{"id":23420,"date":"2023-07-13T15:23:17","date_gmt":"2023-07-13T13:23:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/21417-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:23:18","modified_gmt":"2023-07-13T13:23:18","slug":"21417-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/21417-01\/","title":{"rendered":"Methodisch beispielhafte Konservierung zweier umweltgesch\u00e4digter Elbsandsteinfiguren der Johanniskirche in Hamburg-Harvestehude (einschlie\u00dflich Weiterbildungsma\u00dfnahmen)"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Zwei von vier Sandsteinfiguren, die vier Evangelisten darstellend, in ca. 30 m H\u00f6he am Turm der Johannis-Kirche in Harvestehude waren so stark gesch\u00e4digt, dass Figurenteile auf den Innenhof des Internationalen Kindergartens herabzust\u00fcrzen drohten.<br \/>\nEine interdisziplin\u00e4re Arbeitsgruppe, gebildet aus Steinmetzen, Restauratoren, Bauingenieuren und Naturwissenschaftlern hat die Umweltsch\u00e4den zweier Sandsteinfiguren, der Evangelisten Matth\u00e4us und Johannes, untersucht und die Schadensbilder erfasst, Schadensursachen festgestellt, und Konservierungsmethoden erprobt. In die naturwissenschaftlich begleitete Restaurierung wurde die Acrylharzvolltr\u00e4nkung (AVT), die erstmalig f\u00fcr Hamburger Kulturgut modellhaft Anwendung gefunden hat, mit ein-bezogen.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDie Arbeitsschwerpunkte liegen auf der Untersuchung zerst\u00f6render Prozesse (ohne vollst\u00e4ndige Kl\u00e4rung im Einzelfall, s. o.) und auf der sehr aufwendigen Restaurierung transportabler Einzelst\u00fccke, die z. B. mit dem Verfahren der Acrylharzvolltr\u00e4nkung (AVT) konserviert werden k\u00f6nnen.<br \/>\n&#8211;\tBestimmung der Gesteinsvariet\u00e4t, der Salze und der Altrestaurierungs-Materialien<br \/>\n&#8211;\tSchadenserfassung und -dokumentation<br \/>\n&#8211;\tEntwicklung und Beurteilung von Reinigungsmethoden zur Entfernung der Algenbel\u00e4ge, Gipskrusten, und sonstigen Ablagerungen, Reinigungstests<br \/>\n&#8211;\tErarbeitung eines Restaurierungskonzeptes (Klebung \/ Vernadelung von gebrochenen Teilen, Antrag von Steinersatzmassen etc., Vorbereitung f\u00fcr die Acrylharzvolltr\u00e4nkung)<br \/>\n&#8211;\t\u00dcberpr\u00fcfung des Erfolges von Restaurierungsma\u00dfnahmen mittels Ultraschall.<br \/>\n&#8211;\tAcrylharzvolltr\u00e4nkung<br \/>\n&#8211;\t\u00dcberpr\u00fcfung mittels Ultraschall.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Die Figuren sind beide aus Elbsandstein, der Variet\u00e4t Cottaer Sandstein.<br \/>\nDie Verkrustungen und Verschmutzungen, die die Gesteinsoberfl\u00e4che f\u00fcr die Konservierungsmittel stellenweise verschlie\u00dfen, wurden ebenso wie die Eisenanker entfernt.<br \/>\nDie Altrestaurierungsm\u00f6rtel (Kalkm\u00f6rtel mit hydraulischen Anteilen) in ihrer unterschiedlichen Zusammensetzung wurden durch offenporige M\u00f6rtel-Systeme, die f\u00fcr die Acrylharzvolltr\u00e4nkung geeignet sind, ersetzt.<br \/>\nDa der Salzgehalt sehr gering ist, brauchten die Figuren keiner Entsalzung unterzogen zu werden.<br \/>\nDie Figuren wurden mit Ledan TA 1 Leit 03 und 16 mm V4 A-D\u00fcbeln wieder zusammengesetzt.<br \/>\nAls weiterer Arbeitsschritt wurde eine partielle Festigung sandender Partien mit OH G 10 durchgef\u00fchrt. Es folgte eine Reinigung mit Wasserberieselung und Mikrostrahlverfahren. Alle Fehlstellen wurden mit dem Restaurierm\u00f6rtel: Schmalstieg Steinmasse RS Typ A erg\u00e4nzt.<br \/>\n\u00dcberpr\u00fcfung der Vorrestaurierung<br \/>\nNach der Restaurierung wurden Ultraschalluntersuchungen durchgef\u00fchrt. Sie zeigten generell, dass die durchgef\u00fchrten Restaurierungen erfolgreich waren. Einige Problemzonen, die sichtbar wurden, konnten vor der Durchf\u00fchrung der Acrylharzvolltr\u00e4nkung vom Restaurator nachgearbeitet werden.