{"id":23513,"date":"2023-07-13T15:23:35","date_gmt":"2023-07-13T13:23:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/21803-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:23:35","modified_gmt":"2023-07-13T13:23:35","slug":"21803-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/21803-01\/","title":{"rendered":"Modellhafte Mazerationssanierung an umweltgesch\u00e4digten H\u00f6lzern der St. Stephanskirche zu Tangerm\u00fcnde (Sachsen-Anhalt)"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Nicht nur die Gesundheitsgef\u00e4hrdungen, die beim direkten Kontakt mit Bauteilen, die mit Holzschutzmitteln belastetet sind und die Feinstaubbelastung in kontaminierten R\u00e4umen sondern auch die konstruktive Zerst\u00f6rung der H\u00f6lzer durch Mazeration (chemische Korrosion) stellen ein enormes Problem insbe-sondere bei der Erprobung geeigneter Sanierungsm\u00f6glichkeiten dar. Gegenw\u00e4rtig werden in der Praxis mehrere Mittel und Methoden zur Mazerationssanierung angeboten und angewendet. Allerdings gibt es keine eindeutigen Aussagen \u00fcber die Langzeitwirkung der Mittel bez\u00fcglich der Gesundheitsvertr\u00e4glichkeit und der Auswirkungen auf die behandelten H\u00f6lzer bzw. die chemischen Reaktionen mit den Inhaltsstoffen der eingetragenen Holzschutz- oder Flammschutzmittel (HSM\/FSM). F\u00fcr das s\u00fcdliche Querhaus der St. Stephanskirche ist die exemplarische Gegen\u00fcberstellung verschiedener Sanierungsmethoden sowie eine langfristige Beobachtung und Dokumentation der Auswirkungen geplant. Ziel der Beobachtung ist die langfristige Kontrolle der behandelten Oberfl\u00e4chen sowie die \u00dcberpr\u00fcfung der aufgebrachten Wirkstoffe auf ihre Best\u00e4ndigkeit. In diesem Zusammenhang sind der Feuchtehaushalt, das optische Erschei-nungsbild des Holzes sowie der Chemismus der Schadstoffe wesentliche Einflussgr\u00f6\u00dfen, die R\u00fcckschl\u00fcsse auf das Fortschreiten der Holzmazeration zulassen.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenGrundlage der Mazerationssanierung waren die Recherche und Dokumentation zur Anwendung von HSM\/FSM zwischen 1900 und 2003 in der St. Stephanskirche sowie die genaue chemische Analyse der eingetragenen Substanzen. Dazu wurde f\u00fcr die Dachverbandsh\u00f6lzer eine labortechnische quantitative Nachweisf\u00fchrung auf vorhandene chemische Eintr\u00e4ge in Auftrag gegeben. Zur Konkretisierung der Laborergebnisse der AUBA Berlin wurden Scheiben eines Balkenendes zur Herstellung von Probek\u00f6rpern entnommen sowie Bohrkerne zur mikroskopischen Untersuchung\/Tiefenanalyse gezogen. Zus\u00e4tzlich wurden Mischproben des Dachtragwerkes sowie M\u00f6rtel- und Ziegelproben f\u00fcr eine Tiefenanalyse eingereicht.<br \/>\nInhalte der Qualifizierung der Holzbaufirma im Bereich der Mazerationssanierung waren zun\u00e4chst die Ursachen und das Schadensbild der chemischen Korrosion des Holzes, das weitere Vorgehen beim Erkennen von Mazerationserscheinungen, die Bewertung der Ergebnisse der chemischen Analyse, Technische Vorschriften und Personenschutz sowie unterschiedliche Verfahren der Holzsanierung. Nachdem die statisch-konstruktive Sanierung weitgehend abgeschlossen und das s\u00fcdliche Querhaus durch eine Staubschutzwand vom restlichen Kirchenschiff abgetrennt war, erfolgte der zweite Teil der theoretischen Qualifizierung zur Thematik der chemischen Zusammenh\u00e4nge und Reaktionen bei