{"id":23312,"date":"2023-09-21T10:32:05","date_gmt":"2023-09-21T08:32:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/21113-01\/"},"modified":"2023-09-21T10:32:07","modified_gmt":"2023-09-21T08:32:07","slug":"21113-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/21113-01\/","title":{"rendered":"Modellhafte Konzeption zur Revitalisierung eines nordwestdeutschen Tieflandbachs am Beispiel der Kimmer-Brookb\u00e4ke, Hasbruch"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Das Projektziel beinhaltet die modellhafte Revitalisierung eines naturfern ausgebauten Geestbachs, der Kimmer-Brookb\u00e4ke, im Vorwaldbereich sowie innerhalb des europaweit wertvollen und gesch\u00fctzten Waldgebietes Hasbruch. Der Wasserhaushalt ist kennzeichnender \u00f6kologischer Standortfaktor f\u00fcr Waldgebiet und Waldvorland. Technisch ausgebaute Gew\u00e4sserabschnitte sollen wieder landschaftstypische Naturschutzqualit\u00e4ten erhalten, d. h. in die umgebenden Fl\u00e4chen ausufern k\u00f6nnen und auetypische Strukturen entstehen lassen.<br \/>\nZiel ist die Verbesserung der nat\u00fcrlichen Lebensraumqualit\u00e4ten im Sinne einer nachhaltigen Umweltvorsorge, auch im Hinblick auf das Waldnaturschutzgebiet. Als Modellbeispiel k\u00f6nnen die gewonnenen Erkenntnisse im nordwestdeutschen Landschaftsraum der Geest &#8211; durch wissenschaftliches Monitoring \u00fcber die Projektlaufzeit gest\u00fctzt &#8211; im Zuge von Hochwasserschutzma\u00dfnahmen Verwendung finden.<br \/>\nIn einer 2002 von der DBU bereits gef\u00f6rderten Vorphase wurden Realisierungsalternativen gepr\u00fcft.<br \/>\nMit der Umsetzung des Revitalisierungskonzeptes f\u00fcr die Brookb\u00e4ke sollten folgende Ziele erreicht werden:<br \/>\n&#8211;\tWiederherstellung einer naturnahen Gew\u00e4ssermorphologie (Linienf\u00fchrung, Querprofilgestalt, Struktur und Str\u00f6mungsvarianz),<br \/>\n&#8211;\tVerbesserung der Gew\u00e4sserqualit\u00e4t und<br \/>\n&#8211;\tNormalisierung der hydrologischen Situation (Verringerung der Flie\u00dfgeschwindigkeiten, Reaktivie-rung von Retentionsr\u00e4umen).<br \/>\nDie R\u00fcckf\u00fchrung der abiotischen Faktoren auf eine naturnahe Auspr\u00e4gung ist grunds\u00e4tzlich eine Vo-raussetzung f\u00fcr die Entwicklung der naturraumtypischen Fauna und Flora im und am Gew\u00e4sser.<br \/>\nEin weiterer wichtiger Projektbaustein ist die Verbesserung der Gew\u00e4sserg\u00fcte durch die R\u00fcckhaltung und Reinigung der eingeleiteten Abw\u00e4sser der BAB A 28 in die Brookb\u00e4ke. Durch die Schutzma\u00dfnahmen sollte die stoffliche Belastung des Gew\u00e4ssers reduziert, eine Vorsorge gegen Kontaminationen bei Unf\u00e4llen mit wassergef\u00e4hrdenden Stoffen getroffen und eine D\u00e4mpfung der von den versiegelten Fl\u00e4-chen eingeleiteten Abflussspitzen erreicht werden.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten Methoden\u00a2\tGenehmigungsplanung und Grundst\u00fcckserwerb: Planfeststellungsbeschluss 03.11.2005, Grunderwerb von ca. 13 ha; Pachtvertr\u00e4ge zur extensiven Bewirtschaftung des Gr\u00fcnlands wurden 2005 geschlossen, Fl\u00e4chen im Besitz der Nieders\u00e4chsischen Landesforsten werden ebenfalls extensiv bewirtschaftet.