{"id":23483,"date":"2024-11-27T10:36:13","date_gmt":"2024-11-27T09:36:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/17400-43\/"},"modified":"2024-11-27T10:36:18","modified_gmt":"2024-11-27T09:36:18","slug":"17400-43","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/17400-43\/","title":{"rendered":"Demonstration umweltgerechter Ver- und Entsorgungssysteme auf ausgew\u00e4hlten Berg- und Schutzh\u00fctten am Beispiel der G\u00f6ppinger H\u00fctte auf 2.245 m \u00fc. NN im Lechquellengebirge in Vorarlberg\/ \u00d6sterreich"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Die G\u00f6ppinger H\u00fctte liegt in einem Karstgebiet. Die Quellhorizonte liegen ca. 300 H\u00f6henmeter tiefer als die H\u00fctte. Die Wasserversorgung erfolgt durch Schmelzwasser eines nahe gelegenen Schneefeldes bzw. durch Regenwasser. In Trockenperioden, wie z.B. im Sommer 2003, musste die H\u00fctte zeitweise aus Wassermangel geschlossen werden. Durch den Einbau von Kompostklos mit Urinseparierung sollte der Wasserverbrauch erheblich verringert werden.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenIn einem ersten Schritt wurden im laufenden Jahr die Au\u00dfenanlagen zum Reinigen des Grauwassers (Abwasser aus Waschr\u00e4umen und K\u00fcche) erstellt. Das Abwasser aus den Waschr\u00e4umen und die \u00fcber einen Fettfang geleiteten Abw\u00e4sser aus der K\u00fcche werden \u00fcber eine Filtersackanlage gef\u00fchrt, in der alle festen Anteile durch die 2 x 4 Filters\u00e4cke zur\u00fcck gehalten werden. Die zur\u00fcck gehaltenen Feststoffe werden gemeinsam mit den Reststoffen aus den Toiletten auf dem unten genannten Kompostplatz verrotten.<br \/>\nDas durch diese Vorkl\u00e4rung behandelte Grauwasser wird einem bewachsenen Bodenfilter zugef\u00fchrt und anschlie\u00dfend \u00fcber einen Kontrollschacht im Boden versickert. Bei diesem Wasser m\u00fcssen die Grenzwerte der Extremlagenverordnung eingehalten werden. Der Bodenfilter ist ca. 150 m von der H\u00fctte entfernt und wird von dem Wasser im nat\u00fcrlichen Gef\u00e4lle erreicht. Er umfasst eine Fl\u00e4che von 90 m\u00b2 und besteht im Wesentlichen aus drei wirksamen Schichten (Drainschicht, Filterschicht, Deckschicht mit Verteilsystem). Die Kiesfraktionen umfassen Betonkies 8\/16 mm Durchmesser und gebrochenen Sand in Korngr\u00f6\u00dfen von 0 bis 4 mm. Nach Inbetriebnahme wird der Filter mit der Hainimse (Luzula Alpina) begr\u00fcnt. Das Material aus den Komposttoiletten wird in voneinander getrennten und abgeschlossenen Beh\u00e4ltern f\u00fcr 1 Jahr im Untergeschoss der H\u00fctte gelagert und f\u00fcr weitere zwei Jahre auf einem einzurichtenden Kompostplatz nachkompostiert. Anschlie\u00dfend wird das vererdete Material (ca. 500 kg pro Saison) zu einer nahe gelegenen Deponie geflogen und dort gelagert. Der Urin aus den Separationstoiletten und den wasserlosen Urinalen wird gesammelt und in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden mit der Materialseilbahn abgef\u00fchrt. Er wird in den vorhandenen G\u00fcllebeh\u00e4lter einer Almgenossenschaft bei der Talstation gegeben und einer landwirtschaftlichen Nutzung zugef\u00fchrt. Es wird eine Urinmenge von 3 &#8211; 4 m\u00b3 pro Saison erwartet.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Trockentoiletten:<br \/>\nDa f\u00fcr die G\u00f6ppinger H\u00fctte sehr wenig Wasser zur Verf\u00fcgung steht wurde entschieden, Trockentoiletten in der H\u00fctte zu integrieren. Die Trockentoiletten wurden eigens f\u00fcr die G\u00f6ppinger H\u00fctte entwickelt und wurden somit auf die dortigen Randbedingungen angepasst. Die Toiletten bestehen aus einem Auffangkorb mit innen liegendem Filterflies, einem Deckel mit Abwurfrohr. Als Toilette wird eine schwedische Trenntoilette verwendet. Der Urin wird separat abgeleitet, gespeichert und abtransportiert. Die Feststoffe werden so weit wie m\u00f6glich feuchtigkeitsfrei gesammelt und anschlie\u00dfend auf einer definierten Freifl\u00e4che weiter getrocknet. Die Toiletten sind in der Saison 2009 in Betrieb gegangen. In diesem Jahr traten durch die Toilette keine nennenswerten Geruchsprobleme im G\u00e4stebereich der H\u00fctte auf. Der separate Raum zur Feststoffsammlung muss \u00fcber einen elektrisch angetriebenen Ventilator zwangsentl\u00fcftet werden. Weiterhin wurde festgestellt, dass die Besucher sehr viel Toilettenpapier nutzen, sodass die Zugabe von S\u00e4gesp\u00e4nen oder anderen Zuschlagsstoffen kaum notwendig ist. Im Vergleich zu Sp\u00fcltoiletten ist eine h\u00e4ufigere Kontrolle und Reinigung durch das H\u00fcttenpersonal notwendig, da die Besucher die Nutzung und Reinigung von Trockentoiletten nicht gewohnt sind. In der H\u00fctte wurde ein Urinal in der Herrentoilette  eingebaut. Der Urin wurde in einem Tank gesammelt.