{"id":23374,"date":"2023-08-11T10:32:04","date_gmt":"2023-08-11T08:32:04","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/21253-01\/"},"modified":"2023-08-11T10:32:05","modified_gmt":"2023-08-11T08:32:05","slug":"21253-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/21253-01\/","title":{"rendered":"Modellvorhaben: Denkmal- und naturschutzvertr\u00e4glicher Uferverbau gegen die Devastierung der Uferzone am Heiligen See im Neuen Garten\/Potsdam (Brandenburg)"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Anlass des Vorhabens war die starke Erosion des Uferbereichs am Heiligen See infolge von Witterungs- und geologischen Bedingungen, Bodentyp und Trittbelastung. Ziel des vorgeschlagenen Modellprojektes war es, im Bereich des n\u00f6rdlichen Westufers eine nachhaltige L\u00f6sung zu schaffen, die die historische Uferlinie wieder herstellt und zuk\u00fcnftige Ufersch\u00e4digungen verhindert. Das Ufer wies durch Auskolkung eine Stufe zum Wasser mit H\u00f6hen von 50 bis 120 cm auf und war partiell stark erodiert und nur noch sp\u00e4rlich bewachsen.<br \/>\nDer Siedlungsraum von Kleinlebewesen, Wassertieren und V\u00f6geln sollte erhalten und gef\u00f6rdert werden. Die zuk\u00fcnftige Uferlinie soll nicht in einer erodierbaren Kante enden und f\u00fcr die bestehenden Geh\u00f6lze einen sicheren Abstand zum Wasser bieten. Das befestigte landseitige Ufer muss weitgehend resistent gegen witterungsbedingte Erosion und Trittbelastungen aller Art sein.<br \/>\nErg\u00e4nzt wurde die Ma\u00dfnahme durch die Wiederherstellung des Uferweges in seiner historischen Linie.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenGrundlage des Modellprojektes war eine Diplomarbeit der TU Berlin, die in Zusammenarbeit mit dem Bereich G\u00e4rten der Stiftung Preu\u00dfische Schl\u00f6sser und G\u00e4rten Berlin-Brandenburg (SPSG) und Fachfirmen die M\u00f6glichkeiten eines naturnahen und denkmalgeeigneten Uferverbau analysierte, auf Eignung pr\u00fcfte und eine ingenieurbiologische Variante f\u00fcr den steil abfallenden Unterwasserbereich am Heiligen See konzipierte.<br \/>\nDie durchgef\u00fchrte ingenieurbiologische Variante des Uferverbaus zum Schutz des wasser- und landseitigen Ufers vor weiterer Erosion sowie zur Wiederherstellung der urspr\u00fcnglichen Uferlinie beinhaltete folgende Ma\u00dfnahmen:<br \/>\n\u00b7\tWasserseitig wurde eine Berme je nach H\u00f6hendifferenz aus bis zu vier Steinwalzen angelegt, die das Ufer vor weiteren str\u00f6mungsbedingten Abbr\u00fcchen sch\u00fctzt. Damit wird ein stufenloser \u00dcbergang des Gel\u00e4ndes im Wasserwechselbereich m\u00f6glich und der Wellenschlag entspricht im ufernahen Bereich dem eines ruhenden Gew\u00e4ssers.<br \/>\n\u00b7\tDie Bermenzone und der Flachwasserbereich wurden mit regionaltypischen Wasserpflanzen bepflanzt. Es kommen dabei vorgezogene R\u00f6hrichtwalzen sowie R\u00f6hrichtmatten mit ortstypischen Pflanzen zum Einsatz.<br \/>\n\u00b7\tDer Uferbereich wurde entsprechend historischer Pl\u00e4ne modelliert (Uferverluste wurden dabei aus-geglichen) und geht sanft abfallend in die Wasserzone \u00fcber.<br \/>\n\u00b7\tBei der Uferbegr\u00fcnung wurde wegen der Erosions- und Trittbelastungssch\u00e4den auf stabilisierende Erosionsschutzmatten zur\u00fcckgegriffen. Ausgew\u00e4hlt wurden Erosionsschutzmatten vom amerikanischen Hersteller North-American-Green (NAG) C 125 BN. Diese Matten sch\u00fctzen die darunter anges\u00e4te Grasnarbe, die durch die Matte wachsen kann, in ihrer Basalzone. Bei Trittbelastung wird so dieser wichtige Teil der Pflanze gesch\u00fctzt. Der Rasen auf der Erosionsschutzmatte ist maschinell m\u00e4hbar, die Matte verrottet in einer Frist von mehreren Jahren. Der gesamte Uferbereich wurde zum anf\u00e4nglichen Schutz f\u00fcr 2 Jahre wasser- und landseitig eingez\u00e4unt.<br \/>\n\u00b7\tDer stark erodierte und mit der Zeit verlagerte Uferweg erhielt die historische Wegef\u00fchrung zur\u00fcck, im flachen Bereich als wassergebundene Wegedecke, im Hangbereich als beiges Natursteinpflaster.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Der Modellbereich umfasste etwa 250 m Ufer am Nordwestbereich des Heiligen Sees in unmittelbarer N\u00e4he von Schloss Cecilienhof. Die Durchf\u00fchrung des Projektes erfolgte in zwei Phasen. Nach den Vorbereitungen, wie die \u00dcberlagerung der historischen Pl\u00e4ne mit den aktuellen Vermessungen und Vermessungen der Wassertiefe im zuk\u00fcnftigen Uferbereich konnten im Herbst 2004 die Uferlinie festgelegt, die Kiefernholzpf\u00e4hle f\u00fcr die Bermen eingeschlagen und die Berme (drei Steinwalzen) angelegt werden. Das Ufer wurde grob in seinen zuk\u00fcnftigen Umrissen mit zahlreichen Aufsch\u00fcttungen planiert. Die Ma\u00dfnahme dauerte etwa 4 Wochen. Die Winterruhe brachte die erwarteten Setzungen an Erdreich und Berme mit sich. Die Arbeiten im Was-er und die Materialtransporte wurden vom Wasser aus durchgef\u00fchrt.