{"id":23486,"date":"2023-07-13T15:23:28","date_gmt":"2023-07-13T13:23:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/21687-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:23:30","modified_gmt":"2023-07-13T13:23:30","slug":"21687-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/21687-01\/","title":{"rendered":"Beispielhafter Erhalt von Putzoberfl\u00e4chen zur Wiederverwendung der historischen Flughafengeb\u00e4ude K\u00f6ln-Butzweilerhof im Sinne von Ressourcenschonung"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Der fr\u00fchere Reichsluftschiffhafen Coeln wurde 1909 auf dem Gel\u00e4nde des Butzweilerhofs gegr\u00fcndet. Die heute noch erhaltene Baugruppe entstand 1936 und ist ein wichtiges Architektur-Dokument f\u00fcr Bauwerke im Bauhaus-Stil und Neuer Sachlichkeit. Es wurde 1988 in die Denkmalliste aufgenommen. Neben gro\u00dfen Teilen der Baustrukturen sind auch noch originale Putze aus der Entstehungszeit erhalten. Das Interesse des Forschungsvorhabens galt den Au\u00dfenputzen. Der lange Bewitterungszeitraum in der belasteten K\u00f6lner Umweltsituation zeigt sich heute in Form von vielen Sch\u00e4den. Ziel des Projektes war es, ein Erhaltungskonzept f\u00fcr die Originalputze zu erarbeiten, das eine Konservierung sowohl im Sinne der Ressourcenschonung als auch der Denkmalpflege erm\u00f6glicht.<br \/>\nDieses Konzept wurde an zwei Musterfl\u00e4chen angewandt und \u00fcberpr\u00fcft und erlaubte einen abschlie\u00dfen-den Konservierungsvorschlag.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDie Arbeiten begannen mit einer detaillierten Dokumentation und Kartierung des Bestandes und seiner Sch\u00e4den. Als Objekt f\u00fcr die Untersuchungen diente das Geb\u00e4ude mit der Empfangshalle. Die Putze wurden beprobt und ihre Zusammensetzung untersucht. Der mehrschichtige Putzaufbau und die Verarbeitungstechnik wurden erfasst. Die Putze sind mit mehreren Farbschichten \u00fcberstrichen. Zu ihrer schonenden Entfernung wurden Testreihen durchgef\u00fchrt.<br \/>\nEin prominentes Schadensbild ist das Abl\u00f6sen ganzer Putzschalen von der Wand und der Einzellagen voneinander. Zur Stabilisierung der Schalen mittels Hinterf\u00fcllung und Wiederanbindung und zur Festigung m\u00fcrber Putzoberfl\u00e4chen wurden intensive Untersuchungen durchgef\u00fchrt. Ein angepasstes Farbsystem zur Homogenisierung des Fassadeneindrucks und zum Oberfl\u00e4chenschutz der Putze wurde ausgew\u00e4hlt.<br \/>\nAlle Untersuchungen fanden in enger Zusammenarbeit von restauratorischer Praxis und naturwissenschaftlichen Verfahren statt. Sowohl die materialkundliche Seite als auch die Verarbeitungstechniken und die gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche Schonung von Ressourcen spielten die ma\u00dfgebliche Rolle.<br \/>\nAlle Schritte wurden mit Vertretern der Denkmalpflegebeh\u00f6rde und anderen zust\u00e4ndigen st\u00e4dtischen Be-h\u00f6rden abgestimmt.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Anhand von Archivstudien wurden das Objekt und seine Putzfassaden in einen geschichtlichen und technologischen Zusammenhang gestellt.<br \/>\nDie nachfolgende Vorgehensweise entsprach den Regeln einer wissenschaftlich basierten Erhaltungsarbeit. Als Vorarbeiten wurden am Objekt detaillierte Aufnahmen und Untersuchungen der Putze und ihrer Sch\u00e4den durchgef\u00fchrt und die Applikationstechnik studiert. Der Putz ist ein zweilagig aufgebauter Spezialputz mit Glimmerzuschl\u00e4gen und war urspr\u00fcnglich materialsichtig. Es handelt sich um einen Kratzputz.