<br \/>\nDanach erfolgte durch die Fa. Ibach Steinkonservierung die Acrylharz-Volltr\u00e4nkung (AVT) .<br \/>\nNachrestaurierung<br \/>\nDie Nachrestaurierung umfasste die Antragung der Alterg\u00e4nzungen und die Rissinjektagen der alten Bruchst\u00fccke. Abschlie\u00dfend erhielten die Figuren  eine Lasur auf Acrylharzbasis.<br \/>\nDie \u00dcberpr\u00fcfung der Restaurierung erfolgte in der Fa. Schmalstieg mit der Ultraschallmethode. Es wurden dieselben Mess-Strecken, die vor der AVT zur Pr\u00fcfung dienten, erneut genutzt.<br \/>\nAls Ergebnis war nach der Acrylharzvolltr\u00e4nkung ein generell erh\u00f6htes Geschwindigkeitsniveau mit Werten zwischen 3,5 und 5 km\/s in fast allen Mess-Strecken zu ermitteln. Problemzonen, die bei der Messung vor der Tr\u00e4nkung detektiert wurden, zeigten nach der Tr\u00e4nkung meist auf das allgemeine Niveau angehobene Geschwindigkeiten oder zumindest deutlich erh\u00f6hte Werte. In Einzelf\u00e4llen waren aber noch Zonen geringerer Geschwindigkeiten und undeutlicher Signaleins\u00e4tze auszumachen.<br \/>\nR\u00fcckf\u00fchrung der Figuren an den Turm<br \/>\nEine spezielle Befestigung ist notwendig, da nach der AVT die Figuren mit ihrer dunklen nat\u00fcrlichen Natur-Steinf\u00e4rbung  einer nicht unerheblichen thermischen L\u00e4ngen\u00e4nderung unterliegen.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Die Arbeitsschritte und Ergebnisse wurden dokumentiert, in der materialkundlichen Datenbank des ZMK erfasst und in Vortr\u00e4gen den Studierenden des Institutes f\u00fcr Restaurierung der Hochschule f\u00fcr Angewandte Kunst und Wissenschaft der FH Hildesheim und im Fachbereich Geowissenschaften an der Uni-versit\u00e4t Hannover ebenso wie den TeilnehmerInnen der studienvorbereitenden Praktika der Stiftungen Hamburger Museen und des Denkmalschutzamtes der Freien und Hansestadt Hamburg pr\u00e4sentiert. Die begleitenden Arbeitsschritte sind im Projektverlauf auf der Homepage der Kirchengemeinde St. Johannis, Hamburg-Harvestehude einer breiten \u00d6ffentlichkeit zug\u00e4nglich gemacht worden. Am 20.12.2004 wurden der Kirchengemeinde St. Johannis in Harvestehude die Projektergebnisse abschlie\u00dfend vorgestellt.<br \/>\nEin Artikel \u00fcber die Projektarbeiten und -ergebnisse ist in der Fachzeitschrift  Bautenschutz und Bausa-nierung \/ Bauen im Bestand (Heft 05 \/ 2005) erschienen.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Ohne ein Gef\u00e4hrdungspotenzial f\u00fcr die spielenden Kinder des Internationalen Kindergartens darzustellen, stehen die Figuren der beiden Evangelisten Johannes und Matth\u00e4us wieder an ihren Pl\u00e4tzen am Turm der Johannis-Kirche. M\u00f6glich ist dies durch die erstmalige Anwendung der Acrylharzvolltr\u00e4nkung (AVT) an Hamburger Kunst- und Kulturgut und durch die intensive Zusammenarbeit von Naturwissenschaft und Handwerk.<br \/>\nUm weitergehende Erkenntnisse f\u00fcr den modellhaft durchgef\u00fchrten Einsatz der AVT-Methode zu erhalten, wird darauf hingewiesen, dass eine \u00dcberpr\u00fcfung der durchgef\u00fchrten Restaurierungsma\u00dfnahmen, unter anderem durch die Messung mittels Ultraschall, nach einer Bewitterungszeit von zwei bis drei Jahren als unbedingt n\u00f6tig erachtet wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Zwei von vier Sandsteinfiguren, die vier Evangelisten darstellend, in ca. 30 m H\u00f6he am Turm der Johannis-Kirche in Harvestehude waren so stark gesch\u00e4digt, dass Figurenteile auf den Innenhof des Internationalen Kindergartens herabzust\u00fcrzen drohten. 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