<br \/>\n\u00a2\tRevitalisierungsma\u00dfnahmen am Gew\u00e4sser (Zeitraum 2006-2008):<br \/>\n\tProjektierung der neuen Gew\u00e4sserabschnitte (L\u00e4nge 100 bis 150 m) bei jeder Laufverl\u00e4ngerung neben dem vorhandenen, ausgebauten Gew\u00e4sserabschnitt; Orientierung der Linienf\u00fchrung an dem nat\u00fcrlichen Windungsgrad der Brookb\u00e4ke sowie den \u00f6rtlichen kleinr\u00e4umigen Boden- und H\u00f6henverh\u00e4ltnissen;<br \/>\n\tVorprofilierung von sieben Laufverl\u00e4ngerungen: zeitgleiche Entwicklung von je zwei Teilstrecken in Jagdh\u00fcttenwiese bzw. Habbr\u00fcgger Wiese, Umsetzung darauf folgender Rem\u00e4andrierungen bachabw\u00e4rts nach jeweils einem Jahr Entwicklungszeit (ausreichendes Gef\u00e4lle zur optimalen Nutzung der Erosionskr\u00e4fte); Vorprofilierung durch Abtrag des Oberbodens (bis 0,5 bis 0,7 m unter Gel\u00e4nde, Breite ca. 2-3 m) mit dem Bagger; einseitige Absperrung des alten Verlaufs und Umleitung der Brookb\u00e4ke in die vorprofilierte Rinne; Gestaltung der Querprofilgeometrie mit unterschiedlichen Sohlsubstraten und Str\u00f6mungszonen durch Nutzung der eigendynamischen Kr\u00e4fte des Gew\u00e4ssers,<br \/>\n\tErrichtung von zwei Sandf\u00e4ngen unterhalb jeder Teilstrecke, um ein Verdriften des aus den Laufverl\u00e4ngerungen erodierten Sandmaterials in die Waldstrecke zu verhindern.<br \/>\n\tAnlage einer einseitigen, flachen Sekund\u00e4raue auf einer L\u00e4nge von 260 m, \u00dcberdeckung der Betonhalbschalen durch Kiessubstrate (n\u00f6rdlich der Autobahn A 28),<br \/>\n\tSchaffung von Sekund\u00e4rauenbiotopen durch seitliche Aufweitungen (s\u00fcdlich der Autobahn A 28).<br \/>\n\tEinbau von Totholz-Str\u00f6mungslenkern in der Waldstrecke der Brookb\u00e4ke.<br \/>\n\u00a2\tUmweltbildung: Bachpatenschaft durch das Regionale Umweltbildungszentrum Hollen, u. a. Koordination und Unterst\u00fctzung der Aktivit\u00e4ten von ausgew\u00e4hlten Schulen aus der Region.<br \/>\n\u00a2\t\u00d6ffentlichkeitsarbeit: Exkursionen, Informationsveranstaltungen, Einrichten der Internetseite, Pressemitteilungen, Berichte in regionalen und \u00fcberregionalen Ver\u00f6ffentlichungen.<br \/>\n\u00a2\tVerbesserung der Gew\u00e4sserg\u00fcte: R\u00fcckhaltung und Reinigung belasteten Niederschlagswasser von der Autobahn A 28 vor Einleitung in die Brookb\u00e4ke, Anlage von zwei R\u00fcckhaltebecken sowie von Drosselbauwerken zum Schwimmstoffr\u00fcckhalt<br \/>\n\u00a2\tWissenschaftliches Monitoring Ermittlung der \u00f6kologischen Auswirkungen v. a. auf Boden-Wasserhaushalt und Hochwasserretention in der Gew\u00e4sseraue (Zeitraum 2004-2010), v. a. \u00fcber:<br \/>\n\tStrukturentwicklung und Gew\u00e4ssermorphologie: u.a. Strukturaufzeichnungen bei mehrfach pro Jahr durchgef\u00fchrten Begehungen, Vermessung ausgew\u00e4hlter Bereiche,<br \/>\n\tFische und Makrozoobenthos: Elektrobefischung sowie halbquantitative Probenahme des Makrozoobenthos entsprechend DIN 38410,<br \/>\n\tVegetation: fl\u00e4chendeckende Biotoptypenkartierung, Erfassung von Indikatorarten, Vegetationsaufnahmen auf Dauerbeobachtungsfl\u00e4chen; Dokumentation der Vegetationsentwicklung im Wasser und auf Rohbodenstandorten,<br \/>\n\tOberfl\u00e4chen- und Grundwasser: Einrichtung von sechs Messpegeln, davon vier mit Datenlogger und zwei mit manuellen Ablesungen, Auswertung von Niederschlagsdaten des DWD,<br \/>\n\tChemische Gew\u00e4sseruntersuchungen: Probenahme im Flie\u00dfgew\u00e4sser ober- und unterhalb der Revitalisierungsstrecken sowie einmalige Probenahmen der Autobahnabfl\u00fcsse sowie der Ausm\u00fcndung einer Drainageleitung.