{"id":23453,"date":"2023-07-13T15:23:21","date_gmt":"2023-07-13T13:23:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/21525-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:23:22","modified_gmt":"2023-07-13T13:23:22","slug":"21525-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/21525-01\/","title":{"rendered":"Modellhafte Behebung extremer Umweltsch\u00e4den an der wertvollen Glasmalerei in der Leipziger Peterskirche unter besonderer Ber\u00fccksichtigung von Schwingungsauswirkungen (einschlie\u00dflich Weiterbildungsma\u00dfnahmen)"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>In 24 gro\u00dfen Fenstern der Leipziger Peterskirche haben sich Reste wertvoller Glasmalereien von 1884\/86 erhalten, die von gro\u00dfer Bedeutung f\u00fcr die Ausstattung des Kirchenraums waren.<br \/>\nAnl\u00e4sslich des 1999 beendeten Projekts der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (AZ 10657) konnten von diesem Zyklus 8 farbige Fensterverglasungen im Westteil und im Chor der Kirche erfolgreich restauriert werden. Die restlichen Fenster zeigen weiterhin bestandsgef\u00e4hrdende Umweltsch\u00e4dn. Sie st\u00f6ren erheblich das Gesamtbild des Innenraums.<br \/>\nZiel des vorliegenden Projektes ist es, mit der Sanierung von 3 Farbverglasungen einen wichtigen Beitrag zur vollst\u00e4ndigen Wiederherstellung der Fensterverglasungen zu leisten. In diesem Zusammenhang sollen au\u00dferdem die Ergebnisse beendeter DBU-Projekte zur Sanierung historischer Glasmalereien \u00fcberpr\u00fcft und dar\u00fcber hinaus Untersuchungen von umweltbedingten Schwingungen durchgef\u00fchrt werden. Eine Veranstaltung zur Weiterbildung wird \u00fcber die ausgef\u00fchrten Arbeiten und gewonnenen Er-kenntnisse berichten.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDie formulierten Aufgaben und Ziele des Projektes sollen in mehreren parallel laufenden Arbeitsschritten bew\u00e4ltigt und erreicht werden.<br \/>\n1.\terfolgen die Ma\u00dfnahmen zur Wiederherstellung der Glasmalereien aus 3 Fenstern (NVII; NVIII; NIX) auf der Nordseite des Langhauses der Kirche. Dabei werden die schon in vorangegangenen DBU-Projekten erarbeiteten und erfolgreich angewandten Methoden auf ihren Modellcharakter hin \u00fcberpr\u00fcft. F\u00fcr diese praktischen Arbeiten bietet sich die 1. H\u00e4lfte der Projektzeit an.<br \/>\n2.\twerden die Untersuchungen und Messungen zur Kl\u00e4rung der materialsch\u00e4digenden Schwingungen in der Kirche durch das Ingenieurb\u00fcro Prof. Dr. Elke Reuschel, Leipzig\/Potsdam (Unterauftragnehmer)  vorgenommen. Sie sollen schwerpunktm\u00e4\u00dfig am Anfang und Ende des Projektes ausge-f\u00fchrt werden. Die in der Zwischenzeit sich ergebenden Erkenntnisse zu den Schwingungsph\u00e4nomenen sind bereits f\u00fcr die laufenden Arbeiten an den Fenstern zu nutzen<br \/>\n3.\twird die praktische Weiterbildung der Glaswerkst\u00e4tten schon zu Beginn des Projektes aufgenommen, indem nach einer beschr\u00e4nkten Ausschreibung (10 Glasmalerei-Werkst\u00e4tten in 3 Gruppen), 3 geeignete Firmen (jeweils eine f\u00fcr ein Fenster) den Auftrag zur Restaurierung der Glasmalereien erhalten sollen.