deutschland ein wichtiges Denkmalgestein. Im Gegensatz zum s\u00fcddeutschen Schilfsandstein wurde das entsprechende Steinmaterial Norddeutschlands bisher nur wenig untersucht. Die Zusammensetzung, die Materialeigenschaften und die Kompatibilit\u00e4t mit Konservierungsmitteln sind daher kaum bekannt. Im Vordergrund steht daher die Nachkontrolle und Evaluierung von fr\u00fcheren Ma\u00dfnahmen. 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