{"id":23378,"date":"2025-06-25T10:32:17","date_gmt":"2025-06-25T08:32:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/21278-01\/"},"modified":"2025-06-25T10:32:20","modified_gmt":"2025-06-25T08:32:20","slug":"21278-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/21278-01\/","title":{"rendered":"Hochwasser- und Naturschutz im Wei\u00dferitzkreis"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Hochwasser- und Naturschutz werden oft als schwer miteinander vereinbar gesehen. Am Beispiel des vom August-Hochwasser 2002 besonders stark in Mitleidenschaft gezogenen Wei\u00dferitz-Einzugsgebiets sollen beispielhaft Optimierungsstrategien und Ma\u00dfnahmen f\u00fcr die Landnutzung erarbeitet werden, die sich sinnvoll erg\u00e4nzen und beiden Aspekten dienen. Dem Einzugsgebiet kommt aus Naturschutzsicht eine besondere Bedeutung zu, da Teile des Gebietes als FFH-Gebiete (NATURA 2000) gemeldet sind und weiterhin besonders im Oberlauf verschiedene gesch\u00fctzte und gef\u00e4hrdete Biotoptypen vorkommen. Es geh\u00f6rt im Oberlauf zu den Hochwasserentstehungsgebieten in Sachsen.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDie Projektziele wurden durch eine enge Zusammenarbeit von landschafts\u00f6kologischen und hydrologischen Gebietsanalysen sowie hydrologischer Modellierung erreicht:<br \/>\n\tLandschafts\u00f6kologische Analysen (I\u00d6Z): Biotoptypenkartierung, Erfassung biotoptypenbezogener hochwasserschutzrelevanter Parameter (z. B. Durchwurzelungstiefe), Defizitanalyse, Ableitung, Planung und Bewertung (Biotoptypenbewertung eng gekoppelt mit einer Bewertung der Landschaftsstruktur) von m\u00f6glichen Ma\u00dfnahmen aus Naturschutzsicht,<br \/>\n\tModellierung Abflussverh\u00e4ltnisse (IHI, BHB): gekoppelte Anwendung eines Wissensbasierten Systems (WBS FLAB) zur hydrologischen Raumgliederung und eines Niederschlag-Abflussmodells mit Integration der landschafts\u00f6kologischen Ergebnisse (Biotoptypen, Durchwurzelung), Ableitung von m\u00f6glichen Ma\u00dfnahmen, Bewertung hinsichtlich ihrer Hochwasserschutzwirkung,<br \/>\n\tAbflusssimulation in Flie\u00dfgew\u00e4ssern: Simulation von Flie\u00dfbewegungen in Gew\u00e4ssern und auf den Vorl\u00e4ndern zur Prognostizierung des Einflusses unterschiedlicher Vegetation auf den Hochwasserabfluss.<br \/>\nAufbauend auf der jeweiligen Analyse des Ist-Zustandes wurden verschiedene Landnutzungsszenarien wie beispielsweise die Etablierung von Extensivgr\u00fcnland auf Ackerfl\u00e4chen oder der \u00f6kologische Waldumbau vorhandener, standortfremder W\u00e4lder erstellt und jeweils aus Sicht des Naturschutzes und des Hochwasserschutzes bewertet.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Die beiden TEZG Wei\u00dfbach und H\u00f6ckenbach unterscheiden sich sowohl hinsichtlich ihrer Ausstattung an Biotoptypen als auch in ihren hydrologischen Gebietseigenschaften deutlich: W\u00e4hrend das TEZG Wei\u00dfbach durch einen hohen Anteil naturschutzfachlich wertvoller Biotoptypen gekennzeichnet ist, dominieren im TEZG H\u00f6ckenbach weitestgehend intensiv genutzte \u00c4cker.<br \/>\nDie Modellierungen mit dem Wissensbasierten System FLAB und dem Niederschlag-Abflussmodell Wa-SiM-ETH zeigen, dass die Abflusskomponente Zwischenabfluss in den TEZG Wei\u00dfbach und H\u00f6ckenbach ebenso wie Oberfl\u00e4chenabflusskomponenten eine dominierende Rolle spielen, wobei im Wei\u00dfbachgebiet die Ursachen besonders in der Flachgr\u00fcndigkeit und dem Skelettreichtum der B\u00f6den und im H\u00f6ckenbachgebiet im schlechten Infiltrationsverm\u00f6gen der B\u00f6den zu suchen sind.<br \/>\nDie entwickelten Verfahren zur Bewertung der Landnutzungsszenarien konnten sowohl f\u00fcr die TEZG als auch auf das Gesamteinzugsgebiet der Wei\u00dferitz erfolgreich angewendet werden. Die Ergebnisse zeigen, dass der vorbeugende Hochwasserschutz sehr gut mit den Anforderungen des Naturschutzes vereinbar ist, wobei die Gebietseigenschaften (v. a. Landnutzung, B\u00f6den) von ausschlaggebender Bedeutung f\u00fcr den Erfolg der Ma\u00dfnahmen sind. Eine Flie\u00dfgew\u00e4sserrenaturierung beispielsweise erf\u00fcllt optimal beide Anforderungen. Sogar Szenarien f\u00fcr Landnutzungs\u00e4nderungen, die allein aus Sicht des Na-turschutzes aufgestellt wurden, f\u00fchrten zu einer Verbesserung der Hochwasserschutzsituation; umgekehrt kann eine