<br \/>\nIm Fr\u00fchjahr 2005 zeigte sich, dass die Setzungen an der Berme (die Steinwalzen lagern sich oval und setzen sich im Seeboden) das Aufsetzen einer vierten Steinwalze erforderlich machten. Die maximale \u00dcbersp\u00fclung der Berme darf nur 30 cm betragen (der Wasserstand des Heiligen Sees ist reguliert). Das Ufer wurde mit wenigen Erdmassen noch einmal erg\u00e4nzt und dann entsprechend der Uferlinie konvex bzw. konkav modelliert. Nach der Modellierung wurden die B\u00f6schungen auf der Rasenaussaat mit Erosionsmatten belegt. Die Matten werden mit Holzn\u00e4geln (50 cm lang) befestigt. Neben dem Kronenbereich der Berme wurden R\u00f6hrichtwalzen, im Flachwasser R\u00f6hrichtmatten mit arealtypischen und autochthonen Pflanzen verlegt. Die Auswahl der Pflanzen erfolgte auch nach historischen Vorgaben. Alle Transporte an Land wurden mit Kleintransportern ausgef\u00fchrt. Die Arbeiten der zweiten Phase nahmen eine Zeitraum von etwa 3 Wochen ein.<br \/>\nBereits 2 Monate nach Fertigstellung zeigte das Ufer ein vitales Wachstum der Flora.<br \/>\nDie \u00dcberlagerung des historischen Kartenmaterials mit aktuellen digitalen Vermessungen offenbarte Abweichungen des Uferweges, die einerseits den Wurzelbereich von B\u00e4umen sch\u00e4digte, andererseits mit altem Asphalt im Hangbereich den Denkmalwert der Anlage deutlich beeintr\u00e4chtigte.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Die \u00d6ffentlichkeitsarbeit war in diesem Modellfall sehr wichtig, da die Bev\u00f6lkerung und die G\u00e4ste von Potsdam aus Unkenntnis und Unverst\u00e4ndnis die Gebote zum Schutz der Gartenanlage und Uferzonen \u00fcberwiegend missachten. Der Heilige See ist wegen seines sauberen Wassers der beliebteste Badesee von Potsdam. Im Winter mit den im Brandenburgischen \u00fcblichen Barfr\u00f6sten kommt es h\u00e4ufig zu einer geschlossenen Eisdecke und zu erheblichen Ufersch\u00e4den durch Eisl\u00e4ufer und -angler.<br \/>\nRegionale Presse und Fernsehen berichteten ausf\u00fchrlich und an pr\u00e4destinierter Stelle. Zus\u00e4tzlich informierte ein ausf\u00fchrlicher Artikel im Besuchermagazin der SPSG und ein Bauschild \u00fcber die Ma\u00dfnahme.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Das Modellprojekt verlief au\u00dferordentlich erfolgreich, z\u00fcgig und kosteng\u00fcnstig. Den Ergebnissen wird in Fachkreisen bereits reges Interesse entgegen gebracht. Besonders hervorzuheben sind:<br \/>\n\u00b7\tDer vorrangige Materialtransport \u00fcber das Wasser und \u00fcberwiegende Verbauung von einem Ponton im Wasser sch\u00fctzte den Neuen Garten au\u00dferordentlich, d. h. vorhandene Wege wurden nicht zerfahren, Rasenfl\u00e4chen geschont, Besucher nicht mit L\u00e4rm und Schmutz gest\u00f6rt. Die Transporte durch den Park erfolgten lediglich f\u00fcr Restmengen der 2. Projektphase mit Kleintransportern. Es entstanden keine Folgekosten f\u00fcr die Wiederherstellung der Parkanlage.<br \/>\n\u00b7\tDie Bauma\u00dfnahmen selbst waren in kurzer Zeit zu erledigen und daher auch kostenoptimiert.<br \/>\n\u00b7\tDie arealtypische Flora wurde um selten gewordene Wasserpflanzen erg\u00e4nzt, die ufernahen B\u00e4ume nachhaltig gesch\u00fctzt, die Fauna nicht ver\u00e4ndert oder gest\u00f6rt.<br \/>\n\u00b7\tDie Erosionsschutzmatten lie\u00dfen sich leicht verlegen und dem Gel\u00e4nde anpassen. Sie wurden kurzfristig von der Rasenansaat durchwachsen und sind praktisch nicht mehr sichtbar. Der Rasen kann trotz der Matten maschinell gepflegt werden.<br \/>\n\u00b7\tDie zweij\u00e4hrige Einz\u00e4unung des Modellbereiches mit einem wenig sichtbehinderndem Zaun und der Erl\u00e4uterungstafel erweist sich als \u00e4sthetisch vertretbare und informative M\u00f6glichkeit des vor\u00fcbergehenden Schutzes des Uferbereiches.<br \/>\n\u00b7\tDer wiederhergestellte Uferweg mit Neuanpflanzungen und erneuerten Blickbeziehungen erg\u00e4nzt die Ma\u00dfnahme hervorragend in nachhaltiger, umwelt- und denkmalgerechter Weise.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Anlass des Vorhabens war die starke Erosion des Uferbereichs am Heiligen See infolge von Witterungs- und geologischen Bedingungen, Bodentyp und Trittbelastung. 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