{"id":23525,"date":"2025-06-25T10:32:20","date_gmt":"2025-06-25T08:32:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/21849-01\/"},"modified":"2025-06-25T10:32:20","modified_gmt":"2025-06-25T08:32:20","slug":"21849-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/21849-01\/","title":{"rendered":"Sicherung eines Vorrangfl\u00e4chennetzes f\u00fcr den Naturschutz durch Kooperation zwischen Regionalplanung, Gewerbe und Naturschutz &#8211; Ein Modellprojekt am Beispiel des S\u00fcdraumes Leipzig"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Im Projekt ReNat ging es um die innovative Verkn\u00fcpfung von zwei Naturschutzthemen:<\/p>\n<p>Naturschutz in anthropogen stark ver\u00e4nderten Landschaften:<br \/>\nDie Bergbaufolgelandschaft im S\u00fcdraum Leipzig ist ein Beispiel f\u00fcr eine Landschaft, in der sich in der Folge einer nahezu vollst\u00e4ndigen anthropogenen Landschafts\u00fcberformung Fragen f\u00fcr die weitere Entwicklung von Natur und Landschaft stellen. Ein Schwerpunkt dabei ist die Vernetzung von verinselten naturschutzfachlich hochwertigen Fl\u00e4chen sowohl untereinander als auch mit der umgebenden gewachsenen Landschaft zur Entwicklung eines Biotopverbunds.<\/p>\n<p>Umsetzung von Naturschutzma\u00dfnahmen in Fl\u00e4chenpools und durch Fl\u00e4chenagenturen:<br \/>\nDas Instrument Fl\u00e4chenpool wurde bisher nicht in der Tagebaufolgelandschaft erprobt und kam auch in Sachsen bisher nur vereinzelt zur Anwendung. Somit waren die fachlichen und organisatorischen Voraussetzungen f\u00fcr den Aufbau einer Fl\u00e4chenagentur zu schaffen und &#8211; soweit bereits m\u00f6glich &#8211; die Agenturt\u00e4tigkeit in der Praxis zu erproben. Eine Fl\u00e4chenagentur soll als zentraler Ansprechpartner f\u00fcr Investoren durch die Vermittlung von geeigneten Kompensationsfl\u00e4chen einen ma\u00dfgeblichen Beitrag zum regionalen Biotopverbund und zur Nutzung naturschutzfachlicher Potenziale der Tagebaufolgelandschaft leisten. Um dies zu erreichen, soll ein Fl\u00e4chenpool entwickelt werden, aus dem Vorhabenstr\u00e4gern und Investoren umsetzungsreife Kompensationsma\u00dfnahmen mit Schwerpunkt Biotopverbund in der Tagebaufolgelandschaft und den angrenzenden Fl\u00e4chen vermittelt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDie Projektbearbeitung erfolgt in zwei Phasen. In der ersten, einj\u00e4hrigen Projektphase erfolgt eine umfassende Kl\u00e4rung der organisatorischen und finanziellen Voraussetzungen zur Errichtung einer Fl\u00e4chenagentur in der Modellregion S\u00fcdraum Leipzig. Dieser Arbeitschritt wird vom UFZ, Department Naturschutzforschung, bearbeitet und beinhaltet u. a. eine Analyse der Anforderungen von verschiedenen regionalen Akteuren an das Instrument Fl\u00e4chenagentur, die Zusammenf\u00fchrung und Aufbereitung der f\u00fcr die Modellregion verf\u00fcgbaren, relevanten Umweltinformationen und die Erarbeitung von konkreten Vorschl\u00e4gen zur Organisationsform der geplanten Fl\u00e4chenagentur durch Einbindung in bereits existierende regionale Tr\u00e4gerstrukturen. Durch das I\u00d6R wird im ersten Jahr der Bedarf f\u00fcr Kompensationsma\u00dfnahmen ermittelt. Potenzielle Kompensationsfl\u00e4chen werden zusammengestellt sowie auf ihre Verf\u00fcgbarkeit hin gepr\u00fcft. Parallel werden die Grundlagen gelegt, um die Einhaltung von Mindeststandards bez\u00fcglich Aufwertungsf\u00e4higkeit und -bed\u00fcrftigkeit von Kompensationsfl\u00e4chen in der Bergbaufolgelandschaft und