{"id":23475,"date":"2023-07-13T15:23:28","date_gmt":"2023-07-13T13:23:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/21652-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:23:29","modified_gmt":"2023-07-13T13:23:29","slug":"21652-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/21652-01\/","title":{"rendered":"Emissionsverhalten von Verpackungsmaterialien auf Glas und Konservierung zweier dadurch gesch\u00e4digter wertvoller Glasfenster der romanischen Kirche in Lindow\/Brandenburg"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Historische Glasgem\u00e4lde wurden nach fast 40 j\u00e4hriger Lagerung in zwei Holzkisten, ausgef\u00fcllt mit Stroh, aufgefunden und geborgen. Ziel der Restaurierung ist es, den Schadensumfang der Glasgem\u00e4lde, die einen k\u00fcnstlerisch hochwertigen Qualit\u00e4tsgrad der Glasmalerei des 19. Jahrhunderts aufweisen, zu beheben und die Fenster in alter Sch\u00f6nheit wieder herzustellen. Die fachgerechte Restaurierung und Konservierung von historischen Glasmalereien setzt immer eine naturwissenschaftliche Begleitung der Arbeit voraus. Im Inneren der Kirche, vor einer Schutzverglasung in neu gefertigte V4A- Rahmen eingebaut, rechts und links neben dem Altar werden sie auf besondere Weise den Kirchraum schm\u00fccken und durch ihre erstklassige G\u00fcte und Qualit\u00e4t ein Zeugnis von der Kunstfertigkeit des 19. Jahrhunderts ablegen.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenF\u00fcr die Wiederherstellung von zwei Glasmalereifenstern der Kirche in Lindow und die notwendigen natur-  wissenschaftlichen Untersuchungen ist ein Zeitraum von zwei Jahren vorgesehen. Die Restaurierung der Glasmalereien erfolgt unter Begleitung der Arbeitsstelle f\u00fcr Glasmalereiforschung des CVMA Potsdam und dem brandenburgischen Landesamtes f\u00fcr Denkmalpflege. Die Schadensanalyse wird mit Hilfe von lichtmikroskopischen und rasterelektronenmikroskopischen Untersuchungen an Gl\u00e4sern, Malschichten und Bleiproben in der Bundesanstalt f\u00fcr Materialforschung und -pr\u00fcfung (BAM) durchgef\u00fchrt. Alle restauratorischen Ma\u00dfnahmen werden von einem Fachgremium aus Naturwissenschaftlern, Restauratoren, Kunsthistorikern und Denkmalpflegern festgelegt. Die restauratorischen Arbeiten zur fachgerechten Wiederherstellung der Glasmalereifenster werden im Glasatelier Ilona Berkei ausgef\u00fchrt. Durch den Einbau einer Au\u00dfenschutzverglasung werden die wertvollen Glasfenster vor Umwelteinwirkungen gesch\u00fctzt.<br \/>\nM\u00f6gliche Materialver\u00e4nderungen w\u00e4hrend einer \u00fcber vierzig Jahre dauernden Lagerung der Glasmalereien in Kisten mit Stroh verpackt sollen in der BAM untersucht und auf die in der heutigen Werkstattpraxis \u00fcbliche Materialien zum Transport und zur Lagerung von historischen Glasmalereien ausgedehnt werden.<br \/>\nHierzu erfolgen Simulationsuntersuchungen unter zeitraffenden Bedingungen an Modellgl\u00e4sern im Klimaschrank.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Mit Hilfe von naturwissenschaftlichen Untersuchungsmethoden wurden sowohl die chemische Zusammensetzung von Gl\u00e4sern und Malschichten analysiert, als auch die kristallinen Verbindungen der Ober-fl\u00e4chenbel\u00e4ge bestimmt. Es wurden Kittverkrustungen (CaCO3) und Gipsbel\u00e4ge (CaSO4  2H2O) nachgewiesen. Mikrobiologische Untersuchungen zeigten, dass eine derzeitige mikrobielle Besiedelung der Glasmalereien ausgeschlossen werden konnte und somit auch keine zus\u00e4tzlichen restauratorischen Ma\u00dfnahmen ergriffen werden mussten.<br \/>\nDie M\u00f6glichkeiten zur Entfernung der Oberfl\u00e4chenbel\u00e4ge wurden im Labor an Glasproben mit typischen Schadensbildern untersucht. Hierzu erfolgte eine \u00dcberpr\u00fcfung von unterschiedlichen Reinigungsverfahren hinsichtlich ihrer Wirksamkeit. Eine Dokumentation der Reinigungsvarianten vom Ausgangszustand bis zum Endzustand mit den Schritten der einzelnen Ma\u00dfnahmen wurde f\u00fcr alle Reinigungsproben erstellt und der Werkstatt als Arbeitsgrundlage \u00fcbergeben. Analog der Vorgehensweise an den Reini-gungsproben erfolgte die Entfernung der Oberfl\u00e4chenbel\u00e4ge als Trocken- und Feuchtreinigung. Verbleibende, fest anhaftende