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Insgesamt hat sich im Laufe des Projektzeitraums gezeigt, dass das gew\u00e4hlte Konzept, die Ausgestaltung der Gerinnegeometrie durch die eigendynamischen Kr\u00e4fte des Gew\u00e4ssers durchf\u00fchren zu lassen, der richtige Weg zur Renaturierung kleinerer Flie\u00dfgew\u00e4sser ist. Werden die neu gebauten Querprofile so klein wie m\u00f6glich gew\u00e4hlt, kann sich das Gew\u00e4sser an die hydraulischen Randbedingungen optimal anpassen.<br \/>\nDie Entwicklung der neu gebauten Schleifen ist nach dem Monitoringzeitraum noch l\u00e4ngst nicht abgeschlossen. So entwickeln sich derzeit die in der letzten Bauphase errichteten Laufverl\u00e4ngerungen erkennbar weiter. Nach der Anpassung der Gerinnegeometrie in den unteren Schleifen wird auch der R\u00fcckstau in die zuerst gebauten Gew\u00e4sserabschnitte sinken, so dass die dort im ersten Jahr nach dem Anschluss der Schleife freigesp\u00fclten Kiessubstrate wieder ihre strukturverbessernde Wirkung entfalten k\u00f6nnen und der Erosionsprozess auch dort weiter fortschreiten kann.<br \/>\nSchon im Jahr 2007 wurden erste Erlenkeimlinge an den neuen Gew\u00e4sserstrecken festgestellt. Im Jahr 2009 erreichten die \u00e4ltesten Best\u00e4nde schon H\u00f6hen von bis zu 3 m. Bei weiterem Wachstum stellen bachbegleitende Erlen wichtige, nat\u00fcrliche Strukturelemente dar. Erlen befestigen durch ihr Wurzelwerk die Uferb\u00f6schungen und dienen zugleich als Unterst\u00e4nde f\u00fcr Flie\u00dfgew\u00e4sserarten. Ausschlaggebend f\u00fcr die \u00fcberraschend z\u00fcgige Besiedlung sind die vorhandenen Erlenbest\u00e4nde im Nahbereich sowie im Oberlauf der Revitalisierungsstrecke.<br \/>\nDurch die zwischenzeitlich stattgefundene Stabilisierung der B\u00f6schungen durch die Vegetation, v. a. Erlen, wird auch die Breitenerosion verringert und die im Untergrund vorhandenen Kiese werden nach und nach freigesp\u00fclt werden. Der R\u00fcckstau in die oberste Schleife der Habbr\u00fcgger Wiesen wird sich mittelfristig verringern, jedoch sind hier kaum weitere strukturverbessernde Erosionsprozesse zu erwarten, da aufgrund der beschriebenen Ausf\u00fchrungsungenauigkeit eine Breitenerosion eingetreten ist, die das Profil ung\u00fcnstig erweitert. Die Verringerung des R\u00fcckstaus wird jedoch zu einer Erh\u00f6hung der Flie\u00dfgeschwindigkeiten gegen\u00fcber den heute fast stehenden Verh\u00e4ltnissen bei geringen Abfl\u00fcssen f\u00fchren.<br \/>\nAus dem Abschnitt der Sekund\u00e4raue unterhalb der Autobahn erfolgt bislang kein Eintrag sandiger Sedimente, so dass eine Einengung der gro\u00dfen Sohlbreiten durch Geschiebeeintrag aus dem Oberlauf mittelfristig kaum zu erwarten ist. Die auf Forderung des Unterhaltungsverbands errichteten Sandf\u00e4nge beeinflussen den Geschiebetransport nachteilig. Die begradigte Brookb\u00e4ke zwischen den Habbr\u00fcgger Wiesen und der Jagdh\u00fcttenwiese wirkt aufgrund der Gew\u00e4sserbreite und -tiefe ebenfalls wie ein Sandfang, so dass voraussichtlich auch mittelfristig kaum Sedimenttransport zwischen den beiden Projektabschnitten stattfinden wird.<br \/>\nEntscheidenden Einfluss auf die naturnahe Entwicklung der neu gestalteten Brookb\u00e4ke haben neben den geschilderten dynamischen morphologischen Prozessen auch die gelegentlich hohen Phosphat- und Nitratwerte, die die im Sommer 2009 zu beobachtende, teilweise erhebliche Algenentwicklung beg\u00fcnstigten. Sie f\u00fchrte zu starken Krautstaueffekten, wodurch die Gerinnenentwicklung nur sehr langsam ablief. Die Ursache f\u00fcr das Algenwachstum ist in einer periodisch erheblichen N\u00e4hrstoffbelastung der Brookb\u00e4ke zu vermuten. Die N\u00e4hrstoffe