f\u00fcr eine Biotopverbundplanung zu gew\u00e4hrleisten. Von \u00d6KON werden erste Grundlagen f\u00fcr die Erarbeitung von zielgerichteten Entwicklungs- und Aufwertungsma\u00dfnahmen erarbeitet. Die Ergebnisse werden zum Abschluss dieser ersten Phase auf einem Status-Seminar vorgestellt. Unter Einbeziehung der potenziellen Nutzer einer Fl\u00e4chenagentur, Akteuren aus dem administrativen und ehrenamtlichen Naturschutz sowie Vertretern von anderen Fl\u00e4chenagenturen sollen die bislang erzielten Ergebnisse im Hinblick auf die Erfolgsaussichten f\u00fcr die in der zweiten Projektphase geplanten Umsetzung der Fl\u00e4chenagentur beurteilt werden.<br \/>\nIn der anschlie\u00dfenden zweij\u00e4hrigen Projektphase liegt ein Schwerpunkt auf der Gr\u00fcndung der Fl\u00e4chenagentur. Da die in den Zielen dargestellte Erprobung und Etablierung einer Fl\u00e4chenagentur aufgrund landesweiter Bestrebungen zur Fl\u00e4chenagenturgr\u00fcndung mit dem Zeitplan des Antrags nicht zusammengeht, wird der Schwerpunkt am UFZ verst\u00e4rkt auf die Ableitung von Kompensationsma\u00dfnahmen und Entwicklung von potenziellen Fl\u00e4chenpools gelegt. F\u00fcr die Etablierung der sich gr\u00fcndenden Fl\u00e4chenagentur in der Modellregion werden potenzielle Nutzer, also Investoren und Gemeinden, bei der Planung von Kompensationsma\u00dfnahmen begleitet.<br \/>\nDie Auswahl priorit\u00e4rer und aufwertungsbed\u00fcrftiger R\u00e4ume f\u00fcr die Entwicklung von Fl\u00e4chenpools erfolgt sowohl unter Anwendung des Verfahrens der multikriteriellen Landschaftsbewertung und -optimierung als auch anhand der Recherche des Handlungsbedarfes beim Biotopverbund. Die Ableitung von Kompensationsma\u00dfnahmen in den ausgew\u00e4hlten Bereichen erfolgt einerseits anhand des Kompensationsbedarfes f\u00fcr den S\u00fcdraum Leipzig sowie der Aufwertungsf\u00e4higkeit von Tagebaufolgefl\u00e4chen und orientiert sich an den M\u00f6glichkeiten und Grenzen des funktionalen und r\u00e4umlichen Zusammenhangs von Eingriff und Kompensation. Anderseits werden aufbauend auf den Ergebnissen der Biotopverbundplanung f\u00fcr den S\u00fcdraum Leipzig geeignete Biotopverbundma\u00dfnahmen auf ihre Machbarkeit hin analysiert. Des Weiteren wird die \u00dcbertragbarkeit des Fl\u00e4chenpoolkonzeptes auf andere degradierte Lebensr\u00e4ume \u00fcberpr\u00fcft.<br \/>\nDes Weiteren erfolgt vom UFZ eine Pr\u00fcfung, inwieweit auch Vorleistungen im Rahmen eines \u00d6kokontenmodells m\u00f6glich sind und welche M\u00f6glichkeiten f\u00fcr die Sicherung von unrekultivierten Sukzessionsfl\u00e4chen im Rahmen eines Fl\u00e4chenpoolkonzeptes bestehen. Das I\u00d6R sorgt in dieser Phase f\u00fcr eine kontinuierliche Aktualisierung der relevanten Umweltinformationen in einem GIS, einschlie\u00dflich der Erstellung eines detaillierten Kompensationsfl\u00e4chenkatalogs. Von \u00d6KON werden f\u00fcr die verf\u00fcgbaren Kompensationsfl\u00e4chen zielorientierte Entwicklungs- und Aufwertungsma\u00dfnahmen entwickelt, wobei gleichzeitig auch Priorit\u00e4ten f\u00fcr die Umsetzung festgelegt werden. Ebenso wird ein Verfahren zur Erfolgskontrolle erarbeitet.