<br \/>\nKartierungen des Bestandes und seiner Erhaltung dienten zur Planung des Konservierungskonzeptes. Das vorherrschende Schadensbild ist eine gro\u00dffl\u00e4chige Abl\u00f6sung der Putze vom Mauerwerk und eine Trennung der Putzlagen. Auch wirken sich die vielen unangepassten Erg\u00e4nzungen und die ungeeigneten Anstriche beeintr\u00e4chtigend auf den Originalbestand aus. Putzuntersuchungen im Labor bildeten die Basis zur Nachstellung der Putze f\u00fcr die notwendigen Putzerg\u00e4nzungen. Putzprobek\u00f6rper wurden angefertigt und auf ihre Eignung untersucht. Notwendige Eingriffe wie Entfernung der Anstrichsysteme, Hinterf\u00fcllung abgel\u00f6ster Schalen, Festigung des Putzgef\u00fcges und Verschlie\u00dfen von Rissen wurden an Probematerial durchgef\u00fchrt und optimiert. Da die Materialsichtigkeit des Originalputzes nicht wiederhergestellt werden konnte, wurde ein geeignetes Anstrichsystem ermittelt.<br \/>\nKleine Musterfl\u00e4chen am Objekt und deren \u00dcberpr\u00fcfung f\u00fchrten zur Festlegung des Konservierungskonzeptes. Die beiden Schaufassaden des Hauptgeb\u00e4udes wurden als repr\u00e4sentative Musterfl\u00e4chen ausgew\u00e4hlt. Durch diese Beispielkonservierung konnten 81 bzw. 95 % der noch vorhandenen Originalputze gesichert und erhalten werden. Eine Gegen\u00fcberstellung der durchgef\u00fchrten Konservierung mit einer herk\u00f6mmlichen Neuverputzung erbrachte eine deutliche \u00dcberlegenheit des konservatorischen Vorgehens im Sinne der Ressourcenschonung.<br \/>\nAlle im Projekt verfolgten Ziele wurden erreicht. Es hat sich gezeigt, dass die Richtlinien der wissenschaftlichen Konservierung auch auf Putze des letzten Jahrhunderts anwendbar sind. Es konnte nachgewiesen werden, dass die Vorgehensweise modifiziert nach den Gesichtspunkten der Baustellentauglichkeit eine Erfolg versprechende Alternative zu dem herk\u00f6mmlichen Verfahren der Putzerneuerung darstellt. Das Konzept ist flexibel und l\u00e4sst eine individuelle Anpassung auf andere Objekte und Putzsysteme zu.<br \/>\nDie Musterfassaden zeigen ein stabiles und einheitlich sch\u00f6nes Erscheinungsbild.<br \/>\nDie Ergebnisse des Projektes wurden nicht nur von der Denkmalpflege sehr positiv aufgenommen, die nun neben der denkmalpflegerischen Notwendigkeit solche Spezialputze als Zeitzeugen zu erhalten auch noch das Argument der nachgewiesenen Ressourcenschonung f\u00fcr ihre Arbeit nutzen kann. Aber auch der Objekteigent\u00fcmer hat sein urspr\u00fcngliches Renovierungskonzept mit einer bereits fest geplanten Neu-verputzung fallen gelassen und wird nun das im Projekt entwickelte Konservierungskonzept anwenden.<br \/>\nAnfragen f\u00fcr andere Objekte liegen bereits vor.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Die \u00d6ffentlichkeitsarbeit ist weitgef\u00e4chert. Neben einem Abschlusskolloquium zu dem Projekt, finden die Ergebnisse Eingang in die Restauratorenausbildung an der FH K\u00f6ln. Die h\u00e4ufigen F\u00fchrungen am Butzweilerhof mit Hinweis auf die Beteiligung der DBU erreichen einen gr\u00f6\u00dferen Kreis interessierter B\u00fcrger. W\u00e4hrend der voranschreitenden Erhaltungsarbeiten am Butzweilerhof wird das entwickelte Konzept von der ausf\u00fchrenden Firma \u00fcbernommen und die Qualit\u00e4tskontrolle liegt in den H\u00e4nden eines Projekt-bearbeiters. Es gab auch bereits mehrere Nachfragen von Denkmaleigent\u00fcmern, die an einer Umsetzung des Konzeptes interessiert sind. Schlie\u00dflich sind weitere Vortr\u00e4ge und Publikationen in Fachzeitschriften geplant.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Es hat sich gezeigt, dass auch bei neuzeitlichen Putzen eine gut vorbereitete Ma\u00dfnahme unter der Ber\u00fccksichtigung der konservatorischen Vorgehensweisen eine kosteng\u00fcnstige und ressourcenschonende Alternative zur herk\u00f6mmlichen Handwerkspraxis sein kann. Die Vorgehensweise ist ein gutes Beispiel f\u00fcr \u00e4hnliche Objekte und st\u00f6\u00dft bereits auf Interesse und Anerkennung bei Objektverantwortlichen, sodass jetzt Nachahmaktionen starten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Der fr\u00fchere Reichsluftschiffhafen Coeln wurde 1909 auf dem Gel\u00e4nde des Butzweilerhofs gegr\u00fcndet. 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