stammen vermutlich aus den zahlreichen Drainageausl\u00e4ufen der intensiv landwirtschaftlich genutzten Fl\u00e4chen des Oberlaufs. Bei einer einmaligen Beprobung eines Auslaufs wurden sehr hohe N\u00e4hrstoffkonzentrationen ermittelt. Neu etablierte bzw. beeinflusste Gew\u00e4ssersysteme, wie die Brookb\u00e4ke nach der Umgestaltung, sind zun\u00e4chst recht artenarm. Eine Art, bzw. eine Artengruppe wie die Fadenalgen, die auf g\u00fcnstige Bedingungen trifft, kann hier schnell ohne gro\u00dfen Konkurrenzdruck eine freie \u00f6kologische Nische besetzen und sich verbreiten. Es ist zu erwarten, dass die weitere dynamische Entwicklung des \u00d6kosystems hier zu einer Regulation f\u00fchrt, die die weitere dynamische Entwicklung der Gew\u00e4ssermorphologie beg\u00fcnstigt.<br \/>\nDie starke Verockerung der Brookb\u00e4ke im Oberlauf stellt ein Problem dar, das die Lebensraumqualit\u00e4t der sich entwickelnden naturnahen Gew\u00e4sserstrukturen deutlich reduzieren kann. Die Verockerung ist im Wesentlichen auf ver\u00e4nderte Grundwasserregime und Dr\u00e4nagen im Oberlauf zur\u00fcckzuf\u00fchren.<br \/>\nDie aus Kreisen der Landwirtschaft ge\u00e4u\u00dferten Bef\u00fcrchtungen, das Projekt k\u00f6nnte zu R\u00fcckstau- und Vern\u00e4ssungseffekten in oberhalb der A 28 gelegenen landwirtschaftlich genutzten Bereichen f\u00fchren, konnten ausger\u00e4umt werden. Die Auswertung von projektbezogenen Messpegeldaten zeigt keinen Anstieg der Wasserst\u00e4nde an. Durch die Verbreiterungen des Bachgerinnes n\u00f6rdlich und s\u00fcdlich der Autobahn sowie durch das breite Profil der obersten Schleife  sind auch zuk\u00fcnftig keine Vern\u00e4ssungseffekte zu erwarten.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Auf der Internetseite der Naturschutzstiftung des Landkreises Oldenburg wird das Projekt Brookb\u00e4ke seit 2005 pr\u00e4sentiert.<br \/>\nDie regionale Presse wurde regelm\u00e4\u00dfig seit 2003 \u00fcber das Projekt informiert. Der Fortschritt der Bauma\u00dfnahmen, der Anschluss der neuen Gew\u00e4sserstrecken, die Beteiligung von Schulen und zahlreichen unterst\u00fctzenden Organisationen wurden so der \u00d6ffentlichkeit mitgeteilt.<br \/>\nVor Ort im Hasbruch wurden vor Baubeginn und nach Fertigstellung der Bauma\u00dfnahmen wetterfeste Informationstafeln aufgestellt.<br \/>\nDas Projekt wurde des Weiteren in dem Jahrbuch f\u00fcr den Landkreis Oldenburg (2009) und in dem DBU Jahresbericht 2007 vorgestellt. Im Rahmen des F+E Vorhabens Verbesserungsm\u00f6glichkeiten f\u00fcr die biologisches Vielfalt in ausgebauten Gew\u00e4sserabschnitten wurde auch die Renaturierungsma\u00dfnahme an der Brookb\u00e4ke ausgewertet.<br \/>\nIm Jahr 2009 wurde vom NDR ein Bericht \u00fcber den Hasbruch gedreht und gesendet, in dem der Revierf\u00f6rster (Jens Meier) den Hasbruch vorstellte und u. a. auch die Revitalisierung der Brookb\u00e4ke von einem Mitarbeiter des NLWKN (Volker Knuth) vorgestellt wurde.<br \/>\nZum Abschluss des Projektes wurde 2010 zudem ein Aussichtsturm am n\u00f6rdlichen Ende der Jagdh\u00fcttenwiese errichtet. Von hier aus k\u00f6nnen die drei neuen Gew\u00e4sserstrecken betrachtet werden.