{"id":23340,"date":"2023-07-13T15:23:07","date_gmt":"2023-07-13T13:23:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/21193-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:23:10","modified_gmt":"2023-07-13T13:23:10","slug":"21193-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/21193-01\/","title":{"rendered":"Verringerung des Fungizidaufwandes durch Pflanzgutbeizung gegen Phytophthora infestans im Kartoffelanbau"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Besonders in Jahren mit nasser Fr\u00fchjahrswitterung wird fr\u00fcher auftretender und st\u00e4rkerer St\u00e4ngelbefall (Prim\u00e4rbefall) durch Phytophthora infestans, dem Erreger der Kraut- und Knollenf\u00e4ule, in den Kartoffel-feldern beobachtet. An der TU M\u00fcnchen konnte im Rahmen einer Dissertation durch eine Beizung von k\u00fcnstlich inokuliertem Pflanzgut mit verschiedenen Oomycetenfungiziden eine Absicherung des Spritzstartzeitraumes, die Reduktion des Prim\u00e4rbefalls sowie eine Verringerung der Epidemiegeschwindigkeit nachgewiesen werden.<br \/>\nDie Einf\u00fchrung der Pflanzgutbeizung gegen diesen Schaderreger in die landwirtschaftliche Praxis ist Hauptziel dieses Projektes. Die Landwirte w\u00e4ren nach einer Beizung der Pflanzknollen in der Lage, ihre prophylaktischen Spritzungen gegen die Krautf\u00e4ule zu verringern (Reduktion der Gesamtmenge an ausgebrachten Fungiziden). Infolge des Versicherungseffektes k\u00f6nnten Sie Ihre Bek\u00e4mpfungsstrategie n\u00e4her an den Prognosemodellen ausrichten. Zudem ist durch die punktgenaue Applikation der Fungizide die Gefahr eines Eintrages von Pflanzenschutzmitteln durch Abdrift oder Verdunstung in terrestrische Nichtzielfl\u00e4chen und Oberfl\u00e4chengew\u00e4sser deutlich reduziert.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenPr\u00fcfung der gro\u00dftechnischen Applikationsger\u00e4te ULV-Spr\u00fchger\u00e4t und Legemaschine mit Beizzubeh\u00f6r in Freilandversuchen mit k\u00fcnstlich infizierten Pflanzknollen. Einzelpflanzenbonituren f\u00fcr Auflauf und Epidemie (St\u00e4ngel- und Blattbefall) sowie Bestimmung der Erntemengen.<br \/>\nBlattprobentest im Zeitfenster 10 bis 20 Tage nach Auflauf zur \u00dcberpr\u00fcfung der Nachlieferung von Wirkstoff aus dem Knollenbereich in den Blattapparat: Dabei werden nach einer k\u00fcnstlichen Infektion mit Sporangiensuspension die entnommenen Blattproben auf Befallst\u00e4rke hin gepr\u00fcft. Der Versuch wird im Phytotron unter kontrollierten Licht- und Temperaturbedingungen durchgef\u00fchrt.<br \/>\nGew\u00e4chshausversuch zur \u00dcberpr\u00fcfung der maximalen Aufwandmenge: In einem Dosissteigerungs-Versuch mit dem ULV-Spr\u00fchger\u00e4t wird getestet, ob Obergrenzen f\u00fcr die applizierbaren Fungizidmengen pro Knolle existieren. Von zentraler Bedeutung ist dabei die Feststellung von Auflaufverringerungen ab einer gewissen Konzentration Wirkstoff pro Knolle.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>In zweij\u00e4hrigen Freilandversuchen konnte durch eine k\u00fcnstliche Infektion der Pflanzknollen die Anzahl prim\u00e4rbefallener Pflanzen erh\u00f6ht werden. Die Knollenbehandlung f\u00fchrte bei keiner der beiden Applikationstechniken zu einer Verz\u00f6gerung des Auflaufes. Des weiteren war durch die  Pflanzgutbeizung eine Erh\u00f6hung der Anzahl aufgelaufener Kartoffelstauden m\u00f6glich, welche zuvor mit dem Erreger Phytophthora infestans k\u00fcnstlich infiziert worden waren. Durch die Beizung des Pflanzgutes konnte neben der Ver-z\u00f6gerung des Ausbruches der Krautf\u00e4ule zwischen 18 und 21 Tagen auch die Epidemiegeschwindigkeit vermindert werden. Die technisch bedingte h\u00f6here Wirkstoffkonzentration beim ULV-Verfahren konnte sich vor allem im zweiten Versuchsjahr durch einen niedrigeren St\u00e4ngel- und Blattbefall