{"id":23470,"date":"2026-04-12T10:32:06","date_gmt":"2026-04-12T08:32:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/21627-01\/"},"modified":"2026-04-12T10:32:07","modified_gmt":"2026-04-12T08:32:07","slug":"21627-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/21627-01\/","title":{"rendered":"Beseitigung umweltbedingter Schadstoffanreicherungen auf wertvollen Architekturteilen und Bauzierelementen aus Terrakotta an der Neuen Orangerie im Park Potsdam &#8211; Sanssouci (UNESCO Weltkulturerbe), Brandenburg"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Terrakotten der zweiten H\u00e4lfte des 19. und des beginnenden 20. Jahrhunderts stellen ein weit verbreitetes keramisches Material dar, aus dem baugebundene Architekturzierteile wie auch freistehende Elemente (Skulpturen, Vasen, Brunnen etc.) hergestellt wurden. Auf deren Oberfl\u00e4chen haben sich umweltbedingt mikrokristalline und amorphe Bel\u00e4ge gebildet, die zu physikalischen und chemischen Schadensprozessen f\u00fchren. Die substanzschonende Ausd\u00fcnnung dieser Bel\u00e4ge mit geeigneten, im Rahmen des Pro-jektes herauszuarbeitenden Technologien war Hauptaufgabe des Vorhabens. Gleichzeitig sollten wirtschaftliche Aspekte ber\u00fccksichtigt werden, die KMU\u00b4s den Einsatz der Verfahren erleichtern.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenProjektgegenstand sind Verfahrensentwicklungen &#8211; verallgemeinerbar &#8211; zur Reinigung von Terrakottaoberfl\u00e4chen am Beispiel des gro\u00dfen Terrakottaamphorenprogrammes der Neuen Orangerie im Park-Sanssouci (entstanden 1860). Das Vorhaben umfasst folgende Bestandteile:<br \/>\n&#8211;\tErfassung und Systematisierung der Umweltsch\u00e4den an Terrakottaobjekten der Parkbereiche Sanssouci und Babelsberg-\tArchivrecherche zur Entstehungs- und Restaurierungsgeschichte der Amphoren Neuen Orangerie<br \/>\n&#8211;\tMaterialkundliche und bauklimatische Untersuchungen der Sch\u00e4den, vor allem Licht- und Elektronenmikroskopie, physikalisch-chemische Eigenschaften von Oberfl\u00e4che und Scherben<br \/>\n&#8211;\tTechnologische Untersuchungen (Verfahrens- und Parametervergleich) zur Reinigungsproblematik und Optimierung flankierender Restaurierungsma\u00dfnahmen an\u00a7\tIn-situ-Objekten (Neue Orangerie und Vergleichsobjekte)<br \/>\n\u00a7\tDepotst\u00fccken (demontierte oder geborgene, eingelagerte Objekte)<br \/>\n\u00a7\tgeeigneten Ersatzmaterialien in Form einfacherer keramischer Objekte, wie spezieller Formziegel und anderweitig keramtechnisch vergleichbarer Objekte<br \/>\n&#8211;\tKomplexe Auswertung aller Erhebungen unter den Gesichtspunkten substanzschonender Reinigungsverfahren und -parameter sowie Aspekten der Wirtschaftlichkeit<br \/>\n&#8211;\tModellhafte Umsetzung der Ergebnisse durch Teilrestaurierungen und Restaurierungen von in-situ- und Einzelobjekten der Neuen Orangerie sowie geeigneter Referenzobjekte<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Die dunklen, meist filmartigen Auflagerungen (g\u00fcltig hier f\u00fcr Neue Orangerie, steinzeug\u00e4hnliche Terrakotta!) sind silikatisch gebunden und enthalten &#8211; entgegen den Erwartungen &#8211; ebenso wenig Gips wie das oberfl\u00e4chennahe Gef\u00fcge: Sie geh\u00f6ren demnach zum Typ der thin black layers, mit amorpher Kiesels\u00e4ure als Bindemittel; Schw\u00e4rzung beruht auf Art und Menge enthaltner Partikel aus Oxiden+ Hydroxiden+ Sulfiden der Elemente: Fe, Pb, Zn, Ti, V, Cl, S, P die \u00fcberwiegend durch Umwelteinfl\u00fcsse eingetragen wurden.<br \/>\nUntersucht wurden prim\u00e4r das trocken-abrasive Mikrotrockenstrahlverfahren und das feucht-abrasive Rotationsstrahlverfahren JOS mit Piccolod\u00fcse. Als Strahlmittel kamen Edelkorund, Glasbruch und Glaskugeln in verschiedenen Korngr\u00f6\u00dfen, Granatsand, Bodenkalk, Steinpudermehl, Hohlglaskugeln sowie ein Weichstrahlmittel zum Einsatz. Die Strahldr\u00fccke betrugen meist 0,5 und 1 bar. Zus\u00e4tzlich wurde der Effekt verschiedener Vorbefeuchtungsvarianten bei nachfolgender Partikelstrahlreinigung mit dem JOS-Verfahren gestestet und Reinigungsversuche mit Laserstrahlung.