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Der gew\u00e4hlte Ansatz der Gew\u00e4sserrenaturierung \u00fcber die gestaltende Wirkung der Eigendynamik kann bei kleineren Gew\u00e4ssern vielerorts angewendet werden. Voraussetzung f\u00fcr eine erfolgreiche Umsetzung sind vor allem eine ausreichende Fl\u00e4chenverf\u00fcgbarkeit und ein nutzbares Gef\u00e4lle. So k\u00f6nnen z. B. nicht mehr ben\u00f6tigte Stauanlagen wie ehemalige Kulturstaue durch Laufverl\u00e4ngerungen aufgehoben werden. Das lokal am Stau abgebaute Gef\u00e4lle muss dann auf eine entsprechende Gew\u00e4sserl\u00e4nge verteilt werden, wobei das gebaute bzw. sich letztlich entwickelnde L\u00e4ngsgef\u00e4lle naturnahen Verh\u00e4ltnissen entsprechen sollte. Bei der Umsetzung sind folgende Aspekte zu ber\u00fccksichtigen:<br \/>\n&#8211;\tIn der Planungsphase sollte eine \u00dcberpr\u00fcfung der stofflichen G\u00fcte (N\u00e4hrstoffe, Eisenocker) des Ge-w\u00e4ssers stattfinden.<br \/>\n&#8211;\tSowohl Tiefe als auch Breite der neuen Gew\u00e4sserstrecken sollen so gering wie m\u00f6glich geplant werden. Gerade die oftmals gegen\u00fcber dem nat\u00fcrlichen Zustand ver\u00e4nderten Abflussverh\u00e4ltnisse zwischen MNQ und HQ machen eine plausible Vordimensionierung sehr schwierig, so dass gen\u00fcgend Puffer f\u00fcr die Eigendynamik eingeplant werden sollte.<br \/>\n&#8211;\tUm \u00fcberm\u00e4\u00dfige Breitenerosionen bei sandigen B\u00f6den am Anfang der Entwicklung zu vermeiden, empfiehlt sich der hydraulische Anschluss der Neubaustrecke erst nach einer Konsolidierungsphase, in der die B\u00f6schungen durch die Vegetationsentwicklung stabilisiert werden (voraussichtlich 1 Jahr, bei rein sandigen B\u00f6den mit geringen organischen Anteilen eventuell sogar l\u00e4nger).<br \/>\n&#8211;\tBis zum Aufkommen uferstabilisierenden Erlenbewuchses ausreichender Gr\u00f6\u00dfe kann ein Teil des Hochwasserabflusses \u00fcber den verk\u00fcrzten Verlauf abgeleitet werden, indem der Absperrdamm niedriger als das Gel\u00e4ndeniveau gebaut wird. Dies kann auch zur Beibehaltung der Hochwasserneutralit\u00e4t oberhalb der Bauma\u00dfnahme notwendig sein. Durch die Abflussaufteilung werden die Flie\u00dfgeschwindigkeiten im neuen Verlauf im Hochwasserfall begrenzt, so dass auch \u00fcberm\u00e4\u00dfige Breitenerosionen vermindert werden k\u00f6nnen. Nach der Stabilisierung der Ufer durch den Erlenbewuchs kann ggf. der Absperrdamm erh\u00f6ht werden und der Abfluss ausschlie\u00dflich \u00fcber die Laufverl\u00e4ngerung geleitet werden.<br \/>\n&#8211;\tZus\u00e4tzlich strukturverbessernde Einbauten wie Totholz oder St\u00f6rsteine sollten erst nach der Stabilisierung der Ufer vorgenommen werden, um lokale Uferabbr\u00fcche mit daraus folgenden \u00dcberbreiten der Gew\u00e4ssersohle durch die an den St\u00f6relementen auftretenden Str\u00f6mungsver\u00e4nderungen zu vermeiden.<br \/>\nLetztlich bedarf es einer gewissen Geduld, bis sich durch die eigendynamischen Kr\u00e4fte die gew\u00fcnschte Strukturentwicklung eingestellt hat. Morphologische Prozesse laufen gerade bei kleineren Gew\u00e4ssern mit geringer Wasserf\u00fchrung und erosionsstabileren Untergr\u00fcnden nur vergleichsweise langsam ab. Da aber auch die f\u00fcr eine naturnahe Entwicklung erforderliche Ufergeh\u00f6lzentwicklung einige Jahre braucht, sollten diese Zeitr\u00e4ume in die Planung einkalkuliert werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Das Projektziel beinhaltet die modellhafte Revitalisierung eines naturfern ausgebauten Geestbachs, der Kimmer-Brookb\u00e4ke, im Vorwaldbereich sowie innerhalb des europaweit wertvollen und gesch\u00fctzten Waldgebietes Hasbruch. Der Wasserhaushalt ist kennzeichnender \u00f6kologischer Standortfaktor f\u00fcr Waldgebiet und Waldvorland. 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