<br \/>\nDurch dieses Verfahren wird der Erfahrungsaustausch gef\u00f6rdert und das Fachwissen vermehrt weitergegeben. Au\u00dferdem bereitet das Fraunhofer Institut f\u00fcr Silikatforschung, W\u00fcrzburg (Unterauftragnehmer) gegen Ende des Projektes eine umfassende Weiterbildungsveranstaltung f\u00fcr interessierte Fachleute der tangierten Arbeitsgebiete durch. Eine Ver\u00f6ffentlichung im Internet bietet sich an. Alle Ma\u00dfnahmen werden in enger Abstimmung mit der zust\u00e4ndigen Denkmalpflege durchgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Die unter Zielsetzung und Darstellung der Arbeitsschritte vorgesehenen Aufgaben sowie Ma\u00dfnahmen wurden innerhalb der Projektzeit gel\u00f6st und durchgef\u00fchrt. Die erwarteten Ergebnisse sind erreicht worden.<br \/>\nDurch den sparsamen Einsatz der F\u00f6rdermittel und dank zus\u00e4tzlicher Eigenmittel war es m\u00f6glich, im Rahmen einer kostenneutralen Verl\u00e4ngerung des Projekts \u00fcber die drei Fenster (NVII &#8211; IX) hinaus, noch 2 weitere Fenster (NIV, V) zu sanieren, so dass am Ende alle Fenster auf der Nordseite des Langhauses vollst\u00e4ndig wiederhergestellt und geschlossen sind.<br \/>\nDie \u00dcberpr\u00fcfung der schon in den vorangegangenen DBU &#8211; Projekten (AZ 04281, 10657) entwickelten Modellmethoden hat ergeben, dass sich die damals ausgef\u00fchrten Ma\u00dfnahmen bew\u00e4hrt haben. Allein die Verschraubungen der Bolzen an den Quereisen bedurften im speziellen Fall der Peterskirche einer Korrektur. Die Ursachen f\u00fcr die bis jetzt nur hier festgestellte Lockerung der Bolzenschrauben und Bleilappen (0,5 mm) konnten durch eingehende Messungen des Ingenieurb\u00fcros Prof. Dr. E. Reuschel (Leip-zig\/Potsdam) ermittelt sowie ausgewertet werden. Dabei hat sich gezeigt, dass vor allem Schwingungen, die durch den starken Stra\u00dfenverkehr rund um die Peterskirche entstehen, diesen Zustand her-beigef\u00fchrt haben. Zur Minimierung der dynamischen Beanspruchung von Halterungssystemen bei Kirchenfenstern wurden f\u00fcr die Peterskirche von den 5 M\u00f6glichkeiten zur Schraubensicherung der Einsatz von 2 halbierten Kontermuttern f\u00fcr die Bolzen als besonders geeignet empfohlen. Die Ma\u00dfnahme kam in der 2. Phase des Projekts zur Anwendung. F\u00fcr die Verschraubungen bei den bereits sanierten Glasmalereien soll die entsprechende Sicherung nachtr\u00e4glich durchgef\u00fchrt werden. Durch diese Festigung der Bolzenmuttern ist auch ein stabilerer Sitz der Bleibleche zu erwarten. (Einzelheiten vgl. Bericht Ingenieurb\u00fcro Reuschel bei CVMA Deutschland\/Potsdam an der BBAW).<br \/>\nDie Stabilit\u00e4t und Sicherheit von VS &#8211; Schutzverglasungen wurden im Juni 2006 durch ein heftiges Unwetter mit faustgro\u00dfen Hagelk\u00f6rnern auf die Probe gestellt. W\u00e4hrend an einfachen Blankverglasungen   der Kirche erhebliche Sch\u00e4den entstanden, waren keine ernsten Zerst\u00f6rungen an der mit 10 mm Bleiruten in Rechtecken aufgeteilten Doppelverglasungen aus 6 mm Verbundsicherheitsglas oder an den Hal-terungssystemen zu beobachten.