<br \/>\nMessungen von kapillarer Wasseraufnahme und Luftpermeabilit\u00e4t zum Nachweis der physikalischen Reinigungswirkung erwiesen sich als nicht aussagekr\u00e4ftig, da keine Ver\u00e4nderungen an den dichten keramischen Oberfl\u00e4chen nachgewiesen werden konnten. Zur Feststellung reinigungsbedingter Sch\u00e4den wur-den die Musterfl\u00e4chen auflichtmikroskopisch untersucht, die Ph\u00e4nomene katalogisiert und in drei Kategorien mechanisch empfindlicher Merkmale als mikroskopische Schadensindikatoren definiert. Es zeigte sich, dass das Ausma\u00df mechanischer Sch\u00e4den an der Oberfl\u00e4che mittels auflichtmikroskopischer Untersuchungen der gereinigten Fl\u00e4chen nur unzureichend festzustellen ist. Erst die fotografische Dokumentation ausschnittgleicher mikroskopischer Befunde vor und nach einer Reinigung erm\u00f6glichte eine zuverl\u00e4ssige und differenzierte Beurteilung des Sch\u00e4digungsgrades.<br \/>\nEs wurden nachfolgend Kriterien zur Bewertung der \u00e4sthetischen Reinigungswirkung mit blo\u00dfem Auge (Reinigungsintensit\u00e4t, Gleichm\u00e4\u00dfigkeit und Verletzungen der Oberfl\u00e4che) und des Sch\u00e4digungsgrades im mikroskopischen Ma\u00dfstab (Kraterr\u00e4nder, Quarzkornumgebungen, aufstehende K\u00f6rner) sowie Bewer-tungsstufen und Bewertungsma\u00dfst\u00e4be definiert. Damit stehen zwei Bewertungsalternativen zur Verf\u00fcgung: Das erste System beruht auf einer fein abgestuften qualitativen Bewertung mikroskopisch nach-weisbarer Oberfl\u00e4chenver\u00e4nderungen anhand von jeweils ca. 8 mikroskopischen Bildpaaren. Das zweite System gruppiert s\u00e4mtliche Oberfl\u00e4chenph\u00e4nomene einer gr\u00f6\u00dferen Anzahl von ca. 20 Mikrofotopaaren in die beiden Kategorien eindeutig ver\u00e4ndert oder nicht ver\u00e4ndert oder nicht eindeutig ver\u00e4ndert. Die Auswertung erfolgt rein statistisch und wird als Prozentsatz der Ver\u00e4nderungen gegen\u00fcber dem ungerei-nigten Zustand ausgewiesen.<br \/>\nEinige Strahlmittel bewirken bei schlechter Reinigungswirkung eklatante Besch\u00e4digungen der keramischen Oberfl\u00e4chen trotz der geringen Strahldr\u00fccke (Glasbruch 54, Glasperlen 6, Weichstrahlmittel S). Weitere Strahlmittel verursachen bei guter oder ausreichender Reinigungswirkung nicht akzeptable Sch\u00e4den, die sich bereits bei einfacher mikroskopischer Betrachtung feststellen lassen (Glasperlen 9, Glasbruch 100). Das Sch\u00e4digungspotential weiterer Strahlg\u00fcter wird dagegen erst durch den Vergleich von Mikrofotos von Vor- und Nachzustand offenbar. Zu dieser Gruppe geh\u00f6ren Bodenkalk, Hohlglasku-geln S 22 und Granatsand. Mit Edelkorund 1200 k\u00f6nnen bei Strahldr\u00fccken von 1 und 1,5 bar gute bis ak-zeptable Reinigungsergebnisse bei vergleichsweise sehr geringem Sch\u00e4digungsgrad erzielt werden, je-doch ist die ben\u00f6tigte Reinigungsdauer wirtschaftlich nicht tragbar. Mit Edelkorund 600 k\u00f6nnen auf bei-den Substraten mit trocken- wie feucht-abrasivem Strahlverfahren bei akzeptablem Zeitaufwand durch-weg positive Ergebnisse hinsichtlich Reinigungswirkung und Schadensarmut erzielt werden. Steinpuder-mehl wurde letztlich, auch aufgrund der guten Steuerbarkeit von Intensit\u00e4t und Gleichm\u00e4\u00dfigkeit des Reinigungsergebnisses, als Trockenstrahlmittel empfohlen und bereits an mehreren Amphoren praktisch eingesetzt.<br \/>\nDas Laserstrahlverfahren erm\u00f6glicht bei gut angepassten Parametern eine sch\u00e4digungsfreie Reinigung. Da eine breitere Anwendung dieses Verfahrens aus Kostengr\u00fcnden h\u00e4ufiger nicht in Frage kommt, ist es um so wichtiger, Kombinationen anderer Reinigungsverfahren, Reinigungsmittel und Verfahrensparametern auszuw\u00e4hlen, die unerw\u00fcnschte Ver\u00e4nderungen der Objektoberfl\u00e4che nur im geringsten Ausma\u00df hervorrufen.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>&#8211;\tAbschlusstagung Schlo\u00df Lindstedt, 04.Juli 2006<br \/>\n&#8211;\tAusstellung Freiplastiken aus Terrakotta &#8211; ein Forschungsprojekt hilft bei der Erhaltung einer kostbaren Gartenstaffage, Ausstellungsinsel in Neuer Orangerie Sanssouci mit Reinigungsexponaten und Begleittexten im Rahmen der gro\u00dfen SPSG-Ausstellung Eisen, Stein und Marmor bricht<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>&#8211;\tSpezielle, mikrofotografische Dokumentation deckungsgleicher Objektausschnitte von Probereinigungen er\u00f6ffnet neue Dimension der Verfahrensbewertung.<br \/>\n&#8211;\tEntwicklung von reproduzierbaren, praxistauglichen Bewertungsmethoden zur Qualit\u00e4tskontrolle von Reinigungsma\u00dfnahmen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Terrakotten der zweiten H\u00e4lfte des 19. und des beginnenden 20. 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