<\/p>\n<p>Grauwasserreinigung:<br \/>\nDie f\u00fcr die Reinigung des Grauwassers errichtete Pflanzenkl\u00e4ranlage wurde zwar schon sehr fr\u00fch gebaut, ist aber ebenfalls erst in der Saison 2009 mit der vollen Belastung aus der H\u00fctte beaufschlagt worden. Die Vorreinigung erfolgt in einer Filtersackanlage. Da es sich um Grauwasser handelt, mussten S\u00e4cke mit einer geringen Maschenweite eingesetzt werden. Es wurde festgestellt, dass bis zum August sehr wenige Feststoffe in den S\u00e4cken verblieben sind. Das Grauwasser der G\u00f6ppinger H\u00fctte scheint sehr feststoffarm zu sein. Der Bodenfilter wurde mit 4 unterschiedlichen g\u00e4ngigen Feuchtgebietspflanzen im Fr\u00fchjahr 2008 bepflanzt. Es sollte hierbei getestet werden, welche der Sorten vor Ort \u00fcberlebensf\u00e4hig ist. In der ersten Saison konnte gesehen werden, dass alle Sorten gut angewachsen sind, trotz der H\u00f6he und den extremen klimatischen Bedingungen auf einer H\u00f6he von 2.245 m \u00fc NN. Das gereinigte Abwasser aus dem Bodenfilter hat nach einer ersten Probenahme sehr niedrige Ablaufwerte gezeigt. Durch die Bauma\u00dfnahme wurde der umliegende Boden sehr stark gest\u00f6rt, sodass es im ersten Jahr Abschwemmungen von Kies, Ger\u00f6ll und Erde in den Bodenfilter gab. Diese Einschwemmung von Boden wurde im Folgejahr entfernt und ein Gerinne zur Ableitung des Regenwassers errichtet. Die Grauwasseranlage ist wartungs- und energiearm. Somit kann der Betriebsaufwand f\u00fcr den H\u00fcttenwirt als gering bezeichnet werden. Weiterhin wird sehr wenig Energie f\u00fcr den Betrieb der Beschickungspumpe ben\u00f6tigt.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Das Abwasser- und Energiekonzept wurde auf dem Symposium in Benediktbeuern im Februar 2009 pr\u00e4sentiert. Weiterhin wurden zwei Faltbl\u00e4tter f\u00fcr die H\u00fcttenbesucher entwickelt und gedruckt. Eine Informationstafel f\u00fcr die H\u00fctte ist in Planung und konnte bis zu diesem Zeitpunkt nicht realisiert werden. J\u00e4hrlich erscheint ein Hinweis in der Lokalpresse auf den Stand der Bauma\u00dfnahmen und auf die DBU-F\u00f6rderung.<br \/>\nIn dem DBU-Handbuch Umwelttechnik f\u00fcr alpine Berg- und Schutzh\u00fctten sind die Anlagen und das Energiekonzept ausgiebig beschrieben. Die Informationen erhielt Frau Menz (Herausgeberin des Handbuchs) von Vertretern der Sektion Hohenstaufen G\u00f6ppingen bei einem Termin vor Ort.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Nach einer langen Umbauphase sind nun die Energieanlage, die Abwasseranlage und der Anbau der H\u00fctte fertig gestellt worden. Bauen muss im Vorhinein gut geplant und begleitet werden. Randbedingungen wie P\u00e4chterwechsel bedeuten oft andere Bed\u00fcrfnisse und Umplanungen. Weiterhin sind in den letzten Jahren viele Verordnungen, die den H\u00fcttenbetrieb betreffen, novelliert worden. Hier haben sich die Bauma\u00dfnahmen mit den Vorgaben aus diesen Novellierungen \u00fcberschnitten, sodass zus\u00e4tzlicher Planungsaufwand und Verl\u00e4ngerungen der Bauphase die Folge waren, vor allem da die Bau- u. Bewirtschaftungsphase lediglich ca. 4 &#8211; 5 Monate betr\u00e4gt. Dies ist im Vorhinein nicht absehbar, so dass die f\u00fcr die Tallagen in den Bewilligungen genannten Bauzeiten in der Regel nicht eingehalten werden k\u00f6nnen. In den n\u00e4chsten Jahren k\u00f6nnen Betriebserfahrungen gesammelt und die Anlagen weiter auf die Bed\u00fcrfnisse der Besucher, der H\u00fcttenp\u00e4chter und der Sektion abgestimmt werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Die G\u00f6ppinger H\u00fctte liegt in einem Karstgebiet. Die Quellhorizonte liegen ca. 300 H\u00f6henmeter tiefer als die H\u00fctte. Die Wasserversorgung erfolgt durch Schmelzwasser eines nahe gelegenen Schneefeldes bzw. durch Regenwasser. In Trockenperioden, wie z.B. im Sommer 2003, musste die H\u00fctte zeitweise aus Wassermangel geschlossen werden. 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