{"id":23348,"date":"2023-07-13T15:23:11","date_gmt":"2023-07-13T13:23:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/21216-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:23:12","modified_gmt":"2023-07-13T13:23:12","slug":"21216-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/21216-01\/","title":{"rendered":"Bauklimatische, messtechnisch validierte Geb\u00e4udesimulation und Ausarbeitung und eines Regelwerkes zur energetisch und umwelttechnisch optimierten Sanierung am Beispiel eines Baudenkmals in G\u00f6rlitz (2. Phase)"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Der europ\u00e4ische Kulturraum wird mit einer gro\u00dfen Zahl von Herausforderungen im Rahmen der Sanierungen denkmalgesch\u00fctzter Geb\u00e4ude konfrontiert. Die vorhandenen Sanierungsstrategien l\u00f6sen die erforderlichen Aufgaben, unter Einhaltung der Auflagen des Denkmalschutzes den Energieverbrauch der Geb\u00e4ude ma\u00dfgeblich zu senken, die Belange des Umweltschutzes zu ber\u00fccksichtigen und die Dauerhaftigkeit und Zuverl\u00e4ssigkeit der Konstruktionen zu gew\u00e4hrleisten, leider in vielen F\u00e4llen nicht. Die Sanierung des barocken Geb\u00e4udes in G\u00f6rlitz soll unter Beachtung der gestalterischen und denkmalpflegerischen Belange modellhaft das m\u00f6gliche Einsparpotential im Bereich des Prim\u00e4renergie-, Trink- und Abwasserverbrauchs theoretisch und praktisch zeigen.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDie Grundlage f\u00fcr das Modell- und Forschungsprojekt bildet die intensive Auseinandersetzung mit den Zielen der Denkmalpflege und eine enge Zusammenarbeit von verschiedenen am Bau beteiligten Fachplanern, Beh\u00f6rden und Gewerken. Die bautechnische Umsetzung legte besonderen Wert auf eine sinnvolle Reduzierung der Transmissionsw\u00e4rmeverluste. Beispielsweise wurde an der Stra\u00dfenseite aus denkmalpflegerischen Gr\u00fcnden eine kapillaraktive diffusionsoffene Innend\u00e4mmung angebracht. Es kamen spezielle hochw\u00e4rmed\u00e4mmende Fenster zur Anwendung, welche das Erscheinungsbild dieses Baudenkmals beibehalten. Eine weitere Reduzierung des Prim\u00e4renergiebedarfes im Bereich der Transmissionsw\u00e4rmeverluste ist nur bedingt wirtschaftlich, da die L\u00fcftungsw\u00e4rmeverluste an Bedeutung zunehmen. Eine kosteng\u00fcnstige Reduzierung des Prim\u00e4renergiebedarfes ist mit dem Einbau einer Zu- und Abluftanlage mit W\u00e4rmer\u00fcckgewinnung m\u00f6glich. Das Herzst\u00fcck der Heizungstechnik ist ein Schichten- und ein Pufferspeicher, welche durch einen Kaminheizkessel und durch eine Solaranlage aufgeladen werden. Mittels einer Grauwassernutzungsanlage und mehrerer Abwasserw\u00e4rmenutzungen kann das Abwasser weiteren Verwendungen zugef\u00fchrt werden. Mit dem Vorhaben werden verschiedene dem Denkmal entsprechende M\u00f6glichkeiten zur Senkung des Prim\u00e4renergieverbrauches realistisch untersucht und das jeweilige Energieeinsparpotential quantifiziert.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Die Au\u00dfenw\u00e4nde bestehen bis zum 2. OG aus Mischmauerwerk mit Granit, Basalt und Bruchziegelbestandteilen, oberhalb des 2. OG aus Ziegelmauerwerk. Sie wurden an der Nordfassade (Stra\u00dfenseite) mit der kapillaraktiven diffusionsoffenen Innend\u00e4mmung aus Calciumsilikat mit 5 cm Dicke und au\u00dfen mit 3 cm D\u00e4mmputz versehen. Durch die Anwendung des D\u00e4mmputzes entspannt sich die hygrische Situation an der kalten Seite der Innend\u00e4mmung. Die Dachliegefenster wurden mit einer 3-Scheiben-W\u00e4rmeschutzverglasung nachger\u00fcstet. Bei diesen Fenstern kommt es bei klaren kalten N\u00e4chten zur Kondensat- oder Reifbildung auf der Au\u00dfenseite der Au\u00dfenscheibe. Eine W\u00e4rmeschutzverglasung mit einer witterungsstabilen Beschichtung auf der Au\u00dfenseite kann diese Beeintr\u00e4chtigung minimieren. Wegen des vorhandenen Leerstandes im Nachbargeb\u00e4ude mussten die Innenw\u00e4nde im 1. und 2. DG mit Calciumsilikatplatten versehen werden, wobei neben der W\u00e4rmed\u00e4mmung auch der Brandschutz verbessert wurde.<br \/>\n\u00dcbersch\u00fcssige solar bereitgestellte W\u00e4rme wird zum Temperieren des auch im Sommer kalten Erdgeschosses herangezogen, um Sommerkondensation zu vermeiden. Weiterhin wird die gro\u00dfe Bauwerksmasse im Erdgeschoss zur Langzeitspeicherung aktiviert. Mit einem geb\u00e4udeintegrierten Langzeitspeicher wird zus\u00e4tzlich der Beginn der Heizperiode hinausgez\u00f6gert.