<br \/>\nDer Einsatz von 3 Fachwerkst\u00e4tten zur Wiederherstellung von 5 Farbverglasungen f\u00f6rderte den Erfahrungsaustausch und die Diskussion, z. B. auch \u00fcber eine angemessene Behandlung von Krakeleebr\u00fcchen bei Gl\u00e4sern des 19. Jahrhunderts. Das Schadensbild fand sich in unterschiedlich starker Auspr\u00e4gung vor allem bei gelbem Glas. Im Hinblick auf einen m\u00f6glichst vollst\u00e4ndigen Erhalt der originalen Glassubstanz wurden f\u00fcr das Schadensbild drei Kategorien definiert, die jeweils unterschiedliche Ma\u00dfnahmen erfordern. Die Methoden erlaubten einen m\u00f6glichst gro\u00dfen Erhalt von Originalgl\u00e4sern. Alle Sicherungsarbeiten dieser Art und andere Ma\u00dfnahmen wurden sorgf\u00e4ltig dokumentiert (vgl. Dokumentation bei CVMA Deutschland\/Potsdam an der BBAW). Die Dokumentationen wurden erstmals digital erstellt, wobei f\u00fcr die Gliederung und die Darstellung des Schadensbildes und der durchgef\u00fchrten Ma\u00dfnahmen ein Schema erarbeitet wurde, das Anspruch auf Modellcharakter erheben kann.<br \/>\nIm Zusammenhang mit den Sanierungsarbeiten f\u00fchrte das Fraunhofer Institut f\u00fcr Silicatforschung, Au\u00dfenstelle Bronnbach, Untersuchungen zu den Schadensbildern an den vorhandenen Farbgl\u00e4sern, insbesondere zur Krakeleebildung durch.<br \/>\nDas Projekt wurde am 11. August 2006 im praktischen Teil durch die Endabnahme der Farbverglasun-gen in den Fenstern NIV, V erfolgreich abgeschlossen.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Am 24.\/25. Oktober 2006 wurde vor Ort in der Leipziger Peterskirche zum Projekt ein Abschlusskolloquium zur Weiterbildung durchgef\u00fchrt. Eingeladen waren alle interessierten Fachleute wie Restauratoren, Denkmalpfleger, Architekten, Naturwissenschaftler und Kunsthistoriker. Die Vortr\u00e4ge befassten sich z. B. mit der Verglasungsgeschichte der Leipziger Peterskirche, mit kunsthistorischen Bemerkungen zur Glasmalerei und zu Glasmalern, aber auch mit Fragen zur Schwingungsproblematik und Wirksamkeit von Au\u00dfenschutzverglasungen oder von Umwelteinfl\u00fcssen auf Glas und Bemalung. Neue Untersuchungsmethoden wurden ebenfalls vorgestellt. Das Kolloquium schloss am 2. Tag mit einem Praxiskurs. Im Mittelpunkt der \u00dcbungen standen Probleme der Reinigung von Gl\u00e4sern und der Einsatz von Glassensoren im Au\u00dfen- und Innenbereich von Geb\u00e4uden. (Vgl. Programm des Abschlusskolloquiums bei CVMA Deutschland\/Potsdam an der BBAW).<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Am 24.\/25. Oktober 2006 wurde vor Ort in der Leipziger Peterskirche zum Projekt ein Abschlusskolloquium zur Weiterbildung durchgef\u00fchrt. Eingeladen waren alle interessierten Fachleute wie Restauratoren, Denkmalpfleger, Architekten, Naturwissenschaftler und Kunsthistoriker. Die Vortr\u00e4ge befassten sich z. B. mit der Verglasungsgeschichte der Leipziger Peterskirche, mit kunsthistorischen Bemerkungen zur Glasmalerei und zu Glasmalern, aber auch mit Fragen zur Schwingungsproblematik und Wirksamkeit von Au\u00dfenschutzverglasungen oder von Umwelteinfl\u00fcssen auf Glas und Bemalung. Neue Untersuchungsmethoden wurden ebenfalls vorgestellt. Das Kolloquium schloss am 2. Tag mit einem Praxiskurs. Im Mittelpunkt der \u00dcbungen standen Probleme der Reinigung von Gl\u00e4sern und der Einsatz von Glassen-soren im Au\u00dfen- und Innenbereich von Geb\u00e4uden. (Vgl. Programm des Abschlusskolloquiums bei CVMA Deutschland\/Potsdam an der BBAW).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens In 24 gro\u00dfen Fenstern der Leipziger Peterskirche haben sich Reste wertvoller Glasmalereien von 1884\/86 erhalten, die von gro\u00dfer Bedeutung f\u00fcr die Ausstattung des Kirchenraums waren. 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