Landnutzung, die optimal den Anforderungen des Hochwasserschutzes dient, auch positive Effekte f\u00fcr den Naturschutz haben. Die Wirkung der analysierten Landnutzungs\u00e4nderungen ist nach diesen Analysen in kleinen bis mittelgro\u00dfen Einzugsgebieten und bei Niederschlagsereignissen mit einer 5- bis 50-j\u00e4hrigen Auftretenswahrscheinlichkeit am gr\u00f6\u00dften. In Abh\u00e4ngigkeit von der Ausgangssituation k\u00f6nnen die Abflussspitzen im Flie\u00dfgew\u00e4sser nach diesen Simulationsergebnissen durch Landnutzungs- bzw. Bewirtschaftungs\u00e4nderungen um 10 bis maximal 25 % gesenkt werden. Allerdings sind daf\u00fcr Nutzungs- bzw. Bewirtschaftungs\u00e4nderungen auf etwa 25 bis 50 % der Fl\u00e4che erforderlich. Besonders hervorzuheben sind die weiteren positiven Synergieeffekte dieser Ma\u00dfnahmen wie verbesserter Bodenschutz, ausgeglichener Gebietswasserhaushalt sowie Aufwertung des Landschaftsbildes.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>F\u00fcr HochNatur wurden ein Internetauftritt (http:\/\/www.ioez.tu-freiberg.de\/hochnatur\/) und ein Flyer erstellt. Gemeinsam mit zwei weiteren DBU-Projekten wurde eine Handreichung f\u00fcr Akteure vor Ort erarbeitet, in der Checkkarten die Auswahl von Ma\u00dfnahmen f\u00fcr eine konkrete Fl\u00e4che erleichtern (http:\/\/www.ioez.tu-freiberg.de\/hochnatur\/Broschuere.html). In Form von Steckbriefen werden die Ma\u00dfnahmen hinsichtlich ihrer Wirkungen, der Zeitdauer bis zur Wirksamkeit und bevorzugter Einsatzgebiete vorgestellt und durch Hinweise zur Umsetzung erg\u00e4nzt. Auswahl von Publikationen:<br \/>\n\u00a2\tBianchin, S., E. Richert &#038; H. Heilmeier (2005): A multifunctional approach to flood and nature protection in the Weisseritz catchment (Eastern Erzgebirge). &#8211; International Conference Multifunctionality of Landscapes Analysis, Evaluation and Decision Support, Tagungsband, Giessen 2005<br \/>\n\u00a2\tMerta, M., C. Seidler, S. Bianchin &#038; E. Richert (2006): Analysis of land use change in the Eastern Ore Mountains regarding both nature protection and flood prevention. In: DKW-Series (2007) Progress in Hydro Sciences and Engineering, Dresden Water Center. TU Dresden (im Druck).<br \/>\n\u00a2\tMerta, M., C. Seidler, E. Richert &#038; S. Bianchin (2007): Analyse von Landnutzungs\u00e4nderungen unter hochwasser- und naturschutzfachlichen Aspekten im Einzugsgebiet der Wei\u00dferitz (Osterzgebirge). Forum f\u00fcr Hydrologie und Wasserbewirtschaftung 20 (einger.).<br \/>\n\u00a2\tMerta, M., C. Seidler, E. Richert &#038; S. Bianchin (2007): Analysis of land use change in the Eastern Erzgebirge regarding both nature protection and flood prevention. Soil and Water Research, (einger.).<br \/>\n\u00a2\tRichert, E., S. Bianchin, H. Heilmeier. G. Hammer, M. Merta &#038; C. Seidler (2007): Hochwasser- und Naturschutz im Wei\u00dferitzkreis &#8211; Interdisziplin\u00e4re Bewertung von Landnutzungsszenarien. Forum f\u00fcr Hydrologie und Wasserbewirtschaftung, (einger.).<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Das Hauptproblem f\u00fcr die Umsetzung von Ma\u00dfnahmen war die Fl\u00e4chenverf\u00fcgbarkeit. Demzufolge m\u00fcssen Anreize geschaffen werden, mit denen die Landeigent\u00fcmer und -nutzer f\u00fcr eine m\u00f6glichst dauerhafte Umsetzung von Ma\u00dfnahmen gewonnen werden k\u00f6nnen. Im Bericht werden die zur Projektlaufzeit bestehenden Probleme dargestellt und Hinweise zu m\u00f6glichen Verbesserungen gegeben.<br \/>\nDa die analysierten Landnutzungen ihre gr\u00f6\u00dfte Wirkung in den kleineren Einzugsgebieten zeigen, die Ma\u00dfnahmen hier auch fl\u00e4chengenau unter Ber\u00fccksichtigung der lokalen Situation gut zu planen sind, sollten f\u00fcr Sachsen Landnutzungs\u00e4nderungen besonders bei den sogenannten Hochwasserschutzkonzepten f\u00fcr Gew\u00e4sser zweiter Ordnung Ber\u00fccksichtigung finden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Hochwasser- und Naturschutz werden oft als schwer miteinander vereinbar gesehen. Am Beispiel des vom August-Hochwasser 2002 besonders stark in Mitleidenschaft gezogenen Wei\u00dferitz-Einzugsgebiets sollen beispielhaft Optimierungsstrategien und Ma\u00dfnahmen f\u00fcr die Landnutzung erarbeitet werden, die sich sinnvoll erg\u00e4nzen und beiden Aspekten dienen. 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