Korrosionskrusten wurden mit unterschiedlichen L\u00f6sungsmittelkompressen  zum Teil \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum angel\u00f6st und dann mit Pinsel und Skalpell abgenommen. Je nach Schadenszustand kamen spezifische Reinigungsvarianten (Ammoniumcarbonatpasten, Dimethylsulfoxid, Isopropanol u. a.) zum Einsatz, deren Anwendung weder die Malschichten noch die historischen Gl\u00e4ser sch\u00e4digen darf.Die Klebung s\u00e4mtlicher Spr\u00fcnge der Felder erfolgte mit 2-Komponenten-Epoxidharz, je nach Befund eingef\u00e4rbt. Totalverluste und Fehlstellen der originalen Glassubstanz wurden in Schmelzfarbenmalerei originalgetreu in fig\u00fcrlicher und ornamentaler Malerei, mit zum Teil zuvor entwickelten Schmelzfarben der BAM, wiederhergestellt.<br \/>\nDas gesamte Bleinetz war vollst\u00e4ndig instabil und f\u00fcr das Gewicht der Gl\u00e4ser und die Feldbreite von 1,60 m nicht mehr verwendbar, so dass eine Wiederherstellung der Stabilit\u00e4t nur durch eine Neuverbleiung zu erreichen war. Es wurde ein Blei mit einem 5-%igen Zinnanteil eingesetzt. Aufgrund eines feineren Gef\u00fcges wurde dadurch eine h\u00f6here Festigkeit des Bleiprofils erreicht. Zur weiteren Verbesserung der Stabilit\u00e4t wurden die Felder mit einem Umblei mit Stahleinlage versehen.<br \/>\nEin weiterer Schwerpunkt des Vorhabens waren Untersuchungen von Materialien, die f\u00fcr die Verpackung, Lagerung und den Transport von Kunstgegenst\u00e4nden aus Glas eingesetzt werden. Mit Hilfe einer Umfrage unter Restaurierungswerkst\u00e4tten und Glasmuseen wurden die in der heutigen Praxis \u00fcblichen Materialien zusammengestellt. Die Bestimmung der fl\u00fcchtigen und schwerfl\u00fcchtigen organischen Bestandteile (VOC und SVOV) in den Verpackungsmaterialien erfolgte an ausgew\u00e4hlten Proben durch eine Direkt-Thermodesorption (TDS) mit anschlie\u00dfender Gaschromatographie und Massenspektroskopie (GC-MS). Als S\u00e4ureemissionen wurden Essigs\u00e4ure, Propans\u00e4ure, Hexans\u00e4ure und Oktans\u00e4ure in Holzspanplatten, Kiefernholzproben und Schaumstoffmaterialien nachgewiesen. Die Wirkung der analysierten organischen S\u00e4uren auf Materialoberfl\u00e4chen wurde in weiteren Versuchen an Modellgl\u00e4sern, Proben mit unterschiedlichen Malfarbschichten und Bleiproben untersucht, die sich in Exsikkatoren befanden und unter zeitraffenden Bedingungen im Klimaschrank gelagert wurden. S\u00e4ureimmissionen f\u00fchrten auf Modellgl\u00e4sern mit mittelalterlicher Glaszusammensetzung und auf Malschichtproben zu starken Oberfl\u00e4chensch\u00e4den. Unverzinnte Bleiproben reagieren mit organischen S\u00e4uren und bilden Korrosionsprodukte.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Die Ergebnisse der Untersuchungen zur Restaurierung der Glasmalereien aus Lindow wurden durch ein Poster und in einem Vortrag auf der europ\u00e4ischen Messe f\u00fcr Restaurierung, Denkmalpflege und Stadterneuerung &#8211; denkmal 2004 &#8211; vom 27.-30. Oktober 2004 in Leipzig den Fachkollegen und einer breiten \u00d6ffentlichkeit pr\u00e4sentiert.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Das Ziel des Projektes, die Wiederherstellung der Glasmalereifenster durch eine fachgerechte Restaurierung, wurde durch eine sorgf\u00e4ltige Schadensanalyse und eines auf dieser Grundlage erarbeiteten Restaurierungskonzeptes erreicht. Die M\u00f6glichkeiten zur Entfernung der Oberfl\u00e4chenbel\u00e4ge wurden im Labor an Glasproben mit typischen Schadensbildern untersucht und erfolgreich in die Werkstattpraxis \u00fcbertragen.<br \/>\nDie in der heutigen Werkstattpraxis eingesetzten Materialien zur Verpackung, dem Transport und der Lagerung von Glasmalereien und anderen Kunstgegenst\u00e4nden sollten schadstofffrei sein, d. h. insbesondere organische S\u00e4ureemissionen weisen ein erhebliches Sch\u00e4digungspotenzial auf. Mit Hilfe von Direkt-Thermodesorptionsmessungen k\u00f6nnen kritische Materialemissionen identifiziert werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Historische Glasgem\u00e4lde wurden nach fast 40 j\u00e4hriger Lagerung in zwei Holzkisten, ausgef\u00fcllt mit Stroh, aufgefunden und geborgen. 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