<br \/>\nIm Rahmen einer engen Kooperation zwischen wissenschaftlichen Einrichtungen, Regionalplanung, Fl\u00e4cheneigent\u00fcmern und m\u00f6glichen Investoren werden modellhaft Vorschl\u00e4ge und L\u00f6sungsans\u00e4tze erprobt, wie die Eingriffsregelung genutzt werden kann, um organisatorische und finanzielle Probleme bei der Aufwertung von biotop- und standortbezogenen Funktionen in Bergbaufolgelandschaften zu l\u00f6sen. Durch das gezielte Ausnutzen von Synergieeffekten und die Entwicklung umsetzungsf\u00e4higer Fl\u00e4chenpools im zeitlichen Vorlauf tr\u00e4gt diese Vorgehensweise au\u00dferdem dazu bei, die Planungssicherheit f\u00fcr Investoren zu erh\u00f6hen und einen Standortvorteil f\u00fcr die Ansiedlung von Gewerbe in der Region zu schaffen.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>In die Bilanzierung des potenziellen Kompensationsbedarfs wurden alle Vorhaben einbezogen, die derzeit noch nicht realisiert oder genehmigt sind und f\u00fcr die bereits auf Bauleitplanungsebene fl\u00e4chenkonkrete Nutzungsabsichten bekannt sind. Im Ergebnis dieser Auswertung ist eine Auflistung des Gesamtbedarfes nach Vorhabenstypen f\u00fcr die n\u00e4chsten 5 &#8211; 10 Jahre, ihre funktionsbezogene Bilanzierung und eine Einsch\u00e4tzung zum planexternen Kompensationsbedarf erfolgt.<br \/>\nEs konnte die generelle Eignung von Fl\u00e4chen der Bergbaufolgelandschaft f\u00fcr Kompensationsma\u00dfnahmen nachgewiesen werden, indem das Entwicklungspotenzial f\u00fcr elf Naturhaushalts- und Landschaftsfunktionen in diesen R\u00e4umen ermittelt und bewertet wurde.<br \/>\nNeben der aufgef\u00fchrten Methode zur Recherche von aufwertungsbed\u00fcrftigen R\u00e4umen f\u00fcr die Entwicklung von Fl\u00e4chenpools wurden dem Projektteam von verschiedensten Institution, insbesondere der S\u00e4chsischen Landesstiftung Natur und Umwelt (LaNU) potentielle Fl\u00e4chen angetragen. F\u00fcr drei unterschiedliche Bereiche des S\u00fcdraumes wurden Fl\u00e4chenpools entwickelt: Bergbaufolgelandschaft, gewachsene Landschaft und Einzelfl\u00e4chen in der nahen Umgebung zu Schutzgebieten.<br \/>\nF\u00fcr das Fl\u00e4chenpoolgebiet Witznitz, als Beispiel f\u00fcr ein Gebiet der Bergbaufolgelandschaft, liegt ein umsetzungsf\u00e4higes Konzept mit einer detaillierten und abgestimmten Ma\u00dfnahmenplanung vor. Es erfolgte zeitnah die Abstimmung mit der Agrargenossenschaft Kahnsdorf \u00fcber Ma\u00dfnahmetypen und Fl\u00e4chenzuschnitte sowie die Einbringung dieser in das laufende Flurneuordnungsverfahren. F\u00fcr weitere Gebiete wurden Konzepte entwickelt, deren Abstimmung und Umsetzung bei Bedarf jederzeit beginnen kann. Es wurde eine Checkliste der wichtigsten Arbeitsschritte zur Entwicklung von Kompensationsfl\u00e4chenpools zusammengestellt, die auch f\u00fcr andere Poolgebiete mit Anpassungen an regionale und projektspezifische Gegebenheiten angewendet werden kann. Eine eigene Konzeption zur Erfolgskontrolle von Biotopverbundma\u00dfnahmen in Fl\u00e4chenpools wurde beispielhaft im Rahmen der Ausf\u00fchrungsplanung f\u00fcr das Fl\u00e4chenpoolgebiet Witznitz erarbeitet.<br \/>\nF\u00fcr das Ziel der Sicherung des Kernbestands naturschutzfachlich hochwertiger Fl\u00e4chen der Bergbaufolgelandschaft vor Ver\u00e4nderungen ist es praktikabel, das diese Fl\u00e4chen durch die LaNU mittels Grunderwerb gesichert werden. Da diese M\u00f6glichkeit nicht f\u00fcr alle wertvollen Fl\u00e4chen besteht, wird empfohlen &#8211; falls realisierbar &#8211; direkt angrenzende Fl\u00e4chen, durch Kompensationsma\u00dfnahmen zu verbessern. Zum einen k\u00f6nnen negative Auswirkungen angrenzender Nutzungen minimiert werden und zum anderen ein indirekter Schutz vor Nutzungs\u00e4nderung erzielt werden, indem die angrenzenden aufgewerteten Fl\u00e4chen im Kompensationsfl\u00e4chenkataster gesichert werden.