<br \/>\nDurch die eingesetzten freiprogrammierbaren Regler ist es m\u00f6glich, alle f\u00fcr das Forschungsprojekt notwendigen Steuer- und Reglungsprozesse selbst zu programmieren und gleichzeitig die Messwerte aufzuzeichnen. Es konnten schon in vielen F\u00e4llen Fehlfunktionen in dem Betrieb der Geb\u00e4udetechnik festgestellt und behoben werden, die sonst bei anderen Geb\u00e4uden unbemerkt bleiben.<br \/>\nEine erste Messperiode von Anfang Oktober 2005 bis Ende September 2006, in der aber noch nicht alle geb\u00e4udetechnischen Anlagen installiert waren, f\u00fchrte zu folgenden Ergebnissen:<br \/>\n\tOhne kontrollierte Wohnungsl\u00fcftung &#8211; die L\u00fcftungsanlage war bis zum Sommer 2006 noch nicht eingebaut &#8211; wurde in den Wohnr\u00e4umen eine Luftfeuchte von \u00fcber 70 % gemessen, was durch die noch erfolgende Austrocknung des Geb\u00e4udes und das zu geringe L\u00fcften der Nutzer zur\u00fcckzuf\u00fchren ist. Der Einsatz der Zu- und Abluftanlage, deren Einbau momentan erfolgt, ist unbedingt n\u00f6tig.<br \/>\n\tZurzeit wird im Geb\u00e4ude mehr Prim\u00e4renergie f\u00fcr Strom f\u00fcr die elektrischen Haushaltger\u00e4te als f\u00fcr Geb\u00e4udeheizung und Trinkwassererw\u00e4rmung einschlie\u00dflich der Hilfsenergie ben\u00f6tigt. Das soll durch Warmwasseranschl\u00fcsse f\u00fcr Geschirrsp\u00fcler und Waschmaschine ge\u00e4ndert werden.<br \/>\n\tBis auf den Hilfsenergieverbrauch f\u00fcr die Heizanlagen bzgl. des Prim\u00e4renergieverbrauchs wurde der Nullemissionsgeb\u00e4udestandard erreicht. Es wurden keine konventionellen Energien eingesetzt.<br \/>\n\tMit dem Verbrauch f\u00fcr Geb\u00e4udeheizung und Trinkwassererw\u00e4rmung von 25,00 kWh\/(m\u00b2 a) konnte nahezu der Passivhausstandard erreicht werden.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Das Projekt konnte am Tag des offenen Denkmals 2004 und am Tag der offenen Sanierungst\u00fcr 2005 einer breiten \u00d6ffentlichkeit vorgestellt werden. Dabei wurden jeweils im Geb\u00e4ude Vortr\u00e4ge und F\u00fchrungen angeboten, welche sehr gut angenommen wurden.<br \/>\nAuch in der Politik wurde das Modell- und Forschungsvorhaben mit Interesse verfolgt. Der heutige Innenminister des Freistaates Sachsens, Herr Dr. Buttolo, Landtagsabgeordnete, Bundestagsabgeordnete und Stadtr\u00e4te besuchten die Baustelle.<br \/>\nHinter dem Projekt stehen eine Vielzahl von Firmen und Beh\u00f6rden, die das Projekt fachlich und finanziell weit \u00fcber das \u00fcbliche Ma\u00df unterst\u00fctzten.<br \/>\nMit Vortr\u00e4gen in einer Sitzung des Stadtrates, bei der Hausmesse 2004 in Dresden, beim Ehrenkolloquium zu Ehren von Prof. Schmidt 2005 in Zittau und an den Tagen der erneuerbaren Energie 2004 und 2006 wurde die Sanierung des Geb\u00e4udes Handwerk 15 einem Fachpublikum vorgestellt.<br \/>\nDas Geb\u00e4udeprojekt wurde als Praxisbeispiel innerhalb der Lehrt\u00e4tigkeit f\u00fcr Belegarbeiten der Hochschule Zittau\/ G\u00f6rlitz (FH) und der TU Dresden genutzt. Dabei konnten sich Studenten \u00fcber thermische Sanierungen von Altbauten vor Ort informieren.<br \/>\nIn den Regionalzeitungen wurde \u00fcber das Pilotprojekt berichtet. Die Fachtagung Klimaschutz und Denkmalschutz &#8211; Gemeinsam f\u00fcr energiegerechte Sanierungen wurde erfolgreich am 17.06.2006 im G\u00f6rlitzer Rathaus durchgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Mit sehr viel pers\u00f6nlichem Engagement, den richtigen Partnern und zielstrebigem Handeln ist es ohne weiteres m\u00f6glich, den Niedrigemissionsstandard auch mit einer moderaten W\u00e4rmed\u00e4mmung unter Beibehaltung des historischen Erscheinungsbildes an den denkmalgesch\u00fctzten Fassaden zu erreichen. Die Herangehensweise und die umgesetzten Ma\u00dfnahmen sind beispielgebend f\u00fcr \u00e4hnliche Objekte. Die Anforderungen der Denkmalpflege und die Belange des Umwelt- und Klimaschutzes konnten bei dieser Sanierung in Einklang gebracht werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Der europ\u00e4ische Kulturraum wird mit einer gro\u00dfen Zahl von Herausforderungen im Rahmen der Sanierungen denkmalgesch\u00fctzter Geb\u00e4ude konfrontiert. 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