der Behandlung von H\u00f6lzern mit HSM\/FSM sowie zu den Voraussetzungen, die eine chemische Holzkorrosion beg\u00fcnstigen. Anschlie\u00dfend begann die praktische Qualifizierung mit dem Ausf\u00fchren unterschiedlicher Reinigungsmethoden (Abb\u00fcrsten per Handb\u00fcrste, Absaugen mit speziellen Industriestaubsaugern). Nach dem Erl\u00e4utern der Applikationsvorschriften der Saniermittel erfolgte das Aufstreichen von HASIL und KORASIT an den festgelegten Gebindeteilen. Ein Gesp\u00e4rre bleibt als Referenzbauteil unbehandelt.<br \/>\nHolzfeuchtemessungen mittels GANN Hydromette (klassische Leitf\u00e4higkeitsmessung) sowie zerst\u00f6rungsfrei, mittels Mikrowellenmessger\u00e4t an Alth\u00f6lzern und zum Vergleich an neu eingebauten H\u00f6lzern wurden im Juni 05, November 05 und M\u00e4rz 06 durchgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Archivrecherche: Im Kirchenarchiv St. Stephan Tangerm\u00fcnde besteht eine fast l\u00fcckenlose Aktenlage. Ein Journal, der Kirchenkasse im KiA Tangerm\u00fcnde sowie ein dazu passendes Schreiben des Preu\u00dfischen Staatshochbauamtes Stendal f\u00fcr das Jahr 1943 belegen, dass 1943 im Zusammenhang mit Luft-schutzma\u00dfnahmen am Stendaler Dom auch der Dachstuhl von St. Stephan Tangerm\u00fcnde mit dem Flammschutzmittel F.M.I. behandelt werden sollte. Es ist davon auszugehen, dass diese Behandlung tats\u00e4chlich stattgefunden hat. F\u00fcr die Zeit nach 1945 gibt es keine Hinweise auf eine von anderer Stelle angeordnete Holzschutzbehandlung.<br \/>\nChemische Analyse: Laut Pr\u00fcfbericht der AUBA, Berlin vom 17.06.2003 sind analog des n\u00f6rdlichen Querhauses erhebliche Mengen von Fluoriden, Phosphaten und insbesondere von Sulfaten ermittelt worden. Im Gegensatz zum n\u00f6rdlichen Querhaus, wo die Konstruktion \u00fcberwiegend aus Eichenh\u00f6lzern besteht und deshalb deutliche Anzeichen der Holzkorrosion im gesamten Querhaus erkennbar waren, sind im s\u00fcdlichen Querhaus vorwiegend \u00fcber dem Archiv Sch\u00e4den durch Mazeration an den vorhande-nen Holzbauteilen aus Nadelholz vorzufinden. Die Ergebnisse der mikroskopischen Tiefenanalyse durch das Labor Marx haben die Ergebnisse der AUBA best\u00e4tigt.<br \/>\nHolzfeuchtemessung vom 31.05.2005: Die mit einer Hydromette der Fa. Gann vorgenommenen Feuchtigkeitsmessungen am Altholz ergaben bei korrekter Einstellung von Holzart und Temperatur beim Altholz Messwerte zwischen 20 und 24 % relativer Holzfeuchte. Das zur Stabilisierung eingebaute neue H\u00e4ngewerk zeigte dagegen Werte um 14%. Vom IDK Halle wurden mit einem Mikrowellenmessger\u00e4t Kontrollmessungen vorgenommen. Beim neuen Holz zeigte sich bei der Oberfl\u00e4chenmessung eine ge-naue \u00dcbereinstimmung der Messwerte. Dagegen zeigen die Messwerte des Altholzes extreme Differen-zen. Hier wurden Holzfeuchtigkeiten gemessen, die dem neu eingebauten Holz gleichen.<br \/>\nDie Ursache f\u00fcr die h\u00f6here Ausgleichsfeuchte in den behandelten H\u00f6lzern k\u00f6nnte in den hygroskopischen Eigenschaften der Salze liegen, mit denen die Probeh\u00f6lzer 1 und 2 behandelt wurden. Bei ansteigender relativer Luftfeuchte im Umfeld der Musterachsen, k\u00f6nnten die Salze hygroskopisch Feuchtigkeit einlagern, die zum Ansteigen der Ausgleichsfeuchte in den Bohrl\u00f6chern f\u00fchrt. Um diese Abh\u00e4ngigkeit zu erforschen, werden die Sorptionsisothermen der behandelten H\u00f6lzer sowie des