<br \/>\nW\u00e4hrend der Projektbearbeitung wurde deutlich, dass das Thema Fl\u00e4chenagentur in Sachsen nicht allein im S\u00fcdraum Leipzig und durch das Projekt ReNat verfolgt wurde. So wurde im S\u00e4chsischen Staatsministerium f\u00fcr Umwelt und Landwirtschaft (SMUL) w\u00e4hrend der Entwicklung zur S\u00e4chsischen \u00d6kokonto- Verordnung dar\u00fcber diskutiert, auf welche Weise die Vermittlung von Ma\u00dfnahmen in Pools erfolgen soll und ob bzw. welche Vorgaben durch das Land f\u00fcr die Einrichtung einer oder mehrerer Fl\u00e4chenagenturen zu machen seien. Das Projekt-Team war an diesen Diskussionen beteiligt.<br \/>\nIm September 2008 fand die offizielle Gr\u00fcndungsveranstaltung der S\u00e4chsischen Landsiedlungs GmbH und der LaNU zur S\u00e4chsische \u00d6kofl\u00e4chen-Agentur (S\u00d6KA) statt. Beide Institutionen waren Kooperationspartner des Projekts, mit denen ein intensiver Austausch stattfand. Das erste vermittlungsreife Gebiet der S\u00d6KA ist der Fl\u00e4chenpool Witznitz.<br \/>\nDas Projekt ReNat diente dem wissenschaftlichen Forschungsprojekt ALIVE als Studienobjekt. Es wurden drei Qualifizierungsarbeiten im Projektverlauf angefertigt.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Insgesamt befinden sich zum Ende des Projekts drei Publikationen zu verschiedenen Aspekten in Bearbeitung. Das Projekt wurde auf verschiedenen Veranstaltungen im Herbst 2008 pr\u00e4sentiert und seine Ergebnisse diskutiert, so auf der Gf\u00d6-Jahrestagung, auf einer Tagung des Bundesverbandes der Fl\u00e4chenagenturen (BFAD) und auf der Jahrestagung der AG Bergbaufolgelandschaften. Es fanden mehrere Arbeitskreise statt, auf denen die regionalen Akteure \u00fcber den Projektstand informiert wurden.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Die formulierten Ziele sind gr\u00f6\u00dftenteils erreicht worden. W\u00e4hrend der Projektlaufzeit hat sich die S\u00e4chsische \u00d6kofl\u00e4chen-Agentur (S\u00d6KA) gegr\u00fcndet, welche &#8211; nicht nur im S\u00fcdraum Leipzig &#8211; sondern im gesamten Freistaat Sachsen t\u00e4tig ist. Das im Projekt erarbeitete umsetzungsf\u00e4hige Konzept f\u00fcr den Fl\u00e4chenpool Witznitz wurde von der S\u00d6KA als erstes vermittlungsreifes Poolangebot pr\u00e4sentiert. In Zusammenarbeit mit den Tr\u00e4gern der Fl\u00e4chenagentur wurde eine Zusammenstellung der Ma\u00dfnahmen erarbeitet, die besonders geeignet f\u00fcr die Entwicklung des Biotopverbunds sind. Damit soll der landesweite Aufbau weiterer Fl\u00e4chenpoolangebote f\u00fcr den Biotopverbund bef\u00f6rdert werden. Das gr\u00f6\u00dfte Hemmnis f\u00fcr die Etablierung weiterer Fl\u00e4chenpools w\u00e4hrend der Projektlaufzeit im Projektgebiet war die Fl\u00e4chenverf\u00fcgbarkeit. Diese d\u00fcrfte sich verbessern, wenn durch positive Ergebnisse der Poolma\u00dfnahmen in Witznitz auch weiteren Fl\u00e4cheneigent\u00fcmern und -nutzern die Vorteile von Fl\u00e4chenpools vermittelt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Im Projekt ReNat ging es um die innovative Verkn\u00fcpfung von zwei Naturschutzthemen: Naturschutz in anthropogen stark ver\u00e4nderten Landschaften: Die Bergbaufolgelandschaft im S\u00fcdraum Leipzig ist ein Beispiel f\u00fcr eine Landschaft, in der sich in der Folge einer nahezu vollst\u00e4ndigen anthropogenen Landschafts\u00fcberformung Fragen f\u00fcr die weitere Entwicklung von Natur und Landschaft stellen. 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