sowie einem h\u00f6heren Ertragsniveau mitteilen. Im Rahmen der Detached-leaf-Tests konnten eine Nachlieferung von Wirkstoffen aus dem Beizhof der Pflanzknolle in den Blattapparat nachgewiesen werden. Bis zu 46 Tage nach dem Legetermin waren noch statistisch absicherbare Unterschiede zwischen Varianten mit systemischen Wirkstoffen und der unbehandelten Kontrolle zu ermitteln. Im Vergleich zur unbehandelten Kon-trolle war eine Steigerung des Ertrages bei den behandelten Varianten m\u00f6glich. Im Rahmen eines Gew\u00e4chshausversuches ergaben sich klare Obergrenzen f\u00fcr die Konzentration der gepr\u00fcften Wirkstoffe hinsichtlich der Parameter Triebanzahl und Triebh\u00f6he. Die Nachstellung einer Slow-release-Formulierung durch die Beimischung eines Emulsionspolymers brachte eine Erh\u00f6hung der Triebanzahl je Topf bei allen Konzentrationen der Wirkstoffkombination Fluazinam und Metalaxyl-M mit sich.<br \/>\nDie Bewertung der Fungizide hinsichtlich ihrer Wirkung beim Einsatz als Knollenbeize l\u00e4sst sich einteilen in ein schw\u00e4cher wirkendes Kontaktfungizid und besser arbeitende systemische Pr\u00e4parate. Die Zugabe des Emulsionspolymers zur Streckung des Zeitraumes der Wirkstoffabgabe zeigte, dass bei der Formulierung der Beize durch die chemische Pflanzenschutzmittelindustrie noch Potential zur Optimierung vor-handen ist.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Projektlaufzeit bestand die Gelegenheit, Ausz\u00fcge der Arbeiten w\u00e4hrend der Deutschen Pflanzenschutztagung in Hamburg und den Kartoffelbautagungen der Deutschen Phytomedizinischen Gesellschaft bei der Biologischen Bundesanstalt in Braunschweig vorzustellen. Des weiteren konnte in der Fachzeitschrift Kartoffelbau  ein Artikel zu diesem Themenkomplex platziert werden.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Eine Verringerung des Fungizidaufwandes durch eine Pflanzgutbeizung gegen Phytophthora infestans ist infolge der Absicherung des entscheidenden Spritzstartes im Rahmen von Prognosemodellen und der damit verbundenen Einsparung prophylaktischer Spritzungen durchaus m\u00f6glich. Bei einem Vergleich der gepr\u00fcften Applikationstechniken erm\u00f6glichte die ULV-Technik (AT I) eine insgesamt geringere Intensit\u00e4t der Prim\u00e4rbefallsentwicklung. Zudem war durch diese Technik eine punktgenaue Applikation der Fungi-zide m\u00f6glich. Stark verbesserungsbed\u00fcrftig ist jedoch die Verringerung der Kontamination von Ger\u00e4tschaften und Personal durch die Wirkstoffe. Hier ist eine Absauganlage mit Luftfilter denkbar. Die Beiz-behandlung w\u00e4hrend des Legevorgangs konnte zwar hinsichtlich der Verz\u00f6gerung des Erstbefalles an AT I nicht heranreichen, jedoch war ihr Einsatz anwenderfreundlicher. Verbleibende Restmengen an Fungizid konnten problemlos aufgefangen werden. Ein gro\u00dfer Vorteil dieser Applikationstechnik ist zudem die m\u00f6gliche Kombination der Bek\u00e4mpfung des Krautf\u00e4uleerregers mit der schon praxisg\u00e4ngigen Rhizoctonia-Behandlung. Hierbei m\u00fcsste lediglich noch die Vertr\u00e4glichkeit von Wirkstoffkombinationen gegen beide Schaderreger gepr\u00fcft werden.<br \/>\nSchlussendlich liegt es derzeit bei den Inhabern der Wirkstoffe, eine Zulassung zur Beizanwendung gegen Phytophthora infestans im Kartoffelbau zu betreiben, da die Indikationsvorschriften eine Anwendung von Spritzmitteln zur Blattapplikation f\u00fcr eine Beizbehandlung derzeit nicht zulassen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Besonders in Jahren mit nasser Fr\u00fchjahrswitterung wird fr\u00fcher auftretender und st\u00e4rkerer St\u00e4ngelbefall (Prim\u00e4rbefall) durch Phytophthora infestans, dem Erreger der Kraut- und Knollenf\u00e4ule, in den Kartoffel-feldern beobachtet. 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