unbehandelten Ver-gleichsst\u00fcckes ermittelt. Neben den Messungen der Ausgleichsfeuchte und Temperaturen in den Probe-fl\u00e4chen wurde das Raumklima im Umfeld der Musterfl\u00e4chen erfasst. Insgesamt reicht aber der Messzyk-lus von einem Dreivierteljahr noch nicht aus, abschlie\u00dfende Aussagen zu treffen. Die Beobachtungen m\u00fcssen, wie es im DBU-Projekt ausdr\u00fccklich festgelegt ist, vom IDK in einem Monitoring \u00fcber mehrere Jahre fortgesetzt werden, um zu g\u00fcltigen Ergebnissen zu gelangen.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Projekt begleitend wurde eine Fotodokumentation \u00fcber die einzelnen Arbeitsschritte und Sanierungspha-sen erstellt. Weiterhin wurde der Abschlussbericht sowie ein Informationsplakat zu diesem Bauabschnitt, welches im Kirchenraum ausgestellt werden soll \u00fcbergeben. Die Zug\u00e4nglichkeit des Objektes war auch w\u00e4hrend der Sanierung zu besonderen Anl\u00e4ssen in Form von F\u00fchrungen durch den Dachraum gew\u00e4hr-leistet. So konnten wir Herrn T\u00f6pfer (BDU) im Rahmen seiner Projektrundreise am 13.05.05 in Tangerm\u00fcnde begr\u00fc\u00dfen, um ihm den Werdegang der Sanierungsma\u00dfnahmen an der St. Stephanskirche dar-zustellen. Im Rahmen organisierter F\u00fchrungen und Pr\u00e4sentationen f\u00fcr unterschiedliche Institutionen, Stif-tungen, Verb\u00e4nde und Vereine wird das Projekt einer breiten \u00d6ffentlichkeit vorgestellt.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Aufgrund der Einbindung einer zentralen Projektleitung in die Gesamtma\u00dfnahme konnten sowohl die notwendigen Vorbereitungsma\u00dfnahmen als auch das kontinuierliche Zusammenwirken aller Partner und die Koordination des Sanierungsablaufes erfolgreich gestaltet werden. Durch die Kombination von Qualifizierungs- und Sanierungsma\u00dfnahme im Bereich der Zimmererarbeiten \/ Mazerationssanierung wurde eine sehr gute Ausf\u00fchrungsqualit\u00e4t erreicht. Die teilnehmenden Baufacharbeiter, die Bauleitung sowie die Projektpartner bef\u00fcrworteten besonders die Praxisn\u00e4he, das hohe Niveau der Qualifizierung insgesamt so-wie die zeitlich gute Abstimmung der einzelnen Sanierungsschritte von der Planung bis hin zur Ausf\u00fchrung. Im Verlauf des Projektes er\u00f6ffneten sich weitere Bereiche, in denen eine Qualifizierung m\u00f6glich w\u00e4re. Der Vorschlag des DFWZ QLB, die Projektinhalte des 4. Bauabschnittes auf die Qualifizierung von Auszubildenden im Zimmererhandwerk zu konzentrieren, wurde von allen Projektpartnern als umsetzbar und sehr gut befunden. Die notwendigen Vorabstimmungen mit der Handwerkskammer, der Berufsschule und den jeweiligen Ausbildungsbetrieben sowie die Umsetzungsmodalit\u00e4ten werden vom DFWZ QLB in Zusammenarbeit mit den Projektpartnern durchgef\u00fchrt. Eine \u00dcbertragung des Gesamtkonzeptes auf weitere Projekte ist in entsprechend angepasster Form m\u00f6glich und w\u00fcnschenswert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Nicht nur die Gesundheitsgef\u00e4hrdungen, die beim direkten Kontakt mit Bauteilen, die mit Holzschutzmitteln belastetet sind und die Feinstaubbelastung in kontaminierten R\u00e4umen sondern auch die konstruktive Zerst\u00f6rung der H\u00f6lzer durch Mazeration (chemische Korrosion) stellen ein enormes Problem insbe-sondere bei der Erprobung geeigneter Sanierungsm\u00f6glichkeiten dar. 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